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9 Vlies-Tapeten im Test

Raufaser bleibt unschlagbar

Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren | Kategorie: Bauen und Wohnen | 02.11.2012

9 Vlies-Tapeten im Test

Die Raufaser hat Konkurrenz bekommen: Vliestapeten, die fast genauso günstig sind, aber leichter zu verarbeiten. Etliche Modelle in unserem Test sind mit PVC aufgeschäumt - das bringt eine hohe Schadstoffbelastung mit sich. Aber es geht auch ohne.

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Vliestapeten werden von vielen als die Wandbekleidung der Stunde angesehen. Ihr Vorteil: Sie müssen nicht eingeweicht werden, sondern können direkt auf die eingekleisterte Wand geklebt werden. Außerdem sind sie maßstabil, das heißt sie dehnen sich nicht und sie schrumpfen nicht. Wie die Raufaser können sie beliebig oft überstrichen werden, es sei denn, man wählt bereits eine fertige weiße oder auch farbige Tapete. Und noch ein Vorteil: Vliese lassen sich später ganz einfach trocken abziehen.

Wer ganz glatte Oberflächen möchte, kann reine Vliese wählen, die dann überstrichen oder mit anderen Techniken dekorativ gestaltet werden können. Diese Vliese bestehen aus Zellstoffen, die mit Polyester- oder Glasfasergarnen ergänzt werden, um sie reißfester zu machen. In den Baumarktregalen findet man aber vor allem Vliestapeten mit unterschiedlichen Körnungen und Strukturen, die eigentlich nicht mehr überstrichen werden müssen - einige Hersteller empfehlen's dennoch.

Die Strukturen, die an Putz, Raufaser, Gewebe und andere Dekore erinnern, entstehen in den meisten Fällen durch Aufschäumen mit PVC. Und da liegt auch das Problem, denn mit solchen Tapeten holt man sich riesige Flächen dieses problematischen Kunststoffs ins Haus. PVC ist immer mit Schadstoffen belastet, denn nur so kann er weich, elastisch und lichtbeständig bleiben.

Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKO-TEST sechs weiße Vliestapeten mit Struktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

...ist eher ernüchternd. Die meisten strukturierten Vliestapeten enthalten große Mengen von Phthalat-Weichmachern und weitere Schadstoffe, und schneiden dementsprechend schlecht ab. Nur die Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301 ist gänzlich frei von Weichmachern und zinnorganischen Verbindungen, und sticht deshalb heraus. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte auch hier nur ein Produkt, das Marburg Patent Vlies 9869, mit dem Testurteil "gut" überzeugen.

Fast alle strukturierten Tapeten sind mit umweltbelastenden chlorierten Kunststoffen aufgeschäumt und enthalten Phthalate, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug, die in den Mund genommen werden können, verboten sind. Der Hersteller Erismann verzichtet bei seinem Modell Your Style Vlies Line Premium 8200-1 auf diese höchst problematischen Phthalat-Weichmacher und setzt den Ersatzstoff DiNCH ein. Allerdings kann sich auch dieser Stoff aus dem Kunststoff lösen und die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist noch nicht hinreichend geklärt.

In vier Produkten wies das Labor nach ÖKO-TEST-Maßstäben zu viel giftiges Dibutylzinn nach. Einige Produkte gasten mehr oder weniger große Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Auffallend waren dabei die recht hohen Anteile an Terpenen, die bei sensiblen Menschen Augen und Schleimhäute reizen können.

Eine pigmenti


Tapeten, Vlies: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Erismann Your Style Vlies Line Premium 8200-1
  • Erismann

4You Vliestapete 652109
  • Tapetenfabrik Rasch

StoTap Infinity, Muster TI 1007
  • Sto

StoTap Pro 100 P Malervlies Glasvlies
  • Sto

Renovo Vliestapete 504050
  • Zeus/Hagebau

Marburg Patent Vlies 9869
  • Marburger Tapetenfabrik

Vliestapete 1932-16
  • A.S. Création

Rasch Profi Vlies 165005
  • Tapetenfabrik Rasch

Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301
  • Erfurt & Sohn

9 Vlies-Tapeten im Test
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren Seite 178
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren Seite 179
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren Seite 180
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren Seite 181

4 Seiten
Seite 178 - 181 im Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren
vom 02.11.2012
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Bau- und Fachmärkten sechs verschiedene weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und fertiger Oberfläche eingekauft, teilweise können oder sollen sie aber noch überstrichen werden. Um auch Alternativen zu den meist mit PVC aufgeschäumten Produkten aufzeigen zu können, wählten wir auch drei glatte Vliese, die als Untergrund für Anstriche und andere Oberflächenbehandlungen geeignet sind und überwiegend von Profis verwendet werden.

Die Inhaltsstoffe

Man kann schon an den weichen, elastischen Oberflächen fühlen, welche Tapetenstrukturen mit umwelt- und gesundheitsbelastendem PVC aufgeschäumt sind. Das Vlies dient hier als Trägermaterial. Im Falle eines Brands in der Wohnung und in der Müllverbrennung bilden sich giftige Dioxine. Um den problematischen Kunststoff elastisch zu machen, werden Weichmacher eingesetzt, außerdem Stoffe, die für Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit sorgen. Leider handelt es sich dabei oft um problematische Verbindungen. In erster Linie sind hier Phthalate als Weichmacher zu nennen, die in Babyartikeln und Kinderspielzeugen bereits reglementiert sind. Auch die giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn, die als Stabilisatoren eingesetzt werden, können wahrscheinlich auch beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen ausgasen, welche die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.

Die Praxisprüfung

Unser Fachmann, der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann, prüfte mit Unterstützung von Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Fachstufe Maler und Lackierer der August-Bebel-Schule in Offenbach, wie sich Tapeten und Vliese verarbeiten lassen. Dafür hatte er für jedes Produkt eine rund 13 Quadratmeter große Wandtafel gespachtelt, geschliffen und gestrichen, sodass ein trockener, sauberer und tragfähiger Untergrund gegeben war, wie er häufig in Wohnungen vorkommt. Die Tapeten wurden nach Anleitung auf die mit einem Spezialkleister eingestrichenen Wände aufgebracht, mit einem Andrückroller blasenfrei eingedrückt und anschließend zurechtgeschnitten. Am Schluss prüften die Tester das Ergebnis kritisch auf Kleisterflecken und durchschlagenden Untergrund und begutachteten die Nähte. Auch die Verarbeitungsanleitung wurde bewertet.

Die Bewertung

Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen und die Räume nicht mit Schadstoffen belasten. Deshalb entscheidet das schlechteste Einzelergebnis über das Gesamturteil. Die Tapeten, die aufgrund der Schadstoffbelastung ein "ungenügend" erhalten, können wir trotz guter Praxisprüfung nicht empfehlen. Die schlechten Noten bei den Inhaltsstoffen resultieren vor allem aus den Phthalatweichmachern und den zinnorganischen Verbindungen.

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Zugehörige Ausgabe:
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren
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Erschienen am 02.11.2012

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