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19 Wandfarben im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

19 Wandfarben im Test

Erhellend

Ist es mal wieder Zeit zum Weißeln? Kein Problem! Die meisten untersuchten Wandfarben kann man bedenkenlos verstreichen. Es gibt nur wenige Ausreißer, die wegen der enthaltenen Konservierungsmittel Abzüge bekommen.

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14.10.2011 | Monatelang konnte man ihn ignorieren, aber irgendwann geht es beim besten Willen nicht mehr: Der graue Schleier am Übergang zwischen Wand und Decke muss weg. Die Wand war ja schon länger nicht mehr strahlend weiß. Jetzt hilft nur ein neuer Anstrich. Wir haben 19 weiße Wandfarben in die Labore geschickt, um herauszufinden, welche man für den neuen Anstrich empfehlen kann.

Das Testergebnis

... macht Lust auf Renovieren. 14 Wandfarben bekommen ein "sehr gut", im schlechtesten Fall gab es ein "ausreichendes" Gesamturteil. Zum Teil gab es Abzüge wegen aggressiver Konservierungsmittel, recht häufig bemängeln wir lückenhafte Deklarationen.

In den meisten Produkten im Test werden Isothiazolinone eingesetzt. Chlorisothiazolinone, die besonders problematisch sind, konnte das Labor aber bei keiner Farbe nachweisen. Auf den letzten Rängen landen vier Wandfarben, die neben Isothiazolinonen auch Formaldyhd/-abspalter enthalten. Formaldehyd ist krebsverdächtig. Flüchtige organische Verbindungen, die beim Streichen und Austrocknen ausgasen können, sind maximal in Spuren vorhanden.

Was pinselt man sich denn eigentlich an die Wand? Als Verbraucher ist man darauf angewiesen, dass die Hersteller darüber informieren - und zwar direkt auf dem Etikett. Für empfindliche Menschen spielen vor allem die Konservierungsmittel eine Rolle. Bei den Produkten aus dem Fachhandel ist eine vernünftige Deklaration keine Selbstverständlichkeit. Der Naturfarbenhersteller Livos machte auf uns, was die Deklaration der Inhaltsstoffe angeht, zunächst einen guten Eindruck, doch bei den Laborprüfungen zeigte sich: Er setzt Isothiazolinone ein, verschweigt dies aber auf dem Etikett.

Abgesehen von den Inhaltsstoffen zählt für den Verbraucher, wie gut die Farbe deckt und wie widerstandsfähig sie ist, wenn man mal mit einem feuchten Lappen drüberwischt. Die Deckkraftklasse sowie die Nassabriebbeständigkeit geben darüber Auskunft. Maximal ist jeweils die Klasse 1 zu erreichen; Klasse 4 steht für die niedrigste Deckkraftklasse, Klasse 5 für die niedrigste Nassabriebbeständigkeit.

Während die Farben aus Baumarkt und Fachhandel meist vorbildlich deklariert sind, gab es bei den Produkten aus dem Naturbaumarkt Punktabzüge. Livos gibt gar keine Auskunft, was die Leistungsfähigkeit seiner Farbe angeht. Vielleicht, weil die erreichten Klassen nicht allzu hoch sind? Zumindest ergaben das unsere Laborprüfungen. Leinos lässt nicht erkennen, welche Deckfähigkeit seine Farbe besitzt, obwohl sich Klasse 2 durchaus sehen lassen kann. Und Auro klärt nicht darüber auf, bei welchem Materialeinsatz die deklarierte Deckkraftklasse erreicht wird.


Wir haben 19 Produkte für Sie getestet
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19 Wandfarben im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 276
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 277
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 278
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 279

4 Seiten
Seite 276 - 279 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren in Baumärkten sowie in Fachgeschäften unterwegs. Um vergleichbare Qualitäten einzukaufen, sollten die weißen Wandfarben mindestens eine Nassabriebbeständigkeit Klasse 3 haben. Wichtige Marken aus dem Naturfarbenbereich haben wir auch dann eingekauft, wenn auf der Verpackung keine solchen Infos zu finden waren.

Problematische Inhaltsstoffe
Ein Knackpunkt bei Wandfarben sind flüchtige organische Verbindungen, die über die Lösungsmittel in die Farben gelangen, beim Streichen und Trocknen ausgasen und für allergische Reaktionen sorgen können. Ein anderes Problem sind die Konservierungsmittel - häufig kommen hier Formaldehyd/-abspalter sowie Isothiazolinone zum Einsatz. Da keiner der Hersteller eine komplette Volldeklaration veröffentlicht und sich hinter Worten wie "Hilfsmitteln" alles und nichts verbergen kann, ließen wir zur Sicherheit noch auf halogenorganische Verbindungen untersuchen. Über die weißen Pigmente können auch Schwermetalle eingebracht werden, weshalb auch diese auf dem Untersuchungsplan standen.

Die Deklaration
Die Hersteller müssen nicht angeben, was genau sich in ihren Farben verbirgt. Manche deklarieren deshalb schlichtweg gar nichts, andere so gut wie alles. Der Blaue Engel fordert, dass zumindest die Konservierungsmittel genannt werden. Wir haben uns die Etiketten genau daraufhin angesehen. Wir prüften, ob eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker angegeben wird und ob man dort vernünftige Auskünfte erhält. Aufs Geld haben wir auch geschaut: Welche Reichweite versprechen die Hersteller - und ist damit die beworbene Deckkraft überhaupt zu erreichen?

Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit
Gerade bei Naturfarben ist es noch immer keine Selbstverständlichkeit, dass der Kunde über die Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit informiert wird. Wo noch nicht einmal auf dem Technischen Merkblatt eine Einstufung zu erkennen war, haben wir diese nach Vorgaben der entsprechenden Norm ermitteln lassen. Die Deckkraft erhält man, indem die Farbe auf schwarz-weiße Kontrastkarten aufgetragen und gemessen wird, wie gut die Abdeckung auf der weißen Fläche im Vergleich zur schwarzen Fläche ist. Bei der Nassabriebprüfung wird bestimmt, wie viel einer 28 Tage eingetrockneten Farbe sich bei einer Scheuerprüfung abtragen lässt.

Die Bewertung
Eine gute Wandfarbe kommt ohne problematische Konservierungsmittel aus oder beschränkt sich zumindestens auf ein akzeptables Maß, auch der Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen hält sich in Grenzen. Diese Faktoren gehen in das Testergebnis Inhaltsstoffe ein, das 70 Prozent des Gesamturteils ausmacht. Die Informationen rund um das Produkt, die die Hersteller zur Verfügung stellen, haben wir unter dem Testergebnis Deklaration bewertet, es macht 30 Prozent des Gesamturteils aus. Unter Weitere Mängel gab's Abzüge, wenn ein Naturfarbenhersteller Erdölprodukte in seiner Farbe einsetzt. Wo "Natur" draufsteht, erwartet man dies einfach nicht.

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