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Reinigungsmilch-Test: So schneiden Lavera, Dr. Hauschka, Nivea und Co. ab

Magazin Oktober 2022: Wieder gut schlafen | Autor: Johanna Michl/Meike Rix/Cordula Posdorf | Kategorie: Kosmetik und Mode | 22.09.2022

Reinigungsmilch-Test: So schneiden Lavera, Dr Hauschka, Nivea und Co. ab
Foto: ÖKO-TEST

Reinigungsmilch soll die Haut besonders schonend reinigen. Da wäre es ärgerlich, wenn problematische Stoffe in Kontakt mit der empfindlichen Gesichtshaut kommen. Wir haben 33 Produkte im Labor analysieren lassen.

  • Im Test: 33 mal Reinigungsmilch von Apothekenprodukten bis Eigenmarken, die zwischen 75 Cent und 42 Euro pro 200 ml kosten. 
  • Unschön: Das Labor stieß auf Mineralölbestandteile und umstrittene Emulgatoren.
  • Teuer ist nicht besser: Selbst "sehr gute" Naturkosmetik gibt es schon für unter 3 Euro.

Im Laufe eines Tages landet so einiges auf unserer Gesichtshaut. Morgens tragen einige Menschen Tagescreme auf, andere ein Sonnenschutzmittel und bei einigen kommt noch eine Schicht Make-up dazu. Das ganze vermischt sich mit Staub und Schmutz aus der Luft. Und letztlich produziert die Haut Talg und Schweiß.

Ein Gemisch, dass man sich abends nur zu gern aus dem Gesicht wischen möchte. Doch bei jedem Reinigungsvorgang geht auch immer ein Teil des hauteigenen Schutzmantels verloren. Hier verspricht Reingungsmilch eine schonende Methode.

Was ist Reinigungsmilch überhaupt?

Reinigungsmilch macht anders sauber als Wasser und Seife. Sie enthält zwar auch Wasser. Dazu kommen aber Öle und Emulgatoren. Die Öle in Kombination mit Emulgatoren umschließen das fetthaltige Schmutz-Gemisch und das Wasser spült es weg. Diese Mischung befreit die Haut also von Schmutz, Talg und Schminke.

Reinigungsmilch wirbt damit, besonders schonend zu sein. Sie ist häufig für trockene, empfindliche oder "normale" Haut ausgelobt und kommt ohne schaumbildende Tenside aus.

Wichtig für die sanfte Reinigung ist zudem, dass die Emulsion in Reinigungsmilch nicht mit problematischen Inhaltsstoffen daherkommt. Das haben wir im Labor prüfen lassen. Die gute Nachricht: Viele Produkte können bedenkenlos zum Einsatz kommen. 

Reinigungsmilch soll die empfindliche Gesichtshaut besonders schonend reinigen.
Reinigungsmilch soll die empfindliche Gesichtshaut besonders schonend reinigen. (Foto: Josep Suria/Shutterstock)

Mineralöl in Reinigungsmilch nicht willkommen

Neben vielen empfehlenswerten Produkten im Test, enttäuschen aber auch einige. Der Grund: problematische Inhaltsstoffe. Vereinzelt sind wir auf folgende gestoßen:

MOAH: MOAH sind aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe. Sie können mit Paraffinen, also erdölbasierten Zutaten, in die Kosmetik gelangen und über die Haut aufgenommen werden. Weil dabei krebserregende Verbindungen nicht auszuschließen sind, sehen wir MOAH in Kosmetika kritisch.

Halogenorganische Verbindungen: Viele halogenorganische Verbindungen gelten als allergieauslösend. Auf einem der Produkte ist beispielsweise auf der Verpackung das halogenorganische Konservierungsmittel Chlorphenesin deklariert, das die Haut reizen kann.

PEG-Verbindungen: PEG/PEG-Derivate sind Emulgatoren, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Reinigungsmilch im Test: Alle Ergebnisse im ePaper

Und was ist mit der Umwelt?

Fünf Marken kommen nicht ohne Kunststoffverbindungen in der Rezeptur aus. Das ist ärgerlich, denn letztlich spült man die Kunststoffe vom Gesicht ab und sie gelangen ins Abwasser. Selbst wenn sie in der Kläranlage aus dem Wasser entfernt werden, können die Kunststoffe über den Klärschlamm auf die Felder gelangen. Dort bauen sie sich zum Teil nur sehr langsam ab.

Bei Plastikverpackungen erwarten wir, dass diese mindestens 30 Prozent Recyclingmaterialanteil enthalten. Davon sind die meisten Testkandidaten weit entfernt. Nur für acht Produkte haben die Hersteller entsprechende Belege gesandt.

Gesichtswasser nach der Reinigungsmilch nutzen?

Auf Kosmetikverpackungen stehen gerne noch eine Reihe weiterer Produktempfehlungen, etwa die Aufforderung, nach dem Waschen mit Reinigungsmilch noch das Gesichtswasser der Marke zu verwenden. Das kann man sich auch prima sparen. Insbesondere von alkoholischem Gesichtswasser raten Dermatologinnen und Dermatologen ab, weil es die Haut austrocknet und erheblich den hauteigenen Schutzmantel stören kann.

Reinigungsmilch eignet sich oft auch als Make-up-Entferner. Aber: Nicht jedes Produkt, sollte zum Abschminken der Augen genommen werden, da bestimmte Öle im Auge unangenehm brennen können. Hier sollte man auf die Deklaration achten, ob das Produkt für diese Gesichtspartie genommen werden darf.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

    Weiterlesen auf oekotest.de:

    Wir haben diese Produkte für Sie getestet

    Testverfahren

    Wir haben 33-mal Reinigungsmilch eingekauft. Sie soll das Gesicht sanft von Schmutz befreien. Mit dabei sind Eigenmarken, bekannte Markenprodukte und Produkte aus der Apotheke und dem Bio-Laden. 200 Milliliter Reinigungsmilch kosten zwischen 75 Cent und knapp 42 Euro.

    Im Labor ließen wir alle Produkte auf umstrittene und bedenkliche Inhaltsstoffe wie halogenorganische Verbindungen, Allergie auslösende Duftstoffe und Formaldehyd/ -abspalter untersuchen. Anhand der Deklaration prüften wir außerdem den Einsatz von PEG/PEG-Derivaten und synthetischen Polymeren. Wir wollten außerdem wissen, wie fortschrittlich die Verpackungsmaterialien sind und baten die Hersteller, uns Nachweise zum Anteil an recyceltem Kunststoff vorzulegen. Mindestens 30 Prozent müssen es für ein "sehr gutes" Testergebnis Weitere Mängel schon sein. Noten ziehen wir auch ab, wenn die Kunststoffflasche auch noch in einem Karton verpackt ist. 

    Bewertungsegende

    Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

    Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) halogenorganische Verbindungen (L’Occitane: Chlorphenesin deklariert); b) MOAH. Zur Abwertung um eine Note führt: PEG/ PEG-Derivate. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acryl- und/oder Methacryl (Co- und Cross-)Polymere). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu; b) ein Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe.

    Testergebnis Weitere Mängel: Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

    Testmethoden

    Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
    Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
    Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
    Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
    Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID.
    Parabene: LC-UV.
    PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
    Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.

    Einkauf der Testprodukte: Mai —Juni 2022

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