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Kopfkissen-Test: Guter Schlaf auf Wolle, Latex und Schaumstoff

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2019 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 18.10.2018

Kopfkissen-Test: Guter Schlaf auf Wolle, Latex und Schaumstoff

Wie das ideale Kopfkissen für Sie aussieht, ist eine individuelle Sache. ÖKO-TEST aber kann Ihnen sagen, welche Kissen mit Schadstoffen belastet sind. In Synthetikkissen stecken vermeidbare schädliche Rückstände. Kissen mit Woll- und Latexfüllungen können wir dagegen ohne Einschränkung empfehlen.

Aktualisiert am 18.10.2018; Einkauf Testprodukte Apr/Mai 2017 | ÖKO-TEST hat normale Kopfkissen im schmalen, empfehlenswerten Format 80 mal 40 Zentimeter eingekauft: zwölf mit synthetischer Füllung, sieben weitere, die mit Wolle oder Naturlatex gefüllt sind. Wir ließen prüfen, ob sie gesundheits- oder umweltschädliche Inhaltsstoffe enthalten.

Kopfkissen-Test: Viele sind empfehlenswert 

Das Ergebnis: An sechs Naturkissen haben wir so gut wie nichts auszusetzen, ebenso an einem Kissen mit synthetischer Füllung. Auch darüber hinaus sind die Noten akzeptabel. Dennoch gibt es kein pauschales Lob für die Hersteller synthetischer Kopfkissen, denn es ginge besser.  

Mit einer Ausnahme weisen alle Kissen mit synthetischer Füllung nach ÖKO-TEST-Einschätzung zu hohe lösliche Rückstände des giftigen Halbmetalls Antimon auf; sie sind bei guter Herstellungspraxis vermeidbar. Besonders deutliche Mengen lösten sich aus einem Kopfkissen im Test.

Kritik an Rückständen des giftigen Halbmetalls Antimon

Überraschend hoch sind die gemessenen Werte im Vergleich zum Test aus dem Jahr 2011. Damals fanden die Labore vielfach nur Spuren, die nicht zur Abwertung führten. Für die nachgewiesenen Antimonwerte ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verbindung Antimontrioxid verantwortlich. Sie bildet sich bei der Herstellung von Polyester aus dem eingesetzten Katalysator. Antimontrioxid hat im Tierversuch Tumore ausgelöst, was zur Gefahrstoffeinstufung "Kann vermutlich Krebs (beim Einatmen) erzeugen" führte.

Auch Antimon selbst ist in dieser Kategorie 2 bei der Europäischen Chemikalienagentur gemeldet. Allerdings sind die Konzentrationsgrenzen für die Einstufung deutlich höher als die Werte, die wir in den Kissen nachgewiesen haben. Eine akute Gefahr besteht demnach nicht. Andererseits: je weniger, desto besser.

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Optische Aufheller in einigen Kopfkissen im Test 

Bei der Vulkanisation von Latex können krebserregende Nitrosamine entstehen. Wir ließen die drei Kopfkissen mit Latexfüllung in der Prüfkammer untersuchen. Es gasten nur sehr geringe Mengen an Nitrosaminen aus, die wir nicht abwerten.

Kritik an optischen Aufhellern: In vielen Kopfkissen im Test fanden sich die Aufheller, die ein Gewebe superweiß erscheinen lassen, zumindest in Etiketten und Reißverschlüssen. Oft war aber auch der ganze Bezug weiß. Das ist vollkommen überflüssig, verschwindet die weiße Pracht doch unter einem Kissenbezug. Dass es auch ohne umweltbelastende optische Aufheller geht, zeigen sechs Anbieter im Test. 

Worauf Sie beim Kissen-Kauf achten sollten

"Wie man sich bettet, so liegt man", sagt schon ein altes Sprichwort. Wörtlich genommen kommt uns dabei als Erstes die Matratze in den Sinn. Über das Kopfkissen, das für einen entspannten Schlaf ebenso wichtig ist, machen sich weit weniger Menschen Gedanken.

In vielen deutschen Schlafzimmern ist noch das althergebrachte 80 mal 80 Zentimeter große Federn-Daunen-Kopfkissen zu finden. Ideal ist dieses Format nicht. Denn hier kommen zwangsläufig auch die Schultern auf dem Kissen zu liegen. Das aber soll nicht sein. Und wenn man das Kissen faltet, behält es beim Drehen im Schlaf nicht die kompakte Form.

Das Wichtigste, das ein Kopfkissen können muss: für eine richtige Kopf-Nacken-Lagerung sorgen. Es soll, egal ob in Seiten- oder Rückenlage, eine entspannte Position bieten und die Halswirbelsäule entlasten. Das ist der Fall, wenn sie in Verlängerung zur Brustwirbelsäule liegt und der Kopf nicht nach oben oder unten abknickt. Unterschiedliche Schlafpositionen, unterschiedlicher Körperbau - eine Lösung für alle gibt es nicht. So individuell wie die Schläfer, so individuell sollten - im besten Fall - auch die Kopfkissen sein.

Kissen für Seiten-, Bauch- und Rückenschläfer

Dr. Florian Heidinger, Leiter des Ergonomie-Instituts München, beschreibt ein typisches Problem: Ein Mann mit breiten Schultern, der in Seitenlage auf einer harten Matratze liegt, sinkt kaum ein. Also benötigt er besonders viel Stützhöhe: "Ein solcher Mensch braucht ein richtiges Brikett unterm Kopf." Ganz anders eine Frau mit schmalen Schultern, erst recht wenn sie auf einer weichen Matratze liegt. Sowohl der Körperbau als auch der Härtegrad der Matratze bestimmen demnach die Höhe des richtigen Kopfkissens.

In Rückenlage kommt es auf die Form der Wirbelsäule an. Ein junger aufrechter Mensch benötigt ein ganz flaches Kissen. Wenn im Alter dagegen die Wirbel­säule gebeugt ist, muss das Kopfkissen das entstehende Dreieck unterm Kopf ausfüllen, damit dieser entspannt liegen kann. Bauchschläfer wiederum ruhen am besten auf sehr flachen Kissen.

Günstig sind deshalb Kopfkissen, deren Füllmenge sich verändern lässt. Auch lohnt sich der Gang ins Fachgeschäft. Probe liegen erspart Fehlkäufe. Kissen am besten in Verbindung mit einer Matratze probieren, die der heimischen ähnlich ist. Der Fachverkäufer kann die Liegeposition und die Haltung von Kopf und Nacken prüfen und hinsichtlich der individuellen Probleme beraten. Und man kann selbst ausprobieren, ob man lieber weicher oder fester gebettet liegen möchte, denn das ist subjektiv.

Wer Nackenprobleme hat und mit Verspannungen aufwacht, dem können spezielle Nackenstützkissen zu einem entspannten Schlaf verhelfen. Allerdings: Sind Fehlhaltungen im Alltag der Grund für die Nackenprobleme, wird das Kissen sie nicht lösen.

Kopfkissen: Worauf es beim Material ankommt

Auch die Wahl der Materialien hängt von den persönlichen Vorlieben ab, auch wenn es für Einzelfälle Empfehlungen gibt. Für Hausstauballergiker sind komplett waschbare Synthetikkissen ratsam.

Schafschurwolle hat dagegen einen Selbstreinigungseffekt und ist von der Klimaregulierung und vom Feuchtetransport her sehr gut. Deshalb sind solche Füllungen eine gute Lösung für leicht schwitzende Menschen, bestätigt Bardo Hildmann aus dem Fachgeschäft Betten-Zellekens in Frankfurt am Main.

Alternativ komme ein häufig waschbares Kissen infrage. Wärmende Federn und Daunen, in die der Kopf noch dazu einsinkt, empfiehlt Hildmann für schwitzende Menschen nicht.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen 2018 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

Der Einkauf: Unsere Einkäufer haben in Fachgeschäften, Warenhäusern und im Onlinehandel 19 Kopfkissen im Format 80 x 40 Zentimeter eingekauft. Der Schwerpunkt lag auf Synthetik, drei weitere sind mit Naturlatex und vier mit Wolle oder Baumwolle gefüllt, einmal in Kombination mit der Pflanzenfaser Kapok. 

Die Inhaltsstoffe: Jedes Material hat seine Besonderheiten, sodass Labore neben einigen Textil-Standardparametern wie Formaldehyd und halogenorganischen Verbindungen, die in Ausrüstungen und Farbstoffen stecken können, unterschiedliche Substanzen analysiert haben. Bei der Produktion von Polyester werden Antimonverbindungen eingesetzt. Ob sich beim Schwitzen die Antimonrückstände lösen, stand deshalb für die synthetischen Produkte auf dem Prüfprogramm. Bei Latexfüllungen dagegen untersuchten Experten, ob krebserregende Nitrosamine ausgasen, die bei der Vulkanisation entstehen können. Und bei Woll- und Pflanzenfasermaterialien wollten wir wissen, ob Pestizidrückstände vorhanden sind. Außerdem ließen wir die Naturfasern unter die Lupe nehmen, um zu klären, ob sie wirklich das sind, was die Hersteller versprechen.

Die Weiteren Mängel: Darunter fassen wir umweltbelastende Stoffe, etwa optische Aufheller ohne Hautkontakt und Rückstände von Nonylphenolethoxylaten zusammen.

Die Bewertung: Problematische Inhaltsstoffe wie lösliches Antimon oder Mängel bei der Faserzusammensetzung führen zu Minuspunkten. Deutliche Weitere Mängel können das Gesamturteil verschlechtern.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 5 mg/kg Antimon im Eluat. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 1 bis 5 mg/kg Antimon im Eluat; b) ein deutlicher Anteil an Fremdfasern (hier: 17 Prozent Viskose). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: optische Aufheller ohne Hautkontakt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden 

Halogenorganische Verbindungen: Mischprobe aus Bezug und Füllung; Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halo­gene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Antimon (in Polyestermaterialien): Füllung bzw. Mischprobe aus Bezug/Füllung; Elution von Schwermetallen mittels saurer Schweißlösung, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Formaldehyd: Mischprobe aus Bezug/Füllung; qualitativer Nachweis mit Carbazol/Schwefelsäure. Optische Aufheller: qualitativer Nachweis, UV-Licht. ­Nonylphenolethoxylate: repräsentative Mischprobe; ­LC-MS/MS nach Extraktion. Weichmacher, phosphororganische, phenolische und antibakterielle Verbindungen (in synthetischen und Latexfüllungen): GC-MS nach ­Extraktion und Derivatisierung. Pestizide (in Füllungen aus Naturfasern): Pestizidscreening GC/MS. Nitrosamine (in Latexfüllungen): Prüfung eines kompletten Kissens mit ­Latexfüllung in einer Prüfkammer mit 0,25 m³ Volumen; prEN 16516; Prüfkammerbedingungen nach DIN ISO 16000- 9, Luftwechselrate 1,0 h-1, Anströmgeschwindigkeit 0,3 m/s, Luftprobennahme zwei Tage nach Prüfkammerbeladung; Bestimmung von Nitrosaminen BGI 505-23. Faseranalyse/Anzahl der Fasern bei Naturfüllungen: a) Faseridentifikation und -zählung mit Rasterelektronenmikroskopie (REM), Probennahme an drei Stellen des Flockenmaterials, Anfertigung von Faserschnipseln für die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung, Identifizierung von mindestens 1.000 Einzelfasern pro Faser­muster; b) bei Nachweis von Fremdfasern: chemische Mischungsanalyse nach DIN EN ISO 1833; Ameisen-Zinkchlorid-Verfahren nach DIN EN ISO 1833-6; Feuchtigkeitszuschlag für Baumwolle 8,5 %, Feuchtigkeitszuschlag für Viskose 13 %, Korrekturfaktor für Baumwolle d = 1,02. ­Faseranalyse bei gemischten Naturfüllungen: Klimatisierung bei 20 °C und 65 % R.H.; mehrere Proben à ca. 1 g wurden manuell getrennt, gewogen (bei Normklima) und die Gewichtsanteile berechnet. Geruch (bei auffälligem Geruch): VDA-Empfehlung 270 i. A., Exsikkatorbedingungen: 0,38 g/3 l, 40 °C, 50 % relative Luftfeuchte, Luftprobennahme 24 Stunden nach Exsikkatorbeladung. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April bis Mai 2017 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen 2018 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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