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16 Pflanzliche Abführmittel im Test

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ÖKO-TEST Mai 2011 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 29.04.2011

16 Pflanzliche Abführmittel im Test

Viele Menschen leiden unter Verstopfung. Um Abhilfe zu schaffen, ist Pflanzenmedizin eine gute Wahl. Die Mehrzahl der Testprodukte schneidet mit "sehr gut" ab.

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Verstopfung kann viele Ursachen haben - zum Beispiel ballaststoffarme Ernährung oder zu wenig Bewegung. Aber auch Medikamente wie Blutdrucksenker oder starke Schmerzmittel können den Darm träge machen. Abführmittel versprechen da schnelle Hilfe. Allerdings nehmen auch viele Menschen solche Mittel, weil sie glauben, einmal am Tag auf die Toilette zu müssen. Dabei gibt es keinen Normalstuhlgang: Zwischen dreimal am Tag und dreimal in der Woche ist alles normal.

ÖKO-TEST hat 16 rezeptfreie pflanzliche Abführmittel eingekauft, begutachten lassen, Deklaration und Hilfsstoffe unter die Lupe genommen und einige Präparate stichprobenartig auf Pestizide untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Mehr als die Hälfte der getesteten Produkte schneidet mit "sehr gut" ab. Ein Mittel beurteilen wir aufgrund eines leberschädigenden Inhaltsstoffs und einer zu drastischen Wirkung mit "ungenügend".

Mittel der Wahl bei Verstopfung sind Quellmittel auf Basis von Indischen Flohsamen und -schalen (Plantago ovata). Wichtig ist, sie - entsprechend den Angaben in der Gebrauchsinformation - mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Andernfalls kann das Arzneimittel schon im Rachen oder in der Speiseröhre aufquellen, diese blockieren und unter Umständen zur Erstickung führen.

Bei den anderen Präparaten im Test handelt es sich um stimulierende Abführmittel. Sie reizen die Darmwand, der Darm zieht sich häufiger zusammen, was wiederum den Transport des Speisebreis beschleunigt. Die Wirkstoffe aus Sennesfrüchten und -blättern sowie Cascararinde (auch als Amerikanische Faulbaum- oder Kreuzdornrinde bekannt) sind für die kurzzeitige Anwendung geeignet (maximal eine bis zwei Wochen). Andernfalls tritt ein Gewöhnungseffekt ein und die Wirkung bleibt aus. Teeaufgüsse sollten möglichst abends vor dem Schlafengehen getrunken werden, da die Wirkung dann morgens eintritt.

Rizinusöl gilt zwar mittlerweile als veraltet, seiner Wirksamkeit tut das aber keinen Abbruch. Allerdings sind pro Tag drei bis fünf der Laxopol 1,0 g, Weichkapseln zu schlucken, damit der Effekt einsetzt, was in der Regel acht Stunden später der Fall ist.

Die Modepflanze Aloe vera wirkt dagegen durchschlagend, nach unserer Auffassung aber etwas "zu stark". "Sie ist die am stärksten wirkende Anthranoiddroge", sagt ÖKO-TEST-Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz. Das ist über längere Zeit riskant. Denn ständige Durchfälle können zu einem Kaliummangel führen. Fehlt dieser Mineralstoff dem Körper, verschlimmert sich die Verstopfung, sodass man irgendwann nur noch mithilfe der Pillen aufs stille Örtchen kann. Hohe Verluste an Kalium und anderen Spurenelementen verursachen außerdem Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche.

Die Chol-Kugeletten Neu von Anbieter Dolorgiet enthalten neben Aloe noch Schöllkraut. Dieses soll den Gallefluss und damit die Verdauung anregen. Dies ist in Abführmitteln nicht nur überflüssig, sondern auch mit einem Risiko be


Pflanzliche Medikamente, Abführmittel: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Metamucil Orange, Pulver zum Einnehmen
  • Wick Pharma

Agiolax Madaus, Granulat
  • Rottapharm-Madaus

Chol-Kugeletten Neu, überzogene Tabletten
  • Dolorgiet

Legapas Tabletten
  • Pascoe

Pascomucil Indisches Flohsamenschalen-Pulver
  • Pascoe

Ramend Abführtee Instant N, Pulver
  • Queisser

Midro Abführtabletten
  • Midro Lörrach

Neda Früchtewürfel
  • Novartis Consumer Health

Kräuterlax Dr. Henk, überzogene Tabletten
  • Dolorgiet

Mucofalk Orange, Granulat
  • Dr. Falk Pharma

Laxopol 1,0 g, Weichkapseln
  • Pohl-Boskamp

Bekunis Kräutertee N
  • Roha

Flosine Balance, Granulat
  • Quiris Healthcare

Depuran Dragees, überzogene Tabletten
  • McNeil

Alasenn Kräutergranulat
  • Pharma Schwörer

Bad Heilbrunner Abführ Tee, Filterbeutel
  • Bad Heilbrunner

16 Pflanzliche Abführmittel im Test
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 40
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 41
ÖKO-TEST Mai 2011 Seite 42

3 Seiten
Seite 40 - 42 im ÖKO-TEST Mai 2011
vom 29.04.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Alle pflanzlichen Arzneimittel wurden in der Apotheke gekauft. Auf freiverkäufliche Präparate wie Spitzwegerich enthaltende Hustenmittel, die vor allem im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Drogerie gekauft werden, haben wir bewusst verzichtet. Denn auch wenn die Wirkstoffe auf pflanzlichen Auszügen basieren, handelt es sich um Arzneimittel, die nicht unbedingt ohne fachliche Beratung gekauft und konsumiert werden sollten. Auch nicht berücksichtigt haben wir äußerlich anzuwendende Pflanzenarzneien, die es zur Behandlung von Venenleiden oder Gelenkschmerzen gibt. Unter dem Strich kamen so 115 Produkte zum Einnehmen für sieben verschiedene Anwendungsgebiete zusammen. Die Tests verteilen sich auf zwei Hefte.

Die pharmakologische Begutachtung

Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, haben wir mit der Begutachtung der Mittel beauftragt. Seit gut neun Jahren berät uns der pharmazeutische Chemiker von der Universität Frankfurt am Main in allen Fragen rund um das Thema Arzneimittel. Zu seinen Arbeitsgebieten zählt die Entwicklung und Anwendung analytischer Verfahren für die Bioanalytik mit dem Schwerpunkt Naturstoffe und Phytopharmaka. Für seine Stellungnahmen durchforstet Schubert-Zsilavecz medizinische Datenbanken, um zu prüfen, ob und wie gut welche Produkte und welche Wirkstoffe in Studien untersucht worden sind. Die Informationen im Beipackzettel sollen dem Patienten eine sichere Anwendung des Arzneimittels ermöglichen. Wir haben geprüft, ob sie tatsächlich darauf hinweisen, einen Arzt aufzusuchen, wenn nach einer bestimmten Einnahmezeit keine Besserung auftritt oder sich die Beschwerden gar verschlimmern, ob es Altersangaben gibt, die die Einnahme bei Kindern beschreiben (Kinder unter zwölf Jahren brauchen keine Schlafmittel), ob Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beschrieben sind (Johanniskraut kann die Wirkung der Pille beeinträchtigen).

Die Hilfsstoffe

Unter den Hilfsstoffen tauchen immer wieder problematische Vertreter auf, seien es Alkohol, allergieauslösende Farbstoffe oder bedenkliche Weichmacher. Zusätzlich haben wir einige Abführmittel, die keine hochverarbeiteten Extrakte enthalten, stichprobenartig auf Pestizide untersuchen lassen.

Die Bewertung

Das A und O der pharmakologischen Begutachtung ist die Auswertung der publizierten Studien, aber auch Deklarationsmängel fließen hier ein. Im Idealfall ist die Wirksamkeit eines Mittels "sehr gut" belegt, das heißt, mehrere hochwertige klinische Studien förderten positive Resultate ans Tageslicht. Eine Besonderheit bei pflanzlichen Arzneimitteln ist die Unterscheidung zwischen Spezial- und nachgeahmten Extrakten. Konnte ermittelt werden, ob ein Präparat einen in Studien untersuchten Spezialextrakt enthält, schneidet er besser ab als die Nachahmer, deren Wirksamkeit nur angenommen werden kann. Streng um vier Noten werten wir die Verwendung eines Extraktionsmittels ab, das zu nicht oder nicht gut untersuchten Extrakten führt. Dann sind Aussagen über die Wirksamkeit nicht möglich. Hilfsstoffe sind zur Herstellung einer Tablette oder einer Kapsel unerlässlich. Doch sollten sie nicht umstritten oder gar bedenklich sein. Insofern kann die unnötige Verwendung eines allergieauslösenden Farbstoffs ein in der pharmakologischen Begutachtung einwandfreies Produkt am Ende doch in einem nicht ganz so glänzendem Licht dastehen lassen. Denn das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis, das in diesem Fall das Testergebnis Hilfsstoffe wäre.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Mai 2011
ÖKO-TEST Mai 2011

Erschienen am 29.04.2011

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