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Der ÖKO-TEST Verlag

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Wir über uns

ÖKO-TEST setzt sich seit mehr als 30 Jahren für Verbraucherschutz ein. Mit der Zeit haben sich auch unsere Produkttests weiterentwickelt. So ändern wir, wann immer es Sinn macht, die Prüfparameter. Denn immer wieder tauchen neue Schadstoffe auf. Und natürlich verbessern die Prüflabore auch ihre Messtechnik. Dies zeigen etwa die Beispiele Hautcremes und Nuss-Nougat-Creme. Bei der Kritik am Einsatz schädlicher Substanzen war und ist ÖKO-TEST Pionier – und beeinflusst damit Gesetzgeber und Verfasser von Richtlinien.

Beispiel Hautcreme

Alter kommt vor Schönheit

1985: Vertrauen ist gut, testen ist besser - diesem Motto sieht sich ÖKO-TEST seit 30 Jahren verpflichtet. Und so haben sich die Kollegen im Mai 1985 bei einem Test Hautcremes lieber nicht darauf verlassen, dass der Krebserregende Konservierer Formaldehyd schon nicht in Mengen von mehr als 0,05 Prozent in den Cremes drinstecken wird, da er dann ja laut Gesetz deklariert sein müsste. Nein. Sie haben testen lassen - und Deklarationsverstöße festgestellt.

1989: "Der Bakterienkiller" Isothiazolinon erfreute sich in den späten 80er-Jahren großer Beliebtheit bei den Kosmetikherstellern - und wurde natürlich Testparameter. Und unser jahrzehntelanges Warnen vor dem Allergiepotenzial dieser Substanzen ist endlich auch bei den Gesetzgebern angekommen: In Kosmetika, die auf der Haut bleiben, hat die europäische Kommission die Mischung aus Methylchloroisothiazolinon und Methylisothiazolinon verboten. Methylisothiazolinon allein bleibt vorerst erlaubt - dabei ist die Zahl der Menschen, die darauf allergisch reagieren, gestiegen. Das Verbot gilt für Produkte, die nach Juli 2015 auf den Markt kommen.

1993: Neues Problem, neuer Testparameter: Im ÖKO-TEST Feuchtigkeitscremes 1993 enthielten 16 von 19 Produkten PEG/PEG-Derivate. Diese Stoffe können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Auch bei der Kritik am Einsatz dieser Substanzen in Kosmetika war ÖKO-TEST Pionier - und beeinflusste die Verfasser der Naturkosmetikrichtlinien. Denn in Naturkosmetik sind PEG/PEG-Derivate verboten.

2001: Alte Bekannte trifft der langjährige ÖKO-TEST-Leser beim Studium der Tabelle zum Test Gesichtscremes (Oktober 2001). Von Formaldehyd/-abspaltern und PEG-/PEG-Derivaten können sich die Kosmetikanbieter ganz offensichtlich nicht trennen. Wonach wir mittlerweile ebenfalls suchen lassen: Diethylphthalat. Es wird unter anderem zur Vergällung von Alkohol eingesetzt, von der Haut aufgenommen und beeinflusst ihren Schutzmechanismus.

2003: Die Tabelle wächst und wächst: Fast weiße Westen präsentieren die Gesichtscremes im November des Jahres 2003. Wenn da nicht die Duftstoffe wären, die Allergien auslösen können. Die Prüfung auf allergisierende Duftstoffe, aber auch die Einordnung, welcher der deklarationspflichtigen Stoffe häufig, welcher selten allergische Reaktionen auslöst, informiert unsere Leser, ohne sie unnötig zu beunruhigen. Denn hier sind wir nicht strenger als der Gesetzgeber, dafür genauer: So schreibt die Kosmetikrichtlinie der EU vor, dass 26 Duftstoffe in Kosmetika deklariert werden müssen, weil sie Allergien auslösen können. Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Informationsverbund Dermatologischer Kliniken IVDK, der über die größte Allergiedatenbank der Welt verfügt, wissen wir allerdings, dass nur sieben dieser Duftstoffe als Allergieauslöser von Bedeutung sind. Unsere Beurteilung und Bewertung treffen wir somit aufgrund wissenschaftlich fundierter Basis.

2013: Genug zu tun für die nächsten 30 Jahre: Auch 30 Jahre nach dem ersten Gesichtscreme-Test bekommen Hautcremes schlechte Noten - vor allem wegen problematischer Inhaltsstoffe. Mittlerweile überprüfen wir aber auch die vollmundigen Wirkversprechen und fordern von den Herstellern Belege an - die sie in aller Regel nicht liefern.

Beispiel Nuss-Nougat-Creme

(K)eine große Liebe?

1987: Die Atomkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 beeinflusste natürlich unsere Testparameter. Im Dezember 1987 wollten wir wissen, wie hoch die Strahlenbelastung in Süßigkem katastrophalen Unfall in der Ukraine war. Neben Nüssen, Schokoladen und Schokonikoläusen ließen wir auch Nuss-Nougat-Cremes auf strahlende Cäsium-Isotope 134 testen. Im Fall Nutella übertraf der Messwert von 33 Becquerel pro Kilogramm den hausinternen Grenzwert Ferreros von 20 Bq/kg.

1991: Verbrauchertäuschung thematisierte ÖKO-TEST 1991: Niedrige Haselnussgehalte in konventionellen Nuss-Nougat-Cremes. Schon damals war Bio einfach besser.

1997: Das erste Mal: Am späten Abend des 5. November 1996 legte das erste Schiff mit gentechnisch veränderten Sojabohnen aus Nordamerika im Hamburger Hafen an. Und im ÖKO-TEST September 1997 waren wir es, die als Erste Gen-Technik in Lebensmitteln nachgewiesen haben. Zwei beauftragte Labore wiesen in vier von 36 Nuss-Nougat-Cremes genmanipuliertes Soja nach. Und das war erst der Anfang.

2003: Den Giftstoff Acrylamid, der wahrscheinlich Krebs erregt, entdeckten schwedische Wissenschaftler in Lebensmitteln, die frittiert, gebraten oder gebacken wurden. Im Jahr 2002 machten die Forscher ihre Ergebnisse publik. Und im folgenden ÖKO-TEST Nuss-Nougat-Cremes haben wir die Forschungsergebnisse im Sinne des Verbraucherschutzes eingesetzt und die Cremes auf Acrylamid untersuchen lassen. Denn Kakaobohnen werden geröstet. So gerät das Gift über den Kakaoanteil in die süße Creme.

2009: Aroma? Aromastoffe verleihen vielen Nahrungsmitteln einen angenehmen Geruch und Geschmack, unterdrücken Geschmacksfehler und lassen Speisen und Getränke immer gleich schmecken. Im Nuss-Nougat-Cremes-Test von 2009 kritisierten wird den Einsatz von Aromastoffen in 14 von 17 Produkten. Es wirkte. Im Nuss-Nougat-Cremes-Test von 2014 präsentierten 13 von 14 Anbietern ihre Produkte ohne geschummelten Geschmack - geht doch.

2014: Fieses Fett: Jahrelang waren herzschädigende Transfettsäuren ein großes Problem bei der Verarbeitung von Fetten und Ölen. Dann bekamen die Hersteller dieses Problem in den Griff. Doch es tauchte ein neues "fettes" Problem auf: Forscher stellten fest, dass bei der Raffination von Speisefetten und -ölen beträchtliche Mengen einer unerwünschten Substanz, dem 3-MCPD (MonoChlor-PropanDiol), entstehen können, das an die Fettsäuren gebunden ist und im Körper freigesetzt werden kann. Freies 3-MCPD hat in Tierversuchen die Nieren geschädigt und in hohen Dosen zur Bildung gutartiger Tumore geführt. Einmal mehr bestimmte eine neu entdeckte Gefahrenquelle für Verbraucher das Testprogramm von ÖKO-TEST. Daher ist der Test auf 3-MCPD seit Jahren Standard für fetthaltige Lebensmittel.

Der ÖKO-TEST Verlag

Was hat ÖKO-TEST mit den Grünen zu tun?

Die deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft DDVG ist Mehrheitsaktionärin der ÖKO-TEST Holding AG. Sie hat die Mehrheit im Jahr 2002 übernommen. Inzwischen besitzt sie gut 66 Prozent. Der Rest ist im Streubesitz von rund 800 Aktionären. Die DDVG gehört zu 100 Prozent der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Die Beteiligung der DDVG dient manchen Kritikern, unsere redaktionelle Unabhängigkeit infrage zu stellen. Wir achten deshalb besonders auf die Distanz zu allen politischen Parteien. In unsere redaktionelle Arbeit greifen weder die DDVG noch die SPD ein. Alle durch uns veröffentlichten Testergebnisse können betroffenen Firmen zudem vor Gericht überprüfen lassen.

Fragen zu ÖKO-TEST

Warum ist ÖKO-TEST strenger als der Gesetzgeber? Oft schneiden Produkte, die alle gesetzlichen Vorgaben einhalten, bei ÖKO-TEST "ungenügend" ab. Die Erklärung ist ganz einfach: Für ÖKO-TEST steht der gesundheitliche Verbraucherschutz an erster Stelle. In gesetzliche Grenzwerte fließen viele weitere Überlegungen ein. Zum Beispiel, ob es für gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe Alternativen gibt, ob diese sich wirtschaftlich rechnen, ob den Überwachungsbehörden überhaupt Testmethoden für die Untersuchung zur Verfügung stehen. Außerdem gäbe es ausschließlich "sehr gute" oder "ungenügende" Produkte, wenn wir nur nach "erlaubt" oder "verboten" bewerten würden. Das würde den Qualitätsunterschieden zwischen den Produkten aber in keinster Weise gerecht.

Farbstoffe, die krebserregende aromatische Amine bilden, sind für Kleidung verboten. Aber nur, wenn der Gehalt über 30 Milligramm pro Kilogramm liegt. Die Amine sind zwar auch in geringerer Menge krebserregend, aber lange Zeit war den Überwachungsbehörden ein sicherer Nachweis von weniger als 30 Milligramm nicht möglich. Daher gelten laut Gesetz immer noch weniger als 30 Milligramm als nicht vorhanden. Die von ÖKO-TEST beauftragten Labors konnten dagegen schon immer fünf Milligramm nachweisen. ÖKO-TEST bewertet daher Kleidungsstücke bereits mit fünf Milligramm pro Kilogramm als "mangelhaft".

Oft gibt es in den gesetzlichen Vorgaben Regelungslücken. So waren krebserregende aromatische Amine zwar in Textilien verboten, in Baby- und Kinderspielzeug wie Stoffbilderbüchern aber noch erlaubt. Selbstverständlich hat ÖKO-TEST in seinen Tests auf diese Absurdität hingewiesen und belastete Produkte abgewertet.

Lebensmittel gelten in der EU als gentechnikfrei, wenn sie nicht mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten - vorausgesetzt die Verunreinigung ist zufällig und technisch unvermeidbar. Die damals zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou hat im Sommer 2008 sogar laut über einen möglichen Schwellenwert für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen von 0,1 Prozent nachgedacht. Wenn Europa bei der Nulltoleranz bliebe, würde das zu einer Futtermittelknappheit führen. Zwar ruderte die Kommission kurze Zeit später zurück. Doch sollten hier die Vorschriften der wirtschaftlichen Realität angepasst werden.

Denn Gen-Technik breitet sich unkontrollierbar aus. Sogar Bio-Lebensmittel sind betroffen. Eine strenge Grenze oder sogar Nulltoleranz würde bei den Herstellern von Honig, Nuss-Nougat-Cremes, Sojamilch, Maischips, Senf und vielen anderen Lebensmitteln enorme Kosten für Untersuchungen verursachen, wäre also unwirtschaftlich. Trotzdem wertet ÖKO-TEST Lebensmittel ab, selbst wenn sie nur 0,01 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten (so genau können die von uns beauftragten Labore messen). Denn nur so erfahren die Verbraucher - die Gen-Technik in Lebensmittel mit großer Mehrheit ablehnen - wie weitverbreitet die Gen-Technik inzwischen ist. Und nur so lässt sich die weitere Verbreitung möglicherweise aufhalten und verhindern, dass in einiger Zeit vielleicht fünf Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile als "zufällig und technisch unvermeidbar" und so hoch belastete Lebensmittel offiziell als gentechnikfrei gelten.

Die meisten gesetzlichen Regelungen gelten EU-weit, müssen also mit der gesamten EU abgestimmt werden. Nicht selten gehen die Ansichten darüber, was erlaubt werden sollte, weit auseinander. Hinter den Differenzen stecken meist wirtschaftliche Interessen. Meist einigen sich die Gremien daher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner - nicht unbedingt zum Vorteil des Verbraucherschutzes.

Neue Gesetze sind ein weiterer Grund, warum ÖKO-TEST oft strenger ist als der Gesetzgeber. Die Kritik von uns wird oft später in Gesetze und Verordnungen übernommen. So wurden nicht nur die aromatischen Amine für Kinderspielzeug nach unseren Tests verboten. Auch die Verwendung bedenklicher Phthalatweichmacher in Beißringen und anderem Spielzeug wurde nach unserer Kritik untersagt. In Kosmetik beispielsweise hatten wir den bedenklichen Konservierungsstoff Euxyl K 400 negativ bewertet, weil er häufig Allergien auslöst. Danach wurde seine Verwendung zunächst eingeschränkt und später ganz verboten.

Auch der Bundesgerichtshof hat geurteilt, dass Testzeitschriften in der Wahl ihrer Testmethoden und Bewertungsmaßstäbe nicht an gesetzliche Vorschriften gebunden sind. Sie dürfen durchaus umstritten, müssen aber diskutabel sein. Der Hintergrund: Auch Verbraucher legen auf unterschiedliche Dinge Wert. So interessiert den einen nicht, wie viel Wasser und Strom eine Waschmaschine verbraucht, sondern er legt Wert darauf, dass sie mit mindestens 1.600 Touren schleudert.

Für einen gesunden Versicherten ist vielleicht wichtig, welche finanziellen Vorteile seine Krankenkasse bietet. Wer an einer chronischen Krankheit leidet, für den ist nicht die günstigste Kasse die beste, sondern die, welche für chronisch Kranke die höchsten Leistungen bietet.

Bei Lebensmitteln vertrauen die einen darauf, dass die Hersteller die gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffe einhalten und dass die Grenzwerte ausreichend schützen - und entscheiden daher nach dem Preis oder dem Geschmack. Anderen ist egal, ob der Bio-Cappuccino einen feinen Schaum bildet oder nicht. Sie wollen, dass der Hersteller möglichst wenige Zusatzstoffe verwendet. Ober sie wollen, dass ihre Kinder mit möglichst wenigen Schadstoffen belastet werden - selbst wenn höhere Werte gesetzlich zulässig sind.

Solche unterschiedlichen Verbraucherwünsche dürfen Testzeitschriften abbilden. Es muss nur deutlich werden, worauf sich die Bewertung stützt, warum ein Produkt "sehr gut" oder "ungenügend" ist, auf dem 1. oder dem 6. Rang liegt. Im ÖKO-TEST Magazin findet sich daher zu jedem Test ein "So haben wir getestet". Damit erklären wir, welche Produkte wir eingekauft haben, was wir untersuchen lassen und was nicht, und wie wir die Untersuchungsergebnisse bewerten.

Nicht immer geht ÖKO-TEST über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So schreibt die Kosmetikverordnung der EU vor, dass 26 Duftstoffe in Cremes, Shampoos, Parfüms und anderen Kosmetika deklariert werden müssen, weil sie Allergien auslösen können. Durch Zusammenarbeit mit dem Informationsverbund Dermatologischer Kliniken IVDK, der über die größte Allergiedatenbank der Welt verfügt, wissen wir jedoch, dass nur acht dieser Duftstoffe als Allergieauslöser von Bedeutung sind. ÖKO-TEST wertet daher nur die tatsächlich allergenen Duftstoffe in Kosmetik ab. Und wir unterscheiden sogar noch zwischen weniger starken Allergenen, die wir nur um eine Note abwerten, sowie stärkeren, die zwei Minuspunkte bekommen.

Das Beispiel Duftstoffe zeigt auch: ÖKO-TEST wertet nicht aufgrund umstrittener oder sogar unhaltbarer Annahmen Produkte ab, die eigentlich unbedenklich sind. ÖKO-TESTs sind auf wissenschaftlich fundierter Basis und durch Zusammenarbeit mit führenden Experten Wegbereiter für eine Verbesserung des Gesundheitsschutzes der Verbraucher.

Bei Produkten, die bei uns schlecht abschneiden, aber den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, müssen Sie auf die Kulanz des Herstellers vertrauen. Immer wieder stellen wir durch unsere Tests fest, dass Produkte nicht den gesetzlichen Vorschriften genügen. Solche Produkte bewerten wir grundsätzlich mit "ungenügend" und kennzeichnen sie als "nicht verkehrsfähig". Sie können an den Hersteller zurückgegeben bzw. ins Geschäft zurückgebracht werden. Darauf haben Sie bei Produkten, die den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, keinen Anspruch. Oft nehmen die Hersteller "mangelhafte" oder "ungenügende" Produkte jedoch aus Kulanz zurück.

Niemand kann Hersteller dazu verpflichten, schlechte Bewertungen auf ihre Verpackungen zu drucken. Aus nachvollziehbaren Gründen finden sie es prickelnder, nur dann zu labeln, wenn ein Produkt besser als befriedigend abgeschnitten hat.

Im Zusammenhang mit der Pleite des Spielzeugherstellers Nici wurde in einem Teil der Presse der Eindruck erweckt, unser Test des von Nici hergestellten WM-Maskottchens Goleo sei schuld an der Insolvenz. Dabei war Nici bereits pleite, als unser Test erschien. Gegen den Goleo-Test hat der Insolvenzverwalter von Nici übrigens zunächst eine einstweilige Verfügung erwirkt und ÖKO-TEST danach auf 750.000 Euro Schadensersatz verklagt. Angekündigt war sogar eine Klage auf über 3,5 Millionen Euro. Auch diesen Prozess haben wir allerdings gewonnen - und dürfen das Testergebnis des Goleo ohne Einschränkung veröffentlichen.

Darüber hinaus gilt: ÖKO-TEST ist nur der Überbringer einer schlechten Nachricht, sprich eines schlechten Testergebnisses. Verantwortlich dafür, und für mögliche Probleme, ist der Hersteller selbst.

Mit Pestiziden belastetes Obst macht in der Regel nicht krank. Das gilt auch für die Benutzung von Kinderspielzeug, selbst wenn es verbotene Weichmacher enthält, Kleidung mit krebserregenden Farbstoffbestandteilen, "ungenügenden" Lacken, Farben oder Kosmetika. Aber unsere Tests dienen dem vorbeugenden Verbraucherschutz.

Was das heißt, lässt sich am Beispiel des Rauchens verdeutlichen. Nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs. Trotzdem muss auf den Zigarettenschachteln davor gewarnt werden. Denn mit jeder Zigarette erhöht sich das Risiko, zu erkranken.

Genauso ist es mit Schadstoffen, die wir in Lebensmitteln, Kinderspielzeug, Kleidung, Kosmetik und all den anderen Produkten finden, die wir Monat für Monat untersuchen lassen. Mit jeder zusätzlichen Schadstoffdosis aus belasteten Produkten steigt das Risiko, dass irgendwann das buchstäbliche Fass überläuft und eine Krankheit ausbricht.

Hier liegt ein weiterer Grund, warum ÖKO-TEST oft über die gesetzlichen Bestimmungen und Grenzwerte hinausgeht. In der Regel gibt es Grenzwerte für einzelne oder auch eine Vielzahl von Schadstoffen in einem Produkt. Sie sollen verhindern, dass die Höchstwerte überschritten werden, die als unbedenklich für die tägliche Aufnahme gelten. Bei der Festlegung der gesetzlichen Grenzwerte wird aber nicht berücksichtigt, dass sich unterschiedliche Schadstoffe in ihrer Wirkung nicht nur addieren, sondern gegenseitig verstärken können.

Unmittelbare Gefahr besteht allerdings, wenn wie in unserem Test Kinderfahrräder die Rahmen brechen, oder wie in unserem Test Kaffeemaschinen die elektrische Sicherheit nicht gewährleistet ist. In seltenen Fällen wird bei Pestiziden auch der sogenannte ARfD-Wert (akute Referenz-Dosis) überschritten. Das heißt: Schon der einmalige Verzehr so belasteter Lebensmittel kann zu Schäden führen. Absurd und ein weiterer Grund dafür, dass ÖKO-TEST oft strenger ist als der Gesetzgeber: Auch wenn der ARfD-Wert überschritten ist, kann das belastetete Produkt die gesetzlichen Grenzwerte einhalten.

Unmittelbar kann sich auch eine Allergie bemerkbar machen, die zum Beispiel durch Duftstoffe ausgelöst wird, die wir in Kosmetika kritisieren und abwerten. Umgekehrt kann es allerdings auch passieren, dass Menschen mit Produkten nicht zurechtkommen, an denen ÖKO-TEST nichts zu bemängeln hat, und beispielsweise auf eine "sehr gute" Creme allergisch reagieren. Denn grundsätzlich kann (fast) jeder Stoff bei einzelnen Menschen eine Allergie auslösen. Solche Einzelfälle können wir in unsere Tests und Bewertung jedoch nicht einfließen lassen. Wer davon betroffen ist, wird mit ziemlicher Sicherheit allerdings mit einem "sehr guten" Produkt einer anderen Firma richtig liegen, das den betreffenden Stoff nicht enthält - und selbstverständlich auch keine Stoffe, die bekanntermaßen Allergien auslösen.

Wir passen unser Testprogramm laufend an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse an, aber auch an die Reaktionen der Hersteller.

Beispiel Nuss-Nougat-Cremes: Jahrelang waren sogenannte Transfettsäuren ein großes Problem. Sie entstehen bei der Verarbeitung von Fetten und Ölen und sind für Herz und Kreislauf noch schädlicher als Cholesterin. Dieses Problem haben die Hersteller aber in den Griff bekommen. Neu entdeckt wurde allerdings der Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester, der ebenfalls bei der Verarbeitung von Fetten und Ölen entsteht. ÖKO-TEST hat daher die 3-MCPD-Fettsäureester ins Untersuchungsprogramm aufgenommen. Dagegen stehen gentechnisch veränderte Bestandteile seit Jahren unverändert auf dem Testprogramm. Erstmals fanden wir September 1997 gentechnisch veränderte Bestandteile in dem beliebten Brotaufstrich.

Danach wurden wir viele Jahre lang nicht fündig. Doch uns war klar, dass sich das Problem, anders als das der Transfettsäuren, nicht erledigen würde. Weil weltweit immer mehr Gen-Soja produziert wird - Sojalecithin ist ein Bestandteil von Nuss-Nougat-Cremes - war es nur eine Frage der Zeit, bis wieder Verunreinigungen mit Gen-Soja auftauchen. Tatsächlich fanden wir im Juni 2009 wieder zwei belastete Produkte.

Die Testergebnisse gelten immer nur für testidentische Produkte, bei Lippenstiften beispielsweise nur für die getestete Farbe. Denn Farbstoffe können, bei ansonsten gleichem Produkt, zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen.

In manchen roten Lippenstiften wird beispielsweise der Farbstoff CI 17200 eingesetzt. Er kann - was ÖKO-TEST überprüft - krebsverdächtige aromatische Amine abgeben. Ein solcher Lippenstift ist dann "mangelhaft" oder "ungenügend". Eine andere Farbe der gleichen Marke ohne CI 17200 kann dagegen durchaus "gut" oder "sehr gut" sein.

Andererseits stehen die Testergebnisse nicht nur für das konkret getestete Produkt. Die Hersteller können sich nicht darauf rausreden, es handle sich um einen "Ausreißer", ihre Produkte seien in der Regel besser. Hier hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass bei industriell hergestellten Produkten ein getestetes Produkt für die ganze Serie steht, dass der Hersteller also für gleich bleibende Qualität zu sorgen hat.

Industriell hergestellt im Sinne des Bundesgerichtshofes sind auch Lebensmittel wie Joghurt. Bei anderen Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse, die in ihrer Qualität schwanken können, untersucht ÖKO-TEST daher immer drei unterschiedliche Chargen.

Das ist falsch. Selbstverständlich untersucht ÖKO-TEST

  • wie gut Waschmittel waschen
  • ob ein Autokindersitz die Kleinen bei einem Unfall wirklich schützt
  • wie viel Flüssigkeit Katzenstreu aufnimmt
  • ob Matratzen ergonomisch günstig sind
  • wie gut Akkubohrer mit Holz, Beton oder Metall fertig werden und vieles mehr.

Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeitstests wird vor allem in Bezug auf Kosmetika erhoben - und ist auch hier nicht richtig. Generell gilt, dass die mögliche Wirkung von Kosmetika per Gesetz eng begrenzt ist. Sie muss sich auf die obere Hautschicht beschränken.

Anti-Falten-Cremes dürfen daher schon per Gesetz nicht gegen Falten wirken, denn die entstehen in viel tieferen Hautschichten. Zudem: Die ehemals Faltenlosen und Reichen würden sich sicherlich nicht mit Botox vollpumpen und unters Messer legen, wenn sie sich gegen ihre Falten auch einfach etwas Creme ins Gesicht schmieren könnten.

Trotzdem werben Kosmetikhersteller oft mit Tests, die die Anti-Falten-Wirkung belegen sollen. Bei solchen Tests - oft in Ländern des ehemaligen Ostblocks durchgeführt - wird gern getrickst. Trinken beispielsweise die am Test beteiligten Frauen zwei, drei Tage nichts, bekommt ihre Haut aufgrund des Wassermangels tiefe Falten. Wird dann eine Anti-Falten-Creme aufgetragen, glättet sich die Haut durch die Feuchtigkeitszufuhr tatsächlich sichtbar.

Doch auch ohne solche Tricks sind solche Tests schlicht Verbrauchertäuschung. Sie zeigen allenfalls kurzfristige Effekte. Die Wirkung hält nur so lange an, wie die Creme benutzt wird. Die Feuchtigkeitsanreichung durch Feuchtigkeitscremes beispielsweise ist schon nach einigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Langfristige Effekte würden sich nur durch jahrelang laufende kontrollierte Studien nachweisen lassen. Oder man schaut sich - wie ÖKO-TEST das macht - die Rezepturen und die Inhaltsstoffe genauer an. Enthält eine Creme beispielsweise natürliche Öle und Wachse, pflegt sie die Haut langfristig besser als eine Creme auf der Basis von Erdölprodukten. Denn natürliche Öle und Wachse integrieren sich messbar besser in das Gleichgewicht der Haut.

Eine Anti-Faltencreme, die das sehr gut wirkende Konservierungsmittel Formaldehyd enthält, schneidet nicht nur beim Haltbarkeitstest besser ab als ein nicht oder nur sanft konserviertes Produkt. Eine solche Creme kann kurzfristig sogar sehr gute Ergebnisse bei der Feuchtigkeitsanreichung erzielen, auch wenn sich im Normalfall die Faltentiefe nur um Mikrometer verringert, also im messbaren, aber kaum wahrnehmbaren Bereich. Viel entscheidender ist jedoch ein langfristiger Effekt. Formaldehyd löst nicht nur Allergien aus und ist krebsverdächtig. Es wird auch zur Ledergerbung eingesetzt, weil es Eiweiß vernetzt. Das ist der gleiche Prozess, der Falten entstehen lässt. Langfristig verhindert eine formaldehydhaltige Anti-Faltencreme trotz kurzfristig möglicherweise positiver Effekte keine Falten, sondern verstärkt die Faltenbildung.

Die besten Mittel gegen Falten sind ohnehin gesunde Ernährung, genügend Schlaf, nicht zu rauchen und regelmäßig zu sporteln. Doch die natürliche Hautalterung ist auch durch die gesündeste Lebensweise und die beste Creme nicht aufzuhalten.

Zahnpasten: Anders als für Cremes fällt die Antwort für Zahnpasten aus. Zahnpasten sollen vor allem Karies verhindern helfen. Dafür enthalten sie unterschiedliche Fluoridverbindungen, die sich in ihrer Wirksamkeit kaum voneinander unterscheiden. Allerdings gibt es auch Zahnpasten auf dem Markt - zumeist von Naturkosmetikherstellern - die kein Fluorid enthalten. Sie können von ÖKO-TEST auch kein "sehr gut" bekommen, denn ihnen fehlt der entscheidende Wirkstoff.

Eine Ausnahme machen nur Kinderzahnpasten. Hier gibt es einen bis heute nicht entschiedenen Streit zwischen Zahnärzten und Kinderärzten um die richtige Kariesprophylaxe: Mit fluoridierter Zahnpasta oder mit Fluoridtabletten. Sicher ist nur: Beides zusammen ist schnell zu viel und führt zu Fluorose, das sind weiße Flecken auf den Zähnen. Daher rät ÖKO-TEST, das eine oder das andere zu machen - und bewertet auch Kinderzahnpasten ohne Fluorid mit "sehr gut".

Nicht untersucht wird bei Zahnpasten die Reinigungswirkung. Denn zum einen erbringen die Tests oft unterschiedliche, nicht nachvollziehbare Ergebnisse für ein und die gleiche Zahnpasta. Zum anderen hängt die Reinigungswirkung auch stärker von der Putztechnik des Anwenders als von der Zahnpasta ab.

Sonnenschutzmittel: Testmethoden, die kaum oder nur schwer verwertbare Ergebnisse bringen, sind ein Grund dafür, dass ÖKO-TEST bei Sonnenschutzmitteln die Schutzwirkung nicht untersucht. Außerdem erfordert der Test, Versuchspersonen so lange zu bestrahlen, bis sie einen leichten Sonnenbrand haben. Beide Probleme umgehen wir, indem wir empfehlen, die versprochene Schutzwirkung nicht voll, sondern nur zu 60 Prozent auszunutzen. Viel wichtiger als die Frage, ob der angegebene Schutzfaktor im Test zu 100 oder nur zu 90 Prozent erreicht wird, ist ohnehin ein anderes Problem: Die meisten Menschen cremen sich viel zu dünn ein, sodass der Schutzfaktor daher nicht erreicht wird.

Die Frage, ob ein Lebensmittel aus kontrolliert ökologischem Anbau bzw. aus kontrolliert ökologischer Tierhaltung stammt, ist im Labor nicht nachprüf- und beweisbar. ÖKO-TEST müsste sich daher auf die Angaben der Hersteller und Vertreiber verlassen. Das lehnen wir aber ab. Auch, weil es die Gefahr von Fehlurteilen birgt.

Beispiel Bio-Hähnchen: Vor einiger Zeit wurden große Mengen konventionelle Hähnchen als Bio-Geflügel verkauft. Bei einem Test hätte ÖKO-TEST diese Hähnchen untersucht und - sofern keine weiteren Mängel vorgelegen hätten - nur diese angeblichen Bio-Hähnchen mit "sehr gut" bewertet. Kurz nach Erscheinen unseres Tests wäre der Skandal aufgeflogen. Dann hätten unsere Leser sowie die gesamte Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Tests verloren. Auf die Testergebnisse von ÖKO-TEST könne man sich nicht verlassen, hätte es geheißen, denn wir würden lediglich die Angaben der Hersteller abschreiben. Das gleiche würde auch passieren, wenn wir Bio-Eier, bei denen es immer wieder Betrügereien gibt, besser bewerten würden.

Betrugsfälle sind zwar die Ausnahme, aber im Labor nicht zu entdecken, sondern allenfalls durch die Arbeit der Öko-Kontrollstellen. Sie lassen sich die Bücher zeigen und prüfen beispielsweise Eingangs- und Ausgangsrechnungen auf Plausibilität oder Unstimmigkeiten.

Darüber hinaus bewertet ÖKO-TEST konventionelle Lebensmittel nicht grundsätzlich schlechter, weil es Erzeuger gibt, die zwar nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung produzieren, aber aus Kostengründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie keine Anerkennung als Bio-Betrieb erwerben. Solche Bio-Produkte würden die rote Karte bekommen, obwohl sie sehr hochwertig sind.

Nicht zuletzt wurden in der Vergangenheit immer wieder Bio-Lebensmittel als konventionell verkauft, um Überschüsse abzubauen. Das war bei Milch und Fleisch der Fall, als das Angebot die Nachfrage zeitweise überschritt. Auch solche Produkte wären im Labor nicht zu erkennen. Gegen eine Abwertung könnte sich der Hersteller aber gerichtlich zur Wehr setzen.

ÖKO-TEST muss seine Testergebnisse im Zweifel vor Gericht belegen können. Das ist aber bei der Fütterung mit Gen-Soja nicht möglich, in der Milch finden sich davon keine Rückstände. Wir haben es da viel schwerer als zum Beispiel Greenpeace. Denn es ist eine Sache, eine Molkerei anzuprangern, weil sie ihren Bauern nicht die Verwendung von Gen-Soja verbietet. Eine andere Sache ist es, ein konkretes Produkt deswegen abzuwerten. Denn die Molkerei könnte immer behaupten, gerade diese Milch stamme nicht von Kühen, die mit Gen-Soja gefüttert wurden - und ÖKO-TEST könnte das nicht widerlegen. Das schrieben wir zu unserem 25-jährigen im April 2010. Inzwischen haben wir unsere Testmethoden aber weiterentwickelt und wir werten Milch ab, wenn uns eine Molkerei nicht nachweist, dass sie den Bauern Genfutter per Vertrag verbietet. Selbst wenn wir den Nachweis bekommen, würden wir die Milch nicht als "ohne Gentechnik" bezeichnen. Denn wir können ja nicht im Labor überprüfen, ob sich die Bauern an die Verträge halten. Wir können nur attestieren, dass es von Seiten der Molkerei das Bemühen gibt, auf Gentechnik zu verzichten. Wenn dieses Bemühen nicht zu erkennen ist, werten wir die Milch (oder die Butter) ab.

Um die Frage der Tierversuche gibt es beträchtliche Verwirrung. Bereits seit 2004 dürfen europaweit keine fertigen kosmetischen Mittel mehr im Tierversuch geprüft werden. Seit 2009 gilt in der EU zudem ein Tierversuchsverbot für die Prüfung von kosmetischen Inhaltsstoffen wie Tenside und Konservierungsstoffe. Umgekehrt sind alle Rohstoffe - auch die für tierversuchsfreie Kosmetik - irgendwann einmal im Tierversuch getestet worden.

Tierversuche waren die Voraussetzung, dass Rohstoffe überhaupt verwendet werden durften. Das Label für Tierversuchsfreie Kosmetik - es zeigt ein Kaninchen unter einer schützenden Hand und wird vom Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTK) vergeben - stellt sicher, dass keine Rohstoffe verwendet werden, die nach dem 1.1.1979 im Tierversuch getestet wurden. Tabu sind auch Rohstoffe, die durch Tierquälerei gewonnen oder für die Tiere eigens getötet wurden. Rohstoffe von lebenden Tieren stammen bevorzugt aus ökologischer Tierhaltung.

Allerdings sind auch nach 1979 neue Rohstoffe entwickelt und wie vorgeschrieben im Tierversuch getestet worden, die sogar für zertifizierte Naturkosmetik zugelassen sind. Beispielsweise physikalische Lichtschutzfilter, ohne die es keine modernen Sonnenschutzmittel geben würde. Die großen Hersteller von Naturkosmetik sind daher nicht Mitglied im Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik und labeln ihre Produkte auch nicht mit dem Kaninchen.

Test Spielzeug: Die Beauftragung von Sub- und von Sub-Sub-Unternehmen war ein Grund, warum in unserem Spielzeugtest im Dezember 2010 kein Hersteller garantieren konnte, dass bei der Herstellung keine missbräuchliche Kinderarbeit im Spiel war, also die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren oder sklavenartige Ausbeutung von Kindern. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Herstellern. So haben einige Hersteller ÖKO-TEST gegenüber Verantwortliche benannt, die sich um das Thema Kinderarbeit kümmern, andere nicht. Auch haben einige Nachweise dafür vorgelegt, dass sie kontrollieren, ob Lieferanten in China, Bangladesch oder Tunesien Kinder beschäftigen. Solche Unterschiede berücksichtigen wir immer häufiger in unseren Testurteilen. Das heißt nicht, dass wir eine Garantie dafür übernehmen können, dass es keine Missstände gibt. Das können nicht einmal die Hersteller der Produkte. Aber wir können beurteilen und bewerten, ob es ernsthafte Bemühungen gibt, Missstände zu beseitigen.

Test Schokolade: Beim Test Dunkle Schokolade im Dezember 2012 konzentrierten wir uns auf den Hauptbestandteil Kakao, um zu beurteilen, ob eine Tafel Schokolade fair produziert worden ist oder nicht. Wir wollten von den Herstellern wissen, ob sie dem schwächsten Glied der Produktionskette, dem Kakaobauern in Westafrika oder Lateinamerika, einen gesicherten Mindestpreis zahlen. Denn nur der macht Kleinstbetriebe unabhängig vom zum Teil täglich schwankenden Kakaopreis an den Rohstoffbörsen. Und weil missbräuchliche Kinderarbeit ein großes Problem in der Kakaoproduktion ist, verlangten wir von den Schokoladenanbietern auch Dokumente, die belegen, dass sich die Unternehmen bemühen, ausbeuterische Kinderarbeit bei der Produktion von Kakao durch regelmäßige Kontrollen zu verhindern.

Test Putenfleisch: Die industrielle Fleischproduktion stand im Fokus des Tests Putenfleisch vom Januar 2012. ÖKO-TEST recherchierte detailliert zur Putenhaltung in Deutschland und ob diese artgerecht ist. Die Hersteller erhielten einen umfangreichen Fragebogen. Wir wollten Antworten auf die Fragen, ob Hochleistungsrassen zur Fleischproduktion eingesetzt werden, wie viele Tiere sich einen Stall teilen müssen, ob sie Zugang zum Freiland haben und ob den Vögeln die Schnäbel gekürzt werden - eine qualvolle Prozedur, die Züchter anwenden, damit sich die Tiere im engen Stall nicht gegenseitig verletzen und so die Erlöse der Hersteller minimieren. Wir bewerteten auch die Transparenz der Hersteller: Waren sie bereit, den Arzneimitteleinsatz während der Putenzucht offenzulegen? Und erlaubten sie unseren Experten, einen Mästereibetrieb zu besuchen? Wie immer bei CSR-Tests genügten uns Angaben nur, wenn uns auch entsprechende Dokumente vorgelegt werden konnten, die die Antworten belegen.

Test Blumenerde: Moore sind die größten CO2-Speicher unserer Erde. Wird die Torfschicht der Moore für die Produktion von Blumenerde abgebaut, setzt das gewaltige Mengen des Klimagases frei. Deshalb haben wir in unserem Test Blumenerde im April 2012 nur Blumenerden getestet, die ohne Torf auskommen. Natürlich wollten wir wissen, ob wirklich kein Torf im torffrei deklarierten Produkt drinsteckt und wie die Hersteller die Torffreiheit sicherstellen. Ein Labor untersuchte die Testerden auf Torfrückstände. Und bei den Herstellern fragten wir nach Unterlagen zum Produktionsablauf, der torffreie Erden garantiert. Da die meisten Erdenhersteller allerdings auch torfhaltige Produkte im Angebot haben, interessierte uns, woher der Torf stammt, der in die Blumenerde gemischt wird. Denn gerade in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und den baltischen Staaten besteht die Gefahr, dass Torf nicht nur in bereits für die landwirtschaftliche Nutzung entwässerten Mooren abgebaut wird, sondern auch in noch intakten Mooren. Dort ist der Schaden für die Umwelt noch größer.

Test Gartenmöbel aus Tropenholz: Beim Test Gartenmöbel vom Juni 2012 stand die Umweltzerstörung in den Tropen im Fokus. Wir testeten Gartenmöbel aus Tropenholz und damit, ob die Anbieter Verantwortung für die Umwelt übernehmen und Holz nur aus kontrollierter Waldwirtschaft und kontrolliertem Holzeinschlag in den Erzeugerländern wie Indonesien oder Malaysia kaufen. Nur wer sich bemüht, durch eine lückenlose Produktionskette von der Plantage bis zum Möbelgeschäft die Herkunft von Tropenholz nachzuweisen, versucht aus unserer Sicht, illegalen Holzeinschlag und die Rodung von weitgehend unberührten Wäldern zu vermeiden.

Tests müssen unabhängig sein, sonst können sie gerichtlich verboten werden. Durch ein eigenes Labor wäre diese Unabhängigkeit infrage gestellt. Außerdem sind die von ÖKO-TEST beschäftigten Labore hoch spezialisiert und besitzen teilweise jahrzehntelange Erfahrung. Ein ÖKO-TEST-Labor käme daher kaum an die Qualität der Analysen externer Labore heran.

ÖKO-TEST arbeitet grundsätzlich nur mit fachkundigen Laboren zusammen, die ihre Qualifikation durch eine entsprechende Zulassung (Akkreditierung) unter Beweis gestellt haben. Der Grund: Die Zusammenarbeit mit den besten Laboren ist zwar teuer, verbessert unsere Chancen in gerichtlichen Auseinandersetzungen aber erheblich. Viele der Labore sind zudem gerichtlich vereidigte Sachverständige. So waren in einem Prozess, den ein Kinderfahrradhersteller gegen uns angestrengt hat, sowohl unser wie der Gutachter der Gegenseite vereidigte Sachverständige. Unser Gutachter hatte dem gegnerischen bei der IHK die Prüfung abgenommen. Den Prozess haben wir gewonnen.

ÖKO-TEST steht für größtmögliche Transparenz. Daher veröffentlichen wir detailliert wie niemand sonst in jedem Heft, wie wir untersuchen und bewerten. Dadurch kann bei ÖKO-TEST jeder genauestens nachvollziehen, wie ein Testurteil zustande kommt. Transparenz stößt allerdings dort an eine Grenze, wenn sie unsere Arbeit unmöglich macht. Das wäre vor etlichen Jahren beinahe geschehen. Damals haben wir in jedem Test auch die Namen der Labore veröffentlicht. Doch dann wurden die Labore vor allem von der Lebensmittelindustrie unter Druck gesetzt und es wurde ihnen mit dem Entzug von Aufträgen gedroht. Sie wollte uns die Möglichkeit abschneiden, in den besten Laboren Tests durchführen zu lassen und damit auch unsere Chancen in gerichtlichen Auseinandersetzungen schmälern. Da ÖKO-TEST zwar ein großer, aber nicht der größte Kunde war, haben sich einige Labore tatsächlich geweigert, weiterhin für uns zu testen. Seither geben wir die Labore nicht mehr bekannt.

Für unsere Untersuchungen verwenden die von uns beauftragten Labore die modernsten Testmethoden. Das hat ein Gericht sogar ausdrücklich bestätigt. In dem Prozess ging es um das gefährliche und verbotene Antibiotikum Chloramphenicol in Shrimps. Ein Hersteller, der gleich zwei belastete Produkte im Angebot hatte, erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen uns, durch die wir gezwungen waren, dem bereits gedruckten ÖKO-TEST-Magazin einen Hinweiszettel beizulegen. Darin wurde ÖKO-TEST unter anderem verpflichtet, Mengen unter 1 µg/kg als "unmaßgeblich" zu bezeichnen.

Dagegen legten wir umgehend Widerspruch ein und bekamen Recht. Die einstweilige Verfügung wurde aufgehoben. "Würde ÖKO-TEST verurteilt", schrieb das Gericht in seiner Begründung, "bei einer Belastung von Shrimps oder Garnelen von 0,19 µg/kg bzw. von 0,3 µg/kg dem Leser mitzuteilen, dass diese Belastung mit Chloramphenicol unmaßgeblich sei, wäre dies falsch und würde nicht der aktuellen Rechtslage entsprechen." Denn bereits zwei Jahre zuvor hatte das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV, das heutige Bundesinstitut für Risikobewertung BfR) festgelegt, dass Produkte zu beanstanden und aus dem Verkehr zu ziehen sind, die lediglich 0,1 µg/kg Chloramphenicol enthalten. Damit Shrimps überhaupt verkauft werden dürfen, verlangten die Überwachungsbehörden Untersuchungsberichte, bei denen die Nachweisgrenze nicht höher als 0,3 µg/kg liegt. Auf den gleichen Wert verständigte sich auch der zuständige Fachausschuss der EU. Diese verhältnismäßig hohe Grenze wurde nur zugelassen, weil genauere Tests extrem teuer sind. Außerdem haben nur wenige Labore die Ausrüstung für Untersuchungen, wie sie ÖKO-TEST durchführen lässt - "die nach dem momentanen Stand der Technik aufwendigste und modernste Messmethode überhaupt", so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

ÖKO-TEST untersucht alles, was für Verbraucher wichtig ist. Das Unverständnis darüber, dass ÖKO-TEST auch nicht ökologische Produkte oder Dienstleistungen wie Riester-Renten testet, beruht auf einem Missverständnis der Bedeutung des Zeitschriften-Namens.

Als ÖKO-TEST vor über 30 Jahren gegründet wurde, standen Nutzen und Gebrauchswert von Produkten und Dienstleistungen im Mittelpunkt von Tests, also: Wie gut wäscht ein Waschmittel? Vielleicht auch noch: Wie teuer ist es? Das ÖKO im Namen war und ist Programm, weil ÖKO-TEST den Blick erweitern wollte und erweitert um die Aspekte des Gesundheits- und Umweltschutzes, also: Wie stark belasteten die Waschmittel die Abwässer, lösen die eingesetzten Duftstoffe Allergien aus?

Der Öko-Test sollte und soll also nicht auf bestimmte Aspekte eingeschränkt, sondern vielmehr um wichtige Faktoren erweitert werden. Denn das Ziel von ÖKO-TEST ist es, die guten von den schlechten Produkten und Dienstleistungen zu trennen. Dazu bedarf es einer möglichst breiten Beurteilungsbasis.

Um die Discounter tobt in der ÖKO-TEST-Leserschaft ein Glaubenskrieg. Die einen fordern, Produkte von Discountern nicht in Tests zu berücksichtigen. Zum Beispiel wegen der Arbeitsbedingungen oder wegen der Behandlung von Lieferanten. Beliebtes Beispiel sind die Milchpreise, die tatsächlich unter anderem wegen der Preispolitik der Discounter für Bauern ruinös sind. Aber auch, weil es offenbar wieder eine Überproduktion gibt. Denn wäre Milch knapp, könnten ja die Bauern höhere Preise durchsetzen.

Auf der anderen Seite sind viele - oft Familien mit kleinen Kindern - froh, dass Discounter bei ÖKO-TEST berücksichtigt werden. Ihr Argument: Sie könnten es sich nicht leisten, ihren gesamten Bedarf im Naturwarenhandel oder in Bio-Supermärkten zu decken. Durch unsere Tests könnten sie, ohne ein schlechtes Gewissen wegen möglicher Schadstoffbelastungen haben zu müssen, beim Discounter einkaufen.

In unseren Tests schneiden die Discounter häufig recht gut ab, weil sie ihre Marktmacht nicht nur einsetzen, um Löhne und Preise zu drücken. Sie fordern beispielsweise von ihren Lieferanten Produkte, die bei ÖKO-TEST mindestens mit "gut" abschneiden. Dadurch wird zum Beispiel der Einsatz von Pestiziden in der Produktion von Obst- und Gemüse eingeschränkt. Denn ÖKO-TEST wertet Produkte schon ab, die mehr als zehn Prozent des gesetzlichen Grenzwertes enthalten. Das ist nur möglich, wenn man so weit wie möglich auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet.

Ein anderes Beispiel sind Aromastoffe. Wir kritisieren den Einsatz unter anderem, weil Aromastoffe die Verwendung von minderwertigen Zutaten überdecken können und schon Kinder nicht mehr zwischen natürlichen Zutaten und künstlichem Geschmack unterscheiden können. Seit einiger Zeit verzichten daher Discounter immer häufiger auf Aromastoffe, die im Übrigen nicht nur von ÖKO-TEST, sondern auch von Ernährungswissenschaftlern abgelehnt werden.

Nicht zuletzt ist der Boom der Bio-Produkte, wie wir ihn heute erleben, erst durch die Discounter möglich geworden. Erst seit sie Bio-Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen anbieten, sind sie für einen Großteil der Bevölkerung überhaupt verfügbar und damit zu einer Alternative zu konventionellen Produkten geworden. Andererseits muss man nicht gutheißen, dass auch Leute bei Discountern für billiges Geld einkaufen, die es sich leisten könnten, nicht nur auf die Preise und die direkte Produktqualität zu achten.

Die untersuchten Produkte bekommt man nicht mehr, wenn der Test veröffentlicht wird. Trotzdem macht der Test von Obst und Gemüse Sinn. Auch, weil wir immer drei verschiedene Chargen untersuchen. Dann gibt es drei Möglichkeiten.

Möglichkeit 1: Alle Ergebnisse zum Beispiel für die Kirschen eines Vertreibers sind gleich gut. Dann hat der Hersteller eine gute Qualitätskontrolle und hohe Qualitätsansprüche, und Sie können davon ausgehen, dass auch später von Ihnen gekaufte Kirschen in Ordnung sind.

Möglichkeit 2: Der umgekehrte Fall, alle drei Chargen sind durchgefallen. Dann stellt sich doch die Frage, warum später gekaufte Kirschen besser sein sollen.

Möglichkeit 3: Die Testergebnisse schwanken, im Extremfall zwischen "sehr gut" und "ungenügend". Der Einkauf in diesem Supermarkt ist somit ein Glücksspiel - entweder weil die Qualitätskontrolle nicht funktioniert oder weil der Hersteller niedrige Qualitätsansprüche hat.

Sowohl bei durchgängig schlechten wie bei schwankenden Ergebnissen können Verbraucher Druck machen, indem sie die Produkte im Regal liegen lassen. Dass dieser Druck tatsächlich Erfolge hat, können Sie in der Rubrik Nachwirkungen im ÖKO-TEST-Magazin nachlesen. Dort berichten wir jeden Monat über Verbesserungen, die die Hersteller vorgenommen haben.

Eine allgemeingültige Definition, was überflüssig und was unverzichtbar ist, gibt es nicht. Weder bei Lebensmitteln noch bei anderen Produkten. Vegetarier würden wahrscheinlich Tests von Wurst und Fleisch für überflüssig halten, für Veganer (sie verzichten völlig auf tierische Produkte) bräuchten wir wahrscheinlich auch keine Eier testen. Ökologisch ausgerichtete Baufamilien finden möglicherweise einen Test von Dämmstoffen aus Mineralwolle verzichtbar.

Doch diese und viele andere "überflüssige" Produkte werden gekauft, und die Verbraucher haben ein Recht auf Informationen darüber. Sie sollen wissen, welche Dämmstoffe frei von krebserregenden Fasern sind (auch aufgrund unserer Tests inzwischen alle), welche Eier gesundheitsschädliche Farbstoffe enthalten, krank machende Salmonellen und welches Fleisch Rückstände von Antibiotika enthält.

Grundsätzlich, so hat der Bundesgerichtshof entschieden, rechtfertigen Anzeigen in einer Testzeitschrift nicht einmal den Verdacht, es fehle den Tests an der erforderlichen Neutralität und Sachkunde. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit manchmal versucht, ÖKO-TEST allein durch den Hinweis auf die Anzeigen im Heft in Misskredit zu bringen. Allerdings träfe ein entsprechender Verdacht (fast) alle Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkanstalten und Fernsehsender, die sich meist in wesentlich höherem Maße über Anzeigen finanzieren als ÖKO-TEST.

Auch Hersteller versuchen vor Gericht immer wieder Zweifel an der Neutralität von ÖKO-TEST zu säen. Denn in Hunderten von Klagen wurde versucht, Tests verbieten zu lassen - mit dem Argument, die Testergebnisse seien falsch. Erfolglos.

Wäre ÖKO-TEST jedoch nicht neutral und unabhängig, könnten Gerichte unsere Tests verbieten, selbst wenn die Testergebnisse richtig sind. Doch auch mit dieser Strategie, missliebige Tests aus der Welt zu schaffen, hatte noch kein Hersteller Erfolg.

Besonders deutlich zeigt sich die Neutralität und Unabhängigkeit von ÖKO-TEST auch am Beispiel der Kosmetikindustrie. Die gibt in anderen Zeitschriften Unsummen für Werbung aus. Nur im ÖKO-TEST-Magazin schalten die großen Hersteller keine Anzeigen. Der Grund: Häufig fallen deren Produkte bei uns mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Dass sich daran durch die Schaltung von Werbeanzeigen etwas ändern könnte, nehmen die Hersteller ganz offensichtlich nicht an. Denn sonst würden sie ÖKO-TEST mit Anzeigen überhäufen - das Geld dafür haben sie ja.

Dass es keinerlei Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden gibt, zeigt auch die Tatsache, dass immer wieder Anzeigen veröffentlicht werden für Produkte, die im gleichen Heft mit "ausreichend", "mangelhaft" oder sogar "ungenügend" getestet wurden. Verständlich ist allerdings, dass viel häufiger für "sehr gute" oder "gute" Produkte geworben wird. Denn ÖKO-TEST teilt den Herstellern vorab die Labor-Ergebnisse zur Kontrolle und zur Stellungnahme mit. Obwohl die Hersteller nur die Laborwerte bekommen und nicht die Bewertung und das Gesamturteil, können sie abschätzen, ob sie besser oder schlechter abschneiden werden.

Fragen zum ÖKO-TEST Label

Das Label darf genutzt werden, solange das Produkt nicht verändert wurde. Allerdings darf ein Produkt auch nicht mehr gelabelt werden, wenn es einen neuen Test zu der Produktgruppe gibt, zu der das getestete Produkt zählt, und zwar unabhängig davon, ob dieses in dem neuen Test untersucht wurde. Ein neuer Test zu einer Produktgruppe liegt vor, wenn diesem aktualisierte Testkriterien zugrunde liegen. Das kann etwa der Fall sein, wenn neue Erkenntnisse über bestimmte Stoffe vorliegen oder die Laborpraxis neuere oder bessere Untersuchungsmethoden ermöglicht. Auch überarbeiten wir unsere Bewertungen regelmäßig. Daher können nach einem solchen aktualisierten Test die Testergebnisse der vorhergehenden Tests keine Gültigkeit mehr beanspruchen, sie entsprechen nicht mehr unseren aktuellen Anforderungen an die Produktgruppe.

Trotzdem gab es in der Vergangenheit viele "uralte" Label auf Produkten, bei denen wir nicht mehr genau nachvollziehen konnten, ob sie im Laufe der Jahre tatsächlich nicht verändert wurden. Daher haben wir die Nutzungsdauer für das ÖKO-TEST Label nunmehr auf 2 Jahre beschränkt.

Das ÖKO-TEST Label gibt es erst seit dem Jahr 2000. In den ersten Jahren haben nur vereinzelt Hersteller mit guten Testergebnissen von uns geworben. Feste Regeln dafür gab es nicht. Heute findet sich das Label auf einer Vielzahl von Produkten. Große wie kleine Hersteller, Supermärkte und Discounter nutzen das Label als Möglichkeit, auf die Qualität ihrer Produkte aufmerksam zu machen. Das ÖKO-TEST-Label ist so begehrt, dass Firmen es sich manchmal selbst verleihen für Produkte, die wir gar nicht getestet haben. Solche Missbrauchsfälle werden in der Regel allerdings recht schnell aus der Welt geschafft. Dafür sorgt schon die Konkurrenz. Denn sie wird durch ein fälschlich genutztes Label benachteiligt.

Sobald wir vom Missbrauch eines Labels erfahren, bekommt die betreffende Firma Post von unseren Anwälten. Daraufhin wollte eine Firma - gegen Geld an uns - eine Aufbrauchfrist für die Verpackungen mit dem falschen Label aushandeln. Das haben wir selbstverständlich abgelehnt. Die Firma musste die Verpackungen überkleben. Und je 5.000 Euro an zwei Umweltverbände spenden. Sie war dazu bereit, weil es inzwischen möglich ist, sogenannte Unrechtsgewinne durch Gerichte abschöpfen zu lassen.

Wenn Verstöße nicht gravierend sind, wenn also beispielsweise nicht das Produkt selbst geändert, sondern nur das Verpackungsdesign und die Nutzung des ÖKO-TEST-Labels daher nicht mehr erlaubt ist, gewähren wir für bereits produzierte Verpackungen eine Aufbrauchfrist. Denn die Vernichtung der Verpackungen wäre ökologisch unsinnig. Im Gegenzug verpflichten wir die Hersteller, ein paar Hundert bis ein paar Tausend Euro zu spenden. Nicht an ÖKO-TEST, sondern an Umweltorganisationen.

Wenn Firmen für ihre Produkte mit "ÖKO-TEST sehr gut" werben, macht das auch ÖKO-TEST bekannter. Lässt ÖKO-TEST daher möglichst viele Produkte gut abschneiden? Dieser Verdacht wird immer mal wieder geäußert. Genauso wie der umgekehrte Verdacht, ÖKO-TEST bewerte Produkte ohne wissenschaftliche Grundlage und Begründung schlecht und schüre ohne Grund Panik, nur um das Heft besser zu verkaufen. Dass beides gleichzeitig nicht geht, dürfte unstrittig sein. Aber auch beide Vorwürfe für sich entbehren jeder Grundlage. Unsere Tests müssen nämlich sachkundig sein. Das heißt, wir können nicht ohne Grund Produkte schlecht bewerten. Dass unsere Tests sachkundig sind, haben immer wieder Gerichte in Prozessen gegen uns bestätigt. Tests müssen aber auch neutral sein. Das heißt: Wir können nicht ohne Grund Produkte gut oder sogar zu gut bewerten. Auch darüber wachen die Gerichte, die oft genug von Herstellern angerufen werden.

Insgesamt schadet das Labeling ÖKO-TEST. So argumentieren Firmen, die sich von uns eine großzügigere Handhabung wünschen und nach ihren Angaben baugleiche Produkte labeln wollen, damit werde auch ÖKO-TEST bekannt gemacht. Allerdings zeigen viele Studien, dass die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher ohnehin ÖKO-TEST schon kennen - und vertrauen. Daher kaufen sie Produkte mit dem ÖKO-TEST Label, nicht aber unser Heft mit dem entsprechenden Test. Denn den meisten reicht es zu wissen, dass wir ein Produkt mit "gut" oder "sehr gut" bewertet haben. Das Warum, das sie im Heft nachlesen könnten, interessiert nur noch wenige.

Ob ein Produkt baugleich ist, also lediglich unter anderem Namen verkauft wird, haben wir nicht untersucht. Wir müssten uns also auf die Angaben der Hersteller verlassen. Das lehnen wir ab.

Wir erlauben die Nutzung des Labels nicht zum Beispiel für eine Matratze Größe 140 x 220, Härtegrad 3, wenn wir die Größe 90 x 200, Härtegrad 2 getestet haben - selbst wenn im Label auf die tatsächliche getestete Version hingewiesen wird. Denn die Testergebnisse für die Ergonomie, also die Liegeeigenschaften, sind bei einer größeren oder härteren Matratze andere als für die von uns tatsächlich getestete Version.

Das gleiche gilt zum Beispiel für einen Beißring, den wir in der Farbe pink getestet haben. Ein grüner darf dann nicht gelabelt werden, weil die Farbe Einfluss auf die Schadstoffe und damit das Testergebnis haben kann.