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25 Magenmittel im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Magenmittel

Sau(b)er

Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden unter Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Die Beschwerden sind schon lange ein Feld der Selbstmedikation. Erst vor knapp zwei Jahren wurden die umsatzträchtigen Protonenpumpenhemmer mit den Wirkstoffen Omeprazol und Pantoprazol aus der Rezeptpflicht entlassen. In unserem Test lesen Sie, wann es sinnvoll ist, fachlichen Rat bei einem Arzt oder Apotheker einzuholen.

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14.10.2011 | Wenn der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre schwächelt und Magensäure die Speiseröhre hochsteigt, macht sich dies durch saures Aufstoßen bemerkbar. Passiert das häufiger und ist die Speiseröhre bereits gereizt oder besonders sensibel, spüren Betroffene einen brennenden Schmerz hinterm Brustbein: das Sodbrennen. Behandelt wird unter anderem mit den vor ungefähr 20 Jahren eingeführten Protonenpumpenhemmern (PPI). Diese Medikamente hemmen ein Enzym, das wie eine Pumpe Säure aus Zellen der Magenschleimhaut in den Magen befördert. Lange Zeit waren die Präparate ausschließlich auf Rezept erhältlich.

Im Jahr 2009 wurden Omeprazol- und Pantoprazol-haltige Arzneimittel aus der Rezeptpflicht entlassen. ÖKO-TEST kaufte 25 Präparate mit diesen Wirkstoffen ein, allesamt in Form magensaftresistenter Tabletten oder Kapseln. Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt, hat sie für uns begutachtet.

Das Testergebnis

Erfreulich positiv: In der Pharmakologischen Begutachtung schneiden alle getesteten Präparate mit "sehr gut" ab. Lediglich durch problematische Hilfsstoffe landen einige Medikamente nicht auf der Bestenliste.

Die Wirksamkeit der Protonenpumpenhemmer bei Refluxerkrankungen wie Sodbrennen und saurem Aufstoßen ist in Studien belegt. Sie hemmen die Säureproduktion in der Magenschleimhaut und gelten als gut verträglich und sicher. In der Begründung für die Entlassung dieser Präparate aus der Rezeptpflicht nennt die Behörde den Wirkstoff Omeprazol "eine der effektivsten Substanzen zur symptomatischen Behandlung der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit". Zudem biete Omeprazol verglichen mit Antazida und H2-Blockern eine "nachhaltigere Beschwerdefreiheit und damit eine verbesserte Lebensqualität bei vergleichbar guter Verträglichkeit". Für Pantoprazol gilt das Gleiche. Als häufige Nebenwirkungen können sich vorübergehend Durchfall, Verstopfung und Blähungen bemerkbar machen.

Eingenommen werden sollten die Präparate am besten mit viel Wasser auf nüchternen Magen vor einer Mahlzeit und nicht länger als 14 Tage. Ist bis dahin keine Besserung eingetreten, sollte auf alle Fälle ein Arzt aufgesucht werden. Die Mittel sind nicht für Kinder und Jugendliche vorgesehen - das ist auf allen Beipackzetteln vermerkt.

Die Wirkstoffe sind in magensaftresistenten Tabletten oder Kapseln verpackt. Nach der Einnahme passieren sie unversehrt den Magen, gelangen in den Darm, dort ins Blut, passieren die Leber und gelangen erst dann an ihren Einsatzort, die Magenschleimhaut. Allerdings stecken vor allem in den Überzügen problematische Hilfsstoffe, für die es Notenabzüge gibt: In den Omep Akut 20 mg, Hartkapseln von Hexal steckt der Weichmacher Diethylphthalat, in den drei Omeprazol-Präparaten der halogenorganische Farbstoff Erythrosin (E 127). Die Antra Omeprazol 20 mg, Tabletten von Bayer Vital enthalten Paraffin.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Ob ein zu fettes Essen, Ärger im Büro oder in der Partnerschaft: Es kann einem so einiges auf den Magen schlagen. Kein Wunder also, dass es in der Apotheke vor Magenmitteln nur so wimmelt. Auch ÖKO-TEST hat diese Präparate schon diverse Male getestet. Seit Mitte 2009 sind mit Omeprazol und Pantoprazol zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Protonenpumpenhemmer nicht mehr rezeptpflichtig. Da auch der Patentschutz für diese Wirkstoffe abgelaufen ist, haben inzwischen etliche Hersteller diesen Markt für sich entdeckt. Wir haben eine große Auswahl dieser Arzneimittel in der Apotheke eingekauft.

Inhaltsstoffe und Deklaration
Wie üblich bei Arzneimitteltests hat sich unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt, der Frage der Wirksamkeit der Produkte angenommen. Zudem schaute er sich die Gebrauchsinformationen hinsichtlich der Angaben zur Anwendungsdauer, zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und zu Gegenanzeigen näher an. Dabei entpuppten sich gerade die Beipackzettel als sehr einheitlich gestaltet - nicht zuletzt deshalb, weil das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit dem Wegfall der Rezeptpflicht einen Mustertext vorschlug und einheitliche Packungsbeilagen anstrebte.

Die Bewertung
Dass die Protonenpumpenhemmer die Säureproduktion der Magenschleimhaut vermindern, haben verschiedene Studien gezeigt. Da zudem die Beipackzettel alle relevanten Informationen klar benennen und somit nicht zu bemängeln sind, ergibt sich in der pharmakologischen Begutachtung bei allen getesteten Präparaten ein erfreulich positives Ergebnis. Unnötig erscheint uns allerdings die Verwendung einiger problematischer Hilfsstoffe wie Diethylphthalat oder der Farbstoff E 127, eine halogenorganische Verbindung.

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