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20 BB-Cremes im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013

BB-Cremes

B-scheiden!

Eine für alles, alles in einer: Das sind die neuen BB-Cremes - eine Gesichtspflege mit Make-up für einen ebenmäßigen Teint, meist noch mit Sonnenschutz. Doch leider ist Vorsicht geboten. Nur einige untersuchte Marken können Sie bedenkenlos verwenden.

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11.10.2013 | Wenn man der Werbung glaubt, dann sind sie wahre Alleskönner: BB-Cremes. BB steht dabei für Blemish Balm. Blemish ist der Makel, den es zu überdecken gilt, oder gar die Schande, die man nicht zeigen will. Und weil das Wort "Makelbalsam" nicht wirklich sexy klingt, sprechen manche Hersteller lieber von "Beauty Balm".

Unterm Strich handelt es sich bei BB-Cremes um eine getönte Tagescreme. Doch während bei der getönten Creme die Feuchtigkeitspflege im Vordergrund steht, verbunden mit einer leichten Tönung, geht die BB-Creme stärker in Richtung Make-up. Die meisten BB-Cremes sind zudem mit einem viel stärkeren UV-Schutz ausgerüstet als getönte Tagescremes.

ÖKO-TEST hat nun 20 BB-Cremes eingekauft, um sich die neue Produktgruppe genauer anzuschauen und die Inhaltsstoffe zu analysieren.

Das Testergebnis

Diesen Trend können Sie vergessen! Das gilt für fast zwei Drittel der Cremes. Die beworbenen Eigenschaften werden vielfach mit problematischen Stoffen erkauft. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Sechs Cremes können überzeugen, darunter die drei zertifizierten Naturkosmetikpräparate.

Leider enthalten vier Produkte künstlichen Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anreichern und möglicherweise die Leber schädigen kann. Hohe Gehalte fanden sich in L'Oréal und Garnier. Nivea und Olaz werten wir unter anderem aufgrund des allergieauslösenden Duftstoffs Lyral ab.

Der Sonnenschutz mit deklarierten Lichtschutzfaktoren zwischen 10 und 30 wird oft mit problematischen UV-Filtern erreicht, die im Verdacht stehen, hormonell zu wirken. Durch Tierversuche nachgewiesen wurde das bereits für die Substanz Ethylhexyl-Methoxycinnamate. Für Octocrylene und Homosalate liegen Hinweise aus Zellversuchen vor.

In mehr als der Hälfte der BB-Cremes werden PEG/PEG-Derivate eingesetzt, um Wasser und Fett zu verbinden. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Ebenfalls recht häufig finden sich in den Rezepturen Paraffine, Silikonverbindungen und Erdölprodukte, die sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut integrieren wie natürliche Öle.

Konservierungsstoffe sind nötig, doch in einigen Fällen sind die eingesetzten Mittel nicht die beste Wahl. Das gilt für zwei Verbindungen aus der Gruppe der Parabene, Butyl- und Propylparaben, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Methylisothiazolinon ist ein Kontaktallergen.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer haben 20 Produkte in hellen bis mittleren Farbtönen besorgt, die sich Blemish Balm, Beauty Balm oder kurz nur BB-Creme nennen: Parfümerie- und Drogeriemarken wie Lancôme, Garnier, L'Oréal oder Nivea, auch Drogerieeigenmarken sowie Produkte aus der Apotheke und zertifizierte Naturkosmetik. Einige Cremes sind eher für jüngere Haut ausgelobt, andere wollen für alle Altersgruppen da sein, ein Produkt soll gegen Falten wirken. Die Preisspanne reicht von knapp 3 bis zu 37,50 Euro, die man für eine Tube Lancôme berappen muss.

Die Inhaltsstoffe
Die Hersteller versprechen alle nur denkbaren Effekte, kombiniert in einer einzigen Creme. Bis zu neun Eigenschaften werden beworben: Sie sollen glätten, abdecken, Feuchtigkeit spenden, den Teint strahlend machen, schützen. Viele Rezepturbestandteile sollen's richten und zudem die Creme handhabbar und haltbar machen. Problematisch für Mensch oder Umwelt sollten die Ingredienzien allerdings nicht sein. Wir nahmen die zum Teil endlos langen Inhaltsstofflisten genauer unter die Lupe und schickten die Produkte auch in die Labore. Ein besonderes Augenmerk lag dabei, wie bei allen Cremes, auf den Konservierungs- und Duftstoffen. In den BB-Cremes mit ihren zum Teil hohen Lichtschutzfaktoren können vor allem auch bedenkliche synthetische UV-Filter enthalten sein.

Weitere Mängel
Wir prüften, inwieweit die Verpackungen umweltbelastend sind und ob die gesetzlich geforderte Liste der Inhaltsstoffe auf oder an der Verpackung angebracht ist, was für die Verbraucherinnen wichtig ist. Und auch die Auslobung schauten wir uns kritisch an. So sollte ein Hersteller, der ein Produkt mit Antifaltenwirkung auslobt, diese Eigenschaft durch Studien belegen und so den Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Pflegecreme nachweisen können.

Die Bewertung
Kosmetik sollte frei von umstrittenen oder gar bedenklichen Substanzen sein, dafür vergeben wir ein "sehr gut". Für problematische Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Emulgatoren und UV-Filter gibt es Minuspunkte, die sich leider in vielen Fällen auf die Note "ungenügend" addieren.

So haben wir getestet

Alleskönner: Mit sechs bis neun Eigenschaften werden die BB-Cremes beworben.

Online abrufbar

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Bestellnr.: J1310
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