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Kompaktpuder im Test: Arsen, Blei und Nickel verschlechtern Ergebnisse

Magazin März 2022: Wie die Kosmetikindustrie unsere Falten wegzaubern will | Autor: Johanna Michl/Heike Baier/Cordula Posdorf | Kategorie: Kosmetik und Mode | 02.03.2022

Puder: Einige Produkte sind mit Schwermetall belastet
Foto: New Africa/Shutterstock

Kompaktpuder soll die Haut schöner erscheinen lassen. Unschön, wenn dabei Arsen, Blei und Nickel eine Rolle spielen. Mit diesen Stoffen sind die Puder in unserem Test reihenweise belastet. Mit "sehr gut" schneiden nur vier der überprüften Produkte ab.

  • Die Kompaktpuder im Test sind zum Teil mit Schwermetallen wie Blei, Arsen oder Antimon belastet.
  • In jedem zweiten Produkt steckt das Kontaktallergen Nickel.
  • Fast ein Drittel der Puder fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Immerhin vier bekommen die Bestnote "sehr gut".

Kompaktpuder ist praktisch. Es lässt sich wunderbar in der Handtasche verstauen, mattiert zwischendurch schnell die glänzende Nase, frischt das Make-up auf und macht einen ebenmäßigen Teint. Die Kompaktpuder in unserem Test hinterlassen aber nicht nur einen schönen Schimmer auf der Haut, sondern auch Blei, Arsen oder Nickel. Wir haben 20 Produkte im Labor auf ihre Inhaltsstoffe prüfen lassen.

Kompaktpuder im Test: Schwermetall auf der Haut

Gesichtspuder enthalten viele natürliche Bestandteile aus unterirdischen Vorkommen. Mineralien wie Talkum, Kaolin oder Siliziumdioxid etwa, die Fett und Feuchtigkeit adsorbieren können. Oder auch ein Gemisch an Eisenoxiden und Mica, die für den Farbton und Glimmereffekte sorgen.

Kompaktpuder eignet sich prima, um zwischendurch das Make-up aufzufrischen.
Kompaktpuder eignet sich prima, um zwischendurch das Make-up aufzufrischen. (Foto: Pixel-Shot/Shutterstock)

Diese Bestandteile bringen Schwermetalle ins Puder – denn auch Blei, Arsen oder Antimon kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor.

Der bewusste Einsatz dieser Elemente ist in Kosmetik verboten, aber ein nicht beabsichtigter Eintrag dieser Schwermetalle ist kaum vermeidbar. Die Menge jedoch lässt sich technisch etwas regulieren.

Für diesen nicht beabsichtigten Eintrag bei den Pudern hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Richtwerte festgelegt, oberhalb derer es die Einträge als technisch vermeidbar ansieht. Punktabzug gab es nur dann, wenn diese Werte überschritten waren.

In sieben von 20 getesteten Pudern fand das von uns beauftragte Labor giftige Schwermetalle in einer Höhe, die wir aufgrund dieser Richtwerte kritisieren.

(Foto: ÖKO-TEST)

Was ist Problem mit Blei, Arsen und Antimon? 

Auch wenn diese Stoffe natürlicherweise in der Erde vorkommen, sind sie auf der Haut noch lange nicht willkommen.

  • Arsen ist, vor allem in seiner anorganischen Form, hochgiftig und krebserregend.
  • Blei reichert sich im Körper an, besitzt in den Knochen eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen.
  • Antimon steht in seiner anorganischen Form im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erzeugen und reizt überdies die Haut.

Sind diese Stoffe in Puder schlimm? 

Wohlgemerkt: Die vom Labor nachgewiesenen Gehalte bewegen sich alle noch in Bereichen, wo keine akute Gesundheitsgefahr besteht.

Bedenklich werden aber alle kanzerogenen Substanzen durch die Aufnahme über einen längeren Zeitraum. Dabei stehen heute Rohstoffqualitäten zur Verfügung, mit denen sich hohe Schwermetallgehalte vermeiden lassen. So liegen einige Puder im Test unter unseren Abwertegrenzen. Komplett frei von einer Schwermetallbelastung war allerdings kein Produkt.

Kompaktpuder im Test: Alle Ergebnisse im ePaper kaufen

Naturkosmetik ebenfalls betroffen

Bei dem Eintragsweg der Schwermetalle über die Rohstoffe, überrascht es wenig, dass die Kompaktpuder mit Naturkosmetik-Siegel kaum besser abschneiden als die konventionellen. Schließlich ist der Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen dort noch höher.

Gleich alle drei Schwermetalle, Blei, Arsen und Antimon, finden sich in einem Naturkosmetikprodukt. Vor allem der hohe Gehalt an Antimon fällt auf. Das überraschte auch den Hersteller. Er schrieb uns, dass bereits eine interne Klärung des möglichen Ursprungs veranlasst worden sei. Laut Anbietergutachten wurde in chargengleichem Produkt kein Antimon nachgewiesen.

Puder im Test: Kritik auch an Nickel

Zu den gefundenen Stoffen Arsen, Blei und Antimon kommt noch das Kontaktallergen Nickel, das ebenfalls ein Schwermetall ist. Nickel gehört zu den häufigsten Auslösern einer Kontaktallergie. Das beauftragte Labor stellte Nickel in jedem zweiten Puder fest.

Zu einer Obergrenze für Nickel gibt es eine entsprechende Empfehlung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung. Auch hier gilt: Zu Abwertungen kam es nur, wenn der Wert überschritten wurde.

Weitere Problemstoffe in Puder: Parabene und Plastik

Abseits der Naturkosmetik kommen bei den konventionellen Pudern zu der Schwermetall-Belastung noch weitere Problemstoffe hinzu.

  • Propylparaben etwa, das im Verdacht steht, wie ein Östrogen zu wirken und deshalb in der EU streng reglementiert ist.
  • Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können.
  • Ökologisch problematische Silikone oder synthetische Polymere enthält die Hälfte der konventionellen Puder. Unter diesen Stoffen kann sich auch festes Mikroplastik befinden. Der freiwillige Selbstverzicht der Kosmetikindustrie auf Mikroplastik greift bei Schminke nicht.  

Was ist der Unterschied zwischen losem und gepresstem Puder?

Die Partikel von losem Puder sind in der Regel etwas feiner vermahlen als beim Kompaktpuder, dadurch verteilt er sich gleichmäßiger. Er wird am besten mit einem großen Pinsel auf den Teint gestäubt. Loser Puder ist ideal für fettige Haut und Mischhaut.

Heißt der lose Puder Transparentpuder, mattiert er farblos. Ist von Mineralpuder die Rede, besteht er hauptsächlich aus vermahlenen Mineralien.

Kompaktpuder ist die gepresste Form des losen Puders. Die Grenzen zu einer Foundation sind fließend: Einige sind primär dazu gedacht, die Make-up-Grundlage zu fixieren, andere enthalten einen höheren Anteil öliger und deckender Bestandteile und eignen sich als Foundation-Ersatz.

  • Bronzing Powder bräunt stärker und kommt nur auf bestimmte Gesichtspartien.
  • Puderkugeln liefern kleine Kügelchen verschiedener Farbnuancen in einer Dose.
  • Puder-Make-up sieht aus wie Kompaktpuder, ist aber eine Foundation ohne Wasser und wird mit einem feuchten Schwämmchen aufgetragen.   

Die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Arsen in Wimperntusche

Auf Arsen sind wir auch in unserem letzten Mascara-Test gestoßen. Zudem fand das beauftragte Labor Paraffine. Das sind synthetischen Fette, hergestellt aus Erdöl. Wenn diese nicht gut aufgereinigt sind, können sie mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) belastet sein. Zu ihnen können auch krebserregende Substanzen gehören.

Für mehr Details zum Test, klicken Sie einfach auf den Kasten. 

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im ÖKO-TEST-Einkaufskorb landeten 20 Kompaktpuder mit mittlerem Farbton im Preissegment zwischen 2,29 Euro bis 28,75 Euro (berechnet auf zehn Gramm Inhalt). Mit dabei: Eigenmarken aus Drogerien sowie bekannte Markenprodukte. Die Liste der Inhaltsstoffe (INCI) prüften wir auf auffällige Substanzen.

Im Labor haben wir die Puder auf eine ganze Palette von Elementen untersuchen lassen, da die Grundstoffe dieser Produkte mit Schwermetallen wie Antimon, Arsen, Blei oder Nickel belastet sein können. Produkte mit Paraffinen haben wir auf Mineralölbestandteile analysieren lassen.

Zudem suchten die von uns beauftragten Labore nach problematischen Duft- und Konservierungsstoffen und bestimmten die Partikelverteilung des in fast allen Pudern eingesetzten Titandioxids. Liegt über die Hälfte der Partikel in Nanogröße vor, so sollte dies auf der Deklaration kenntlich gemacht werden – andernfalls gab es Punktabzug bei den Weiteren Mängeln. Den erteilten wir auch, wenn Hersteller uns die Asbestfreiheit des von ihnen verwendeten Talkums nicht durch ein entsprechendes Zertifikat nachgewiesen haben.

Bewertungslegende 

Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: eine Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts (5 mg/kg) für die technische Vermeidbarkeit von Blei in kosmetischen Produkten der Warengruppe Make-up-Puder in Kombination mit der Überschreitung eines oder beider Richtwerte für Antimon und /oder Arsen (jeweils 0,5 mg/kg). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) eine Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts für die technische Vermeidbarkeit von Arsen oder Antimon (beide: 0,5 mg/kg) in kosmetischen Produkten; b) PEG/PEG-Derivate; c) MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) Propylparaben; d) mehr als 5 mg/kg Nickel. Dies entspricht dem empfohlenen maximalen Gehalt in kosmetischen Mitteln laut dem AGES (2018).

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Vinyl Dimethicone/ Methicone Silesquioxane Crosspolymer, Phenyl Trimethicone, Dimethicone, Phenyl Trimethicone und /oder Trimethylsiloxyphenyl Dimethicone), wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Ethylene/Acrylic Acid Copolymer, Nylon-12 und/oder Polyethylene). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik- Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; d) kein Beleg/Zertifikat vorgelegt, dass der für die Herstellung des Produkts verwendete Talkum frei von Asbest ist.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2203. Einkauf der Testprodukte: November 2021. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte)

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS.
Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid-Partikel mittels SingleParticle ICP/MS nach Herstellung einer wässrigen Dispersion mittels Ultraschallsonotrode.
Parabene: LC-UV.
Silikone/Paraffine: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-CG/FID (Paraffine).
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: November 2021.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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