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Rouge für einen gesunden Teint? Diese Inhaltsstoffe sind aber nicht gesund

Magazin April 2022: Ökostrom | Autor: Victoria Pfisterer/Heike Baier/Cordula Posdorf | Kategorie: Kosmetik und Mode | 24.03.2022

Rouge-Test: Welche Produkte überzeugen?
Foto: ÖKO-TEST/ Subbotina Anna/ Shutterstock

Rouge verleiht einem blassen Gesicht einen rosigen, gesunden Teint. Ärgerlich, wenn dabei Problemstoffe im Spiel sind. In unserem Test sind das vor allem Schwermetalle wie Arsen, Blei und Nickel. Immerhin: Fünf Rouges sind mit "gut" empfehlenswert.

  • Im Test: 20 Mal Rouge. Kein Produkt schneidet mit "sehr gut" ab. 
  • Viele Produkte sind mit Schwermetallen wie Arsen oder Blei belastet.
  • Aufällig: In einem Produkt wurde der Konservierungsstoff Propylparaben gefunden und zwar in einer Menge, die in der EU nicht mehr erlaubt ist.

Ein Tupfer Rouge am Morgen sorgt für eine gesunde Gesichtsfarbe, wie es so schön heißt. Aber gesund kann das nicht sein: In sechs von 20 getesteten Rouges fand das von uns beauftragte Labor Blei, Antimon und/oder Arsen in Gehalten, die als technisch vermeidbar gelten.

In mehr als der Hälfte steckt außerdem zu viel Nickel, im Rest immerhin noch Spuren von Schwermetallen. Kein Wunder, dass einige Rouges mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durchfallen. 

Rouge im Test: Woher stammen die Schwermetalle?

Rohstoffe aus unterirdischen Vorkommen spielen in den Rezepturen der getesteten Produkte eine tragende Rolle: Pudrige Mineralien wie Talkum oder Kaolin bilden häufig die Basis; Eisenoxide und Mica sorgen für Farbe und Glimmer.

Das alles sind mögliche Eintragsquellen für Schwermetalle, denn Arsen und Co. kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor. Darum sind Naturkosmetik-Produkte hier auch nicht im Vorteil. Schließlich stecken in ihnen ebenfalls die Rohstoffe aus der Erde. 

Rouge gibt hellen Gesichtern Kontur und lässt sie frischer wirken
Rouge gibt hellen Gesichtern Kontur und lässt sie frischer wirken (Foto: Shutterstock/Pereslavtseva Katerina)

So bewertet ÖKO-TEST die Schwermetalle in Rouge 

Bewusst dürfen Elemente wie Blei oder Arsen der Kostmetik nicht beigemischt werden. Dennoch kommt es in der Herstellung zu unbeabsichtigten und kaum vermeidbaren Einträgen der Schwermetalle.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eben für diese unbeabsichtigten Einträge Richtwerte festgelegt, oberhalb derer es das Auftreten der Stoffe als technisch vermeidbar ansieht. Wir haben Noten abgezogen, wenn diese Werte überschritten wurden.

Auch für Nickel gibt es einen Orientierungswert für einen unbeabsichtigten Eintrag. Dieser stammt von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung. Zu einem Punkteabzug kam es in unserem Test ebenfalls nur, wenn der vom Labor gemessene Wert über dem Richtwert lag. Das war bei mehr als der Hälfte der getesten Produkte der Fall – in ihnen steckt aus unserer Sicht zu viel Nickel.

Rouge im Test: Alle Ergebnisse im ePaper

Wie schlimm sind Blei und Arsen in Rouge? 

Sicher, Rouge kommt nicht großflächig auf die Haut und die gesundheitliche Belastung relativiert sich somit. Aber:

  • Blei reichert sich im Körper an und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen.
  • Antimon und auch Arsen gelten in ihren anorganischen Formen als krebserregend.
  • Nickel ist eines der stärksten Kontaktallergene.

Darum meinen wir, dass vermieden werden sollte, was als vermeidbar gilt.

Konservierer ist vermutlich hormonell wirksam

Das sehen wir nur ganz selten in Kosmetik: Ein Produkt enthält mehr Propylparaben, als die Kosmetikverordnung der EU erlaubt. Es überschreitet also den gesetzlichen Grenzwert – wenn auch nach Abzug der Messunsicherheit einigermaßen knapp.

Da sind wir streng und ziehen die rote Karte. Denn der Einsatz des früher recht verbreiteten Konservierungsstoffes unterliegt mit gutem Grund strengen Grenzen: Propylparaben gehört zu jenen längerkettigen Parabenen, die in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken und im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend waren.

Kunststoffe in Rouge im Test belasten die Umwelt

Was ist außerdem aufgefallen? In zehn Produkten ist das Labor auf synthetische Polymere oder Silikone gestoßen.

  • Synthetische Polymere sind flüssige Kunststoffverbindungen. Zum Teil können sie in der Umwelt über lange Zeit nicht abgebaut werden – mit weitgehend unbekannten Folgen. Ob Kunststoffe in flüssiger, pastöser oder gar in fester Form als Mikroplastik vorliegen, spielt dabei in unseren Augen keine große Rolle. 
  • Silikone stecken in vielen Kosmetika. Sie gehören zur großen Gruppe der synthetischen Polymere.

Ärgerlich: Inhaltsstoffe oft nicht sofort erkennbar

Kundinnen und Kunden haben es nicht ganz leicht. Zum Beispiel wenn sie beim Kauf von Schminke bestimmte Inhaltsstoffe meiden wollen – allergieauslösende Azofarben oder nicht veganes Karminrot etwa. Der Farbstoff Karminrot steckt in der Hälfte der Rouges im Test. Karminrot verbirgt sich hinter dem Kürzel CI 75470 und wird aus dem Blut zerquetschter Schildläuse gewonnen.

Wegen der kleinen Packungen sind Hersteller nicht verpflichtet, die Liste der Inhaltsstoffe (INCI) direkt aufs Produkt zu drucken. Auf sieben Rouges im Test stehen sie löblicherweise dennoch. Bei den anderen muss man suchen: In gut geführten Drogeriemärkten stecken die INCIs in Form von dicken Booklets in Produktnähe.

Ist das betreffende Rouge darin endlich ausfindig gemacht, tauchen die Farbstoffe am Ende der Liste aber häufig mit dem Hinweis "May contain" auf. Kann drin sein, muss aber nicht. Und nun? Vielleicht online nachsehen? Wir haben lieber direkt beim Hersteller nachgefragt und herausgefunden: Selbst manche farbton-spezifische Online INCI war veraltet und enthielt etwa Pigmente, die gar nicht drin waren.

Die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 Rouges im Preissegment zwischen 2,45 Euro bis 28,17 Euro ( bezogen auf fünf Gramm Inhalt) eingekauft. Darunter Eigenmarken aus Drogerien, bekannte Markenprodukte sowie sieben Rouges mit Naturkosmetik- Zertifikat. Zwei Rouge sind als vegan ausgelobt: Das Essence The Blush, 30 Breathtaking und Got2B Cheeky Bloom Blush Powder, Mademoiselle.

Anhand der Liste der Inhaltsstoffe (INCI) identifizierten wir unter anderem Kunststoffverbindungen, bedenkliche UV-Filter und das Antioxidans BHT. In den von uns beauftragten Laboren ließen wir alle Rouges auf Schwermetalle wie Arsen, Blei, Antimon oder Nickel überprüfen. Dort erfolgte auch eine Analyse auf problematische Duftstoffe, halogenorganische Verbindungen oder hormonverdächtige Konservierungsmittel wie Parabene. Enthielten die Rouges Titandioxid, ließen wir die Partikelverteilung bestimmen, um herauszufinden, ob Nano-Material korrekt deklariert wurde. War Talkum Bestandteil der Rezeptur, forderten wir Nachweise vom Hersteller, dass er in der betreffenden Charge asbestfreie Qualitäten verwendet. Für chlorierte Verbindungen in der Verpackung zogen wir Noten unter den Weiteren Mängeln ab.

Bewertungslegende

Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein gemessener Gehalt an Propylparaben, der berechnet als Säure die Höchstkonzentration von 0,14 % gemäß Kosmetikverordnung VO (EU) Nr. 1223/2009 überschreitet. Zur Abwertung um vier Noten führt: Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwertes (5 mg/kg bei der Warengruppe Rouge) für die technische Vermeidbarkeit von Blei in kosmetischen Produkten in Kombination mit der Überschreitung eines oder beider Richtwerte für Antimon und/oder Arsen (jeweils 0,5 mg/kg). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts für die technische Vermeidbarkeit von Arsen, Antimon (beide: 0,5 mg/kg) oder Blei (5 mg/kg bei der Warengruppe Rouge) in kosmetischen Produkten; b) ein bedenklicher UV-Filter (hier: Ethylhexylmethoxy- cinnamat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/ künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) ein gemessener Gehalt von mehr als 5 mg/kg Nickel. Dies entspricht dem empfohlenen maximalen Gehalt in kosmetischen Mitteln laut der AGES (2018).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Nylon-12, VP/Hexadecene Copolymer, Dimeticone/Vinyl Dimethicone Crosspolymer, Polyethylene, Polymethyl Methacrylate, Silica Dimethyl Silylate, Hydrogenated Polyisobutene). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU Kosmetik-Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; d) kein Beleg/Zertifikat vorgelegt, dass das für die Herstellung des Produkts verwendete Talkum frei von Asbest ist.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. 

Testmethoden

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS.
Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid-Partikel mittels SingleParticle ICP/MS nach Herstellung einer wässrigen Dispersion mittels Ultraschallsonotrode.
Parabene: LC-UV.
Silikone/Paraffine: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-GC/FID (Paraffine).
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2022

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