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14 Kunststoff-Teppichböden im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Teppichböden, Kunststoff

Von der Rolle

Kunststoffteppichböden sind günstig, strapazierfähig und pflegeleicht. Leider stapeln die Hersteller bei der Angabe von Beanspruchungs- und Komfortklassen ab und an etwas zu hoch. Aber die Schadstoffbelastung hält sich in Grenzen.

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14.10.2011 | Parkett passt leider nicht ins Budget, Laminat ist zu ungemütlich. Ein schallschluckender Boden wäre gut, etwas Dämpfendes, Warmes. Das Verlegen soll kein wochenfüllendes Programm werden und außerdem: Wer weiß, wie lange man noch in der Mietwohnung wohnt? Große Investionen verkneift man sich da lieber.

Viele Gründe sprechen für einen Teppichboden aus Kunststofffasern. Die Modelle sind mit teilweise weniger als zehn Euro pro Quadratmeter unschlagbar günstig und dennoch mit einer Beanspruchungsklasse gekennzeichnet, die viel erwarten lässt. Knapp 90 Millionen Quadratmeter sogenannter Tuftingteppiche werden Jahr für Jahr in Deutschland verlegt. Auch wenn das Laminat in den vergangenen dreißig Jahren stark aufgeholt hat und mittlerweile knapp 80 Millionen Quadratmeter jährlich verkauft werden: Der klassische Velours- und Schlingenboden hat noch immer die Nase vorn.

Zu Naturfaserteppichböden aus Ziegenhaar oder Wolle greift der Verbraucher nur selten. Das Stück Natur zu Hause macht zwar optisch was her und sorgt für ein schönes Raumklima, dämmt Schall besonders gut, das natürliche Wollfett wirkt schmutzabweisend. Aber Naturfaserteppiche kosten eine ganze Stange mehr als die synthetische Konkurrenz.

Die Herstellung von Velours- und Schlingenböden basiert auf der gleichen Technik. Beim Tuften stechen Tausende Nadeln ins Trägermaterial ein, von unten wird alles fixiert. Bei Velouren werden die Schlingen, die oben entstehen, aufgeschnitten und anschließend geschoren, um eine samtige Oberflächenstruktur zu er­-

halten. Die Herstellung der Auslegware findet zum Großteil in Europa statt, die großen Firmen sitzen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Anders sieht es bei abgepasster Ware, also bereits zugeschnittenen, abgekettelten und häufig gewebten Teppichen aus. Hier kommt ein großer Teil der Produkte aus der Türkei, aus Ägypten, Indien und China.

Bisher haben wir es bei Teppichböden bei einer Untersuchung der Schadstoffe belassen. Dieses Mal haben wir auch die praktischen Eigenschaften unter die Lupe genommen. Wir wollten wissen, ob die Böden wirklich so strapazierbar und komfortabel sind, wie ihre Hersteller es versprechen. Im Test: 14 Veloursteppichböden in Naturtönen, darunter Produkte aus dem Fachhandel und aus Baumärkten, das Preisspektrum bewegt sich zwischen 8,99 Euro und 55,40 Euro für den Quadratmeter.

Das Testergebnis

Die Schadstoffbelastung der Böden hält sich in Grenzen. Wie schon bei unserem 2004er-Test sind es vor allem die Bleigehalte sowie die mögliche elektrostatische Oberflächenspannung, die zur Abwertung führen. Bei den Praxisprüfungen zeigte sich, dass die Hälfte der Anbieter zu hoch stapelt, was die Strapazierfähigkeit oder Luxusqualität ihrer Böden angeht.

Angeber! Etliche Produkte versprechen zu viel in Sachen Komfort und Strapazierfähigkeit

Bei der Suche nach dem richtigen Teppich ist eine Frage das A und O: Wo soll er liegen? Ein Boden im Flur muss ziemlich viel aushalten können, im Schlafzimmer hingeg

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Der Einkauf

So schön Naturfaserteppiche sind: Sie machen nur einen Bruchteil der Millionen Quadratmeter Teppichböden, die in Deutschland jährlich verlegt werden, aus. Meist entscheiden sich die Kunden für die Synthetikvariante. Derzeit sind helle Naturtöne besonders gefragt, weshalb wir Veloursböden in Beige- bis Brauntönen eingekauft haben. Die Böden sollten strapazierfähig sein und mindestens die Beanspruchungsklasse 22 tragen, bei der Komfortklasse waren wir flexibler. Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren im Fachhandel und in verschiedenen Baumärkten unterwegs. Echte Eigenmarken sucht man bei den Baumärkten vergebens - in der Regel findet man dort günstige Anbieter wie Billermann oder Inver. Oder man vertreibt günstige Produkte großer Hersteller, allerdings unter eigenem Namen. So kommt es, dass wir drei Modelle des Herstellers ITC im Test haben: Eines bestellten wir im Fachhandel, zwei kauften wir bei Baumärkten ein.

Die Materialprüfung

Veloursteppichböden werden im Tuftingverfahren hergestellt. Dabei wird das Garn in das vorgefertigte Trägermaterial eingestickt, in der Regel ein Gewebe oder Vlies aus Polyester oder Polypropylen. Von unten werden die Fäden mit einem Klebstoff fixiert. Da kann einiges an problematischen Stoffen zusammenkommen, weshalb wir die Böden ein straffes Programm haben durchlaufen lassen, etwa auf Weichmacherphthalate und Flammschutzmittel. Über die Oberflächenbehandlung oder den Färbeprozess können umstrittene halogenorganische Verbindungen in die Teppiche gelangen, über die Farben allergisierende Dispersionsfarbstoffe oder krebserregende Azofarbstoffe, aber auch Schwermetalle.
Zum Teil können die verarbeiteten Stoffe natürlich auch ausgasen, weshalb wir eine Messung von flüchtigen organischen Verbindungen beauftragt haben. Darüber hinaus wollen wir wissen, wie stark sich der Boden bei üblicher Reibung mit Socken, nackten Füßen oder Schuhsohlen elektrostatisch auflädt - eine Standardprüfung bei ÖKO-TESTs von Bodenbelägen.

Der Praxistest

Wie sieht der neue Teppichboden in ein paar Jahren aus? Die DIN-Norm EN 1307 sieht zwei Prüfungen vor, die die zu erwartende Abnutzung simulieren. Die Ergebnisse dienen dazu, die Teppiche einer Beanspruchungsklasse zuzuordnen - oder auch nicht. Bei der Tretradprüfung wird der Boden auf Verschleißerscheinungen getestet. Die vier besohlten "Füße" des Tretrads laufen auf einer Teppichbahn vor und zurück, 2.000 Mal. Dann wird gemessen, wie viel Material der Teppich verloren hat. Bei der Aussehensveränderung wird geprüft, ob die Oberfläche des Velours noch lange samtig aussieht und ihre Farbe behält. Dafür wird das Innere der Vetterman-Trommel, die man sich wie ein Hamsterrad vorstellen muss, mit dem jeweiligen Teppichboden ausgekleidet. Das Rad dreht sich, unten rollt eine Stahlkugel mit Kunststoffnoppen hin und her. Nach 5.000 Umdrehungen begutachten fünf Sachverständige, wie sich Oberseitenstruktur und Farbe verändert haben - nach 22.000 Umdrehungen noch einmal. Für die Bestimmung der Komfortklasse wird der Produkt­aufbau geprüft. Je mehr "Luxus-Krönchen" ein Produkt trägt, desto mehr Material muss zum Einsatz gekommen sein, was sich natürlich auch am Preis bemerkbar macht. Die Prüfer kontrollierten deshalb Gewicht und Höhe der Nutzschicht, sowie die Anzahl der Noppen pro Quadratdezimeter. Dann wurde verglichen: Hält der Boden, was uns beim Einkauf versprochen wurde?

Die Bewertung

Bodenbeläge nehmen viel Raum in einer Wohnung ein. Bestenfalls tun sie das schadstofffrei. Nicht weniger wichtig ist, dass ein Teppichboden die sieben bis zehn Jahre, die er seinen Besitzern im Schnitt zu Füßen liegt, ohne größere Blessuren übersteht. Die Kunden müssen sich hierbei auf die Infos verlassen können, die sie beim Kauf des Bodens erhalten. Halten die Böden nicht der Beanspruchung stand, die versprochen wird oder wird bei der Komfortklasse zu hoch gestapelt, so gibt das Punktabzug. Alles in allem kann ein Boden nicht besser sein als sein schlechtestes Einzelergebnis.

So haben wir getestet

Beim Tretradtest wird der Verschleiß jahrelanger Nutzung simuliert und gemessen, wie viel Material sich herauslöst.

So haben wir getestet

In der Vettermann-Trommel kann der Teppich zeigen, wie strapazierfähig Farbe und Struktur der Nutzschicht sind.

So haben wir getestet

Auf den hundertstel Millimeter genau wird zur Bestimmung der Kenndaten die Höhe des Teppichs gemessen.

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