Getreidebrei im Test: Mineralöl, Arsen und Schimmelpilzgifte entdeckt

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2023 | Autor: Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 13.10.2022

Getreidebrei für Babys im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: Oksana Kuzmina/Shutterstock

In den Verkaufsregalen gibt es viele Basisprodukte für Babys, die sich mit Wasser oder Milch anrühren lassen. Wir haben 21 Getreidebreie getestet, elf davon sind "sehr gut". Ein paar Produkte enthalten aber auch Schimmelpilzgifte, Mineralölbestandteile oder anorganisches Arsen.

  • Im Test: 21 Bio-Getreidebreie zum Anrühren für Babys ab vier oder fünf Monaten. Es handelt sich um Basisprodukte, die sich mit Milch oder Wasser zubereiten lassen.
  • Mit Bestnote können wir elf Getreidebreie im Test empfehlen. 
  • Notenabzüge gibt es für Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen und Schimmelpilzgiften.
  • Besonders ärgerlich: Zwei Mal stießen die von uns beauftragten Laborexperten auf krebserregendes Arsen. 

Aktualisiert am 13.10.2022 | Ab dem Alter von vier bis sechs Monaten lernen Babys zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung weiteres Essen kennen. Das Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) hat einen "Beikostfahrplan" entwickelt, mit dem die Kleinen unkompliziert alle jetzt wichtigen Nährstoffe bekommen.

Danach sollte man erst Gemüsebreie mit Fleisch oder Fisch einführen, dann je einen Monat später als zweite Mahlzeit des Tages einen Getreide-Milch-Brei und schließlich den Getreide-Obst-Brei. Vegetarisch oder fleischarm ernährte Kinder bekommen Gemüsebrei mit Getreide, das in Kombination mit Vitamin C ein guter Lieferant für Eisen ist.

Wie gut sind die Getreidebreie für Babys im Test? 

Für diesen Test haben wir 21 Getreidebreie für Babys überprüft. Positiv: Sie alle kommen ohne überflüssige süßende Zusätze aus. Das ist in vielen anderen Produkten für Babys und Kleinkinder leider nicht der Fall.

Die getesteten Breie rührt man mit heißem Wasser oder mit Milch an, gibt etwas zerdrücktes oder püriertes Obst dazu – und fertig. Doch sind die Getreidebreie auch frei von Arsen, Mineralölbestandteilen und Spritzgiften? Die Antwort: Viele, aber nicht alle. 

Für unseren Getreidebrei-Test haben wir 21 Produkte überprüft.
Für unseren Getreidebrei-Test haben wir 21 Produkte überprüft. (Foto: TierneyMJ/Shutterstock)

Elf Getreidebreie im Test sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. In etlichen Breien führen allerdings Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen und Schimmelpilzgiften zum Notenabzug. Zwei Mal ist das von uns beauftragte Labor außerdem auf krebserregendes anorganisches Arsen gestoßen. 

Labor stößt auf krebserregendes Arsen

Arsen kommt natürlicherweise im Boden vor, die Reispflanze nimmt besonders viel davon auf und reichert es an. Bei einem Produkt im Test liegt der gefundene Gehalt oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts für Reis, aus dem Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder hergestellt werden.

Das bewerten wir streng, auch wenn es noch keinen Grenzwert für den fertigen Babybrei gibt. Notwendig wäre er. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat genau das bereits im Jahr 2014 zum besseren Schutz der Kinder gefordert.

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Lebensmittel aus Reis nur in Maßen geben

So oder so bleibt Arsen ein Problem: Laut den BfR-Experten könnten Säuglinge und Kleinkinder auch bei der Einhaltung des Grenzwerts – im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht betrachtet – hohen Belastungen mit dem krebserregenden Stoff ausgesetzt sein.

Laut BfR sollten Eltern durch einen Verzehrhinweis darüber informiert werden, dass sie ihren Kindern Lebensmittel aus Reis nur in Maßen geben sollten. Auf keinem der Reisbreie im Test findet sich ein solcher Hinweis.

Einige getestete Getreidebreie sind glutenfrei 

Apropos, Reisbrei. Manche Eltern bevorzugen ihn, weil Reis kein Gluten enthält. Im Test sind aber noch weitere Breie als glutenfrei ausgelobt.

Es gibt Säuglinge, die mit Beginn der Getreidebeikost eine Zöliakie entwickeln. Dann ist es wichtig, glutenfrei zu füttern und auch auf eine Kennzeichnung zu achten. Hafer zum Beispiel ist nur dann glutenfrei, wenn der Hersteller solchen verwendet, der sicher getrennt von Weizen, Dinkel und Gerste verarbeitet wurde.

Gesunden Kindern vorbeugend glutenfreie Beikost zu geben, bietet nach derzeitigem Kenntnisstand keine Vorteile. Das Expertennetzwerk Gesund ins Leben empfiehlt lediglich, Gluten in der Beikost zunächst in kleinen Mengen einzuführen: nur eine Nudel, einen Löffel Getreidebrei geben und dann schrittweise steigern. 

Mineralöl in Getreidenbreien für Babys im Test

Neben Arsen kritisieren wir Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). In den meisten Fällen bewerten wir die Gehalte als "leicht erhöht". 

Zur Erklärung: MOSH sammeln sich im menschlichen Körper an – mit welchen gesundheitlichen Folgen, ist noch völlig unklar. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes gilt für uns: je weniger, desto besser. Eine mögliche Quelle für Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen sind technische Öle an Produktionsanlagen.

Für das Baby gibt es eine große Auswahl an Getreidebreien. Aber welche sind empfehlenswert?
Für das Baby gibt es eine große Auswahl an Getreidebreien. Aber welche sind empfehlenswert? (Foto: m-agention/Shutterstock)

Schimmelpilzgifte als gesundheitliches Risiko 

Weil Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen in Getreide das größte gesundheitliche Risiko darstellen, ließen wir die Breie auf ein großes Spektrum an Substanzen analysieren. Gefunden hat das Labor sogenannte T2- und HT2-Toxine. Diese stammen von Pilzen, die das Getreide schon auf dem Feld befallen. Sie sind zellgiftig und können das Immunsystem schwächen.

Pestizide fand das Labor nur zweimal in geringen Spuren, weitere Schwermetalle und umstrittene Zusatzstoffe waren gar kein Thema.

Nicht zu viel Milch für Getreide-Milch-Brei benutzen

Tipps zum Getreidebrei als Beikost: 

  1. Wegen der möglichen Arsenbelastungen Säuglingen und Kleinkindern nicht jeden Tag Reisbrei (oder Reiswaffeln) geben.
  2. Zum Kennenlernen schrittweise zunächst mit einem Löffelchen Brei aus einer Getreideart starten.
  3. Kindern im Beikostalter nicht mehr als 200 Milliliter Kuhmilch – inklusive der im Milchgetreidebrei – füttern. Kuhmilch enthält viel Eiweiß. Das belastet die Nieren der Babys.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

In Drogerien, Discountern, Supermärkten und im BioHandel haben wir 21 BioGetreidebreie zum Anrühren für Babys ab vier oder fünf Monaten eingekauft. Darunter reine Haferbreie und Mehrkornbreie. Entsprechend der vielfältigen Auswahl landeten außerdem zwei Reisbreie und ein Hirsebrei in unserem Einkaufskorb. Auch ein Haferporridge zum Aufkochen ist mit dabei. Wir haben nur Varianten ohne Milchpulver und geschmacksgebende Zusätze wie Zucker, Keks und Obst berücksichtigt. Bei den Produkten im Test handelt es sich um Basisprodukte. Sie lassen sich mit Milch oder Wasser zubereiten.

Wir wollten wissen: Wie gut gelingt es den Herstellern, Verunreinigungen mit Mineralöl und Belastungen mit Schimmelpilzgiften zu vermeiden? Sind die Breie frei von Pestiziden? Wir ließen die Breie auf Schwermetalle testen. Ein spezialisiertes Labor analysierte auf das besonders problematische anorganische Arsen.

Wir prüften außerdem die Zutatenlisten auf umstrittene Zusatzstoffe und achteten darauf, ob wichtige Hinweise auf der Verpackung vorhanden sind – zum Beispiel, dass man Babybrei nicht in der Mikrowelle erhitzen sollte. Alle Produkte enthalten einen Zusatz von Vitamin B1 (Thiamin). Dieser ist nötig, um den für Getreidebeikost vorgeschriebenen Mindestgehalt einzuhalten.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung vier Noten: ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 0,1 mg/kg (in der Tabelle "stark erhöht"). Solche Gehalte liegen oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts für Reis für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder gemäß Verordnung (EG) Nr. 1881/2006. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg (in der Tabelle "erhöht"); b) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle "erhöht"); c) ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer Portion mit 22 Gramm des Produkts zu einer Überschreitung des von der EFSA festgelegten TDI von 0,02 μg/kg Körpergewicht bezogen auf ein Kind mit 7,2 Kilogramm Körpergewicht führt (in der Tabelle "T-2/HT-2 erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle "leicht erhöht").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: "ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz" bzw. "frei von Konservierungs- und Farbstoffen laut Gesetz"). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Pestizide: GC/MS und LC-MS/MS.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS.
Anorganisches Arsen: ASU L25.06-1:2008-12
Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge; MOAH): DIN EN 16995:2017 mod. (Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix).
Mykotoxinspektrum: LC-MS/MS (in Mischprobe aus drei Packungen derselben Charge).
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April bis Mai 2022

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 8/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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