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15 Pflanzliche Rheuma- und Schmerzmittel, pflanzlich im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

15 Pflanzliche Rheuma- und Schmerzmittel, pflanzlich im Test

Naturarzneimittel, Schmerzmittel

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14.10.2011 | Bei rheumatischen Erkrankungen spielt die Bekämpfung des Schmerzes eine wichtige Rolle. Am häufigsten werden kortisonfreie, sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt. Sie lindern zwar Schmerzen, Schwellung und Entzündung, ihre Nebenwirkungen sind aber erheblich. Eine Alternative sind pflanzliche Antirheumatika. Die wohl bekannteste und älteste Arzneidroge ist die Weidenrinde. Des Weiteren sind Trockenextrakte aus der Speicherwurzel der südwestafrikanischen Teufelskralle im Handel.

ÖKO-TEST hat 15 rezeptfreie pflanzliche Schmerzmittel begutachten lassen und Wirk- und Hilfsstoffe kritisch beäugt.

Das Testergebnis

Von zwei "guten" Ausnahmen abgesehen, dümpeln die Präparate mangels überzeugender Daten allesamt zwischen "befriedigend" und "ausreichend".

Überzeugen konnte uns lediglich die Datenlage für die Phytodolor Tinktur aus dem Hause Steigerwald. Für das Kombinationspräparat aus Eschenrinde, Zitterpappelrinde und -blättern sowie Echtem Goldrutenkraut liegen belastbare klinische Studien vor, in denen sich das Präparat bei der Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen einem Scheinmedikament als überlegen und verglichen mit chemischen Schmerzmitteln wie Diclofenac als gleichwertig erwies. Insofern ist das Präparat für die im Beipackzettel genannten Anwendungsgebiete empfehlenswert. Dass es am Ende doch nur für ein Gesamturteil "befriedigend" reicht, hat zwei Gründe: Zum einen vermissen wir im Beipackzettel Hinweise, dass das Präparat nicht bei Magen-/Darmgeschwüren angewendet und ab welchem Alter es eingesetzt werden sollte. Zum anderen fällt wegen des fehlenden Hinweises bezüglich der Anwendung bei Kindern auch der Alkoholgehalt von 45,6 Volumenprozent (Vol.-%) stärker ins Gewicht.

Teufelskrallenpräparate werden angewendet "zur unterstützenden Therapie bei Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates". Es liegen nur wenige Studien zur schmerzlindernden und antientzündlichen Wirkung vor, die heutigen Ansprüchen gerecht werden. Daher stufen wir die Wirksamkeit als nur "teilweise belegt" ein. Lediglich für die Filmtabletten Doloteffin und Rivoltan Teufelskralle 480 mg rechtfertigen produktspezifische Daten eine etwas bessere Bewertung.

Dürftig sieht die klinische Datenlage bei den Trockenextrakten aus Weidenrinde aus. Weidenrinde enthält Salicin und Salicinderivate, die im Körper nach Umwandlung in Salicylsäure wirksam werden. Es mangelt vor allem an Untersuchungen, die einen Vorteil dieser Extrakte gegenüber Acetylsalicylsäure (ASS) bei der Behandlung von Fieber und Kopfschmerzen nahelegen. Lediglich die Assalix, überzogene Tabletten von Anbieter Bionorica werden in einem Cochrane-Review über pflanzliche Arzneimittel bei Rückenschmerzen mit einer Studie erwähnt, sodass eine etwas bessere Bewertung gerechtfertigt ist.

Alle Präparate sollten nicht während Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. In den Gebrauchsinformationen wird darauf hingewiesen.


Wir haben 15 Produkte für Sie getestet
Teufelskralle 480 - 1A Pharma, Filmtabletten
1A Pharma

Teufelskralle 480 - 1A Pharma, Filmtabletten

Doloteffin, Filmtabletten
Ardeypharm

Doloteffin, Filmtabletten

Assalix, überzogene Tabletten
Bionorica

Assalix, überzogene Tabletten

Cefatec 480 FT, Filmtabletten
Cefak

Cefatec 480 FT, Filmtabletten

Flexi-Loges, Filmtabletten
Dr. Loges

Flexi-Loges, Filmtabletten

Arthrotabs, Filmtabletten
Duopharm

Arthrotabs, Filmtabletten

Bomarthros Harpagophytum, Filmtabletten
Hevert

Bomarthros Harpagophytum, Filmtabletten

Teltonal Teufelskralle 480 mg, Filmtabletten
Hexal

Teltonal Teufelskralle 480 mg, Filmtabletten

Rivoltan Teufelskralle 480 mg, Filmtabletten
Krewel Meuselbach

Rivoltan Teufelskralle 480 mg, Filmtabletten

Teufelskralle dura 480 mg, Filmtabletten
Mylan dura

Teufelskralle dura 480 mg, Filmtabletten

Teufelskralle-Ratiopharm 480 mg Filmtabletten
Ratiopharm

Teufelskralle-Ratiopharm 480 mg Filmtabletten

Teufelskralle Stada 480 mg Filmtabletten
Stadapharm

Teufelskralle Stada 480 mg Filmtabletten

Phytodolor Tinktur
Steigerwald

Phytodolor Tinktur

Proaktiv 480 mg Hartkapsel
Steigerwald

Proaktiv 480 mg Hartkapsel

Sogoon, Filmtabletten
Steiner & Co.

Sogoon, Filmtabletten

15 Pflanzliche Rheuma- und Schmerzmittel, pflanzlich im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 72
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 73
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 74

3 Seiten
Seite 72 - 74 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Alle pflanzlichen Arzneimittel wurden in der Apotheke gekauft. Auf freiverkäufliche Präparate wie Spitzwegerich enthaltende Hustenmittel, die vor allem im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Drogerie gekauft werden, haben wir bewusst verzichtet. Denn auch wenn die Wirkstoffe auf pflanzlichen Auszügen basieren, handelt es sich um Arzneimittel, die nicht unbedingt ohne fachliche Beratung gekauft und konsumiert werden sollten. Auch nicht berücksichtigt haben wir äußerlich anzuwendende Pflanzenarzneien, die es zur Behandlung von Venenleiden oder Gelenkschmerzen gibt. Unter dem Strich kamen so 115 Produkte zum Einnehmen für sieben verschiedene Anwendungsgebiete zusammen. Die Tests verteilen sich auf zwei Hefte.

Die pharmakologische Begutachtung
Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, haben wir mit der Begutachtung der Mittel beauftragt. Seit gut neun Jahren berät uns der pharmazeutische Chemiker von der Universität Frankfurt am Main in allen Fragen rund um das Thema Arzneimittel. Zu seinen Arbeitsgebieten zählt die Entwicklung und Anwendung analytischer Verfahren für die Bioanalytik mit dem Schwerpunkt Naturstoffe und Phytopharmaka. Für seine Stellungnahmen durchforstet Schubert-Zsilavecz medizinische Datenbanken, um zu prüfen, ob und wie gut welche Produkte und welche Wirkstoffe in Studien untersucht worden sind. Die Informationen im Beipackzettel sollen dem Patienten eine sichere Anwendung des Arzneimittels ermöglichen. Wir haben geprüft, ob sie tatsächlich darauf hinweisen, einen Arzt aufzusuchen, wenn nach einer bestimmten Einnahmezeit keine Besserung auftritt oder sich die Beschwerden gar verschlimmern, ob es Altersangaben gibt, die die Einnahme bei Kindern beschreiben (Kinder unter zwölf Jahren brauchen keine Schlafmittel), ob Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beschrieben sind (Johanniskraut kann die Wirkung der Pille beeinträchtigen).

Die Hilfsstoffe
Unter den Hilfsstoffen tauchen immer wieder problematische Vertreter auf, seien es Alkohol, allergieauslösende Farbstoffe oder bedenkliche Weichmacher. Zusätzlich haben wir einige Abführmittel, die keine hochverarbeiteten Extrakte enthalten, stichprobenartig auf Pestizide untersuchen lassen.

Die Bewertung
Das A und O der pharmakologischen Begutachtung ist die Auswertung der publizierten Studien, aber auch Deklarationsmängel fließen hier ein. Im Idealfall ist die Wirksamkeit eines Mittels "sehr gut" belegt, das heißt, mehrere hochwertige klinische Studien förderten positive Resultate ans Tageslicht. Eine Besonderheit bei pflanzlichen Arzneimitteln ist die Unterscheidung zwischen Spezial- und nachgeahmten Extrakten. Konnte ermittelt werden, ob ein Präparat einen in Studien untersuchten Spezialextrakt enthält, schneidet er besser ab als die Nachahmer, deren Wirksamkeit nur angenommen werden kann. Streng um vier Noten werten wir die Verwendung eines Extraktionsmittels ab, das zu nicht oder nicht gut untersuchten Extrakten führt. Dann sind Aussagen über die Wirksamkeit nicht möglich. Hilfsstoffe sind zur Herstellung einer Tablette oder einer Kapsel unerlässlich. Doch sollten sie nicht umstritten oder gar bedenklich sein. Insofern kann die unnötige Verwendung eines allergieauslösenden Farbstoffs ein in der pharmakologischen Begutachtung einwandfreies Produkt am Ende doch in einem nicht ganz so glänzendem Licht dastehen lassen. Denn das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis, das in diesem Fall das Testergebnis Hilfsstoffe wäre.

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