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Test Fahrradhelm: Das sind die besten Helme von Uvex, Abus & Co.

ÖKO-TEST April 2018 | Autor: Frank Schuster, Kai Thomas | Kategorie: Freizeit und Technik | 29.03.2018

Test Fahrradhelm: Das sind die besten Helme von Uvex, Abus & Co.

Helme schützen. Sie können Kopfverletzungen verhindern oder abmildern. Gerade diese sind oftmals lebensgefährlich. Der überwiegende Teil der getesteten Helme bietet ordentlichen Schutz.

Ein Fahrradhelm schützt zwar nicht vor jeder Art Verletzung, zumal bei einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug. Doch er kann Kopfverletzungen verhindern oder mildern. Laut Statistik der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) machen diese zwar nur 25 Prozent der Verletzungen bei Fahrradunfällen aus, viel häufiger betroffen sind mit 60 Prozent Arme und Beine. Allerdings sind mehr als 70 Prozent der in Lebensgefahr schwebenden Radfahrer schwer am Kopf verletzt. 

Test Fahrradhelm: Sicherheit, Komfort und Inhaltsstoffe von elf Helmen überprüft

Eine gemeinsame Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) mit dem Institut für Rechtsmedizin München und dem Universitätsklinikum Münster aus dem Jahr 2014 ergab, dass von 117 tödlich verunglückten Radfahrern nur sechs einen Helm trugen. Mehr als die Hälfte der 117 tödlich Verunglückten starb an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Immerhin: Die Bereitschaft unter Radfahrern, freiwillig einen Helm zu tragen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es laut Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2010 über alle Altersgruppen hinweg nur neun Prozent, lag die Quote 2016 bereits bei 17 Prozent.

 "Ein Helm bietet keinen absoluten Schutz. Leichte und schwere Kopfverletzungen, Verletzungen der Halswirbelsäule und des Gesichts können auch mit Helm auftreten", heißt es in einer Stellungnahme der DGOU. Theoretisch können laut DGOU auch durch unsachgemäßes Tragen der Helme Verletzungen entstehen. Dabei handele es sich jedoch höchstens um Einzelfälle.

Wir haben elf Fahrradhelme in die Labore geschickt. Wir wollten wissen, wie gut sie schützen und wie es um Komfort und Handhabung bestellt ist. Zudem ließen wir die Helme auch auf problematische Inhaltsstoffe testen.

Fahrradhelme von Uvex, Abus und Co. im Test: acht von elf Helmen im Test empfehlenswert

Das Ergebnis: Nur ein einziger Fahrradhelm schneidet mit "sehr gut" ab, sieben sind aber immerhin "gut". Von zwei Helmen raten wir ganz ab.

In den Prüfungen der Schutzwirkung haben alle Helme die Mindestanforderungen der europäischen Fahrradhelmnorm EN 1078 erfüllt und auch die über die Norm hinausgehenden strengeren Prüfungen bestanden. Mit einer Ausnahme: Ein Helm ließ sich der Verschluss des Kinnriemens unter Belastung mit einem Gewicht nicht einhändig öffnen. Das ist aber notwendig für den Fall, dass der Träger - etwa nach einem Unfall - mit dem Helm festhängt. Aufgrund dieses gravierenden Mangels bewerten wir die Schutzfunktion mit "mangelhaft". 

Der günstigste Helm im Test besitzt im Gegensatz zu den anderen kein Anpasssystem, etwa ein Kopfband, das sich über einen Drehverschluss um den Kopf legt. Er erhält seinen Halt alleine über den Kinnriemen. Ein richtiger Sitz ist nur dann gegeben, wenn der Schädel exakt hineinpasst - ein Zufallstreffer, denn ein Nachjustieren ist nicht möglich. Der Helm hat zwar die Tests zur Schutzfunktion bestanden. Der Kinnriemen hielt ihn auch bei der Abstreifprüfung am Prüfkopf fest. Doch das fehlende Anpasssystem führt unter dem Punkt Trageeigenschaften zu "mangelhaft". 

Zwei Fahrradhelme im Test wegen Schadstoffen und Sicherheitsmängeln durchgefallen

In puncto Inhaltsstoffe schneiden die Helme insgesamt gut ab. Sechsmal vergaben wir die Note "sehr gut", einmal "gut". Ein Marken-Helm ist allerdings "ungenügend". In seiner Auskleidung wiesen die Labore den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin nach. Zudem fanden sie das die Haut reizende Antimon. Das Halbmetall analysierten die Chemiker auch in zwei weiteren Produkten. 

Zwei Helme sind mit Zinkpyrithion ausgerüstet. Die Behandlung von Textilien und anderen körpernahen Produkten mit solchen Bioziden, die das Wachstum von Bakterien oder Pilzen verhindern sollen, ist im Bereich Sportlerausstattung nicht ungewöhnlich. Die Idee: Bakterienwachstum verhindern, Geruch mildern. Doch die Ausrüstung hat Nachteile für Mensch und Umwelt. Zinkpyrithion gilt als leicht hautreizend und ist giftig für Wasserorganismen. In Fahrradhelmen hat diese Substanz unserer Meinung nach nichts zu suchen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.


Fahrradhelme: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Sladda Fahrradhelm,  schwarz
  • Ikea

Abus Pedelec ACT4 Night Blue
  • Abus

B'Twin Essential, anthrazit
  • Decathlon

Scott Bike Helmet Groove Plus, black matt
  • Scott Sport

Carrera Foldable Crit, black matte
  • Carrera

Casco Activ 2U Schutzhelm für Radsport, anthrazit
  • Casco

Fischer Helm Urban, weiß
  • Inter-Union

Alpina Yedon L.E., bronze
  • Alpina

Bell 4 Forty Mips Fahrradhelm, matt pacific/black
  • Bell

Uvex City I-Vo, white mat
  • Uvex

Giro Hex G206, matt/flame
  • Giro

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8 Seiten
Seite 80 - 87 im ÖKO-TEST April 2018
vom 29.03.2018
Abrufpreis: 2,50 €

Testverfahren

Der Einkauf
Wir haben elf Fahrradhelme eingekauft. Im Test sind überwiegend Schalenhelme in klassischer Form, aber auch welche, die im Design BMX- oder Skateboard-Helmen gleichen. Mit dabei: drei Modelle mit LED-Rückleuchten. 

Der Praxistest
Ein Fachlabor prüfte in Anlehnung an die internationale Norm EN 1078 die Schutzfunktion der Helme. Zum Ermitteln des Stoßdämpfungsvermögens ließen die Experten die Testhelme, gefüllt mit einem Normprüfkopf, auf einen flachen Untergrund fallen sowie auf eine Kante, die der eines Bordsteins nachempfunden ist. Die Norm legt den Mindeststandard fest. Wir wollten wissen, ob die Helme noch mehr Schutz bieten und ließen sie unter verschärften Bedingungen testen. 

So prüfte das Labor zusätzlich die Stoßdämpfwirkung an einem Aufprallpunkt an Stirn und Schläfe, der außerhalb der Norm liegt. Der Radverkehr wird wegen verbesserter Gangschaltungssysteme und elektronischer Tretunterstützung (E-Bikes, Pedelecs) immer schneller, deshalb nahmen die Laborexperten zusätzlich auch die niederländische Vorschrift NTA 8776 für Speed-E-Bikes als Grundlage.

Im Abstreiftest nach EN-Norm prüften sie, ob der Helm mit geschlossenem Kinnriemen und Verstellsystem bei plötzlichem Zug auf dem Prüfkopf bleibt. Nach einem ebenfalls von der Norm vorgegebenen Verfahren testeten sie die Belastbarkeit von Riemen und Verschluss und ob sie sich unter einer Belastung mit einem Gewicht einhändig öffnen lassen. Das ist wichtig für den Fall, dass der Helmträger, etwa nach einem Unfall, festhängt. Zu einer guten Ausstattung gehören Reflektoren und - zumindest an den vorderen Belüftungsöffnungen - ein Insektenschutz, damit keine Wespe mit dem Fahrtwind unter die Helmschale gelangen kann. 

Die Inhaltsstoffe
Wir schickten die Helmbestandteile mit andauerndem Hautkontakt zur Schadstoffanalyse in die Labore, darunter Innenpolster, Kinngurte und Plastikteile des Verstellsystems. Die Kunststoffe ließen wir unter anderem auf schädliche Weichmacher, die Polster auf problematische Farbstoffe analysieren. 

Die Weiteren Mängel
Die Platinen der LED-Rücklichter ließen wir darauf untersuchen, ob sie mit bromierten Verbindungen behandelt sind, Produkt und Verpackungen, ob sie PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen enthalten. Bei der Entsorgung werden diese zu einem Umweltproblem. Auch die Vollständigkeit der Gebrauchsanweisung und die Kennzeichnung am Helm spielten bei diesem Testergebnis eine Rolle.

Die Bewertung
Sicherheit geht vor. Deshalb beruht das Gesamturteil auf der Praxisprüfung. Ein schlechtes Urteil der Inhaltsstoffe kann dieses Ergebnis aber weiter verschlechtern.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST April 2018
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Erschienen am 29.03.2018

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