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24 Nagellacke im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Nagellacke

Gelackmeiert

Wer hat's gefunden? Die Schweizer! Die Rede ist leider nicht von einem Kräuterbonbon, sondern von krebserregenden Nitrosaminen in Nagellacken. Darauf und auf weitere Schadstoffe haben wir 24 Lacke untersuchen lassen.

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Neuer Artikel vorhanden: 23 Nagellacke im Test

19.10.2017 | Durch Zufall stießen die Chemiker des Kantonalen Labors Basel-Stadt um Dr. Urs Hauri zusammen mit zwei weiteren Laboren auf die Nitrosamine N-Nitrosodiethanolamin (NDELA) und N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in Nagellacken. Nitrosamine gelten als krebserregend.

Auch wir wollten wissen, wie es um die Nitrosaminbelastung von Nagellacken bestellt ist und schickten 24 Produkte in die Labore. Natürlich ließen wir sie auch auf andere bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe testen.

Das Testergebnis

Es gibt einen klaren Sieger. Platz zwei erreichen vier Nagellacke. Mit "befriedigend" schneiden drei Produkte ab, acht mit "ausreichend". Das untere Ende der Notenskala ist dicht bevölkert.

In vier Nagellacken haben wir krebserregende Nitrosamine in Mengen gefunden, die die von den Baseler Chemikern gezogene Schwelle von 466 Mikrogramm pro Kilogramm überschreiten. Sie wären technisch vermeidbar. In weiteren 14 Nagellacken wurden ebenfalls Nitrosamine nachgewiesen, allerdings unterhalb dieser Grenze.

Die eindeutige Nummer eins, der Bio-Nagellack Logona Natural Nail Polish, setzt statt Nitrocellulose auf Schellack.

In vielen Nagellacken stecken bedenkliche UV-Filter, um die Lacke in den Glasflaschen vor Sonnenlicht zu schützen. Einige davon stehen aber im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Für Benzophenon-1 wurde die hormonelle Wirksamkeit im Tierversuch gezeigt, für Octocrylen und Etocrylen in Zellversuchen.

Früher steckten als fortpflanzungsgefährdend eingestufte Phthalate als Weichmacher in Nagellack. Inzwischen hat der Ersatzweichmacher Acetyltributylcitrat die Rolle übernommen. Noch ist nicht geklärt, wie sich Ersatzweichmacher auf die Gesundheit auswirken.

Weiteren Punktabzug gibt es für erhöhte Mengen des Lösungsmittels Styrol, das beim Einatmen gesundheitsschädlich ist. Die phosphororganische Verbindung Triphenylphosphat und Acrylate können Allergien auslösen. In einem Gel-Top-Coat steckt Benzophenon, das vermutlich als Fotoinitiator eingesetzt wird. Von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wird es als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Für die Europäische Agentur für Chemikalien (ECHA) ist dies noch nicht abschließend geklärt. Von uns gibt es aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes trotzdem Punktabzug.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Vorbei die Zeiten, in denen Frauen vor allem Rottöne und Klarlack gekauft haben. Inzwischen gibt es keine Farbe mehr, die es nicht gibt: von dezent bis knallig, von matt bis metallic oder mit Glitzerpartikeln. Unsere Einkaufsabteilung hat sich im Einzelhandel und in Onlineshops umgesehen. Immer mehr Marken haben Gel-Nagellacke für Endverbraucher im Angebot. Da Hersteller diese häufig als Zweiphasenprodukte verkaufen, haben wir bei einigen sowohl Farblack als auch Topcoat erworben. Auch die Preisspanne ist groß: zwischen 1,43 Euro und 37,38 Euro. Damit die Preise sich leichter vergleichen lassen, haben wir alle Preise umgerechnet, auf je zehn Milliliter.

Die Inhaltsstoffe
Die Nagellacke haben wir in verschiedenen Laboren untersuchen lassen. Dabei wollten wir wissen: Enthalten sie krebserregende Nitrosamine, umstrittene Weichmacher, halogenorganische Verbindungen oder krebsverdächtiges Formaldehyd? Wie sieht es mit problematischen Lösungsmitteln und bedenklichen UV-Filtern aus?

Die Weiteren Mängel
Manche Hersteller geben die Inhaltsstoffe ihrer Produkte in sogenannten May-contain-Deklarationen an. Die Hersteller führen erst einmal alles auf, was in einem Produkt enthalten sein könnte - für jeden möglichen Farbton. Wir haben nachgefragt, weil wir es genau wissen wollten. Wer darauf nicht geantwortet hat, bekommt Punktabzug.

Die Bewertung
Für problematische Inhaltsstoffe, wie krebserregende Nitrosamine, hormonell wirksame UV-Filter oder phosphororganische Verbindungen, von denen manche möglicherweise krebserregend sind, gibt es, wie bei ÖKO-TEST üblich, zum Teil empfindliche Abzüge.

So haben wir getestet

Statt Nitrocellulose, setzt der Anbieter des Bio-Nagellacks Schellack ein. Darin haben wir keine Nitrosamine gefunden.

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