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102 Stille Mineralwässer im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Mineralwasser, still

Rein gar nichts

Viele Menschen trinken stilles Mineralwasser - es gilt als besonders pur und rein. Unser Test offenbart eine andere Seite: Abbauprodukte von Pestiziden, Keime und manchmal zu viel giftiges Uran. Mehr als die Hälfte der 102 getesteten Wässer können wir aber empfehlen.

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14.10.2011 | Seit einiger Zeit werden Abbauprodukte von Pestiziden (Metabolite) in Mineralwasser nachgewiesen. Auch zwei Produkte aus dem ÖKO-TEST Mineralwasser für Säuglingsnahrung 6/2011 waren mit erhöhten Werten belastet.

Wir wollten wissen, wie es um die ursprüngliche Reinheit und sonstige Qualität der verschiedenen Mineralwässer bestellt ist und haben 102 Produkte unter anderem auf Pestizidabbauprodukte untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Gut jedes fünfte Wasser fällt nur "mangelhaft" oder "ungenügend" aus. Zum Glück schneidet aber deutlich mehr als die Hälfte der Produkte mit "sehr gut" und "gut" ab.

In sage und schreibe 28 Wässern fand das Labor Pestizidmetabolite, in 15 Produkten sogar in Mengen über dem Orientierungswert der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über die Anerkennung und Nutzungsgenehmigung von natürlichem Mineralwasser (AVV). In den übrigen wurden die Metabolite zwar nachgewiesen, sie blieben aber unter dem festgelegten Richtwert.

Der Orientierungswert bezieht sich auf Pestizide. Die Länderbehörden beanstanden aber auch erhöhte Werte der Abbauprodukte. Deshalb bewerten auch wir streng und ziehen vier Noten ab. Doch auch Messwerte darunter liefern Hinweise auf eine Verunreinigung.

Eine Reihe von Wässern enthalten zu viele Keime. Auch wenn sie nicht gefährlich sind: Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreibt Maximalgehalte vor, an denen wir uns orientieren. Diese beziehen sich zwar auf Wasser, das zwölf Stunden nach der Abfüllung untersucht wurde, doch auch im gelagerten Wasser sollten größere Mengen nicht zu finden sein.

Uran gilt als besonders problematisch, weil schon sehr geringe Mengen die Nieren schädigen können. Zwei Mineralwässer sind besonders hoch belastet: das Graf Metternich Quelle Naturelle mit 11,6 µg/l und das Europerl Naturell mit 7,2 µg/l.

Einige Wässer haben Probleme mit Bor und Mangan. Bor hat sich in Tierversuchen als entwicklungs- und fortpflanzungsschädlich herausgestellt. Mangan kann in hohen Dosen neurologische Störungen auslösen.

In manchen Wässern wies das Labor Stoffe nach, die laut Deklaration gar nicht enthalten sein sollen. Das betraf Nitrat und im Fall des Bio Kristall Still Biomineralwassers auch Fluorid. Wer auf diese Stoffe verzichten will, sollte sich darauf verlassen können, dass sie auch tatsächlich nicht enthalten sind.

Auch wenn die Umweltbilanzen von PET-Einweg und PET-Cycle mittlerweile verbessert wurden, zum Beispiel durch geringere Flaschengewichte oder kürzere Wege, ist Mehrweg immer noch die sinnvollere Wahl, insbesondere wenn es in der Region produziert und vertrieben wird. PET-Einweg- und PET-Cycle-Flaschen erhalten aufgrund der Verbesserungen weniger Minuspunkte als in früheren Tests.

So reagierten die Hersteller

Teutoburger Mineralbrunnen, Harzer Grauhof Brunnen, Aldi Süd (Aqa Clulinaris Still, Feinquell), Penny (Elitess Schönborn Naturelle), Sinziger Mineralbrunnen (Sinziger Naturelle, Ahrtalquelle Naturelle), Rewe (Aquamia): Die mit Metaboliten bel

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In Deutschland gibt es über 500 Mineralwässer, so viel wie in fast keinem anderen Land. Das Angebot variiert je nach Region. Unsere Einkäufer tourten daher kreuz und quer durch die Republik und kauften insgesamt 102 Marken - meist in Getränkemärkten, außerdem in großen Verbrauchermärkten, Supermärkten und bei Discountern. Sie sollten dabei bevorzugt Mehrwegflaschen einkaufen. Außerdem nur Mineralwasser ohne Kohlensäure. Dieses liegt seit Jahren im Trend.

Die Inhaltsstoffe
Mineralwasser enthält wichtige Mineralien, aber möglicherweise auch unerwünschte Stoffe wie Eisen, Mangan, Arsen oder Uran. Entfernt werden dürfen allerdings nur wenige. Für giftiges Arsen und Uran ist kein Verfahren erlaubt. Teilweise lassen sich die Gehalte aber bei der Abtrennung von Eisen und Mangan reduzieren, was allerdings nicht immer funktioniert, so Erfahrungen aus der Praxis. Die Untersuchung von Schwermetallen war daher ein wichtiger Schwerpunkt. Mineralwasser soll laut Gesetz von "ursprünglicher Reinheit" sein. Dabei geht es insbesondere um den Schutz vor Verunreinigungen durch menschliche Einflüsse, wie Bergbau, Landwirtschaft oder Mülldeponien. In diesem Zusammenhang hat man in den vergangenen Jahren vermehrt Abbauprodukte von Pestiziden in Mineralwässern entdeckt. Wir ließen alle Wässer daher auch auf diese Stoffe überprüfen. Auf dem Plan stand außerdem die mikrobiologische Qualität. Stilles Mineralwasser ist in dieser Hinsicht anfälliger, da Kohlensäure das Keimwachstum hemmt. Last, not least wollten wir wissen, ob die von den Herstellern angegebenen Mineralstoffgehalte tatsächlich stimmen und machten daher im Labor die Probe aufs Exempel.

Die Verpackung
Hier ging es um die ökologische Bilanz der vier wichtigsten Abfüllsysteme PET-Mehrweg, Glas-Mehrweg, PET-Einweg und PET-Cycle. Dabei spielen unter anderem das Material, Wiederbefüll- und Recyclingquoten, Flaschengrößen und die Entfernungskilometer von der Abfüllung bis in den Laden eine Rolle.

Die Bewertung
Das Gesamturteil beruhte überwiegend auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Die ökologisch weniger sinnvollen PET-Einweg- und PET-Cycle-Flaschen führten unter den Weiteren Mängeln zu Punktabzug. Um auszuschließen, dass von uns gekaufte PET-Einwegflaschen womöglich auch als Mehrweg erhältlich sind, berücksichtigten wir weitere, von den Herstellern genannte Angebotsformen.

So haben wir getestet

Auch die Verpackung haben wir untersucht. Sie hat Einfluß auf das Gesamturteil

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