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12 Sitzsäcke für Kinder im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013

12 Sitzsäcke für Kinder im Test

Es steht schlecht

Die untersuchten Sitzsäcke für Kinder haben fast alle schlecht abgeschnitten. Ein Modell ist nicht mal verkehrsfähig.

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11.10.2013 | Nicht steif auf dem Stuhl sitzen, sondern sich bequem auf dem frei verformbaren Sack zurücklehnen oder gar flach liegen: Das ist Entspannung pur für die Großen und eher eine Art Herumtoben für die Kleinen. Trendy ist er, der Sitzsack. Drei italienische Architekten und Designer - Piero Gatti, Cesare Paolini und Franco Teodoro - wollten den Zeitgeist der 60er-Jahre einfangen und ein Sitzmöbel schaffen, das sich dem menschlichen Körper anpasst, das unkonventionelle Positionen erlaubt.

Die Designer experimentierten mit verschiedenen Füllmaterialien, bis sie die kleinen Styroporkügelchen entdeckten, die den Sitzsack zu dem werden ließen, was sie sich vorgestellt hatten: verformbar, leicht und mobil.

Doch Polystyrol wird durch Polymerisation von Styrol hergestellt. Im fertigen Polystyrol sollte möglichst kein reines Styrol mehr vorhanden sein. Das hängt von der Produktion und einer Nachbehandlung durch Entgasen ab.

Denn Styrol ist gesundheitlich bedenklich, wenn man es einatmet. Im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung Reach wurde der Stoff neu bewertet. Danach kann er vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, außerdem können Schäden an Hörorganen auftreten. Ausgasendes Styrol reizt zudem Augen und Haut. Die vorliegenden Daten waren jedoch nicht ausreichend, um einen Krebsverdacht zu bestätigen.

Da Polystyrol brennbar ist, muss der Schaumstoff bei Dämmstoffen mit Flammschutzmitteln ausgerüstet werden, um die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen. Zum Einsatz kommt bisher das äußerst problematische bromierte Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan, kurz HBCD. Unter Reach wurde der Stoff 2008 als besonders besorgniserregend eingestuft, weil er PBT ist: persistent, bioakkumulierend und toxisch, das heißt besonders gefährlich für die Umwelt, weil er sich dort dauerhaft anreichert. Im Mai 2013 wurde HBCD durch die UN-Chemikalienkonferenz in die Stockholmer Konvention für persistente organische Schadstoffe (POPs) aufgenommen. Ein weltweites Verbot tritt damit nach einer einjährigen Übergangszeit 2014 in Kraft, wahrscheinlich im September. HBCD ist ein langlebiges Umweltgift, das sich im Menschen und anderen Organismen anreichert. Es steht zudem im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein.

Wir schickten zwölf Sitzsäcke für Kinder in die Labore und ließen sowohl die Polystyrolfüllung als auch den Bezug prüfen.

Das Testergebnis

Die meisten Produkte fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch den Test, nur die Sitzsäcke von Sitting Bull und den Onlineshops Kuschelbaby.com/Kissenshop.biz sind noch "ausreichend". Meist liegt das an der Polystyrolfüllung, die eben doch nicht ohne ist. Völlig indiskutabel sind drei Sitzsäcke, deren Bezug mit Schadstoffen gespickt ist, in einem Fall mit einer verbotenen Substanz.

Nicht verkehrsfähig: Aus dem schwarzen Spatzenauge des Produkts Theraline Sitzsack Spatz wird der krebserregende Farbbaustein Benzidin freigesetzt. Benzidin ist deshalb wie 21 andere aromatische Amine auch zum Färben


Wir haben 12 Produkte für Sie getestet
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12 Sitzsäcke für Kinder im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 168
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 169
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 170
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 171

4 Seiten
Seite 168 - 171 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zwölf Sitzsäcke eingekauft, die aufgrund ihrer Größe und ihres Designs vor allem für Kinder gedacht sind: darunter ein Produkt von Ikea und der bekannten Sitzsack-Marke Fatboy, aber auch Säcke von Spielzeug- und Kindersachenanbietern wie Knorrtoys, Haba und Jako-o. Die äußeren Stoffhüllen bestehen aus Polyester-, Baumwolle- oder Mischgeweben, ein Modell ist aus Bio-Baumwolle genäht. Die Säcke sind unterschiedlich groß, von 60 bis 275 Liter Inhalt, da ist für jede Altersgruppe etwas dabei.

Die Inhaltsstoffe
Alle Sitzsäcke sind mit unterschiedlich großen Polystyrolkügelchen gefüllt. Aus dem Material, das vor allem als Dämmstoff ­bekannt ist, kann die bedenkliche Ausgangssubstanz Styrol ausgasen. Als Baumaterial ist es zudem mit Flammschutzmitteln ausgerüstet, die in Sitzsäcken nichts zu suchen haben. Nach beiden Stoffgruppen ließen wir in Laboren prüfen. Außerdem nahmen wir die textilen Hüllen auseinander, um zu erfahren, ob problematische Stoffe für das Färben oder für besondere Eigenschaften verwendet wurden, welche die Textilien zum Beispiel wasserdicht, schmutzabweisend oder antibakteriell machen. So können sie möglicherweise auch mit PVC beschichtet und mit Weichmachern ausgerüstet sein.

Weitere Mängel
Chlorierte Verbindungen in der Verpackung und Rückstände von Tensiden aus der Stoffherstellung belasten die Umwelt - auch das hatten wir im Blick.

Die Bewertung
Verbotene Stoffe sind absolut tabu, so ist ein Produkt mit einem krebserregenden Bestandteil eines Farbstoffs nicht verkehrsfähig. Schlecht schneiden auch Sitzsäcke mit PVC-Beschichtung ab. Denn PVC belastet nicht nur die Umwelt, sondern geht auch mit einer ganzen Reihe von gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen einher, zum Beispiel hormonell wirkenden Weichmachern, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug verboten sind, zinnorganischen Verbindungen und PAK. Für fast genauso bedenklich halten wir Styrol, das lange Zeit ausgasen kann. Auch für das Flammschutzmittel HBCD gibt es Minuspunkte.

So haben wir getestet

Die Styrolkügelchen sind unterschiedlich groß. Die ganz feinen Perlen gelten als beste Qualität.

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