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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
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Reis

Es bewegt sich etwas

Reis gehört zu den beliebtesten Beilagen auf deutschen Tellern - und das nicht erst seitdem die asiatische Küche bei uns Einzug gehalten hat. Doch schädliche Stoffe wie Arsen und Mineralöl machen den Reis mitunter zu einem zweifelhaften Genuss.

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14.10.2011 | Mineralöl im Reis? Als ÖKO-TEST im Herbst 2010 Reis testete, wunderten wir uns selbst ein wenig über die Ergebnisse. Alle Sorten, die in Kartons abgefüllt waren, enthielten deutliche Mengen an diesen Kohlenwasserstoffverbindungen. Ursache dafür sind größere Mengen an Mineralölen in den Kartonverpackungen, die flüchtig genug sind, dass sie auf Lebensmittel übergehen können. In die Kartons geraten die Mineralöle über Druckfarben, wie sie zum Bedrucken der Packungen oder im Zeitungsdruck verwendet werden. Mineralöl dient in diesen Farben als Lösungsmittel und bleibt insbesondere beim Druck von Zeitungen im Papier zurück. Auch beim Recycling lässt sich das Öl nur schwer entfernen, sodass Altpapier und alles, was daraus gemacht wird, belastet ist. Das betrifft auch die Recyclingkartons, die viele Lebensmittelhersteller für ihre Produkte einsetzen - nicht zuletzt aus Gründen des Umweltschutzes.

Seit Veröffentlichung unserer Testergebnisse 2010 ist die Branche in Bewegung gekommen, verschiedene Minimierungsstrategien werden ausprobiert. Was jahrelang unmöglich schien, wird auf einmal praktiziert: Die Lebensmittelkartons werden (zumindest zum Teil) mit mineralölfreien Druckfarben bedruckt.

Wir wollten wissen, wie sich ganz konkret die Situation bei den von uns schon einmal untersuchten Langkornreis-Produkten entwickelt hat. Wir haben die Hersteller nach ihren Änderungen befragt und die Proben daraufhin überprüfen lassen. Lesen Sie das spannende Ergebnis:

Das Testergebnis

Die Bemühungen der Branche zeigen erste Erfolge. Einige Hersteller haben sich komplett von der Kartonverpackung verabschiedet, andere lassen den Reis in Kartons aus Frischfasern verpacken oder setzen andere Druckfarben ein - manche fahren beide Strategien. Zwar ist das Problem noch nicht endgültig vom Teller, aber der Vergleich unserer Laborergebnisse zeigt, dass die Mineralölwerte auch in den noch immer belasteten Proben deutlich nach unten gegangen sind. Einige Reissorten werten wir aber nach wie vor mehr oder minder streng ab, weil in ihnen noch Mineralöl nachgewiesen wurde. Außerdem enthalten alle Reisproben das krebserregende Halbmetall Arsen in mehr oder weniger großen Mengen.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Basmati, Arborio, Klebereis - exotische Reissorten werden zwar immer beliebter, auf dem Teller landet trotzdem am häufigsten "normaler" weißer Langkornreis. Er ist nach dem Kochen trocken, locker und körnig und lässt sich vielseitig verwenden. Besonders beliebt ist Parboiled Reis, bei dem Vitamine und Mineralstoffe aus den Randschichten ins Korninnere gepresst werden. Wir kauften 20 Marken in Supermärkten, Discountern, Bio- und Reformläden. Den fair gehandelten Reis von El Puente erstanden wir in einem Weltladen.

Die Inhaltsstoffe
Reis ist ein Grundnahrungsmittel - umso wichtiger, potenzielle Schadstoffe genauestens unter die Lupe zu nehmen. Im Mittelpunkt unserer Analysen standen zunächst Schwermetalle und hier vor allem das krebserregende Arsen. Dieses ließen wir in einem Speziallabor erstmals getrennt nach anorganischem und organischem Arsen untersuchen, da sich gezeigt hatte, dass die anorganischen Formen die eigentlich giftigen sind. Außerdem ließen wir alle Proben auf die Schimmelpilzgifte Aflatoxin und Ochratoxin A überprüfen - denn in den meist feuchtwarmen Anbauländern kann es schnell zu einem Schimmelbefall kommen. Aus dem gleichen Grund ist der Einsatz von Pestiziden denkbar, die wir ebenfalls analysieren ließen. Der zweite Schwerpunkt der Untersuchungen betraf Mineralöl im Reis. Hinweise der letzten Monate hatten ergeben, dass dieses aus Kartonverpackungen in Lebensmittel übergeht. Da Reis auch schon vor dem Abfüllen in großen Kartons oder mineralölbehandelten Jutesäcken gelagert worden sein kann, überprüften wir auch die Reisproben in Plastikbeuteln. Bei dieser Analyse bedienten wir uns einer neu entwickelten Methode, bei der sich Mineralöl in zwei Fraktionen nachweisen lässt - und zwar einer kürzerkettigen, gesättigten Fraktion und einer aromatischen, die unter Umständen auch krebserregende Substanzen enthält.

Die Bewertung
Derzeit existieren weder für anorganisches Arsen noch für Mineralöl Grenzwerte oder klare Risikoabschätzungen. Für ÖKO-TEST steht jetzt schon fest: Rückstände von Mineralöl haben in Lebensmitteln nichts verloren, auch wenn - wie beim Reis - ein relativ großer Teil beim Kochen verdampft. Beim Arsen werteten wir bei "leicht erhöhten" Gehalten um eine Note ab. Die in unserem Test "erhöhten" Arsengehalte entsprechen mittleren Belastungen. Reis aus China oder Bangladesch weist zum Teil deutlich höhere Gehalte auf.

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