Getönte Tagescremes im Test: Praktisch, aber teilweise mit Problemstoffen belastet

Jahrbuch Kosmetik für 2023 | Autor: Vanessa Christa/Meike Rix/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 08.12.2022

In einigen getönten Tagescremes im Test stecken problematische Substanzen.
Foto: ÖKO-TEST

Getönte Tagescremes pflegen die Haut und lassen sie etwas frischer und ebenmäßiger aussehen. Doch unser Test zeigt: In einigen Produkten in den Verkaufsregalen stecken Problemstoffe. Nur fünf von 19 Cremes sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. 

  • Im Test: 19 getönte Tagescremes mit mittlerem Farbton, darunter sieben Naturkosmetikprodukte.
  • Nur fünf getönte Tagescremes schneiden im Test mit Bestnote ab. 
  • Besonders ärgerlich: In einer geprüften Creme steckt Cadmium. Das Schwermetall ist giftig für die Nieren und steht im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein.
  • Kritik gibt es unter anderem auch für hormonverdächtige und wenig hautfreundliche Stoffe.

Aktualisiert am 08.12.2022 | Getönte Tagescremes sind praktisch: Sie wirken hautpflegend und sorgen zugleich für einen schöneren Teint. Zwar reicht die Deckkraft durch ihre enthaltenen Farbpigmente nicht für jeden Fleck oder jede Hautrötung. Dafür bleibt aber der bei Make-up gefürchtete starre "Maskeneffekt" meist aus.

Aber wie sieht es mit den Inhaltsstoffen dieser leichten Schönheitspflegeprodukte aus? Unser Test zeigt: Diese sind leider nicht per se natürlich. 

Getönte Tagescremes im Test: dm, Nivea & Co. im Vergleich

Wir haben 19 getönte Tagescremes eingekauft und ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Gerade einmal neun Produkte sind mit "sehr gut" oder "gut" empfehlenswert. Sechs Cremes enttäuschen jedoch und fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Die von uns beauftragten Labore haben so einige bedenkliche Substanzen gefunden, die aus unserer Sicht nicht in eine getönte Tagescreme hineingehören.

Getönte Tagescremes sind praktisch, da sie die Haut pflegen und zugleich frischer aussehen lassen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie auch problematische Stoffe enthalten.
Getönte Tagescremes sind praktisch, da sie die Haut pflegen und zugleich frischer aussehen lassen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie auch problematische Stoffe enthalten. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Eine getönte Tagescreme enthält giftiges Cadmium

Eine getönte Tagescreme im Test war mit dem Schwermetall Cadmium belastet. Cadmium ist als Gefahrstoff eingestuft: Es ist giftig für die Nieren. Zudem steht Cadmium unter anderem im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein.

Das Element kommt natürlicherweise in der Erdkruste vor und kann etwa über Farbpigmente in Kosmetika gelangen. Der in diesem Produkt gemessene Gehalt lag oberhalb des Orientierungswertes des Bundesamts für Verbraucherschutz (BVL). Gehalte unter diesem Wert toleriert das BVL als "technisch nicht vermeidbar".

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Kritik an Paraffinen und Silikonen

Außerdem ärgerlich: Sieben getönte Tagescremes im Test enthalten mehr als ein Prozent Silikone und/oder Paraffine. Diese erdölbasierten Stoffe kritisieren wir, weil sie sich nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut einfügen wie natürliche Fette.

Zudem finden die Labore in Produkten mit Paraffinen regelmäßig Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen (MOAH). Genau das ist auch bei einer getesteten Tagescreme der Fall. MOAH haben aus unserer Sicht in Kosmetik nichts verloren, weil zu der Stoffgruppe auch krebserregende Verbindungen gehören können.

(Foto: ÖKO-TEST)

Weitere bedenkliche Inhaltsstoffe entdeckt

Doch damit nicht genug: Minuspunkte vergeben wir auch für Substanzen, die von den Herstellern bewusst eingesetzt wurden und als deklarationspflichtige Stoffe in der Zutatenliste stehen: 

  • Butylhydroxytoluol (BHT): Das Antioxidans soll Kosmetika vor Reaktionen mit Sauerstoff schützen. Es steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.
  • Ethylhexylmethoxycinnamat und Octocrylen: Die chemischen UV-Filter sind ebenfalls hormonverdächtig. Für Ethylhexylmethoxycinnamat liegen hierzu hierzu Hinweise aus Tierversuchen vor, für Octocrylen aus Zellversuchen.
  • Halogenorganische Verbindungen: Sie dienen oft zum Konservieren. Viele Stoffe aus dieser Gruppe sind allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an. 
  • PEG-Verbindungen: Die Emulgatoren können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Getönte Tagescremes im Test belasten die Umwelt

Kritik gibt es letztendlich auch aus Umweltgründen. So haben nur zwei Hersteller im ganzen Test angegeben, dass ihre Plastikverpackungen Recyclingmaterial enthält. Nur einer von ihnen hat uns das für die getestete Charge ausreichend belegt. Die übrigen Anbieter schwiegen sich entweder dazu aus oder teilten uns mit, dass sie kein Rezyklat verwendeten. 

Ebenfalls enttäuschend: In vielen getönten Tagescremes steckt, vereinfacht gesagt, auch noch Plastik in der Rezeptur selbst. Für diese synthetischen Polymere ziehen wir Noten ab, weil sie schwer abbaubar sein und die Umwelt belasten können. Schließlich gelangen sie früher oder später ins Abwasser und so über den Klärschlamm in unsere Böden und Gewässer.

Tipps zu getönten Tagescremes

Was wir Ihnen beim Kauf und Gebrauch von getönten Tagescremes raten:

  • Eine Tagescreme lässt rote Stellen, Pickel oder Augenringe nicht komplett verschwinden. Wer sich das wünscht, kann solche Stellen vorab punktuell mit einem Concealer behandeln.
  • Cremes mit BB im Namen haben oft eine höhere Deckkraft als solche die nur "getönte" Tagescreme" heißen.
  • Beim Farbton gilt: besser etwas zu hell als etwas zu dunkel. Ob er richtig zum natürlichen Teint passt, sieht man leider nur bei Tageslicht und Probeauftragen im Gesicht. Falls das Geschäft Probeexemplare im Regal hat, etwas davon nehmen und kurz nach draußen gehen – oder alternativ das Risiko eingehen und die angebrochene Creme weiter verschenken, wenn der Farbton doch nicht passt.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 5/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im ÖKO-TEST Einkaufskorb landeten 19 getönte Tagescremes mit mittlerem Farbton, davon neun BB-Cremes. "BB" ist ein Marketingbegiff und steht bür "Beauty Balm" oder "Blemish Balm" – also Schönheits- oder Makelbalsam. Acht Produkte sind als Naturkosmetik zertifiziert. Für 50 Milliliter zahlten wir zwischen 5,82 Euro und 41,67 Euro. Anhand der Deklarationen haben wir überprüft, ob die Cremes umstrittene Inhaltsstoffe wie PEG/PEG-Derivate, bedenkliche UV-Filter oder umweltbelastende Plastikverbindungen (synthetische Polymere) enthalten.

Verschiedene Labore haben die Produkte auf weitere Problemstoffe untersucht: Sind hautreizende oder allergieauslösende Konservierungsmittel oder Duftstoffe enthalten? Sind paraffinhaltige Cremes mit besonders problematischen Mineralölbestandteilen verunreinigt? Da die für die Tönung eingesetzten Pigmente mit Schwermetallen belastet sein können, ließen wir die Cremes im Labor darauf prüfen. In Produkten mit Titandioxid oder Zinkoxid ließen wir die Partikelverteilung untersuchen. Wenn ein hoher Anteil der Partikel in Nanogröße vorliegt, so sollte der Hersteller dies aus unserer Sicht in der Inhaltsstoffliste mit dem Zusatz "nano" kenntlich machen.

Die Verpackungen ließen wir auf chlorierte Verbindungen überprüfen. Darüber hinaus wollten wir von den Anbietern wissen, ob sie für ihre Plastikverpackungen recycelten Kunststoff verwenden. Im Falle bestimmter Anti-Aging-Auslobungen wollten wir überzeugende Studien als Beleg sehen.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen (in der Maybelline- und der Garnier-Creme ist Chlorphenesin deklariert); c) eine gemessene Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts für die technische Vermeidbarkeit von Cadmium (0,1 mg/kg) in kosmetischen Produkten; d) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); das Produkt wurde noch vor dem Verbot von Lilial 1.3.2022 eingekauft; e) MOAH; f) bedenkliche UV-Filter (hier: Ethylhexylmethoxycinnamat).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) bedenkliche UV-Filter (hier: Octocrylen).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, produktbezogene Wirksamkeitsstudie bei Produkten mit Anti-Aging-Wirkversprechen (hier: "Mildert erste Fältchen") vorgelegt.

Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Silikone, wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Dimethicone, Dimethicone Crosspolymer, Polymethylsilsesquioxane, Acrylates/Ammonium Methacrylate Copolymer, Nylon-12, Hydrogenated Polyisobutene, Ammonium Polyacryloyldimethyl Taurate, Polyvinyl Alcohol, Polyphosphorylcholine Glycol Acrylate, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Acrylamide/Sodium Acryloyldimethyltaurate Copolymer, Carbomer, Acrolynitrile/Methyl Methacrylate/ Vinylidene Chloride Copolymer); b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial) ist nicht deklariert, aber im Labor in einem gemessenen Gehalt von mehr als 100 mg/kg nachgewiesen.

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; c) ein Umkarton, der kein Glas schützt; d) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid und/oder Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid bzw. Zinkoxid gemessen zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; e) keine Liste der Inhaltsstoffe auf dem Produkt, obwohl die Verpackung des Produkts die gleiche Größe wie vergleichbare Produkte hat.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte – außer bestimmte Anti-Aging-Versprechen durch entsprechende Studienabfrage – nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-GC/FID (Paraffine).
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS.
Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid- bzw. Zinkoxid-Partikel mittels SingleParticle ICP/MS nach Herstellung einer wässrigen Dispersion mittels Ultraschallsonotrode.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2022

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 5/2022 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2023 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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