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71 Medium-Mineralwässer im Test

Spezial Fit und Gesund
vom 02.05.2014

Mineralwasser, medium

An der Quelle

Mineralwässer enthalten immer noch Abbauprodukte von Pestiziden. In einigen Marken steckt zudem zu viel problematisches Uran oder Bor. Die meisten Wässer können wir aber empfehlen.

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02.05.2014 | Im Sommer 2013 entschied der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg: Das Gebot "ursprüngliche Reinheit" der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung fordert keine "absolute Abwesenheit von Schadstoffen". Abbauprodukte von Pestiziden über dem Orientierungswert verletzten das Reinheitsgebot nicht, solange die Gesundheit nicht gefährdet sei.

Damit unterlag das Land Baden-Württemberg, das fünf Mineralquellen die Zulassung verweigern wollte, weil darin sogenannte Pestizidmetaboliten nachgewiesen worden waren. Die belasteten Quellen bleiben nach dem Richterspruch also offen.

In unserem Test von 71 Wässern zeigen wir Ihnen, welche Hersteller Wasser abfüllen, dass Pestizidmetaboliten enthält, und welche den Begriff der ursprünglichen Reinheit unserer Meinung nach wirklich verdienen:

Das Testergebnis

Die Mehrheit der Mineralwässer schneidet mit einem "sehr gut" und "gut" ab. Allerdings mussten wir auch siebenmal "mangelhafte" und "ungenügende" Urteile vergeben. Der wichtigste Abwertungsgrund: Pestizidmetabolite über dem Orientierungswert. Zu weiteren Abzügen führten unter anderem erhöhte Mengen an Uran, Bor und Barium.

In einer Reihe von Wässern stecken Pestizidmetabolite. In drei Produkten überschreiten die Gehalte sogar den Orientierungswert. Die anderen Mengen liegen darunter, deuten aber ebenfalls auf Verunreinigungen hin, die aus unserer Sicht vermieden werden sollten. Eine Gefährdung für den Menschen kann aber ausgeschlossen werden, da die Gehalte weit unter den gesundheitlichen Richtwerten liegen, die das Umweltbundesamt für nichtrelevante Metabolite in Trinkwasser aufgestellt hat.

Einige Produkte sind mit Uran belastet. Uran kann Nieren und Leber schädigen, wenn es über einen längeren Zeitraum aufgenommen wird. Da für Mineralwasser kein Grenzwert existiert, orientieren wir uns an dem niedrigen Vorsorgewert für Mineralwasser, das für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Am meisten Uran fand das beauftragte Labor im Waldecker Medium.

Bor - der Problemstoff ist fortpflanzungsschädlich - fand sich in erhöhten Mengen im Merkur Medium, im Sinziger Medium und im Markgrafen Mineralwasser Medium. Einen Grenzwert für Bor in Mineralwasser gibt es allerdings nicht.

In der Nürburg Quelle Medium steckt mehr als die Hälfte der für Mineralwasser zulässigen Höchstmenge an Barium. Bevölkerungsstudien haben gezeigt, dass Wasser mit hohen Bariumgehalten zu Bluthochdruck führen kann.

Einweg dominiert in unserem Test, dazu tragen besonders die Discounter und Supermärkte mit den Billigwässern bei. Klassische Mineralbrunnen füllen hingegen vorrangig in Mehrweg- oder PET-Cycle-Flaschen ab. PET-Cycle ist dabei aus ökologischer Sicht nur wenig besser als Einweg - auch wenn ein Teil des Materials durch die Rückgabe im Kasten für neue Flaschen genutzt wird.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Insgesamt wurden 71 natürliche Mineralwässer eingekauft, wobei sowohl die wichtigsten Eigenmarken der Discounter und Supermärkte berücksichtigt wurden als auch Produkte kleinerer regionaler Anbieter. Als Sorte wählten wir dieses Mal Mineralwasser mit wenig Kohlensäure aus. Dieses ist mit einem Anteil von gut 42 Prozent am gesamten Mineralwasserabsatz ähnlich beliebt wie kohlensäurereiches Mineralwasser. Komplettiert wurde der Einkauf durch je ein Tafel- und ein Quellwasser, weil wir wissen wollten, wie es um die Qualität dieser bundesweit erhältlichen Marken bestellt ist.

Die Inhaltsstoffe
Wie schon 2011 stand auch dieses Mal die Untersuchung auf Abbauprodukte von Pestiziden im Vordergrund. Ziel war herauszufinden, inwieweit Hersteller ihre Produkte verbessert haben - oder aber alles beim Alten ließen. Denn nicht immer lässt sich eine Quelle so einfach umstellen. Der zweite Schwerpunkt lag auf der Analyse gesundheitlich bedenklicher Inhaltsstoffe wie Uran, Arsen oder Bor. Diese Stoffe gelangen auf natürliche Weise in Mineralwasser, können aber teilweise entfernt werden.

Die Weiteren Mängel
Weil Mineralwasser in großen Mengen konsumiert wird, ist die Wiederverwertung der Flaschen in Hinblick auf die ökologischen Auswirkungen ausschlaggebend. Die Angebotsform der eingekauften Produkte berücksichtigten wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel. Gleichzeitig hatten die Hersteller die Möglichkeit, weitere Verpackungsformen ihrer Produkte mitzuteilen, was ebenfalls in die Tabelle aufgenommen wurde. Des Weiteren ließen wir im Labor prüfen, ob Aussagen und Auslobungen zu besonders hohen Mineralstoffgehalten wirklich stimmen.

Die Bewertung
Wir bleiben dabei: Ein natürliches Mineralwasser darf sich nur dann so nennen, wenn es die Vorgaben zur ursprünglichen Reinheit erfüllt. Und wir gehen noch weiter: Auch geringere Verunreinigungen sollten nicht nachweisbar sein. Folgerichtig schneiden Wässer mit Überschreitungen des Orientierungswertes bestenfalls mit "mangelhaft" ab. Streng bewerten wir auch die Gehalte einiger problematischer Inhaltsstoffe, da Mineralwasser täglich konsumiert wird und zudem von einer ausgeprägten Markentreue auszugehen ist. Zum Punktabzug führt schließlich die Verpackung in ökologisch ungünstigen PET-Einweg-Flaschen und den nur wenig besseren PET-Cycle-Flaschen.

So haben wir getestet

Mehrweg oder Einweg? Mehrweg und PET-Cycle lassen sich meist gut an entsprechenden Symbolen erkennen. Ein eindeutiger Hinweis auf Einweg fehlt dagegen fast immer.