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11 LED-Lampen im Test

Handbuch Bauen, Wohnen, Renovieren
vom 02.11.2012

LED-Lampen

Erhellend

LED gelten als das Licht der Zukunft. Zu Recht: Unter den sogenannten Retrofits, LED für die übliche Lampenfassung, finden sich tatsächlich einige Kandidaten, die gar nicht mal so schlecht sind. Bei der Lichtqualität muss man allerdings noch Abstriche machen.

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02.11.2012 | Seit 2009 sollen EU-weit Haushalte energiesparender beleuchtet werden. Prinzipiell eine gute Sache. Der Haken daran: Die Glühlampe kann die neuen Anforderungen an die Energieeffizienz nicht mehr erfüllen. Und Energiesparlampen sind keine Alternative.

Mit Hochdruck arbeitet die Industrie daran, Leuchtdioden, sogenannte LED, so weiterzuentwickeln, dass sie statt Glüh- und Energiesparlampen eingeschraubt werden können. Keine einfache Aufgabe - und eigentlich auch nur eine Übergangslösung, denn LED fordern im Prinzip ganz eigene Leuchtensysteme. LED-Lampen sind Hightechgeräte, konstruiert auf Basis hochkomplexer Halbleitertechnik. Strom bringt Halbleiterkristalle zum Leuchten.

Dass man auf diesem Weg äußerst energiesparend Licht erzeugen kann, ist schon seit Langem klar. Allerdings taugte die LED-Technik lange Zeit nur für Warnlämpchen oder Hinweistafeln, weil ihr Licht noch sehr schwach war. Außerdem konnte man nur wenige Farben erzeugen. Erst seit Mitte der 1990er-Jahre ist es überhaupt möglich, LED in weißem Licht leuchten zu lassen. Wie natürlich das Licht der LED letztlich erscheint, hängt davon ab, wie verschiedene Halbleitermaterialien aufeinander abgestimmt sind. Die notwendigen Rohstoffe zählen zur Gruppe der heiß begehrten seltenen Erden. Schon jetzt ist zu erwarten, dass Versorgungsengpässe entstehen werden, weshalb ein vernünftiges Recyclingsystem wichtig ist.

Inzwischen haben erste Hersteller LED-Lampen im Programm, die mit einem E27-Schraubgewinde ausgestattet sind, sodass sie in eine normale Lampenfassung eingeschraubt werden können. Einige Modelle haben Glühlampenähnlichkeit, andere ähneln eher leuchtenden Maiskolben. Wir haben elf LED eingekauft, die warmweiß leuchten und entweder angeben, mit der Kraft einer 60-Watt-Glühlampe leuchten zu können, oder deren Angaben sonst irgendwie darauf schließen lassen, dass sie in diese Richtung kommen. Ob sie's wirklich tun? Ob sie so sparsam und unkaputtbar sind, wie die Hersteller behaupten? Wir haben getestet, ob sich die Investition lohnt. Immerhin muss man zwischen knapp 30 bis über 80 Euro zahlen - ein solches Modell ist dann auch dimmbar. Vergleichsbasis war eine Glühlampe: das Philips Standardlicht 60 Watt.

Das Testergebnis

Bis auf wenige Querschläger haben sich die LED im Test als verlässliche Energiesparer gezeigt, die kaum anfällig für Ausfälle sind. Allerdings finden sich unter den LED-Lampen auch noch einige Funzeln. Und wie bei den Energiesparlampen bringt die komplexe Elektronik der LED Elektrosmog mit sich - der sich leider im Licht fortsetzt. Im Hinblick auf diese biologischen Risiken schneiden die gute, alte Glühlampe sowie die Halogenlampe besser ab.

Die LED von Osram, Philips, Toshiba und Heitronic können es locker mit der Helligkeit einer 60-Watt-Glühlampe aufnehmen. Keine Selbstverständlichkeit, wie sieben andere LED im Test zeigen. Sie schaffen es nicht, in einer ganz alltäglichen Beleuchtungssituation - Pendellampe über Tisch - an die 60-Watt-Glühlampe heran

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Auswahl an LED-Lampen, die in eine normale Glühlampenfassung eingeschraubt werden können, ist noch sehr überschaubar. Ziel war, LED zu testen, die eine 60-Watt-Glühlampe ersetzen können. Manche Hersteller geben dies auf der Verpackung an. Wo dies nicht der Fall war, orientierten sich die ÖKO-TEST-Einkäufer an der deklarierten Lumenzahl oder der Aufnahmeleistung, die mindestens bei 8 Watt liegen sollte. Eingekauft wurde vor allem in spezialisierten Onlineshops, aber auch in Elektronikfachgeschäften.

Der Praxistest
Helligkeit
Lampe oder Funzel? Wir ließen mit verschiedenen Methoden messen. Wie lange die Lampen ihre Helligkeit auf Dauer halten, wurde nach Industriestandard in der Ulbrichtkugel gemessen, das heißt komplett abgeschirmt. Den Vergleich mit der Leistung einer 60-Watt-Glühlampe mussten die Lampen hingegen in einer ganz alltäglichen Bedingung antreten: eingeschraubt in eine Pendelleuchte. Mit einem Luxmeter wurde gemessen, wie viel Licht in 50 Zentimetern Entfernung auf der Tischfläche ankam.
Energieeffizienz
Was spart man im Gegensatz zur Glühlampe ein? Wir berechneten dies nicht nur anhand des gemessenen Wattverbrauchs, sondern bezogen mit ein, welche Helligkeit man dafür im Vergleich zur Glühlampe bekommt.
Lichtqualität
Lampen sollen so leuchten, dass die Menschen und Dinge im Raum möglichst natürlich aussehen. Die Haut soll nicht aschfahl wirken, das Essen auf dem Teller appetitlich. Die Unterschiede sind zum Teil so heftig, dass man sie auch mit bloßem Auge erkennen kann. Wir ließen den Farbwiedergabeindex mit Hilfe eines Lichtspektralradiometers im Labor bestimmen. Darüber hinaus wurde ermittelt, wie nahe das Farbspektrum dem natürlichen Licht kommt. Seit unserem Energiesparlampentest wissen wir um das Problem des Lichtflimmerns. Wir ließen die Stärke des Flimmerns ermitteln und wollten auch wissen, ob die Flimmerfrequenzen nur im Stromtakt auftauchen oder auch in höherfrequenten Mikrowellenbereichen.
Haltbarkeit
Manche LED werben damit, 50.000 Stunden zu leuchten. Das würde bedeuten: über fünfeinhalb Jahre Dauerleuchten. Wir beschränkten uns im Dauertest auf 3.000 Stunden, damit die getesteten Lampen nicht schon längst wieder vom Markt verschwunden sind, bis der Test erscheint. Eine letzte Kontrolle auf Auffälligkeiten wurde nach 3.200 Stunden durchgeführt. Parallel dazu wurde die Schaltfestigkeit getestet, 30.000 mal wurden jeweils zwei Prüflinge alle fünf Minuten für eine Minute eingeschaltet.
Elektrosmog
Wo Spannung anliegt und Strom fließt, entstehen elektrische und magnetische Felder. Also auch bei LED. Mithilfe einer ganzen Batterie von Geräten, verschiedenen Feldsonden, Messantennen und Spektrumanalyser wurde ermittelt, welche Felder an der Lampe entstehen - und ob diese einigermaßen sauber sind oder durch Störfrequenzen und Oberwellen verschmutzt.

Das Material und Weitere Mängel
LED sind Kleinelektrogeräte. Wir ließen prüfen, ob hier bromierte Flammschutzmittel oder chlorierte Kunststoffe verarbeitet wurden. Auf eine Quecksilberprüfung kann man verzichten: Das giftige Schwermetall kommt hier nicht zum Einsatz. Auch die Deklaration nahmen wir unter die Lupe.

Die Bewertung
LED treten mit einem hohen Anspruch an. Sie wollen die Glühlampe ersetzen, fast ewig lange halten und echte Energiesparwunder sein. Doch was helfen sinkende Stromkosten, wenn das Licht zu Hause zum Weglaufen ist oder man trotz LED kaum was sieht? Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Licht.

So haben wir getestet

165 Minuten ein, 15 Minuten aus, rund um die Uhr - und das seit April. Der Dauertest ist ein echter Härtetest.

So haben wir getestet

Messungen von Elektrosmog und Lichtflimmern fordern eine Batterie an Messgeräten, teils sogar Prototypen.