Neurodermitis-Creme im Test: Welche Lotionen die Haut schonend pflegen

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2023 | Autor: Dimitrij Rudenko/Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 13.10.2022

Neurodermitis-Creme im Test: Wir haben 20 Pflegelotionen überprüft.
Foto: alexeisido/Shutterstock; ÖKO-TEST

Die Haut ist trocken und gereizt oder gar von Neurodermitis betroffen? Dann braucht es eine schonende Pflege ohne Problemstoffe. Unser Test zeigt: Das bieten viele Produkte - aber eben nicht alle. Auffällig: Einige teure Marken fallen im Test durch.

  • Wir haben 20 kosmetische Lotionen zur Basispflege bei Neurodermitis getestet. Fünf sind mit "sehr gut" empfehlenswert.  
  • Weil sie mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durchfallen, raten wir von einigen Neurodermitis-Cremes im Test ab. 
  • PEG-Verbindungen, Silikone und Paraffine: Wir sind auf Inhaltsstoffe gestoßen, die nicht unbedingt hautfreundlich sind. Ein Produkt ist mit Mineralöl belastet. 

Aktualisiert am 13.10.2022 | Ein wichtiger Baustein der Therapie gegen das Jucken und Brennen bei Neurodermitis ist gute Pflege. Die Hautkrankheit, die in der Fachsprache "atopische Dermatitis" heißt, tritt meistens schon im Säuglings- oder Kleinkindalter auf, manchmal aber auch später. Die natürliche Barrierefunktion der Haut ist gestört.

Basistherapie nennen Dermatologen das regelmäßige Eincremen der Haut. Bei Kosmetika speziell für Kinder mit Neurodermitis oder Neurodermitis-Veranlagung ist es natürlich extra wichtig, dass sie frei von bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen ist.

Neurodermitis-Cremes im Test: fünf sind "sehr gut"

Fünf Lotionen in unserem Test sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. Besonders positiv: Keins der überprüften Produkte enthält problematische Konservierungsmittel, die ihrerseits Allergien auslösen oder unter dem Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken.

Allerdings gibt es auch Basispflegen, die enttäuschen. So fallen drei namhafte Markenprodukte mit "mangelhaft" und eine Lotion mit "ungenügend" durch.

Neurodermitis im Gesicht: Die Hautkrankheit kann sehr unangenehm sein.
Neurodermitis im Gesicht: Die Hautkrankheit kann sehr unangenehm sein. (Foto: Vasyl RohanS/Shutterstock)

Basispflege bei atopischer Dermatitis: Was steckt drin?

Doch beginnen wir von vorn. Hauptaufgabe der Basistherapie ist, die Haut mit Feuchtigkeit und Fett zu versorgen. So kann eine hautpflegende Lotion, die zum individuellen Hautzustand passt, oft schon gegen Juckreiz helfen oder ihm vorbeugen. Fette und Wachse bilden einen dünnen Schutzfilm.

Doch was steckt dafür in den Produkten? Da der Harnstoff (Urea) für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet ist, steckt dieser nur in einem Produkt im Test in geringer Konzentration. Er wird in Kosmetik eingesetzt, weil er sehr gut Feuchtigkeit binden kann. Die Hersteller der Neurodermitis-Cremes in diesem Test setzen andere Feuchthaltemittel wie Glycerin ein.

Verschiedene pflanzliche Öle wie Nachtkerzensamen- und Sonnenblumenöl liefern Lipide, die dem Aufbau der Hautbarriere dienen. Panthenol und Bisabolol können die Haut beruhigen. Wichtig: Bei stärkeren Entzündungen der Haut einen Arzt zu Rate ziehen. Er kann dann eine Creme mit einem antientzündlichen Wirkstoff verschreiben, die als Arzneimittel zugelassen ist.

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Neurodermitis-Creme sollte die Haut schonend pflegen

Pflege für Kinder und Erwachsene mit rauer Haut oder Neurodermitis muss möglichst schonend sein. Das bedeutet auch, dass sie frei von problematischen Inhaltsstoffen sein sollte. Das ist aber nicht immer der Fall. 

In fünf der Pflegelotionen im Test kritisieren wir PEG-Verbindungen, weil solche Stoffe die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Diese werden häufig als Emulgatoren eingesetzt, um fettige und wasserlösliche Komponenten zu verbinden. 

Problematische Inhaltsstoffe gefunden  

Neben PEG-Verbindungen sind wir im Test auf Silikone und Paraffine gestoßen. Wir nehmen für beides Notenabzug vor, weil sich die erdölbasierten Stoffe nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut einfügen wie natürliche Fette.

Paraffine sind zudem häufig mit aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen (MOAH) verunreinigt. Tatsächlich hat das von uns beauftragte Labor MOAH in einer Lotion gefunden. MOAH haben aus unserer Sicht in Kosmetik nichts verloren, denn zu der Stoffgruppe können auch krebserregende Verbindungen gehören. 

Neurodermitis: Pflegelotionen können helfen, den Juckreiz zu lindern.
Neurodermitis: Pflegelotionen können helfen, den Juckreiz zu lindern. (Foto: Kaspars Grinvalds/Shutterstock)

Wie steht's um Duftstoffe in Neurodermitis-Cremes? 

Und wie sieht es mit Duftstoffen in den Rezepturen aus? Drei Produkte enthalten Parfüm. Besonders stark allergene Duftstoffe, die aus unserer Sicht aus Vorsorgegründen in Kosmetik gar nicht zum Einsatz kommen sollten, sind aber nicht dabei.

Bleibt die Frage, ob es in Neurodermitiker-Pflege überhaupt Parfüm braucht: Ja, wenn ein angenehmer Duft etwa darüber entscheidet, einem Kind das häufige Eincremen erträglich zu machen. Und nein, wenn schon ein Hang zu Duftstoffallergien bekannt ist.

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Kritik an Plastik in Rezepturen der Pflegelotionen 

Synthetische Polymere gehören aus unserer Sicht aus Umweltgründen nicht in die Rezeptur von Neurodermitis-Cremes. Dabei handelt es sich um flüssige Kunststoffverbindungen, die schwer abbaubar sein können. Sie belasten die Umwelt, in die sie mit dem Klärschlamm eingetragen werden. Wir bemängeln synthetische Polymere in elf Lotionen. 

Ebenfalls rückständig in Sachen Umweltschutz ist unserer Meinung nach, dass uns nur ein Hersteller im Test angegeben hat, recycelten Kunststoff in der Verpackung einzusetzen. Mit Dokumenten belegen konnte er es leider nicht.

Wissenswertes zu Neurodermitis an Ellenbogen, Hand & Co.

Kostenerstattung für die Basispflege bei Neurodermitis? 

  • Während Erwachsene und die Eltern von betroffenen Jugendlichen selbst für die Kosten der Basispflege bei Neurodermitis aufkommen müssen, bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung für Kinder bis zu 12 Jahren zumindest ärztlich verordnete Salben oder Lotionen, die ein fertiges Arzneimittel sind oder die in der Apotheke als Arzneimittel-Rezeptur angerührt werden. Basispflege-Kosmetika wie die Produkte im Test sind nicht erstattungsfähig.

  • Unbedingt sinnvoll sind Neurodermitis-Schulungen, in denen Eltern, Kinder und Jugendliche unter anderem lernen, Schübe auslösende Faktoren zu meiden. Viele gesetzliche Kassen und Versicherungen übernehmen hierfür Kosten. Am besten vorher nachfragen.

Diesen Test haben wir zuletzt im Spezial Mein Baby 2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21 kosmetische Lotionen zur Basispflege bei Neurodermitis in Apotheken, Drogerien und einem Online-Naturkosmetik-Shop eingekauft. Zwei der Lotionen sind als Naturkosmetik zertifiziert. Die Öl-in-Wasser-Emulsionen eignen sich eher bei trockener, die Wasser-in-Öl-Emulsionen bei weniger trockener Haut. Die Preise reichten von 1,96 Euro bis 38,67 Euro pro 200 Milliliter.

Wir haben die Deklarationen dahingehend geprüft, ob die Lotionen Paraffine, Silikone, PEG/PEG-Derivate oder umweltbelastende synthetische Polymere enthalten. Spezialisierte Labore untersuchten die Produkte auf umstrittene halogenorganische Verbindungen, Mineralölbestandteile und bedenkliche Formaldehyd/ -abspalter. Auch auf Duftstoffe, die allergische Reaktionen auslösen können, und auf künstliche Moschusverbindungen haben wir prüfen lassen. Ein weiteres Labor analysierte das Verpackungsmaterial auf umweltproblematische chlorierte Verbindungen.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) MOAH. Zur Abwertung um eine Note führt: ein gemessener Gehalt von mehr als 1 Prozent Silikonen/Paraffinen/ künstlichen paraffinartigen Stoffen.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe (hier: Polyisobuten), wenn nicht schon Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Polyacrylate-13, Sodium Polyacrylate, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Ammonium Polyacryloydimethyl Taurate, Sodium Acrylate/Sodium Acryloyldimethyltaurate Copolymer, [Sodium] Carbomer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-CG/FID (Paraffine).
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluorenszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November 2021 

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Diesen Test haben wir zuletzt im Spezial Mein Baby 2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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