Maisstangen & Co.: Schimmelpilzgifte in vielen Mais-Snacks

Jahrbuch Kinder und Familie für 2024 | Autor: Bianca Puff/Marieke Mariani/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 11.12.2023

Im Test: 19 Maisstangen & Co.
Foto: ÖKO-TEST

Maisstangen & Co. haben eine überschaubare Zutatenliste. Das ist allerdings keine Garantie für bedenkenlose Inhaltsstoffe. Unser Test zeigt: Viele Mais-Snacks sind mit Schimmelpilzgiften belastet. Außerdem sind wir auf Mineralöl gestoßen. Dass das besser geht, zeigen vier "sehr gute" Produkte im Test. 

  • Mais-Snacks in der Überprüfung: Wir haben 19 Maisstangen & Co. getestet. Die meisten davon richten sich mit bunten Abbildungen, Tierchen oder lachenden Gesichtern an Kinder als Zielgruppe, fünf sind explizit für Kinder ab einem Jahr ausgelobt.  
  • Das Fazit: Zehn von 19 Mais-Snacks im Test sind aus unserer Sicht in bedenklicher Höhe mit Schimmelpilzgiften verunreinigt, dreimal kritisieren wir enthaltene Mineralölbestandteile.
  • Aber: Vier Produkte sind mit Bestnote empfehlenswert. In ihnen ließen sich höchstens Spuren von Schimmelpilzgiften nachweisen. Bei maßvollem Verzehr sind diese Mengen für Kinder unbedenklich.

Aktualisiert am 11.12.2023 | Überzuckerte Kekse, arsenbelastete Reiswaffeln, versalzene Chips – den richtigen Kindersnack zu finden, ist gar nicht so leicht. In der Hoffnung, ihrem Kind damit eine unbedenkliche Zwischenmahlzeit bieten zu können, greifen viele Eltern stattdessen zu einfachen Mais-Snacks.

In vielen Mais-Snacks stecken Schimmelpilzgifte

Die gepufften Knabbereien eignen sich schon für die ganz Kleinen, zerfallen sie doch schnell im Mund. Die Kinder können sie praktisch weglutschen und verschlucken sich nicht an ihnen. Auch weil Reis aus von Natur aus mit Arsen belastet sein kann, halten viele Mais für die bessere Basis für Kindersnacks.  

Wir wollten wissen, ob das wirklich so ist und haben 19 gepuffte Mais-Snacks mit und ohne Salzzusatz in die Labore geschickt – darunter klassische Maisstangen, aber auch Maisflips. Das Ergebnis: Diese Snacks haben ein gewaltiges Problem mit Schimmelpilzgiften.  

So bewertet ÖKO-TEST die Maisstangen & Co.

Doch zunächst ein paar Sätze zu unserer Bewertung. Wir gehen davon aus, dass diese Produkte mit hoher Wahrscheinlichkeit von Eltern für ihren Nachwuchs gekauft und von den Kleinen gegessen werden. Daher haben wir die Inhaltsstoffe aller Produkte im Test nach den Maßstäben für Getreidebeikost bewertet – unabhängig davon, wie die Produkte aufgemacht sind.

Das macht vor allem dann einen Unterschied, wenn es um die Schadstoffbelastung geht. Denn die Grenzwerte für Kinderprodukte liegen oft deutlich unter denen für Erwachsene. Das gilt auch für die Richt- und Grenzwerte für die giftigen Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die Mykotoxine. 

Darum kann getreidebasierte Nahrung bedenklich sein

Da die Kleinsten beim Beikoststart etwa ab dem sechsten Lebensmonat verhältnismäßig große Mengen an getreidebasierter Nahrung verzehren, sind sie der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge in diesem Alter auf ihr Körpergewicht umgerechnet der höchsten Gesamtbelastung mit Schimmelpilzgiften ausgesetzt. Entsprechend sollte die aufgenommene Menge aus unserer Sicht nicht durch Snacks noch zusätzlich in die Höhe getrieben werden.

Mais-Snacks im Test: Jetzt alle Ergebnisse als ePaper kaufen

Sieben Maisstangen & Co. fallen durch 

Um eine einheitliche Bewertungsgrundlage zu schaffen, haben wir für alle Produkte die gesetzlichen Richt- und Grenzwerte herangezogen, nach denen Behörden Beikost für Säuglinge und Kleinkinder beurteilen. Das Bild, das sich dabei zeigt, ist in einigen Fällen verheerend. Drei Mais-Snacks schneiden "ungenügend" ab, vier weitere schaffen es nur auf ein "mangelhaft".

Dabei macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob der Mais aus konventioneller oder Bio-Landwirtschaft stammt, da Schimmelpilzgifte je nach Witterung auf dem Feld und auch bei der Lagerung in allen Getreidesorten entstehen können.  

Auch Reiswaffeln sind als Snack für Babys und Kinder beliebt. Unser Test zeigt, dass krebserregendes Arsen nach wie vor ein Problem ist. Mehr dazu lesen Sie, indem Sie auf folgenden Kasten klicken: 

Diese Schimmelpilzgifte stecken in den Maissnacks

Doch zurück zu den Schimmelpilzgiften in den Mais-Snacks. Wir sind im Test auf folgende gestoßen: 

  • Deoxynivalenol (DON) gehört zur Gruppe der Trichothecene, die den Verdauungstrakt angreifen und das Nervensystem, die Blutbildung und das Immunsystem beeinträchtigen können.  
  • Zearalenon (ZEA) wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserregend eingestuft und gilt darüber hinaus als hormonwirksam.
  • Ochratoxin A (OTA) gilt als potenziell erbgutverändernd und krebserregend.

In manchen Produkten überschreiten die gemessenen Werte die in der EU-Verordnung für Beikost festgelegten Grenzwerte. Die Verordnung wurde kürzlich grundlegend überarbeitet und gilt in neuer Fassung seit Mai 2023.

Mykotoxine in Maisstangen und Pufuleti

Sie deckt jedoch zwei weitere, in vielen getesteten Mais-Snacks nachgewiesene Mykotoxine nicht ab: T-2 und HT-2. Zwei Mais-Snack überschreiten den geltenden, allerdings bereits zehn Jahre alten Richtwert – sechs weitere Produkte schöpfen ihn zu mehr als der Hälfte aus.

T-2/HT-2-Toxine zählen ebenfalls zu den Trichothecenen, gelten aber als deutlich toxischer als DON. Zurzeit diskutieren EU-Experten über eine Verschärfung des Richtwertes. In einer Entwurfsfassung zur Überarbeitung ist von einer Umwandlung des Richtwertes in einen rechtlich bindenden Grenzwert die Rede und von einer deutlichen Absenkung des Wertes für verarbeitete Getreideerzeugnisse für Säuglinge und Kleinkinder.

In manchen Mais-Snacks stecken Mineralölbestandteile 

Neben Schimmelpilzgiften ist Mineralöl ein Problem im Test – wenn auch ein kleineres. Dreimal hat die Laboranalyse aus unserer Sicht leicht erhöhte Mineralölbestandteile gezeigt; in neun weiteren zumindest Spuren. Es handelt sich um gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH), die sich im menschlichen Fettgewebe, in Lymphknoten sowie Organen wie Milz, Leber und Lunge anlagern können.

Zwar sind bislang keine toxischen Effekte bekannt, doch die Datenlage ist noch zu dünn, um Langzeiteffekte abschließend beurteilen zu können.

Wir haben 19 verschiedene Mais-Snacks getestet.
Wir haben 19 verschiedene Mais-Snacks getestet. (Foto: AtlasStudio/Shutterstock)

Zu viel Salz in Kinder-Produkten

Weitere Kritik: Die Aufmachung von sechs Produkten spricht trotz ihres hohen Salzgehaltes Kinder als Zielgruppe an. Das bemängeln wir.

Denn laut dem Nährwertprofil 2023 der WHO Europa sollten derartige Snacks für Kinder nicht beworben werden, wenn sie mehr als 0,1 Gramm Natrium pro 100 Gramm enthalten. Diesen Wert überschreiten ein Drittel der an Kinder gerichteten Produkte im Test.  

Kindersnacks: Das können Sie beachten

  • Wechseln Sie zwischen verschiedenen Snacks und Marken ab, um zu hohe Dosen einzelner problematischer Stoffe zu vermeiden.
  • Kinder knuspern gerne, doch die Knabbereien bieten meist kaum gesunde Nährstoffe. Obst und Gemüse eignen sich ebenfalls hervorragend als leckerer Snack – und sind dabei wesentlich gesünder.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 7/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kinder und Familie für 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben für unseren Test 19 Maissnacks in Supermärkten, Discountern, Drogerien und im Biohandel eingekauft. So landeten insgesamt 13 Bio- und sechs konventionelle Maissnacks in unseren Einkaufskörben. Die meisten davon richten sich mit bunten Abbildungen, Tierchen oder lachenden Gesichtern an Kinder als Zielgruppe, fünf sind explizit für Kinder ab einem Jahr ausgelobt.

Bei der Produktauswahl achteten wir darauf, keine Mischprodukte – zum Beispiel mit Hirse oder anderen Getreidesorten – und keine Snacks mit zusätzlichen Geschmacksstoffen einzubeziehen. Für den Test wählten wir entsprechend lediglich Produkte auf Maisbasis aus, höchstens mit dem Zusatz von Öl und Salz.

Von einem unabhängigen Labor ließen wir die Produkte auf Mykotoxine, Mineralöl (MOSH/MOSH-Analoge sowie MOAH), Pestizide und Tropanalkaloide analysieren, außerdem prüften die Laborexperten, ob genveränderter Mais zum Einsatz kam. In explizit als glutenfrei ausgelobten Produkten ließen wir Gliadin bestimmen, aus dem der Glutengehalt abgeleitet werden kann. War Salz deklariert, bestimmte das Labor den Natriumgehalt und berechnete daraus die Salzäquivalente.

Bei den acht Produkten mit Salzzusatz achteten wir darauf, ob sich die Produktaufmachung explizit an Kinder richtet und sie somit laut WHO-Nährwertprofil-Modell bei einem erhöhten Natriumgehalt nicht für Kinder beworben werden dürften. Darüber hinaus erfassten wir anhand der Deklaration, ob auf einem Produkt, das erwartungsgemäß von Kindern konsumiert wird, die Referenzmenge der Nährwerte lediglich berechnet für Erwachsene ausgelobt ist. Auf den Verpackungen angegebene Nutri-Scores überprüften wir anhand der Nährwertangaben.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 200 μg/kg DON (in Tabelle: "DON stark erhöht"); b) ein gemessener Gehalt von mehr als 0,5 μg/kg OTA (in Tabelle: "OTA stark erhöht"); c) ein gemessener Gehalt von mehr als 20 μg/kg ZEA (in Tabelle: "ZEA stark erhöht"); d) ein gemessener Gehalt von mehr als 15 μg/kg T-2/HT-2 (in Tabelle: "T-2/HT-2 stark erhöht"). Dies liegt oberhalb der Empfehlung, die gemäß RL 2013/165/EU für Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt. Die unter a), b) bzw. c) genannten Werte für DON, OTA und ZEA liegen oberhalb des Grenzwerts, der gemäß Verordnung (EG) 2023/915 für Beikost und Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 100 μg/kg DON (in Tabelle: "DON erhöht"). Dies schöpft den Grenzwert, der gemäß Verordnung (EG) 2023/915 für Beikost und Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt, zu mehr als 50 % aus; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 7,5 μg/kg T-2/ HT-2 (in Tabelle: "T-2/HT-2 erhöht"). Dies schöpft die Empfehlung, die gemäß RL 2013/165/ EU für Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder gilt, zu mehr als 50 % aus. Zur Abwertung um eine Note führt: ein gemessener Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/ kg (in Tabelle: "leicht erhöht").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: an Kinder gerichtete Produktaufmachung, obwohl gemäß dem Nährwertprofil-Modell 2023 der WHO Europa extrudierte Snacks gar nicht für Kinder beworben werden sollten, wenn sie mehr als 0,1 g Natrium pro 100 g enthalten. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Angabe der Referenzwerte für Nährwerte für einen durchschnittlichen Erwachsenen auf einem Produkt, das erwartungsgemäß Kinder konsumieren; b) ein gemessener Gehalt an Salz, der vom jeweils deklarierten Gehalt um mehr als -50 % abweicht. Diese Bewertung basiert auf dem EU-Leitfaden für Toleranzen zur Nährwertdeklaration für die Lebensmittelüberwachung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Mineralölbestandteile: nach DIN EN 16995:2017-08 mod.; die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix; Messung mittels LC-GC/FID.
Gliadin / Gluten: ELISA
Natrium: nach ASU L 00.00-144:2019-07.
Salzäquivalent: berechnet nach LMIV
Tropanalkaloide: LC-MS/MS.
Pestizide: nach DIN EN 15662:2018-07; Messung mittels GC-M/MS und LC-MS/MS
Gentechnisch veränderte Bestandteile: P35Sm NOS nach ASU L 00.00-122:2008-06; EPSPS, pat, nach ASU L 00.00-154:2014-08 mod.; die Modifizierung bezieht sich auf die Konzentrationen der Primer und Sonden im PCR-Mix; Cry1Ab/Ac mittels PCR.
Mykotoxine: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

Einkauf der Testprodukte: März 2023 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 7/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kinder und Familie für 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden

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