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14 Kinesiologische Tapes im Test

Kleben und kleben lassen

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 11.10.2013

14 Kinesiologische Tapes im Test

Ob blau, pink oder leberwurstfarben: Farbige Tapes erfreuen sich großer Beliebtheit bei der Behandlung einer Vielzahl von Problemen. Für einen Nutzen sprechen aber allenfalls gute Erfahrungen - die Datenlage ist bescheiden.

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Als sich Mario Balotelli nach dem 2:0 gegen Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft das Trikot vom Leib riss, müssen die Marketingabteilungen der Hersteller von elastischen Klebebändern gejubelt haben: Drei parallel verlaufende, hellblaue Klebestreifen zierten das breite Kreuz des Fußballers der italienischen Nationalmannschaft und sprangen Millionen von Fernsehzuschauern unübersehbar ins Auge.

Handelt es sich bei den bunten Klebestreifen in erster Linie um eine Modeerscheinung oder doch um eine Therapieform, die bei bestimmten Indikationen unterstützend hilfreich sein kann? Im ÖKO-TEST: 14 farbige, elastische Klebebänder unterschiedlicher Anbieter. Wir haben sie zur Schadstoffuntersuchung ins Labor geschickt und in der Literatur nach Nutzenbelegen in Form aussagekräftiger klinischer Studien gesucht.

Das Testergebnis

Der weitverbreiteten Anwendung der kinesiologischen Tapes zum Trotz: Handfeste wissenschaftliche Belege für einen Nutzen der Klebestreifen fehlen. So kann keines der Produkte besser als mit "ausreichend" abschneiden. Deklarationsmängel und problematische Inhaltsstoffe sorgen für zusätzliche Abwertungen.

Nur auf der Hälfte der Produkte findet sich die Empfehlung, die bunten Tapes von einem Arzt oder Physiotherapeuten kleben zu lassen, oder es wird, wie in der Gebrauchsinformation des Physiotape, dunkelgrün, explizit darauf hingewiesen, dass die Information "keinesfalls die Untersuchung oder Behandlung durch einen Arzt ersetzt". Insgesamt verfahren die Anbieter sparsam mit Gebrauchsanweisungen: Nur 5 der 14 getesteten Produkte lag eine bei.

Erfreulicherweise konnte die chemische Analyse in keinem getesteten Tape verbotene aromatische Amine nachweisen. Lediglich im Kintex Kinesiology Tape Classic, rot fand das Labor den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin. Allerdings stecken in mehr als der Hälfte der Produkte umstrittene halogenorganische Verbindungen.

Ärgerlich, weil überflüssig und eine Umweltbelastung, sind die verwendeten optischen Aufheller. In vier kinesiologischen Tapes wies das von uns beauftragte Labor Nonylphenolethoxylate nach. Gelangen diese Tenside bei der Herstellung der Produkte ins Abwasser, kann daraus Nonylphenol entstehen, das Wasserorganismen schädigt und hormonell wirksam ist.

So reagierten die Hersteller

Einige Anbieter räumten ein, dass es um produktspezifische Studien zum Nutzen ihrer Produkte nicht so doll bestellt ist. SrNetworks-MediAID/Atex Medical schrieb: "Allgemein ist das Kinesio-Tape noch in der Erprobungsphase, es gibt noch keine eindeutigen Studien (weder positiv noch negativ). Eine Anerkennung der Kassen fehlt leider noch, wird aber in Einzelfällen übernommen."

BSN Medical erklärte, der Beleg über die Indikationen basiere in der Regel auf einer Literaturrecherche, die auf Referenzprodukte abziele. Für Leukotape K existiere aber ein produktspezifisches, umfassendes Fachbuch mit Hinweisen zur praktischen Anwendung. Dort heißt es: "Obwohl bisher nur wenige kontro


Kinesiologische Tapes: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Urgo elastischer Tapeverband zur Kinesiotherapie, blau
  • Urgo

Kin-Tape, schwarz
  • Akud Med Pharm

Kinesiologie Tape Sport & Therapie, orange
  • KK Hygiene Produkte

Nasara Kinesiology Tape, grün
  • Nasara

Elyth S Tape Kinesiologie, rot
  • Win Pharma

K-Active Tape Classic, schwarz
  • K-Active

Artzt Vitality Kinesiologisches Tape Rücken, pink
  • Ludwig Artzt

Atex Medical Sports Tex, gelb
  • SrNetworks-MediAID / Atex Medical

Cure Tape, schwarz
  • FysioTape

Physiotape, dunkelgrün
  • Gatapex

Leukotape K, hellblau
  • BSN Medical

Sarasa Kinesiology Tape, pink
  • KS-Medical

Kintex Kinesiology Tape Classic, rot
  • Kintex

Kinesiotape, blau
  • Verimo.de

14 Kinesiologische Tapes im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 98
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 99
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 100
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 101

4 Seiten
Seite 98 - 101 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben von möglichst vielen verschiedenen Anbietern je ein elastisches Klebeband eingekauft. Um keiner Farbe den Vorzug zu geben, entstand ein buntes Testfeld aus pink- und orangefarbenen, roten, grünen, gelben, blauen und schwarzen Tapes.

Die Inhaltsstoffe

Farbige Textilien können sich immer wieder als Quell unerwünschter Schadstoffe entpuppen. Daher ließen wir unter anderem auf giftige Schwermetalle, umstrittene halogenorganische Verbindungen und Azo-Farbstoffe, die aus verbotenen aromatischen Aminen aufgebaut sind, untersuchen. Aufgrund des Acrylatklebers in den Pflastern schloss sich ein umfangreiches Schadstoffscreening an.

Die Funktionalität

Zum einen baten wir die Hersteller um die Zusendung produktspezifischer Studien, aus denen sie die Wirksamkeit ihrer Produkte für die beanspruchten Anwendungsgebiete ableiten. Zum anderen haben wir selbst in medizinischen Datenbanken nach solchen Studien gesucht und Experten um ihre Einschätzung gebeten. Wichtig waren uns auch die Gebrauchsinformationen, da nicht nur Fachleute die Tapes einsetzen, sondern der Laie sie inzwischen in Eigenregie auch selbst klebt.

Die Bewertung

Ein seinen Ansprüchen gerecht werdendes kinesiologisches Tape hat seine Wirksamkeit in guten Studien bewiesen und ist schadstofffrei. Gute Erfahrungen sind nach unseren strengen Kriterien eigentlich zu wenig. Da die Tapes allerdings die Mobilität der Patienten nicht einschränken, sie ohne Wirkstoffe auskommen, zeigt unser Daumen nicht ganz senkrecht nach unten. Unter dem Aspekt Nutzen versus Risiken fließt das Testergebnis Funktionalität zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein, das der Inhaltsstoffe zu 30 Prozent. Dass keine Schadstoffe enthalten sind, kann das Fehlen belastbarer Studien zur Wirksamkeit allerdings nicht ausbügeln.

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Erschienen am 11.10.2013

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