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18 Apfelsaft-Schorlen im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2015
vom 09.01.2015

Apfelsaft-Schorle

Eine Weltreise

Apfelschorle ist beliebt. Was viele nicht wissen: Die Äpfel sind meist weit gereist. Weil das bei Verbrauchern nicht gut ankommt, haben die meisten Hersteller das Ursprungsland lieber verschwiegen.

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09.01.2015 | Wir wollten wissen, wie es um handelsübliche Apfelsaftschorle bestellt ist und haben eingekauft: 18 Produkte, darunter fünf Bio-Produkte sowie vier Schorlen mit Apfeldirektsaft. Im Labor ließen wir die Aromenqualität prüfen und den Zuckergehalt messen. Außerdem hat uns interessiert, woher die in den Testprodukten verarbeiteten Äpfel denn nun eigentlich stammen.

Das Testergebnis

Zwei Bio-Schorlen sind "sehr gut" und auch viele Marken der Supermärkte und Discounter schneiden erfreulich "gut" ab - sie verhagelten sich ein "sehr gutes" Testergebnis aber dadurch, dass sie in Einwegflaschen verkauft werden. Schlechte Noten kassieren überraschenderweise große Namen, allen voran Apollinaris. Die wichtigsten Kritikpunkte: zugesetztes Aroma, ein nicht deklariertes Mittel gegen Keime und Zitronensaft, der den Geschmack ausgleichen soll.

Die Firma Apollinaris peppt ihr Produkt mit zugesetzten Aromen auf. Diese als "natürliche Aromen" deklarierten Komponenten sollen die Getränke frischer und fruchtiger machen.

Drei Produkte enthalten Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat und ein weiteres ausschließlich Zitronensaftkonzentrat. Auch das soll der im Laufe der Zeit nachlassenden Frische auf die Sprünge helfen. In keinem Produkt konnten jedoch die charakteristischen Aromastoffe von Zitronen nachgewiesen werden. Das heißt, es ging den Herstellern gar nicht um den Saft, sondern um die Zitronensäure. Diese hätten sie ebenso gut als Säuerungsmittel E 330 zusetzen können - was sich aber weniger "natürlich" anhört.

In drei Apfelschorlen wurde der Einsatz von Dimethyldicarbonat (DMDC) nachgewiesen - auf dem Etikett davon keine Spur. Das ist erlaubt, da der Stoff innerhalb weniger Stunden zerfällt und somit im Getränk nicht mehr enthalten ist. DMDC ist jedoch äußerst reaktiv und baut nicht nur Keime ab, sondern führt auch zu zahlreichen Nebenreaktionen mit den Inhaltsstoffen der Schorlen. Das gilt zwar nach allem was man weiß als gesundheitlich unbedenklich, der Verbraucher sollte aber wissen, was er kauft.

Die untersuchten Apfelschorlen enthalten zwischen 24 g und gut 33 g Zucker pro Halbliterflasche, das sind rund acht bis elf Stück Würfelzucker. Dennoch: Weil es sich bei den Schorlen um fruchteigenen Zucker aus dem Apfelsaft handelt, werten wir nicht ab.

Kaum ein Hersteller wollte auf unsere Anfrage nach den verarbeiteten Äpfeln konkret antworten. Licht ins Dunkel brachten unter den konventionellen Herstellern lediglich Hassia, Lidl und Edeka, wobei nur Lidl einen geringen Anteil an chinesischer Ware ausweist. Die Schorlen von Adelholzener, Alnatura, Voelkel, Ensinger und Romina-Mineralbrunnen wurden überwiegend aus deutschen Äpfeln hergestellt.

Die meisten Getränke stecken in PET-Einwegflaschen, deren Öko-Bilanz gegenüber Mehrweg deutlich abfällt.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 18 Apfelsaftschorlen aus Supermärkten, Discountern und Bio-Läden. Der Fokus lag auf überregionalen Angeboten. Auch sollten bevorzugt 0,5-Liter-Flaschen gekauft werden, da Schorle ein beliebtes Unterwegsgetränk ist, gerade auch für Kinder. Wann immer möglich wurden Mehrwegflaschen gekauft. Vier Produkte basieren auf Apfeldirektsaft, der Rest wird mithilfe von Apfelsaftkonzentrat hergestellt.

Die Inhaltsstoffe
Im Mittelpunkt der Laboruntersuchungen stand zunächst die Aromenqualität. Geprüft wurde, ob die Aromen der verarbeiteten Apfelsaftkonzentrate ausreichend wiederhergestellt wurden. Auch die Aromenqualität des Zitronensaftes, den manche Hersteller zusetzen, wurde überprüft. Messen ließen wir zudem den Zuckeranteil der Schorlen. Schließlich stand die Frage im Raum, ob das Kaltentkeimungsmittel Dimethyldicarbonat eingesetzt wurde. Da es sich im Getränk nicht mehr nachweisen lässt, wurde es anhand von Abbauprodukten bestimmt. Von den Herstellern wollten wir wissen, aus welchen Ländern sie den Apfelsaft beziehen.

Die Weiteren Mängel
Stimmen die Angaben auf dem Etikett mit dem Inhalt überein? Wie sind die Schorlen verpackt? Studien haben gezeigt, dass Einwegverpackungen eine schlechtere ökologische Bilanz aufweisen als Mehrwegverpackungen.

Die Bewertung
Schlechte Noten gab es vor allem für qualitativ geminderte Produkte, deren Aromen nur entfernt an einen Apfelsaft erinnern oder die durch zusätzliche Aromen aufgepeppt wurden. Konservierungsmittel sind in der Regel unnötig, umso ärgerlicher, wenn auf dem Etikett noch nicht einmal darüber informiert wird. Schorlen in PET-Einwegflaschen können bestenfalls mit "gut" abschneiden.

So haben wir getestet

Äpfel sind typisch deutsch - in Schorle steckt nur selten heimische Ware.

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