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29 Milchprodukte im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013

Milchprodukte

Weide weit weg

Kraftfutter, riesige Ställe, wenig Tageslicht - so sieht das Leben der meisten Kühe aus. Auf den Verpackungen von Milchprodukten aber tummeln sich nur glückliche Kühe, die sattes Grün von der Weide fressen. Unser Test enthüllt, was Marketing und was Realität ist.

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11.10.2013 | Saftig grüne Wiesen, glückliche Kühe auf der Alm - die Verpackungen von Milch, Käse und Co. im Supermarkt zeigen eine Bauernhofidylle wie aus dem Bilderbuch. Aber wie realistisch sind solche Weidebilder?

Die klassische Kuh auf der Weide findet man vor allem noch in den sattgrünen Gebieten der Nordseeküste, in Mittelgebirgsregionen, in denen die Hänge steil und unbefahrbar sind, etwa im Schwarzwald und Bergischen Land sowie in den Alpen oder im Alpenvorland. Zu den Ländern mit dem geringsten Anteil weidehaltender Betriebe zählt das traditionelle Milcherzeugerland Bayern - trotz seiner großen Landwirtschaftsfläche.

Ob und wie oft die Kühe auf der Weide sind, können wir zwar nicht überprüfen, wohl aber anhand der Fettzusammensetzung erkennen, ob sie eine artgerechte grünfuttertypische Ernährung genossen haben. ÖKO-TEST hat 29 Milchprodukte eingekauft, auf deren Verpackungen grüne Landschaften oder weidende Kühe abgebildet sind, und im Labor den Gehalt an Omegafettsäuren bestimmen lassen. Außerdem wollten wir von den Molkereien wissen, ob der Einsatz von gentechnikfreiem Futter vertraglich vorgegeben ist.

Das Testergebnis

Der gehörnte Verbraucher: 16 von 24 konventionell erzeugten Produkten wurden im Test als "wiesenfern" entlarvt - sie enthalten zu niedrige Gehalte an Omega-3-Fettsäuren von unter 0,8 Gramm (g) pro 100 g Fett, was darauf schließen lässt, dass die Kühe nur einen geringen Anteil an Grünfutter bekommen haben und dafür hohe Kraftfuttermengen und hohe Anteile Maissilage.

Bio-Ware schneidet im Vergleich besser ab. Nur bei einem von fünf Produkten aus Bio-Erzeugung - Bio Frische Bio-Vollmilch von Aldi Süd - hatten die milchgebenden Kühe etwas zu wenig Gras im Futtermix. Laut Bio-Statuten besteht zwar nicht zwingend Weidepflicht. Aber im Bio-Betrieb wird schon allein deshalb mehr geweidet, weil Kraftfutter in Bio-Qualität sehr teuer ist. Auf Gen-Technik im Futter verzichten alle Bio-Anbieter, aber nur die wenigsten konventionellen Molkereien im Test. Konventionelles Kraftfutter enthält häufig auch Soja, das meist aus Gen-Tech-Anbau stammt.

Namenszusätze wie "Weidebutter" oder "Weideglück" bedeuten nicht, dass die Kühe auch Weidegang hatten. Sowohl in der Frau Antje Weidebutter mild gesalzen als auch im Weideglück Allgäuer Landjoghurt mild 3,5 % Fett sind die Anteile an grünfuttertypischen Fettsäuren zu niedrig. Es kann sich keinesfalls um Milch handeln, die ausschließlich von weidenden Kühen stammt.

"Die Kühe, deren Milch zur Herstellung von Kiri verwendet wird, werden (...) überwiegend auf Basis von Grünfutter gefüttert", schrieb uns der Käseanbieter Bel Deutschland. Dazu passend sieht man die Kuh auf dem Kiri mit Sahne, Schmelzkäse aus Frischkäse fröhlich über eine Weide stolzieren. Die Molkerei Friesland Campina behauptet über den Frico Original Maasdam: "Die Kühe der Mitgliedsbauern werden vor allem mit Gras und Grünfutter von heimischen Weiden gefüttert", nur ein geringer Teil sei Kraftfutter. Das Ergebnis der Labora

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Kühlregale der Supermärkte sind voll davon: Milchprodukte, auf deren Verpackungen Kühe auf sattgrünen Weiden grasen, im Hintergrund oft noch ein Bergidyll. Das Rindviehleben, ein wahres Schlemmerleben! Wie passt das zusammen mit den Berichten über Massentierhaltung und landwirtschaftliche Hochleistungsbetriebe, die aus den Kühen möglichst viel Milch pressen wollen? Wir haben insgesamt 29 Milchprodukte - darunter Milch, Butter, Käse, Sahne, Quark und Joghurt - mit entsprechender Aufmachung eingekauft, um am Produkt selbst prüfen zu lassen, ob die Kühe überhaupt je Grünfutter bekamen. Im Einkaufskorb landete sowohl Markenware wie auch Eigenmarken der Discounter und Supermarktketten sowie Produkte aus dem Bio-Laden.

Die Fütterung
Mit der Messung von Milchfettsäuren, insbesondere der Omega-3-Fettsäuren im Produkt, kann nachgewiesen werden, ob die Kuh, die die Milch lieferte, Grün- oder Kraftfutter zu fressen bekam. Analytisch nicht mehr nachweisbar ist, ob die Kuh gentechnisch verändertes Futter bekam, etwa Soja. Wir forderten daher die Hersteller auf, uns zu beweisen, dass dies nicht der Fall war. Zum Beispiel, indem sie uns einen entsprechenden Vertrag vorlegen, in dem der Ausschluss von Gen-Technik zur Bedingung gemacht wird.

Die Bewertung
Da wir uns auf den Aspekt der Fütterung beschränkt haben, vergeben wir kein Gesamturteil. Wir zeigen aber auf, ob die Fütterung der Kühe, die die Milch für das betreffende Produkt lieferten, in Ordnung war oder nicht. Hier können die Hersteller ganz konkret nachbessern.

So haben wir getestet

Mit einem Spezialmessgerät werden die Fettsäuren einzeln bestimmt.

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