Töpfe im Test: Wie gut sind Kochtöpfe von WMF, Silit & Co.?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 | Autor: Maren Klein | Kategorie: Essen und Trinken | 11.10.2013

Die Töpfe im Test unterscheiden sich nur in Nuancen.
Foto: FabrikaSimf/Shutterstock

Die einen bekommen bereits in der Küchenabteilung feuchte Augen. Bei den anderen tut's auch der günstige Topf aus dem Supermarkt. Unser Test zeigt: Vernünftige Modelle gibt's schon für wenig Geld. Ein Billigheimer ist aber nicht alltagstauglich.

Aktualisiert am 11.10.2013 | Wir haben zwölf Edelstahltöpfe und, als Alternative für Nickelallergiker, ein keramikbeschichtetes Modell aus einer Silargan-Reihe eingekauft. Unsere Wahl fiel auf ein Standardmodell, Fleischtöpfe mit einem Durchmesser von 24 Zentimetern. Der günstigste kostete 13,99 Euro, der teuerste 154 Euro.

Wir machten den Test: Sind teure Modelle energieeffizienter, handlicher, robuster? Aus welchem Topf löst sich mehr Nickel?

Töpfe im Test: Welche Marken überzeugen?

Ob sie nun 19,99 oder 154 Euro gekostet haben, die Töpfe unterscheiden sich nur in Nuancen. Als Totalausfall erwies sich aber nur ein Topf: Sein Boden ist so stark gebogen, dass er kaum aufliegt, er verbraucht viel Energie, es brennt schnell was an.

Ein starker Boden heizt sich gleichmäßiger auf als dünne Modelle. Ansonsten bedeutet großer Materialeinsatz nicht zwangsläufig, dass der Topf energiesparender kocht als leichtere Modelle. Am sparsamsten lässt sich Wasser mit einem ganz besonders leichten sowie mit einem mittelschweren Topf zum Kochen und Weiterköcheln bringen.

Griffe einiger Kochtöpfe werden zu heiß

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Kochtopf heiß wird, wenn darin gekocht wird. Heißer als 55 Grad sollten die Griffe aber nicht werden. Nach Norm wird nur an den äußersten Stellen der Griffe gemessen, ob die 55 Grad überschritten sind.

Da man einen Topf aber nicht unbedingt nach Norm anpackt, ließen wir dort messen, wo die Griffe ans Gehäuse oder den Deckel stoßen genau genommen einen Zentimeter davon entfernt. Dort war's bei sieben Töpfen noch etwas zu heiß. Richtig schmerzhaft kann es bei einem Topf werden, wenn man den Deckelknauf greift und dabei die Metallplatte berührt, mit der der Knauf im Glasdeckel befestigt ist. 73 Grad wurden beim Linseneintopfkochen gemessen.

In den meisten Töpfen klebt nichts am Boden fest

Die Tester ließen in jedem Topf eine Portion Linseneintopf 45 Minuten köcheln, dann wurde er ausgegossen. In drei Töpfen klebten noch Eintopfreste am Boden, recht viel musste man vom Boden eines Produktes schrubben.

Wie verhalten sich die Kochtöpfe unter Hitze?

Der Topfboden sollte möglichst eben auf der Kochplatte liegen, um die Energie optimal auszunutzen. Da das Metall sich mit der Hitze ausdehnt, müssen die Töpfe so konstruiert sein, dass ihr Boden sich so gut es geht auf die Herdplatte legt, keinesfalls aber nach außen wölbt.

Die meisten Töpfe schafften das zufriedenstellend. Ein Kochtopf mit Glasdeckel bog sich nach ein paarmal Abschrecken mit kaltem Wasser leicht nach außen. Er steht deshalb, wenn er abgekühlt ist, nicht mehr ganz so gut auf der Platte. Beim Erhitzen allerdings zieht sich der Boden nach innen, alles ist wieder in Ordnung.

Für Staunen sorgte ein Kochtopf, der schon mit enorm gewölbten Boden angeliefert wurde, der sich in den Tests noch stärker nach innen bog. Hier ist einfach bei der Konstruktion etwas schiefgelaufen. Das bestätigte sich dann auch im Falltest: Als die Tester den Topf gefüllt mit Linseneintopf auf den Boden fallen ließen, bildete sich ein Spalt zwischen Boden und Topf. Der Topf war reif für die Tonne.

Wie schnell rosten die Töpfe im Test?

Edelstahl mag kein Salz. Es zerstört die Oberfläche und macht das Material anfällig für Rost. Deshalb sollte man direkten Kontakt von Salz und Edelstahl vermeiden und Salz erst in kochendes Wasser geben.

Um zu testen, wo die empfindlichen Stellen der Töpfe sind, ist Salz aber wie gemacht. Wir ließen die Töpfe also mit Salzspray einsprühen und in die Feuchtekammer stellen. Ganz ohne Blessuren ging das an keinem Topf vorbei, doch besonders an einem Topf zeigten sich schnell Roststellen.

Nickelallergiker sollten Edelstahltöpfe meiden

Edelstahltöpfe sind für Nickelallergiker tabu. Sie enthalten in der Regel rund zehn Prozent Nickel, das sich mehr oder weniger stark herauslöst. Aus den meisten Töpfen im Test lösten sich bei unseren Tests – wir ließen Sauerkraut darin kochen – erhöhte Gehalte, die über die Empfehlungen einer entsprechenden Leitlinie des Europarats hinausgehen: Mehr als 0,1 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel sollten sich demnach nicht lösen.

Nur bei zwei Töpfen löste sich kein Nickel in das Sauerkraut. Eines der beiden Produkte enthält – obwohl aus Edelstahl – gar kein Nickel, wie das Labor feststellte. Bei der Keramikbeschichtung Silargan des anderen Topfes ist Nickel ohnehin kein Thema. Aus den Töpfen von drei Produkten lösten sich hingegen deutlich höhere Nickelgehalte.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin Oktober 2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Im Test: 13 Fleischtöpfe mit einem Durchmesser von 24 Zentimetern. Darunter zwölf Modelle aus Edelstahl sowie ein keramikbeschichtetes Modell. Alle Töpfe sind auch für Induktionsherde geeignet.

Der Praxistest und das Material: Energieeffizienz: Kocht man mit schwerem Gerät energiesparender als mit Leichtgewichten? Wir ließen Zeit nehmen: Wie lange benötigen die Töpfe, um drei Liter Wasser auf Glaskeramik zum Kochen zu bringen? Die Energie, die fürs Aufkochen sowie für das Weiterköcheln verbraucht wird, wurde ebenfalls gemessen. Mit dem sogenannten Puderzuckertest ermittelten die Fachleute, wie gleichmäßig die Temperatur am Topfboden verteilt ist. Je schneller der Puderzucker von der Mitte bis zum Topfrand schmilzt, desto besser.

Handhabung: Der Alltagstauglichkeitstest erfolgte am Beispiel einer Dose Linseneintopf. Der Eintopf wurde erhitzt und dann 45 Minuten auf Temperatur gehalten. Zwei Experten gaben danach ihr Urteil ab: Wie gut liegen die Griffe in der Hand? Wie viel Eintopf klebt am Boden fest?

Konstruktion und Material: Der Topfboden sollte so eben wie möglich auf der Kochplatte aufliegen. Das ist nicht selbstverständlich: Das Material dehnt sich aus, wenn es erhitzt wird, im schlechtesten Fall nach außen - und dann wird's kippelig. Wie es mit der Bodendurchbiegung aussieht, haben die Fachleute unter verschiedenen Bedingungen nachgemessen: im Neuzustand, nach der ersten Erhitzung auf 200 Grad, nach 50 Abschreckungen mit kaltem Wasser. Wichtig war uns zu erfahren, wie sich der Topf unter Hitze verhält.

Um zu prüfen, wie schnell die Oberfläche rostet, wurden die Töpfe mit Salzspray besprüht und unter hoher Luftfeuchtigkeit 48 Stunden gelagert. Bei diesem Härtetest zeigen sich schnell die Schwachstellen.

Das Schwermetall Nickel ist Bestandteil der Legierung und löst sich mal mehr, mal weniger stark beim Kochen heraus. Wir haben im gespülten, nagelneuen Topf Sauerkraut kochen lassen, das besonders gut Nickel aus Edelstahl löst.

Weitere Mängel: Man sieht einem Topf nicht an, ob er für Induktionsherde geeignet ist. Eine Prägung am Topfboden hilft, wir prüften die Töpfe darauf.

Die Bewertung: Abgesehen von einem Totalausreißer sind die Unterschiede zwischen den Töpfen minimal, den besten trennt vom schlechtesten noch nicht mal eine ganze Note. Es lohnt sich, auf die einzelnen Ergebnisse zu schauen: Wer einen Topf sucht, der das Nudelwasser schnell zum Kochen bringt, wird mit einem anderen Topf glücklich als Leute, die einen besonders energiesparenden Topf suchen.

Bewertungslegende

Bewertung Teilergebnis Praxisprüfung und Material: Das Testergebnis Praxisprüfung und Material setzt sich zu gleichen Teilen aus folgenden Teilergebnissen zusammen: Energieeffizienz, Handhabung, Konstruktion und Material. Bei zwei "mangelhaften" Teilergebnissen kann das Testergebnis Praxisprüfung und Material nicht besser sein als "mangelhaft".

Bewertung Teilergebnis Energieeffizienz: Das Teilergebnis Energieeffizienz setzt sich zu gleichen Teilen aus folgenden Ergebnissen zusammen: Temperaturverteilung am Boden, Aufheizdauer, Energieverbrauch Aufheizen, Energieverbrauch Warmhalten. Temperaturverteilung am Boden (Puderzuckertest): Schmelzkoeffizient von 30 k/kW und weniger ("gleichmäßig")= sehr gut; Schmelzkoeffizient von mehr als 30 bis 40 k/kW ("ungleichmäßig") = gut; Schmelzkoeffizient von mehr als 40 k/kW ("sehr ungleichmäßig") = befriedigend. Aufheizdauer (3 l Wasser, von 15 °C auf 90 °C): 11 Minuten u. weniger ("kurz") = sehr gut; mehr als 11 bis 13 Minuten ("noch gut") = gut; mehr als 13 Minuten ("lange") = befriedigend. Energieverbrauch Aufheizen (3 l Wasser, von 15 °C auf 90 °C): 390 Wh u. weniger ("niedrig") = sehr gut; mehr als 390 bis 400 Wh ("noch gut") = gut; mehr als 400 Wh ("eher hoch") = befriedigend. Energieverbrauch (Leistungsaufnahme) Warmhalten: 130 W u. weniger ("niedrig") = sehr gut; mehr als 130 bis 145 W ("noch gut") = gut; mehr als 145 W ("eher hoch") = befriedigend.

Bewertung Teilergebnis Handhabung: Das Teilergebnis Handhabung setzt sich zu gleichen Teilen aus folgenden Ergebnissen zusammen: Anhaften von Speisen am Topfboden, Grifftemperatur. Anhaften von Speisen am Topfboden: "nein" = sehr gut; "etwas" = gut; "stark" = befriedigend. Grifftemperatur: "in Ordnung" = sehr gut; Topf und/oder Deckelgriff wird etwas zu heiß (mehr als 55 °C, gemessen in 1 Zentimeter Abstand vom Deckel bzw. Topf) = gut; Abdeckung am Deckelknauf wird sehr heiß (73 °C) = mangelhaft. Bei einer "mangelhaften" Grifftemperatur kann das Teilergebnis Handhabung nicht besser sein als "mangelhaft".

Bewertung Teilergebnis Konstruktion u. Material: Das Teilergebnis Konstruktion u. Material setzt sich zu gleichen Teilen aus folgenden Ergebnissen zusammen: Bodendurchbiegung, Fallbeständigkeit, Korrosionsfestigkeit, Nickelabgabe. Bodendurchbiegung: "in Ordnung" = sehr gut; Boden biegt sich im kalten Zustand nach außen = befriedigend; sehr große Durchbiegung nach innen = ausreichend. Fallbeständigkeit: kleinere Dellen und/oder kleinere Verformungen am Topfrand = sehr gut; Topfwand verformt und/oder etwas Beschichtung abgeplatzt = gut; Spalt zwischen Boden und Topf (bei Herunterfallen mit Inhalt) = "mangelhaft". Korrosionsfestigkeit: "in Ordnung" = sehr gut; "größere Mängel" = ausreichend. Nickelabgabe: nein = sehr gut; mehr als 0,1 bis 0,5 mg/kg Sauerkraut ("erhöht") = gut; mehr als 0,5 mg/kg Sauerkraut ("stark erhöht") = befriedigend. Bei einer "mangelhaften" Fallbeständigkeit kann das Teilergebnis Konstruktion u. Material nicht besser sein als "mangelhaft".

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) keine Angabe aller geeigneten Herdarten auf dem Topf.

Das Gesamturteil basiert auf dem Testergebnis Praxisprüfung und Material. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das befriedigend oder ausreichend ist, verschlechtert das Teilergebnis Konstruktion und Material um eine Note. Die Noten wurden kaufmännisch gerundet.

Testmethoden

Testmethoden: Puderzuckertest: In Anlehnung an DIN CEN/TS 12983-2:2005 werden die Topfböden mit einer dünnen Schicht Puderzucker (gelöst in Isopropanol) bedeckt. Die Töpfe werden auf einem Glaskeramikkochfeld mit entsprechendem Durchmesser (Stufe ca. 1.000 Watt) erhitzt. Die Zeitspanne vom Erscheinen des "hot spots" (heißester Punkt, an dem der Zucker zu schmelzen beginnt) bis zum vollständigen Schmelzen der Zuckerschicht wird festgehalten, ebenso die Temperaturdifferenz.
Wasser erhitzen: Aufheizen von 3 l Wasser um 75 K (von 15 °C auf 90 °C) auf Keramikkochfeld, mit aufgesetztem Deckel.
Fortkochen (Simmering): mittlere Leistungsaufnahme, 3 l Wasser bei 95 °C, Keramikkochfeld, mit aufgesetztem Deckel.
Linseneintopf erwärmen: Temperatur des Linseneintopfes zu Beginn des Tests: 20 ± 5 °C. 1500 g Linseneintopf werden ohne Deckel mit der höchsten Einstellung der Kochzone 3 Minuten erhitzt. Nach 3 Minuten Ankochzeit wird die Temperatur in der Mitte des Linseneintopfes gemessen, die Kochzone wird auf die Warmhaltestufe zurückgeschaltet und der Topfdeckel aufgelegt. Sensorische Beurteilung nach 45 min.
Handhabung: Beurteilung durch zwei Experten. Fünfstufige Notenskala (5 = beste Note).
Thermische Sicherheit: Messung der Temperaturen im warmen Zustand (Wasserfüllmenge: 50 %; Wassertemperatur: kochend). Die Höchsttemperaturen werden nach 30 Minuten aufgezeichnet.
Hitzebeständigkeit (Stabilität des Topfbodens): DIN 44904. Messung der Durchbiegung im kalten und warmen Zustand. Abschreckprüfung: Topf wird auf einer Kochstelle auf 200 ± 5 °C erwärmt. Danach Abschreckung mit Wasser mit einer Temperatur von 15 bis 20 °C. Dieser Vorgang wird 50-mal durchgeführt. Danach erneut Messung der Durchbiegung im kalten und warmen Zustand.
Kratzbeständigkeit: DIN EN 15771 (Mohs-Test) und/oder Gitterschnittprüfung (EN ISO 2409).
Korrosionsfestigkeit: Salzspraytest (48 h, 35 °C, 95 % rel. Feuchtigkeit). Schlagbolzen-Schlagversuch (Emaillebeschichtungen): DIN ISO 4532.
Nickelabgabe: Reinigung der Töpfe. 500 g Sauerkraut wurden nach Zubereitungsvorschrift gekocht, anschließend homogenisiert und in der Mikrowelle mit Salpetersäure aufgeschlossen.PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai – Juni 2012.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin Oktober 2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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