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12 Vlies-Tapeten im Test

Raufaser bleibt unschlagbar

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 14.10.2011

12 Vlies-Tapeten im Test

Die Raufaser hat Konkurrenz bekommen: Vliestapeten, die fast genauso günstig sind, aber leichter zu verarbeiten. Viele Modelle in unserem Test sind mit PVC aufgeschäumt - das bringt eine hohe Schadstoffbelastung mit sich. Aber es geht auch ohne, wie zwei Marken zeigen, die "gut" abschneiden.

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Gefragt sind zurzeit glatte Wände oder feine Strukturen. Wer ganz glatte Oberflächen möchte, kann reine Vliese wählen, die dann überstrichen oder mit anderen Techniken dekorativ gestaltet werden können. Diese Vliese bestehen aus Zellstoffen, die mit Polyester- oder Glasfasergarnen ergänzt werden, um sie reißfester zu machen. In den Baumarktregalen findet man aber vor allem Vliestapeten mit unterschiedlichen Körnungen und Strukturen, die eigentlich nicht mehr überstrichen werden müssen - einige Hersteller empfehlen's dennoch.

Die Strukturen, die an Putz, Raufaser oder Gewebe erinnern, entstehen in den meisten Fällen durch Aufschäumen mit PVC. Mit solchen Tapeten holt man sich riesige Flächen dieses problematischen Kunststoffs ins Haus.

Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKO-TEST neun weiße Vliestapeten mit Struktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

... ist ernüchternd. Die meisten strukturierten Vliestapeten enthalten große Mengen von Phthalatweichmachern und weitere Schadstoffe und schneiden dementsprechend schlecht ab. Nur die Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301 ist gänzlich frei von Weichmachern und zinnorganischen Verbindungen und sticht deshalb heraus. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte auch hier nur ein Produkt, das Marburg Patent Vlies 9869, mit dem Testurteil "gut" überzeugen.

Der Hersteller Erismann verzichtet bei seinen Modellen Your Style Vlies Line Premium 8200-1 sowie Ratz-Fatz! Strukturvlies in Rauhfaseroptik 1004-01 auf diese höchst problematische Phthalatweichmacher und setzt den Ersatzstoff DiNCH ein. Allerdings kann sich auch dieser Stoff aus dem Kunststoff lösen und die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist noch nicht hinreichend geklärt.

In sieben Produkten wies das von uns beauftragte Labor nach ÖKO-TEST-Maßstäben zu viel giftiges Dibutylzinn nach. Etliche Produkte gasten mehr oder weniger große Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. Auffallend waren dabei die recht hohen Anteile an Terpenen, die bei sensiblen Menschen Augen und Schleimhäute reizen können.

Eine pigmentierte Vorbehandlung des Untergrunds ist immer dann nötig, wenn ein Überstreichen von Herstellerseite nicht vorgesehen ist. Denn mehrfach schlug der Untergrund durch. Außerdem waren Kleisterflecken zu erkennen, die erst nach dem Trocknen sichtbar werden und dann nur noch schwer zu entfernen sind. Auch saubere Nähte sind bei Vliestapeten schwer herzustellen. Bei einigen Produkten war das auch für unsere Tester eine Herausforderung. Durch Überstreichen verschwinden diese Mängel, weshalb wir keine Minuspunkte vergaben, sofern die Anbieter diesen Arbeitsgang vorsahen.

Bei den glatten Vliesen konnte nur das Marburg Patent Vlies 9869 überzeugen, das als einziges der drei Produkte in Standardbreite und -länge konfektioniert ist. Besonders sc


Tapeten, Vlies: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301
  • Erfurt & Sohn

Rasch Vlies Intissé 444704
  • Tapetenfabrik Rasch

Rasch Basic Vlies 165005
  • Tapetenfabrik Rasch

StoTap Infinity, Muster TI 1007
  • Sto

Genius Pro Vliestapete 1055-16
  • Toom-Baumarkt

Renovo Vliestapete 504050
  • Zeus/Hagebau

StoTap Pro 100 P Malervlies Glasvlies
  • Sto

Erismann Your Style Vlies Line Premium 8200-1FOTO NEU
  • Erismann

Vliestapete 1932-16
  • A.S. Création

Ratz-Fatz! Strukturvlies in Rauhfaseroptik 1004-01
  • Erismann

4You Vliestapete 652109
  • Tapetenfabrik Rasch

Marburg Patent Vlies 9869
  • Marburger Tapetenfabrik

12 Vlies-Tapeten im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 266
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 267
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 268
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 269
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 270

5 Seiten
Seite 266 - 270 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Bau- und Fachmärkten neun verschiedene weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und fertiger Oberfläche eingekauft, teilweise können oder sollen sie aber noch überstrichen werden. Um auch Alternativen zu den meist mit PVC aufgeschäumten Produkten aufzeigen zu können, wählten wir auch drei glatte Vliese, die als Untergrund für Anstriche und andere Oberflächenbehandlungen geeignet sind und überwiegend von Profis verwendet werden.

Die Inhaltsstoffe

Man kann schon an den weichen, elastischen Oberflächen fühlen, welche Tapetenstrukturen mit umwelt- und gesundheitsbelastendem PVC aufgeschäumt sind. Das Vlies dient hier als Trägermaterial. Im Falle eines Brands in der Wohnung und in der Müllverbrennung bilden sich giftige Dioxine. Um den problematischen Kunststoff elastisch zu machen, werden Weichmacher eingesetzt, außerdem Stoffe, die für Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit sorgen. Leider handelt es sich dabei oft um problematische Verbindungen. In erster Linie sind hier Phthalate als Weichmacher zu nennen, die in Babyartikeln und Kinderspielzeugen bereits reglementiert sind. Auch die giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn, die als Stabilisatoren eingesetzt werden, können wahrscheinlich auch beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen ausgasen, welche die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.

Die Praxisprüfung

Unser Fachmann, der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann, prüfte mit Unterstützung von Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Fachstufe Maler und Lackierer der August-Bebel-Schule in Offenbach, wie sich Tapeten und Vliese verarbeiten lassen. Dafür hatte er für jedes Produkt eine rund 13 Quadratmeter große Wandtafel gespachtelt, geschliffen und gestrichen, sodass ein trockener, sauberer und tragfähiger Untergrund gegeben war, wie er häufig in Wohnungen vorkommt. Die Tapeten wurden nach Anleitung auf die mit einem Spezialkleister eingestrichenen Wände aufgebracht, mit einem Andrückroller blasenfrei eingedrückt und anschließend zurechtgeschnitten. Am Schluss prüften die Tester das Ergebnis kritisch auf Kleisterflecken und durchschlagenden Untergrund und begutachteten die Nähte. Auch die Verarbeitungsanleitung wurde bewertet.

Die Bewertung

Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen und die Räume nicht mit Schadstoffen belasten. Deshalb entscheidet das schlechteste Einzelergebnis über das Gesamturteil. Die Tapeten, die aufgrund der Schadstoffbelastung ein "ungenügend" erhalten, können wir trotz guter Praxisprüfung nicht empfehlen. Die schlechten Noten bei den Inhaltsstoffen resultieren vor allem aus den Phthalatweichmachern und den zinnorganischen Verbindungen.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
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Erschienen am 14.10.2011

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