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19 Lackfarben im Test

Nicht alle glänzen

Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren | Kategorie: Bauen und Wohnen | 02.11.2012

19 Lackfarben im Test

Im Zweifel besser wasser- als lösemittelbasiert - diese Regel gilt für alle, die zu Hause einigermaßen schadstoffarm Lackierarbeiten vornehmen wollen. Unser Test ergab aber: Leider ist nicht überall, wo "wasserbasiert" draufsteht, auch "schadstoffarm" drin.

Neuer Artikel vorhanden: 19 wasserbasierte Lackfarben im Test

Im Fernsehen sieht's immer furchtbar einfach aus: Die ­alten Küchenstühle wechseln von Kiefer natur auf zartgrau, die Bilderrahmen werden ­umbra, das Bücherregal taubenblau umlackiert. Innerhalb einer Stunde wird so aus der rumpeligen Küche ein echtes Schmuckstück.

Wer zu Hause schon einmal ähnliche Projekte in Angriff genommen hat, kann da nur müde lächeln. Die neue Farbe für ein Möbelstück ist in der Regel ein ganz schön zeitraubendes Projekt. Erst muss der alte Lack ab, dann braucht's nach der ersten Lackrunde meist noch einen Zwischenschliff, erst dann kann der Endanstrich aufgebracht werden. Und wer nicht in die Garage ausweichen kann, bei dem riecht die ganze Bude auch noch zwei Wochen später nach Lackierwerkstatt.

Weil die meisten Heimwerker diese Geruchsbelästigung so gut es geht vermeiden wollen, kaufen sie vor allem wasserbasierte Lacke ein, sogenannte Dispersionslacke. Diese gelten als schadstoffärmer, umweltfreundlicher und beim Verdünnen und Reinigen kann man Wasser statt etwa stinkendes Terpentin hernehmen. Ganz ohne Lösemittel kommen diese Farben zwar auch nicht aus, doch der Anteil liegt in der Regel unter zehn Prozent.

Wir haben 19 weiße, seidenmatte oder -glänzende Lacke eingekauft und geprüft, was drinsteckt, was beim Lackieren ausdampfen kann und wie gut die Hersteller auf den Etiketten über ihre Produkte informieren.

Das Testergebnis

"Wasserbasiert" heißt nicht, dass ein Produkt schadstofffrei ist. Nur zehn Lacke schneiden mit einem "sehr guten" Testergebnis Inhaltsstoffe ab. Wieder einmal schaffen es viele günstige Baumarkteigenmarken in den "sehr guten" und "guten" Bereich, aber auch Alpina und die Naturfarbenhersteller Bio Pin und Volvox sind mit dabei.

Aus einigen Lacken gasen Ethylenglykole aus, die zu Bindehautreizungen oder Nierenschäden führen können, auch Acrylate, die sensibilisierend wirken können, sind unter den flüchtigen organischen Verbindungen zu finden. Aromaten, eine Stoffgruppe, zu der auch Benzol und Styrol zählen, können das zentrale Nervensystem schädigen, manche gelten als fruchtschädigend. Sie gasen unter anderem aus dem Biofa Aqualux Decklack Innen aus, auf dessen Etikett der Hersteller groß damit wirbt, dass das Produkt "lösemittelfrei" sei. Auch beim Auro Weißlack wird auf dem Etikett ganz schön übertrieben: "100 % lösemittelfrei" - das stimmt leider nicht.

Die Labore wiesen weder halo­genorganische Verbindungen noch Formaldehyd/­-abspalter nach. Statt chlorierter Isothiazolinone, die ein besonders hohes sensibilisierendes Potenzial haben, kommen ausschließlich die etwas "milderen" Methyl- und Benz­isothiazolinone zum Einsatz. Hier halten sich die meisten Hersteller an die Grenzen, die der Blaue Engel seit Sommer 2010 vorgibt und an denen auch wir uns orientieren. Zwei Lacke überschreiten diesen Wert: Primaster Acryl Weiss­lack Seidenmatt von Globus und Sikkens Rubbol BL ­Satura Seidenglanzlack aus dem Fachmarkt. Sikkens informiert auf dem Etikett noch nicht einmal darüber, dass ü


Lackfarben: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Alpina Premiumlack 2 in 1 Weisslack, Seidenmatt
  • Alpina

Max Bahr 2 in 1 Weißlack Seidenmatt
  • Max Bahr

Volvox proAqua Weißlack Seidenglänzend
  • Ecotec

Brillux Hydro-PU-Tec Seidenmattlack 2088
  • Brillux

Glasurit Buntlack 2 in 1 Seidenmatt
  • Akzo Nobel Deco

Sikkens Rubbol BL Satura Seidenglanzlack
  • Akzo Nobel

Auro Weißlack Seidenmatt Nr. 260-90
  • Auro

EinzA Samtacryl Seidenglanzlack
  • EinzA

Bio Pin Decklack Seidenglänzend
  • Bio Pin

Swingcolor Weisslack 2 in 1 Seidenmatt
  • Bauhaus

Praktiker 2 in 1 Weisslack Seidenmatt
  • Praktiker

Schöner Wohnen DurAcryl Buntlack Seidenmatt
  • J.D. Flügger

Biofa Aqualux Decklack Innen, Seidenglänzend
  • Biofa

Hornbach Acryl Lack 2 in 1 Seidenmattlack
  • Hornbach

Renovo Acryl Weisslack Seidenmatt
  • Zeus/Hagebau

Primaster Acryl Weisslack Seidenmatt
  • Globus-Baumarkt

Capacryl PU-Satin, Seidenmatt
  • Caparol

Genius Pro Premium Buntlack Seidenmatt
  • Toom

Vincent 2 in 1 Weisslack + Grundierung Seidenmatt
  • Hellweg

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6 Seiten
Seite 222 - 227 im Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren
vom 02.11.2012
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Weiße Lacke, "seidenglänzend" und "seidenmatt", werden am häufigsten vom Do-it-yourselfer verstrichen. Deshalb landeten diese Produkte in unserem Einkaufswagen. Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren dafür in Baumärkten unterwegs und ließen sich auch im Fachhandel beraten. Auf der Suche nach Lacken auf Wasserbasis wurden wir nur bei drei Naturfarbenherstellern fündig - traditionell wird hier noch oft mit der Kombination aus Naturharzen und Lösemitteln gearbeitet.

Die Inhaltsstoffe

Wasserbasierte Lacke enthalten zwar weit weniger Lösemittel als lösemittelbasierte, trotzdem können auch aus diesen Produkten gesundheitlich bedenkliche Stoffe ausdünsten. Aufgrund des Wassergehalts laufen sie Gefahr, von Bakterien und Pilzen befallen zu werden. Häufig sind deshalb Konservierungsmittel wie Isothiazolinone Rezepturbestandteile, aber auch halogenorganische Verbindungen oder Formaldehyd/-abspalter können zum Einsatz kommen. Über die Pigmente können Schwermetalle in die Lacke geraten, etwa Blei. Ganz bewusst eingesetzt werden hingegen Kobaltsalze, sie beschleunigen den Trocknungsvorgang, haben aber ihre Tücken: sie können sensibilisierend wirken.

Die Deklaration

sehen wir uns bei Farben und Lacken ganz genau an. Dazu zählen nicht nur Etiketten und technische Merkblätter, sondern auch die Sicherheitsdatenblätter, in denen die Hersteller nach einem klar vorgegebenen Schema Angaben zu ihren Farben machen müssen. Eine Volldeklaration wäre wünschenswert, ist aber nicht verpflichtend. Doch zumindest die eingesetzten Konservierungsmittel sollten angegeben werden, das fordert auch der Blaue Engel. Darüber hinaus wollten wir natürlich wissen, was hinter großmundigen Versprechungen wie "100 % lösemittelfrei" steckt.

Die Bewertung

Wer mit wasserbasierten Lacken arbeitet, möchte möglichst lösemittelarm lackieren und natürlich keine Schadstoffe auf Möbel und Türen pinseln oder diese einatmen. Deshalb geht bei uns das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein. Die restlichen 30 Prozent macht das Testergebnis Deklaration aus, denn wer im Geschäft steht und auf der Suche nach dem richtigen Lack ist, braucht vernünftige Informationen auf dem Etikett oder zumindest im technischen Merkblatt.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren
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Erschienen am 02.11.2012

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