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Lackfarben

Nicht alle glänzen

Im Zweifel besser wasser- als lösemittelbasiert - diese Regel gilt für alle, die zu Hause einigermaßen schadstoffarm Lackierarbeiten vornehmen wollen. Unser Test ergab aber: Leider ist nicht überall, wo "wasserbasiert" draufsteht, auch "schadstoffarm" drin.

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02.11.2012 | Im Fernsehen sieht's immer furchtbar einfach aus: Die alten Küchenstühle wechseln von Kiefer natur auf zartgrau, die Bilderrahmen werden umbra, das Bücherregal taubenblau umlackiert. Innerhalb einer Stunde wird so aus der rumpeligen Küche ein echtes Schmuckstück.

Wer zu Hause schon einmal ähnliche Projekte in Angriff genommen hat, kann da nur müde lächeln. Die neue Farbe für ein Möbelstück ist in der Regel ein ganz schön zeitraubendes Projekt. Erst muss der alte Lack ab, dann braucht's nach der ersten Lackrunde meist noch einen Zwischenschliff, erst dann kann der Endanstrich aufgebracht werden. Und wer nicht in die Garage ausweichen kann, bei dem riecht die ganze Bude auch noch zwei Wochen später nach Lackierwerkstatt.

Weil die meisten Heimwerker diese Geruchsbelästigung so gut es geht vermeiden wollen, kaufen sie vor allem wasserbasierte Lacke ein, sogenannte Dispersionslacke. Diese gelten als schadstoffärmer, umweltfreundlicher und beim Verdünnen und Reinigen kann man Wasser statt etwa stinkendes Terpentin hernehmen. Ganz ohne Lösemittel kommen diese Farben zwar auch nicht aus, doch der Anteil liegt in der Regel unter zehn Prozent.

Wir haben 19 weiße, seidenmatte oder -glänzende Lacke eingekauft und geprüft, was drinsteckt, was beim Lackieren ausdampfen kann und wie gut die Hersteller auf den Etiketten über ihre Produkte informieren.

Das Testergebnis

"Wasserbasiert" heißt nicht, dass ein Produkt schadstofffrei ist. Nur zehn Lacke schneiden mit einem "sehr guten" Testergebnis Inhaltsstoffe ab. Wieder einmal schaffen es viele günstige Baumarkteigenmarken in den "sehr guten" und "guten" Bereich.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Weiße Lacke, "seidenglänzend" und "seidenmatt", werden am häufigsten vom Do-it-yourselfer verstrichen. Deshalb landeten diese Produkte in unserem Einkaufswagen. Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren dafür in Baumärkten unterwegs und ließen sich auch im Fachhandel beraten. Auf der Suche nach Lacken auf Wasserbasis wurden wir nur bei drei Naturfarbenherstellern fündig - traditionell wird hier noch oft mit der Kombination aus Naturharzen und Lösemitteln gearbeitet.

Die Inhaltsstoffe
Wasserbasierte Lacke enthalten zwar weit weniger Lösemittel als lösemittelbasierte, trotzdem können auch aus diesen Produkten gesundheitlich bedenkliche Stoffe ausdünsten. Aufgrund des Wassergehalts laufen sie Gefahr, von Bakterien und Pilzen befallen zu werden. Häufig sind deshalb Konservierungsmittel wie Isothiazolinone Rezepturbestandteile, aber auch halogenorganische Verbindungen oder Formaldehyd/-abspalter können zum Einsatz kommen. Über die Pigmente können Schwermetalle in die Lacke geraten, etwa Blei. Ganz bewusst eingesetzt werden hingegen Kobaltsalze, sie beschleunigen den Trocknungsvorgang, haben aber ihre Tücken: sie können sensibilisierend wirken.

Die Deklaration
sehen wir uns bei Farben und Lacken ganz genau an. Dazu zählen nicht nur Etiketten und technische Merkblätter, sondern auch die Sicherheitsdatenblätter, in denen die Hersteller nach einem klar vorgegebenen Schema Angaben zu ihren Farben machen müssen. Eine Volldeklaration wäre wünschenswert, ist aber nicht verpflichtend. Doch zumindest die eingesetzten Konservierungsmittel sollten angegeben werden, das fordert auch der Blaue Engel. Darüber hinaus wollten wir natürlich wissen, was hinter großmundigen Versprechungen wie "100 % lösemittelfrei" steckt.

Die Bewertung
Wer mit wasserbasierten Lacken arbeitet, möchte möglichst lösemittelarm lackieren und natürlich keine Schadstoffe auf Möbel und Türen pinseln oder diese einatmen. Deshalb geht bei uns das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein. Die restlichen 30 Prozent macht das Testergebnis Deklaration aus, denn wer im Geschäft steht und auf der Suche nach dem richtigen Lack ist, braucht vernünftige Informationen auf dem Etikett oder zumindest im technischen Merkblatt.

So haben wir getestet

Die Deklaration war ein Prüfparameter - mit vielen Mängeln