Peel-off-Masken & Co. im Test: Schwermetalle in vielen Reinigungsmasken

Jahrbuch Kosmetik für 2023 | Autor: Dimitrij Rudenko/Kerstin Scheidecker/Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Kosmetik und Mode | 08.12.2022

Wir haben 24 Peel-off-Masken und Reinigungsmasken getestet. Welche sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST; Marharyta Manukha/Shutterstock

Peel-off-Masken und Reinigungsmasken mit Mineralerde sollen bei kleinen Hautproblemen helfen. Neben den versprochenen Wirkstoffen, enthalten einige der Masken im Test aber auch giftige Schwermetalle. Von acht Produkten raten wir ab.

  • Im Test: 24 Reinigungsmasken, darunter neun Peel-off-Masken und 14 Masken mit Mineralerde.
  • Das Ergebnis: Acht der Peel-off-Masken und Reinigungsmasken erhalten die Gesamtnote "sehr gut".
  • In einigen der getesteten Reinigungsmasken haben wir giftige Schwermetalle, darunter Arsen, Blei oder Cadmium gefunden.

Aktualisiert am 08.12.2022 | Mineralerde gehört zu den ältesten Schönheitsmitteln der Menschheit. Peel-off-Masken hingegen sind der neueste Gag aus den Laboren der Kosmetikindustrie. Wir haben beides geprüft: Reinigungsmasken mit Mineralerden und Peel-off-Masken, die sich dank des Kunststoffs Polyvinylalkohol auf der Haut in eine abziehbare Schicht verwandeln.

In beiden Kategorien finden sich "sehr gute" Produkte, aber es gibt auch Masken, die durchfallen. Der Grund: Sie sind mit bedenklichen Schwermetallen belastet.

Peel-off-Masken & Co.: Giftige Schwermetalle gefunden

Die Liste der gefunden Problemstoffe ist beunruhigend: Krebserregendes Arsen und Cadmium, sowie giftiges Blei und Antimon – das klingt nicht gerade nach der Zutatenliste für ein hautfreundliches Schönheitsmittel. In der Tat: Diese Stoffe sind in Kosmetika verboten. Warum also hat das von uns beauftragte Labor sie trotzdem in insgesamt elf Reinigungsmasken im Test gefunden? 

Porentiefe Reinigung versprechen Masken mit Heilerde.
Porentiefe Reinigung versprechen Masken mit Heilerde. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Woher kommen die Schwermetalle in den Reinigungsmasken?

Da wären zunächst einmal die Inhaltsstoffe selber. Ton-, Heil- oder Mineralerden können von Natur aus Arsen, Antimon, Blei oder Cadmium enthalten. Über die verunreinigten Rohstoffe gelangen die Schwermetalle so in die Reinigungsmasken. 

Zudem gibt es im Gesetz ein Hintertürchen: Erklärt sich die Anwesenheit dieser Stoffe aus Verunreinigungen natürlicher Bestandteile, dürfen sie in Spuren im kosmetischen Mittel vorhanden sein. Sofern das bei guter Herstellungspraxis technisch nicht zu vermeiden ist. Klingt kompliziert, ist es auch.

Hersteller müssen nachbessern

Denn welche Gehalte als technisch vermeidbar gelten, steht nicht im Gesetz. Diese hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Basis einer Vielzahl von Produktuntersuchungen festgelegt. In unserem Test knacken sechs Masken mit Mineralerde einen dieser Werte, sechs sogar gleich mehrere.

Wir finden: Hier müssen die Herstellerfirmen noch einiges tun, um die Menge an möglicherweise gesundheitsgefährdenden Stoffen in ihren Reinigungsmasken zu reduzieren. 

Sind die Peel-off-Masken & Co. im Test nachhaltig?

Peel-off-Masken werden als dünne Schicht auf die Haut aufgetragen und können nach dem Trocknen einfach abgezogen werden. Dabei sollen abgestorbene Hautschüppchen, Schmutz und Talg an der Maske kleben bleiben. Damit sich aus der gelartigen Masse nach dem Auftragen ein Film bildet, setzen die meisten Hersteller im Test auf das synthetische Polymer Polyvinylalkohol.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kunststoffen, die wir in Kosmetik kritisieren, ist Polyvinylalkohol jedoch wasserlöslich und weist eine gute biologische Abbaubarkeit auf. Deswegen werten wir den Stoff nicht ab. Vier weitere Peel-off-Masken im Test enthalten allerdings Kunststoffverbindungen, die als schwer abbaubar gelten. Hier gibt es für die Hersteller Notenabzüge. 

Peel-off-Masken versprechen Unreinheiten und abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen.
Peel-off-Masken versprechen Unreinheiten und abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen. (Foto: Voyagerix/Shutterstock)

Kritischer Duftstoff in einer Peel-off-Maske im Test

Außerdem auffällig im Test: Das von uns beauftragte Labor hat in einer Maske im Test den künstlichen Moschusduft Galaxolid nachgewiesen, der sich im Fettgewebe anreichern kann. 

Zusätzlich analysierte das Labor in der betroffenen Peel-off-Maske Formaldehyd/-abspalter. Das ist problematisch, denn Formaldehyd kann die Haut reizen und laut offizieller Einstufung Krebs erzeugen. Porentief rein? Wir können diese Reinigungsmaske jedenfalls nicht empfehlen.

Jetzt kaufen: Peel-off-Masken & Co. im Test

Anwendungstipps für Peel-off-Masken & Co. 

  1. Bevor es losgeht mit der Peel-off-Maske: Gesicht waschen, am besten mit einem milden Waschgel oder Waschstück, gut abtrocknen.

  2. Dünn und gleichmäßig mit den Fingern oder einem Kosmetikpinsel auftragen, Augenpartie aussparen, sorgfältig arbeiten, keine Lücken lassen.

  3. Die Peel-off-Maske bildet beim Trocknen auf der Haut einen Film. Das kann kribbeln und ist nicht für jeden was. Ausprobieren, ob man daran Spaß hat. Man kann auch empfindliche Hautpartien aussparen und die Maske nur auf tendenziell fettige Stellen wie Stirn, Nase oder Kinn auftragen.

  4. Nach ein paar Minuten lässt sich der Film abziehen. Von außen beginnen, zur Nase hin arbeiten. Maskenreste mit lauwarmen Wasser abwaschen.

  5. Manche Anbieter empfehlen, die Masken mehrmals pro Woche anzuwenden. Wir meinen: Lieber seltener, einmal pro Woche reicht völlig.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 11/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 24 Reinigungsmasken eingekauft, darunter neun Peel-off-Masken mit Polyvinylalkohol, die auf der Haut einen Film bilden, sowie 14 Masken mit Mineralerde. Die Preise reichen von 40 Cent pro Sachet bis zum Tiegel für 25,50 Euro, ausreichend für circa 9 Anwendungen.

Von uns beauftragte Labore analysierten die Produkte mit Tonerde, auch Mineral-, Lava-, Vulkan- oder Heilerde genannt, sowie Peel-off-Masken mit mineralischen Bestandteilen auf Halb- und Schwermetalle wie Arsen, Antimon, Blei, Cadmium und Nickel; bei hohen Chromgehalten zusätzlich auf Chrom VI. Alle Reinigungsmasken ließen wir auf umstrittene halogenorganische Verbindungen untersuchen, parfümhaltige Produkte auf allergieauslösende Duftstoffe. Anhand der deklarierten Inhaltsstoffe haben wir nach schwer abbaubaren Kunststoffverbindungen, problematischen PEG/PEG-Derivaten und dem Antioxidans BHT gesucht. Zudem wollten wir wissen: Sind die Verpackungen frei von chlorierten Verbindungen? Wird in Sachets oder Plastiktuben recycelter Kunststoff eingesetzt?

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter; b) eine Kombination von zwei oder mehr gemessenen Gehalten an Antimon, Arsen, Blei und/oder Cadmium, die die vom BVL festgelegten Orientierungswerte für Antimon (0,5 mg/kg), Arsen (0,5 mg/kg), Blei (2,0 mg/kg) und/oder Cadmium (0,1 mg/kg) in kosmetischen Mitteln überschreiten. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt von Antimon, Arsen oder Blei, der den vom BVL festgelegten Orientierungswert für Antimon (0,5 mg/kg), Arsen (0,5 mg/kg) bzw. Blei (2,0 mg/kg) in kosmetischen Mitteln über[1]schreitet, wenn nicht bereits wegen der Komination mehrerer Gehalte um vier Noten abgewertet wurde; b) PEG/PEG-Derivate; c) ein gemessener Gehalt von mehr als mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HCCB; in Tabelle "künstlicher Moschusduft"); d) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 5 mg/kg Nickel; b) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acryl- und/oder Methacryl- (Co- und Cross) Polymere, Polyethylen- und Polybutylenterephthalate; Polyvinylverbindungen (außer Polivinylalkohol), Polyurethane, Silikone). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: DIN EN 16274:2021-11 (mod.), GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS. Chrom VI: Fotometrische Bestimmung nach Herstellung eines Eluates nach DIN EN 12457-4:2003-01. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluorenszenzanalyse. Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.Zeit, in der die zu untersuchenden Reiniger eine Reinigungsleistung von 90 – 100 % erzielen. Die Bewertung erfolgt visuell. Pro Produkt und Zeitpunkt erfolgt eine 2-fache Bestimmung. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2022

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 11/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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