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Elektrische Kinder-Zahnbürsten im Test: Saubere Zähne dank Schall und Rotation?

Jahrbuch Kleinkinder 2015 | Kategorie: Kinder und Familie | 09.01.2015

Elektrische Kinder-Zahnbürsten im Test: Saubere Zähne dank Schall und Rotation?

Gepflegtere Zähnchen, weil's brummt? Wenn elektrische Zahnbürsten Kinder motivieren, ist das schön. Weniger schön sind die schlecht abgerundeten Borsten einiger Modelle im Test.

Macht Zähneputzen mehr Spaß, wenn Musik dudelt, bis die zwei Minuten um sind? Wenn's brummt und vibriert? Tatsächlich geht es vor allem darum bei der Kaufentscheidung: Denn wichtig ist, dass Kinder ihre Zahnbürste gern und häufig benutzen.

Wir wollten wissen, welche Modelle empfehlenswert sind. Deswegen haben wir sieben elektrische Zahnbürsten und acht verschiedene Bürstenaufsätze ins Labor geschickt, die Griffe auf Schadstoffe testen, die technischen Eigenschaften erfassen und die Praxistauglichkeit testen lassen. Zudem hat der Gießener Professor Martin Jung die Bürsten darauf untersucht, ob sie kindgerecht sind, und die Borstenfelder unterm Mikroskop begutachtet.

Elektrische Kinder-Zahnbürsten im Test: Teuer ist nicht immer gut

Von "sehr gut" bis "mangelhaft" war alles dabei. Ein Produkt hat uns vollends überzeugt, ansonsten war von kleineren Mängeln - etwa eine sehr kurze Betriebszeit mit einer Akkuladung - bis zum "Totalausfall" auf dem Fliesenboden alles dabei. Auffällig: Die teureren Produkte schneiden teilweise am schlechtesten ab.

Bei vier untersuchten Zahnbürsten hatten wir nichts an den Borstenenden auszusetzen, bei fünf Produkten gibt es Nachholbedarf. Zu viele Borstenenden waren kantig und spitz. Das wirkt sich zwar nicht negativ auf die Putzwirkung aus, kann aber das Zahnfleisch schädigen. Und gerade bei Kindern, die noch nicht so zielgerichtet putzen, sollten Hersteller für ordentlich abgerundete Borsten sorgen. Besonders schlecht schnitten dabei drei Marken-Hersteller mit ihren Bürsten für kleinere Kinder ab - wir ziehen drei Punkte im Teilergebnis Gebrauchseignung ab. Aber auch die Modelle für ältere Kinder waren bei beiden Herstellern nicht optimal abgerundet.

Technische Kriterien: Sturz-Test, Akku und Haltbarkeit 

Ein Modell fiel im im wahrsten Wortsinne negativ auf: Schon beim zweiten Sturz aus einem Meter Höhe auf Fliesenboden ging sie kaputt. Beim Fall auf die Seite löste sich die Bodenplatte, beim Sturz auf die Spitze brach die Bürstenhalterung. Das macht vier Minuspunkte in der Praxisprüfung. Etwas robuster präsentierten sich zwei weitere Modelle, hier lösten sich die Bodenplatten zwar ebenfalls, konnten aber wieder angebracht werden. Dafür ziehen wir einen Punkt ab. Die anderen Produkte bestanden den Falltest ohne Schaden. Im Teilergebnis Technik gibt's noch Abzüge, falls das Modell weder eine Ladekontrollleuchte noch eine Ladeabschaltung hat, zudem für eine auffällig kurze Betriebszeit mit einer Akkuladung. Letzteres betrifft nur ein Modell. Was die Haltbarkeit angeht, müssen sich Eltern keine Sorgen machen: Die Simulation des Gebrauchs über drei Jahre haben alle Modelle überstanden.

Schadstoffe in Griff und im Innern: PAK und andere Mängel

Alles im Griff? Kritisch bewerten wir hier nur ein Modell im Test - dort haben wir im Griffmaterial Naphthalin in einer Menge nachgewiesen, die wir um zwei Noten abwerten. Bei Naphthalin handelt es sich um einen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff (PAK), der unter Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem gibt's Nachholbedarf bei allen Herstellern, was Kabel und Platine angeht: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Kabel und bromierte Flammschutzmittel auf der Leiterplatte im Innern des Geräts werten wir unter "Weitere Mängel" ab: Allesamt bekommen hier also nur ein "befriedigend".

Elektrische Zahnbürsten sind für Kinder nicht unbedingt besser

Ob elektrisch oder manuell sei dabei zweitrangig, sagt Professor Martin Jung, Oberarzt der Gießener Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde. Wenn die Technik oder Extras wie Musik das Kind dazu motivierten, öfter und länger zu putzen, dann könnten Eltern diesen positiven Effekt nutzen. "Kommt ein Kind aber gut mit der manuellen Zahnbürste zurecht, gibt es keinen Grund zu wechseln."

Und auch Professor Christian Splieth, Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Universitätsklinik Greifswald, sieht nur einen graduellen Unterschied: "Eine elektrische Zahnbürste reinigt gründlicher, aber ein kariesfreies Gebiss ist auch mit einer manuellen Zahnbürste zu erreichen - wenn man weiß, wo man wie putzen muss." Eltern müssten den Kindern zeigen, wie sie alle Stellen erreichen. Und vor allem: "Nachputzen!" Kinder sind motorisch erst mit etwa acht Jahren in der Lage, ihre Zähne allein gründlich zu reinigen.

Splieth nennt ein Beispiel, um das Problem zu verdeutlichen: den Sechser, den ersten Backenzahn des bleibenden Gebisses. Er bricht bei Sechsjährigen durch, braucht allerdings rund eineinhalb Jahre, bis er "ausgewachsen", also in der Kauebene ist. "Bis dahin ist er wesentlich kleiner als die restlichen Zähne", sagt Splieth. Und somit beim Putzen schwer zu erreichen. "In Deutschland handelt es sich dabei um den meistgeschädigten Zahn im bleibenden Gebiss." Mit einer Studie hat der Professor gemeinsam mit Doktoranden belegt, dass sich der Belag an diesem nachwachsenden Zahn um die Hälfte reduziert, wenn den Eltern gezeigt wird, wie sie auch diesen mit der Bürste gut erreichen - "fast egal ob mit manueller oder mit elektrischer".

Splieth sieht durchaus auch seine Zunft in der Verantwortung für gesündere Milchgebisse: Es gebe zu wenige Professuren beziehungsweise Spezialisten für Kinderzahnheilkunde an deutschen Universitäten, die dort auch klinisch am Kind unterrichteten. "Teilweise verlassen junge Zahnmediziner die Universität, ohne jemals signifikant im Milchgebiss gearbeitet zu haben." Splieth empfiehlt Eltern daher dringend, einen spezialisierten Kinderzahnarzt für den Nachwuchs auszuwählen.

Weiterlesen auf oekotest.de


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Dontodent Kids Akku (ab 3)
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Dm
Janosch by Beurer Kinder Schallzahnbürste (4-7)
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Janosch by Beurer Kinder Schallzahnbürste (7+)
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Oral-B Kids' Power Toothbrush Mickey Mouse (3+)
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Oral-B Stages Power Disney Princess (5+)
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Panasonic Denta Care Schallzahnbürste EW 1031CM Family Pack
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Perlodent Akku-Zahnbürste (ab 3)
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Rossmann
Philips Sonicare For Kids (4+)
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Philips
Philips Sonicare For Kids (7+)
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Philips

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Sieben Modelle haben unsere Einkäufer im Drogeriemarkt oder beim Internetversand besorgt - von Produkten ohne Schnickschnack für knapp zehn Euro von Dm und Rossmann bis zur knapp 61 Euro teuren Sonicare von Philips. Zwei Modelle, das von Philips und das von Beurer, enthalten jeweils zwei Bürstengrößen: eine für jüngere und eine für ältere Kinder. Wir haben sie getrennt in die Tabelle aufgenommen.

Im Labor

Die Zahnbürsten mussten sich gleich in mehreren Disziplinen beweisen: Wir haben die Bürsten von einem Experten unter die Lupe beziehungsweise unters Mikroskop nehmen lassen, um zu erfahren, ob die Borstenköpfe ausreichend abgerundet - und somit sanft zum Zahnfleisch - sind. Er hat außerdem überprüft, wie kindgerecht die Modelle sind. Zudem haben sich Experten die Technik genauer angeschaut, die Modelle unter Wasser geprüft, sie auf Fliesenboden fallen lassen, und getestet, ob man sich damit auch mehrere Jahre lang die Zähne zweimal täglich putzen kann. Wir wollten außerdem wissen, ob polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Griff enthalten sind. Viele von ihnen gelten als krebserregend. Zudem haben wir die Produkte auf Schwermetalle und die Modelle und ihre Verpackungen auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen lassen.

Die Bewertung

In vielen Disziplinen getestet - in vielen Disziplinen bewertet: Die Note der Gebrauchseignung spiegelt die Qualität der Borstenenden wider, beim Teilergebnis Technik gibt's Abzüge für Schäden im Falltest, zu kurze Betriebszeit und fehlende Ladekontrollmechanismen. Ein zu hoher Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen missfällt uns außerdem - und zieht die Note Inhaltsstoffe runter. Im Gesamtergebnis wiegt die Note Praxisprüfung dann etwas mehr als das Ergebnis Inhaltsstoffe.

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