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Flip-Flops, Crocs & Badeschuhe im Test: Viele stecken voller Schadstoffe

Jahrbuch für 2018 | Autor: ÖKO-TEST Redaktion | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.10.2017

Flip-Flops, Crocs & Co. im Test
Foto: CC0 / Unsplash.com / Dhruv

Sauna, Sonnenschein, Sommerregen oder Tag am See: Ideale Bedingungen für Flip-Flops, Crocs oder Badeschuhe. Mittlerweile haben sich auch Ästheten an ihren Anblick gewöhnt. Doch es gibt genug Gründe, kritisch hinzuschauen. Denn viele der luftigen Treter stecken voller Schadstoffe.

  • Wir haben fünf Badeschuhe, fünf Crocs, ein Birkenstock-Modell aus Kunststoff sowie zahlreiche Flip-Flops ins Labor geschickt.
  • Von 25 Schuhen sind zwei "sehr gut" und drei "gut".
  • Neun Modelle waren "ungenügend", weil sie zu viele Schadstoffe enthielten.

Heidi Klum trägt ihre mit Metallnieten, und das brasilianische Model Gisele Bündchen geht nicht nur in Zehentrennern spazieren, sondern entwirft die flachen Treter sogar für eine bekannte Modemarke aus ihrer Heimat. Dort, unter südamerikanischer Sonne, schlappen die Menschen gern das ganze Jahr über mit den dünnen Minimal-Sandalen durch die Gegend. Und hierzulande?

Flip-Flops, Crocs & Badeschuhe im Test

Wir wollten wissen, was man seinen Füßen antut, wenn man barfuß in die luftigen Sommertreter schlüpft. Deshalb haben wir insgesamt 25 Paare – Zehentrenner, Flip-Flops, Badesandalen, Kunststoff-Clogs und Badeschuhe – zur Schadstoffanalyse in die Labore geschickt.

Mit gemischten Resultaten: Zwei Modelle verdienen sich die Bestnote "sehr gut", drei Schuhe sind "gut", zwei "mangelhaft" – und neun "ungenügend".

Zehentrenner: Probleme mit PAK & Quecksilber

  • Wenn es stinkt, könnte das ein Hinweis auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sein, die in den Schuhen verarbeitet worden sind und vor sich hin müffeln. Einige PAK gelten als krebserregend, andere stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.
  • In einem Modell im Test findet sich ein ganzer Mix an PAK, darunter das krebserregende Benzo(a)pyren sowie krebsverdächtiges Naphthalin, das auch in 13 weiteren Schuhen steckt, die wir deshalb abwerten.
  • In einem Clog fand das Labor giftiges Quecksilber – schon kleine Mengen können das Nervensystem und vermutlich auch das Herz, Immunsystem und den Fortpflanzungszyklus schädigen.
  • In anderen Minimal-Sandalen wies das Labor Diethylhexylphthalat (DEHP) nach. Phthalate werden als Weichmacher eingesetzt und stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. DEHP ist als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und in der EU in Spielzeug und Babyartikeln ab einem geringen Grenzwert verboten.
  • Inzwischen sollen andere Verbindungen die Aufgabe der Phthalate übernehmen. Solche Ersatzweichmacher, die bislang nicht hinreichend auf mögliche langfristige Gesundheitsrisiken untersucht sind, stecken in sechs Schuhen.

Wenn Sie wissen möchten, welche Badesandalen, Clogs und Badeschuhe im Test besonders gut abgeschnitten haben, schalten Sie jetzt die Ergebnisse frei:

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Badeschuhe im Test: Bedenkliche Inhaltsstoffe

  • In zwei Produkten wies ein Labor Anilin nach. Dabei handelt es sich um einen Farbstoffbaustein aus der Gruppe der aromatischen Amine, der im Verdacht steht, Krebs zu verursachen.
  • Zinnorganische Verbindungen hat ein Labor viermal entdeckt. Sie sind in der Umwelt meist nur schwer abbaubar und stehen im Verdacht, das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen.
  • Problematisch ist Dioktylzinn, das in Babyartikeln oder Textilien mit Hautkontakt verboten ist. Bestimmte Methylzinnverbindungen besitzen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine "ausgeprägte Neurotoxizität". Im Tierversuch führt beispielsweise die orale Gabe von Dimethylzinn zum Absterben von Nervenbahnen.
CC0 / Pixabay / terimakasih0
CC0 / Pixabay / terimakasih0 (Foto: Ganz schön bunt, aber manchmal auch ganz schön ungesund: Flip-Flops & Co. im Test)

Sind Flip-Flops gut für die Füße? Das sagt der Orthopäde

Orthopäden sehen Zehentrenner zwiespältig. In ihnen zu laufen, könne zwar die Muskulatur stärken, weil die Füße im Vergleich zu festen Schuhen mehr arbeiten müssen. Dennoch taugten sie nicht für jeden Tag. "Füßen sollte Abwechslung gegönnt werden", sagt Dr. Hakan Pilge von der Orthopädischen Klinik der Düsseldorfer Uniklinik. Er rät bei gesunden Füßen zu einer Mischung aus Barfußlaufen, Minimal-Sandale und festem Schuhwerk.

Menschen mit extremen Platt- oder Ballen-Hohlfüßen sollten ganz auf die Zehentrenner verzichten. Auch bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie einer Zerebralparese sind sie tabu. Problematisch können auch zu weite Riemen sein: Sitzt der Schlappen zu locker am Fuß, versuchen die Zehen, sich am Schuh festzukrallen. "Dadurch können bei langer Tragedauer Hammer- oder Krallenzehen entstehen", erklärt Pilge.

Flip-Flops: Das rät ÖKO-TEST

  • Ein hoher Preis ist noch lange keine Garantie für einen schadstofffreien Schuh. "Sehr gute" Noten gab es im Test nicht unbedingt für die teureren Modelle.
  • Ein unangenehmer Geruch muss zwar nicht immer ein Zeichen für eine hohe Schadstoffbelastung sein. Im Zweifel gilt aber: Wenn die Schuhe stinken – lieber im Laden lassen.
  • Die richtige Schuhgröße ist auch bei Flip-Flops & Co. entscheidend. Weder sollten Zehen oder Ferse über den Rand hinausragen noch die Riemen zu eng anliegen. Anderenfalls kann der Fuß nicht natürlich abrollen, es drohen schnell Schmerzen.

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Testverfahren

Der Einkauf: Flipflops & Co. gehören zum Sommer. Unsere Einkäufer haben sich passend zur Jahreszeit in Schuh-, Sport- und Outdoorgeschäften sowie Onlineshops umgesehen und auch das Angebot von Kaufhäusern, Discountern und Drogerien nicht außer Acht gelassen. In die Warenkörbe sind 14 Zehenstegsandalen gewandert, sechs Paare Clogs und fünf Paare Badeschuhe. Das günstigste Modell kostete 3,95 Euro, das teuerste fast 50 Euro.

Die Inhaltsstoffe: Alle Schuhe bestehen zu überwiegenden Teilen aus Kunststoff. Wir wollten deshalb wissen, ob darin Phthalat-Weichmacher stecken, die beispielsweise in Baby- und Kinderartikeln gesetzlich reglementiert sind. Auch hat uns interessiert, ob sich krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in den Produkten finden lassen, die durch den Einsatz von Weichmacherölen hineingelangen können. Außerdem ließen wir die Analytiker unter anderem nach Schwermetallen wie Chrom, Quecksilber und Blei suchen sowie nach problematischen Farbstoffbestandteilen und zinnorganischen Verbindungen.

Die Weiteren Mängel: Optische Aufheller lassen helle Textilien zwar weiß strahlen, belasten aber die Umwelt, weil sie schwer abbaubar sind. Wir werten unter dem Testergebnis Weitere Mängel um eine Note ab, wenn die Fundstellen keinen Hautkontakt haben. Optische Aufheller mit Hautkontakt zählen zu den kritischen Inhaltsstoffen.

Die Bewertung: Wo das Labor gesetzlich reglementierte Phthalate nachgewiesen hat, werten wir ab - je nach festgestellter Menge um vier oder zwei Noten. Streng bewerten wir auch giftiges Quecksilber sowie krebsverdächtige Farbstoffbausteine. Auch der Nachweis von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und giftigen zinnorganischen Verbindungen sorgt für einen hinteren Tabellenplatz.

Testmethoden: Je nach Zusammensetzung der Produkte: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC-MSD, 25 PAK nach EU/EPA/JECFA. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Materialscreening (Phthalate, andere Weichmacher, phosphororganische Verbindungen, phenolische Verbindungen): GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, Schwermetalle/Elemente: Röntgenfluoreszenzanalyse. Aromatische Amine in mg/kg: Analytik entsprechend § 64 LFGB B 82.02-2 (Januar 2013), Prüfung mit und ohne vorherige Extraktion. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB B 82.02-15 (Januar 2013). Zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine (Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht).

Testlegende: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: a) mehr als 100 mg/kg Quecksilber; b) mehr als 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierter Phthalate (hier: DEHP "stark erhöht"); c) 5 mg/kg oder mehr Anilin; d) ein Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg einer oder mehrerer krebserregender und/oder krebsverdächtiger Einzelverbindungen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK), wobei jede einen Gehalt von mehr als 100 μg/kg aufweist ("stark erhöht"); e) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 10.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindung Dimethylzinn. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer krebserregenden oder krebsverdächtigen Einzelverbindung an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ("erhöht"); b) ein Gehalt von in der Summe mehr als 1.000 μg/kg einer oder mehrerer weiterer PAK, wobei jede Verbindung einen Gehalt von mehr als 100 μg/kg aufweist, sofern nicht schon wegen PAK um vier Noten abgewertet wurde; c) mehr als 1.000 mg/kg bis 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierter Phthalate (hier: DEHP, "erhöht"); d) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindung Dioktylzinn. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 100 mg/kg Chrom; b) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHT, DiNCH, DEHA, Acetyltributylcitrat/ATBC oder Dipropylenglykoldibenzoat), falls das Produkt nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet worden ist; c) mehr als 100 mg/kg 2-Phenyl-2-propanol; d) mehr als 10 mg/kg Phenol; e) 100 mg/kg oder mehr Nonylphenol; f) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg einer phosphororganischen Verbindung (hier: Triphenylphosphat); g) halogenorganische Verbindungen; h) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt; i) optische Aufheller mit möglichem Hautkontakt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: a) optische Aufheller ohne direkten Hautkontakt, falls nicht bereits optische Aufheller mit Hautkontakt abgewertet wurden. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Einkauf der Testprodukte: April 2017

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 07/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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