1. oekotest.de
  2. Tests
  3. 19 Margarinen und Streichfette im Test

19 Margarinen und Streichfette im Test

Ran ans Fett

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 | Kategorie: Essen und Trinken | 14.10.2011

19 Margarinen und Streichfette im Test

Es gibt Butterfans und Margarineliebhaber. Fürs Pflanzenfett sprechen eigentlich die gesunden Fettsäuren. Doch der neue Fettschadstoff Glycidyl-Ester stößt manche Margarine vom Siegertreppchen.

Neuer Artikel vorhanden: 20 Margarinemarken im Test

Glycidol ist giftig und erzeugt beim Menschen wahrscheinlich Krebs. So viel steht fest. Fest steht auch, dass eine mögliche Vorstufe des Glycidols, sogenannte Glycidyl-(Fettsäure)-Ester in der Margarine stecken. Sie können bei der industriellen Produktion von Fetten entstehen. Besonders viel von dem Stoff enthält offenbar Palmfett, das die Industrie besonders gern in Margarine einsetzt.

Viel mehr weiß man nicht. Ob auch die Glycidyl-Ester eine Gefahr sind, werden die Forscher wohl erst in einigen Jahren wissen. Im günstigsten Fall scheidet der Körper den Stoff aus - ohne dass er Schaden anrichtet. Es könnte aber auch sein, dass sich Teile in das chemisch verwandte 3-MCPD umwandeln, das ÖKO-TEST schon seit Längerem kritisiert. Im schlimmsten Fall wandeln sich die Glycidyl-Ester aber in freies Glycidol um, das zumindest im Tierversuch zu Krebs geführt hat. Um die Risiken auf keinen Fall zu unterschätzen, gehen Risikobewerter stets vom schlimmsten Fall aus.

Krebsrisiko Margarine? Derzeit wäre es überstürzt, auf der Basis der noch sehr dünnen Erkenntnisse einen solchen Zusammenhang herzustellen. Aber die Behörden sollten trotzdem alarmiert sein. Schon vor anderthalb Jahren hat das Bundesinstitut für Risikobewertung auf Glycidyl-Ester in Lebensmitteln hingewiesen. Seitdem wird eifrig geforscht. Gesetze oder zumindest Anhaltspunkte, wie viel von dem Stoff in Margarine stecken darf, gibt es jedoch nicht. Verbesserungen ließen sich aber schon heute erreichen: Wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart festgestellt hat, können Hersteller durch die Auswahl der Rohstoffe und eine Veränderung des Raffinationsprozesses die Werte im Fett grundsätzlich herunterschrauben.

ÖKO-TEST hat 19 Margarine- und Streichfettprodukte auf Fettschadstoffe untersuchen lassen. Außerdem stand die Fettzusammensetzung der Produkte auf dem Prüfprogramm sowie Weichmacher und PAKs, die über die Produktion ins Produkt gelangen können.

Das Testergebnis

Kein Grund zum Jubeln: Die Produkte sind meist nur "befriedigend". Und das liegt vor allem an den Fettschadstoffen.

In 16 der 19 Produkte sind Glycidyl-Ester nachweisbar. Wir werten bei 15 Produkten den Nachweis um eine Note ab. Ein Produkt bekommt eine Abwertung um zwei Noten. Denn in der Eden Die Gute Pflanzenmargarine mit Sonnenblumenöl steckt mehr als das Doppelte der Menge, die wir im Testfeld als Durchschnitt ermittelt haben. Für uns ist das zumindest eine Orientierungsgröße.

Trotzdem haben die Hersteller offenbar gehandelt - was zeigt, dass Verbesserungen möglich sind: Die Summen an Fettschadstoffen, die bei früheren Margarine-Tests zu vielen schlechten Noten führten, sind jetzt im Schnitt niedriger. Nur noch drei Produkte haben in puncto 3-MCPD-/Glycidyl-Ester-Summen erhöhte Werte.

Bei manchen Produkten weichen die Verhältnisse von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren bzw. von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren zu weit von den empfohlenen Werten ab. Dabei sind die richtigen Fettsäureverhältniss


Margarine und Streichfette: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Homa Gold, Streichfett
  • Unilever

Tip Pflanzen Margarine
  • Real

Delikata Frühstücks-Margarine
  • Aldi Nord

Sanavit Gourmet-Margarine, Demeter
  • Naturata (Naturwarenladen)

Alsan-Bio, Margarine
  • Alsan-Werk (Naturwarenladen)

Eden Die Gute Pflanzenmargarine mit Sonnenblumenöl
  • Eden (Reformhaus)

Flora Soft Reform-Margarine
  • Unilever

Gut & Günstig Pflanzen Margarine
  • Edeka

Sanella Back-, Koch- und Streichfett
  • Unilever

Frisan Frühstücks Margarine
  • Norma

Sojola, Streichfett
  • Vandemoortele

Rewe Bio Margarine
  • Rewe

Vita D'or Pflanzen Margarine
  • Lidl

Rela Pflanzen-Margarine
  • Netto Marken-Discount

Rama, Streichfett
  • Unilever

Bellasan Pflanzen Margarine
  • Aldi Süd

Becel Original, Fettreduzierte Diät-Margarine
  • Unilever

Bonita Frühstücks-Margarine
  • Penny

Deli Reform Das Original Die wertvolle Margarine
  • Walter Rau

19 Margarinen und Streichfette im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 10
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 11
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 12
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012 Seite 13

4 Seiten
Seite 10 - 13 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer waren in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden unterwegs und haben eingekauft, was landläufig als Margarine bezeichnet wird. Bei einzelnen Produkten handelt es sich aber genau genommen um Streichfette oder Diät-Margarine, die niedrigere Fettgehalte haben. Halbfettmargarinen haben wir nicht berücksichtigt. Die großen Marken landeten dabei genauso im Einkaufswagen wie die Eigenmarken von Discountern und Supermärkten.

Die Inhaltsstoffe

Der Schadstoff 3-MCPD-(Fettsäure)-Ester, der vor einigen Jahren in raffinierten Fetten entdeckt wurde, beschäftigt Forscher wie Hersteller gleichermaßen. Ob er im Körper in giftiges freies 3-MCPD umgewandelt wird, ist nach wie vor unklar. Chemisch verwandt mit 3-MCPD-Estern sind die Glycidyl-Ester, die als noch problematischer gelten, weil sich aus ihnen Glycidol bilden könnte, eine beim Menschen wahrscheinlich krebserzeugende Substanz. Das Problem bei der Messung: Bislang konnten 3-MCPD- und Glycidyl-Ester nur in der Summe bestimmt werden. In komplizierten Versuchen ist es einer Gruppe von Laboren - darunter auch dem von uns beauftragten - gelungen, 3-MCPD-Ester einzeln zu bestimmen. Damit lässt sich jetzt auch der Gehalt an Glycidyl-Estern berechnen. Weiter haben wir unter anderem auf Weichmacher untersucht, die aus Tanks, Schläuchen oder auch der Verpackung in die Margarine übergehen können. Auch auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wurde analysiert. Diese können entstehen, wenn fetthaltige Zutaten zum Beispiel bei der Verarbeitung stark erhitzt werden. Einzelne Inhaltsstoffe wie Vitamine lassen sich schon über die Deklaration, also die Zutatenliste, bestimmen.

Die Fettzusammensetzung

Fett setzt sich aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Fettsäuren zusammen. Im Vergleich zu tierischen Fetten wie Butter gelten pflanzliche Fette, wie auch Margarine, als besonders gesund. Der Grund: Sie enthalten viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren, die das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können. Aber wie viele dieser wertvollen Fette stecken tatsächlich im einzelnen Produkt? Im Labor kann das Fett in seine einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Wie gut sich eine Margarine für die tägliche Ernährung eignet, hängt unter anderem davon ab, in welchem Verhältnis die einzelnen Fettsäuren zueinander stehen. Optimalerweise sollten doppelt so viele ungesättige wie gesättigte Fettsäuren in einem Fett stecken. Bei Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren sollte das Verhältnis höchstens bei 5:1 liegen.

Die Bewertung

Glycidol ist gefährlich, da es beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen kann. Deshalb ist auch höchste Vorsicht geboten, wenn in einem Lebensmittel Glycidyl-Ester gefunden werden. Solange es keine Orientierungswerte gibt, wie viel Glycidyl-Ester in einer Margarine enthalten sein darf, werten wir den Nachweis dieses Stoffes ab. Produkte mit einem vergleichsweise hohen Wert werden dabei stärker abgewertet. Gleiches gilt, wenn die Summe der problematischen Stoffe 3-MCPD-/Glycidyl-Ester erhöht ist. Beim Aroma weichen wir ausnahmsweise von unserer üblichen Bewertung ab - und werten den Zusatz nicht ab. Margarine ist nun mal ein Produkt, das der Butter möglichst nahe kommen soll. Und ohne Aroma würde sie einfach nur neutral schmecken, ähnlich der Fettgrundlage für Handcremes oder Fieberzäpfchen. Inhaltsstoffe und Fettzusammensetzung bewerten wir 50 zu 50. Da aber unter den Inhaltsstoffen auch potenziell gefährliche Stoffe sind, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Aktuelle Ausgabe
Spezial Energie
Spezial Energie
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012

Erschienen am 14.10.2011

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012

Gedrucktes Heft bei Unser Service-Partner: United Kiosk kaufen

Ausgabe als ePaper bei Unser Service-Partner: United Kiosk kaufen

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.