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19 Potenzmittel im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2012
vom 14.10.2011

Potenzmittel

Hängen gelassen

Bei Potenzschwäche kann Mann zum Arzt gehen - oder im Sexshop nach Abhilfe suchen. Richtige Standfestigkeit gibt es aber nur auf Rezept.

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14.10.2011 | ÖKO-TEST hat 19 Potenzmittel eingekauft: in Apotheken acht rezeptpflichtige Arzneimittel und zwei ergänzend bilanzierte Diäten gegen Erektionsstörungen, in Erotikshops neun Nahrungsergänzungsmittel, die eine Bereicherung des Liebeslebens versprechen. Bei den Arzneimitteln haben wir nach Wirksamkeits-, bei den anderen Produkten nach Nutzenbelegen gesucht. Zudem hat unser wissenschaftlicher Berater einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen.

Das Testergebnis

Hilfe gibt es nur auf Rezept: Während die Wirksamkeit der meisten rezeptpflichtigen Arzneimittel belegt ist, taugen die Präparate aus dem Sexshop bestenfalls als Gag, da es an Nutzenbelegen mangelt.

Die Arzneimittel im Test sind alle rezeptpflichtig und zur Anwendung bei Männern vorgesehen. Die Wirkstoffe Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) zählen zur Gruppe der sogenannten PDE-5-Inhibitoren, von denen belegt ist, dass sie die Erektion fördern können. Sie hemmen ein Enzym, das den Penis wieder abschwellen lässt. Menschen, die gleichzeitig nitrathaltige Arzneimittel zur Vorbeugung von Brustenge (Angina pectoris) einnehmen, dürfen die Präparate nicht einnehmen, da die Kombination zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen kann.

Bei dem Wirkstoff Alprostadil handelt es sich um ein körpereigenes Prostaglandin. Dieser Botenstoff wirkt stark entspannend auf die glatte Muskulatur der Schwellkörper im Penis. In der Folge steigt dessen Durchblutung, er schwillt an und die Erektion nimmt ihren Lauf. Die Wirksamkeit gilt als belegt. Alprostadil muss allerdings vor Ort verabreicht werden: entweder per Spritze in die Schwellkörper oder per Applikator in die Harnröhre. Die Präparate bleiben daher für Männer reserviert, bei denen Tabletten unwirksam oder wegen Nebenwirkungen nicht angezeigt sind.

Yohimbin ist ein natürlicherweise in der Rinde des Yohimbebaumes vorkommendes Alkaloid, das in der Vergangenheit häufig als Aphrodisiakum verwendet wurde. In Tablettenform kommt Yohimbin in erster Linie bei Patienten mit leichten Erektionsstörungen zur Anwendung. Allerdings ist die Studienlage widersprüchlich, weshalb wir die Wirksamkeit der Präparate nur als teilweise belegt einstufen.

Die ergänzend bilanzierten Diäten eignen sich laut Anbieter zur Behandlung von Gefäßverengungen und Erektionsstörungen. Beide Produkte enthalten als maßgeblichen Inhaltsstoff die Aminosäure Arginin. Der Körper setzt aus Arginin Stickstoffmonoxid (NO) frei, das eine wesentliche Rolle bei der Blutdruckregulation spielt, indem es die Gefäße erweitert. Bislang liegen jedoch nur kleinere Studien vor, die zwar tendenziell positive Effekte bei leichten Erektionsstörungen zeigen, aber nach Auffassung unseres wissenschaftlichen Beraters die Wirksamkeit noch nicht belegen.

Die Nahrungsergänzungsmittel setzen auf anregendes Koffein aus Guarana und Colanüssen, verschiedene Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralstoffe und Rinderhodenextrakt. Die Versprechungen sind überaus blumig un

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Beim Einkauf sind wir den seriösen Weg gegangen, um von vornherein Produkte von zweifelhafter Herkunft auszuschließen. Daher haben wir auf den Versandhandel via Internet verzichtet. Die Arzneimittel und ergänzend bilanzierten Diäten stammen aus einer Apotheke vor Ort. Dann haben wir in Erotikshops geschaut, was hier zur Bereicherung des Liebeslebens angeboten wird. Heraus kam eine überschaubare Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln in mehr oder weniger ansprechender wie anregender Aufmachung.

Die Begutachtung
Zur pharmakologischen Begutachtung der Arzneimittel hat unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, in medizinischen Datenbanken nach Studien gesucht, die für die Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit relevant sind. Während Arzneimittel ein Zulassungsverfahren durchlaufen, müssen ergänzend bilanzierte Diäten und Nahrungsergänzungsmittel beim ersten Inverkehrbringen lediglich bei den zuständigen Behörden gemeldet werden. Um trotzdem prüfen zu können, auf welchem Fundament die ausgelobten Ansprüche stehen, haben wir die Anbieter gebeten, uns Nutzenbelege für ihre Produkte zuzuschicken. Für die Nahrungsergänzungsmittel war die Ausbeute null.

Inhaltsstoffe und Deklaration
Auf aufwendige - und teure - chemische Untersuchungen, beispielsweise auf Pestizide oder Schimmelpilzgifte in Produkten mit Zutaten pflanzlicher Herkunft, haben wir bewusst verzichtet. Denn Hilfe für das Liebesleben ist von solchen Produkten ohnehin nicht zu erwarten. Sie können in unserem Test also nicht besser als mit "mangelhaft" abschneiden. Daher erachten wir weitergehende Analysen für überflüssig. Per Deklaration haben wir bei Nahrungsergänzungsmitteln überprüft, ob die Mengen an zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung entsprechen - was oft genug nicht der Fall war.

Die Bewertung
Das vergebene Gesamturteil beruht bei den Arzneimitteln im Wesentlichen auf der pharmakologischen Begutachtung, da es an den Hilfsstoffen nichts zu kritisieren gibt. Bei den beiden anderen Produktkategorien tragen vor allem Nutzenbelege und Deklarationsmängel zum Testergebnis maßgebliche Inhaltsstoffe bei. Fehlende Nutzenbelege führen hier bereits zu einem "mangelhaft", Deklarationsmängel und erhöhte Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen gar zu einem "ungenügend". Da fällt das Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe, unter dem hier zugesetzter Alkohol oder ein problematischer Farbstoff zu Notenabzug führen, fast nicht ins Gewicht.

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