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19 Vegetarische Fleischersatzprodukte im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Vegetarische Fleischersatzprodukte

Es geht um die Wurst

Würstchen für den Grill, Bolognese auf die Nudeln oder Leberwurst in der Semmel - nichts ist mehr unmöglich für Vegetarier. Das Angebot an fleischfreien Alternativen ist groß. Doch leider sind nicht alle getesteten Produkte empfehlenswert.

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14.10.2011 | Warum ein Vegetarier Pflanzenkost ausgerechnet im Fleischkleid haben möchte, erfahren wir von Saskia Rosalie Wolff, die seit einigen Jahren mit ihrer Firma Smilefood einen ständig wachsenden Internethandel mit vegetarischen Fleischersatzprodukten betreibt. "Ich bin seit Jahren Vegetarierin. Den herrlich herzhaft-würzigen Geschmack eines Fleischgerichts mag ich trotzdem. Und tu einfach ruhigen Gewissens mal so, als ob." Rohwaren für das Pflanzenfleisch sind hauptsächlich Sojabohnen oder Weizen in Form von Tofu und Eiweißprodukten. Neuerdings gibt es von der Firma Campina auch Produkte auf Milchbasis. Dazu kommen die verschiedensten pflanzlichen Öle, reichlich Gewürze und oft auch Aroma oder Hefeextrakt. Das riecht nicht wie Fleisch, aber so ähnlich und kommt in Aussehen und Konsistenz den Originalrezepten für Schnitzel, Döner und Leberwurst häufig erstaunlich nahe.

Wir haben von Profis testen lassen, wie der Fleischersatz schmeckt. Außerdem schickten wir die 19 ausgewählten vegetarischen Alternativen in diverse Labore, wo sie auf viele Schadstoffe und ihren Salzgehalt untersucht wurden.

Das Testergebnis

Nur zwei Produkte erreichen die Bestnote, während knapp die Hälfte ein mittelmäßiges "befriedigend" oder "ausreichend" schafft. Einige untersuchte Produkte hatten so viele Mängel, dass wir davon abraten müssen.

Die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester bilden sich, wenn Öle oder Fette raffiniert werden. Experten gehen davon aus, dass sie sich im Körper umwandeln und ein gesundheitliches Risiko bergen: von gutartigen Tumoren bis hin zu Krebs. Zwar sind die Stoffe noch nicht abschließend erforscht. Doch aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes wird der Industrie dringend empfohlen, die Gehalte durch die Auswahl der Zutaten und den Herstellungsprozess zu reduzieren. In zwei Marken stellten die beauftragten Labore sogar stark erhöhte Mengen an 3-MCPD-/Glycidyl-Ester fest.

Die Pural Vegetarische Bio-Nuggets enthalten relativ große Mengen des Weichmachers Diisononylphthalat (DINP). Der Stoff geht aus Kunststoffmaterialien vor allem auf fettreiche Lebensmittel über und ist deshalb in Verpackungen für fettreiche Produkte verboten. Die Ursache der Belastung muss im Fall der Bio-Nuggets aber woanders liegen. Denn in der Kunststoffverpackung steckten zwar Weichmacher, aber nicht in so hoher Konzentration, dass so viel in den Fleischersatz übergehen könnte. Gesetzliche Höchstmengen für DINP in Lebensmitteln gibt es nicht, wohl aber ein Limit für den Übergang von Verpackungen an den Inhalt. Dieser Wert ist in den Nuggets überschritten.

In zwei Produkten stecken Spuren der weitverbreiteten, gentechnisch veränderten Sojasorte Roundup-Ready. Solche Funde zeigen wieder, dass ein friedliches Nebeneinander von herkömmlicher und Gen-Tech-Landwirtschaft unmöglich ist.

Die vegetarischen Fleischalternativen pflegen ein gesundes, natürliches Image. Natürliche Aromen passen nicht dazu, denn sie schmücken sich zwar mit dem Wörtchen "natürlic

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Fleischersatz - was für ein Wortungetüm. Hinter diesem Gruppennamen verbergen sich vegetarisches Gulasch, Döner und Schnitzel, die den fleischigen Rezeptklassikern täuschend ähnlich sehen. Genau das war ein Kriterium für den Einkauf. Wir haben vom Veggi-Burger über Nuggets bis zur Weißwurst eine bunte Mischung aus dem wachsenden Marktsegment ausgewählt. In überwiegender Zahl kommen sie aus dem Bio-Laden und Reformhaus, einige aber auch aus ganz normalen Supermärkten oder Discountern.

Die Inhaltsstoffe
So unterschiedlich wie die Produkte, sind auch ihre Zutaten. Wir haben das Testprogramm jeweils darauf zugeschnitten. Stecken pflanzliche Öle und/oder Palmfett im Produkt, kann es mit Fettschadstoffen, den sogenannten 3-MCPD- und Glycidyl-Estern, belastet sein. Sind Rauch oder Raucharomen enthalten, können darüber polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in den Fleischersatz gelangen. Zutaten wie Soja, Mais und Reis machen die Prüfung auf gentechnisch veränderte Bestandteile zum Muss. Sowohl über die Verpackung als auch im Herstellungsprozess können Weichmacher in das Lebensmittel gelangen, die sich im Körper und in der Umwelt anreichern und hormonell wirksam sind. Ein Speziallabor analysierte 23 häufig verwendete Weichmacher. In Screeningmethoden wurden zirka 500 Pestizidwirkstoffe getestet. Denn im Fleischersatz enthaltene Zutaten wie Soja, Weizen und Gewürze werden möglicherweise im Anbau gespritzt. Fleischersatz soll gesünder sein, aber enthält es auch weniger ungesundes Salz oder Keime? Auch das gehörte zum umfangreichen Untersuchungsprogramm.

Die Bewertung
In der Bewertung der Schadstoffe lehnen wir uns an die gesetzlichen Regelungen und Höchstmengen an, sind aber oft noch strenger. Sobald Gen-Technik nachgewiesen wird, kann ein Produkt nur noch mit "befriedigend” abschneiden. Denn der gesetzlich erlaubte Wert von 0,9 Prozent ist viel zu hoch und verleitet die Hersteller dazu, Verunreinigungen in Kauf zu nehmen. Weichmacher werten wir ab, wenn die Mengen, die über Verpackungen auf das Lebensmittel übergehen dürfen, überschritten sind. Denn leider gibt es keine Höchstmenge für Weichmacher in Lebensmitteln. Pestizidrückstände haben in Bio-Ware nichts zu suchen. Stecken dennoch Mengen von 0,02 Milligramm pro Kilogramm oder mehr drin, ist das eine Irreführung, die Untersuchungsämter beanstanden. Wir werten unter Weiteren Mängeln ab, das Produkt kann nur noch mit "mangelhaft” abschneiden. Den Geschmack von Schnitzel & Co. haben wir bewusst nicht bewertet, denn die Produkte können zwar nah ans Original herankommen, aber nie gleich schmecken.

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