Planschbecken im Test: Fast alle stecken voller Schadstoffe

Jahrbuch Kleinkinder 2015 | Autor: Mirko Kaiser | Kategorie: Kinder und Familie | 09.01.2015

Nur ein Planschbecken im Test ist empfehlenswert.
Foto: kryzhov/Shutterstock

Anbieter von Planschbecken aus weichem Kunststoff sind offensichtlich unfähig, schadstofffreie Kinderprodukte zu verkaufen. Es gibt nur einen Lichtblick – und einen Achtungserfolg.

Aktualisiert am 09.01.2015 | Für die Erfrischung zwischendurch sind Planschbecken genau das Richtige: Denn sie lassen sich fix aufstellen und die kleineren Modelle sorgen bereits auf einem größeren Balkon für riesigen Spaß. Leider aber ist die Testhistorie von Planschbecken bei ÖKO-TEST ein fortgeschriebenes Armutszeugnis für die Anbieter.

Phthalate, also Weichmacher, die PVC geschmeidig machen sollen, waren lange Zeit das Hauptproblem. Viele Phthalate wirken wie ein Hormon. Im ÖKO-TEST von 2009 waren es dann polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe –  einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind krebserregend – und weitere Schadstoffe, die für neunmal "ungenügend" sorgten.

Phthalate seit 2005 in Spielzeug reglementiert

Seit 2005 sind die fortpflanzungsgefährdenden Phthalate DEHP, DBP und BBP in der EU in Babyartikeln und Spielzeug gesetzlich reglementiert. DINP, DIDP und DNOP sind in Spielzeug und Babyartikeln, die von Kindern in den Mund genommen werden können, nicht zulässig, sofern diese mehr als ein Gramm pro Kilogramm jener Phthalate enthalten.

Dafür setzen die Hersteller nun Weichmacher wie DEHT und DINCH ein. DEHT ist vermutlich nicht hormonwirksam. Und laut Umweltbundesamt verändert DINCH nicht das Erbgut, ist weder krebserregend noch schädigt es die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib oder beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit.

Eine erst jüngst veröffentlichte Studie der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass DINCH – anders als Phthalate – keinen Einfluss auf die Testosteronproduktion im Rattenfötus hat.

Das Umweltbundesamt bestätigt, dass seit der Markteinführung von DINCH im Jahr 2002 die Belastung von Hausstaub mit diesem Weichmacher kontinuierlich steigt. Untersuchungen von jeweils 300 Urinproben aus den Jahren 2003, 2006, 2009 und 2012 auf DINCH-Abbauprodukte (Metaboliten) zeigen sogar einen gewaltigen Anstieg: Waren in den 2003er-Proben keine Metaboliten nachweisbar, steckten sie in den 2006er-Proben in sieben Prozent der Urinproben und 2009 in 49 Prozent; 2012 waren sie in 98 Prozent der Proben nachweisbar.

Langzeitstudien zu DINCH erforderlich

Ob DINCH, wenn es in den menschlichen Körper gelangt, keinerlei Risiko für die Gesundheit darstellt, ist ohne Langzeitstudien wohl kaum seriös einzuschätzen. Die Autoren der Studie Entering markets and bodies: Increasing levels of the novel plasticizer Hexamoll DINCH in 24 hr urine samples from the German Environmental Specimen Bank geben zu bedenken, dass die Belastung der Bevölkerung durch DINCH wahrscheinlich in dem Maße steigen wird, wie sich DINCH am Markt etabliert.

Und: Basierend auf ihren Erfahrungen zur Phthalatbelastung gehen die Autoren davon aus, dass Kinder aufgrund der erhöhten Nahrungsaufnahme im Verhältnis zum Körpergewicht, zusätzlicher Aufnahme durch Hausstaub und weil Kinder vieles in den Mund nehmen, stärker mit DINCH belastet sein werden als Erwachsene.

Wie viele Anbieter von Planschbecken auf DINCH oder andere problematische Inhaltsstoffe setzen, haben wir untersucht, indem die beauftragten Labore 16 Planschbecken prüften.

Planschbecken im Test: Das Fazit

In 14 der 16 Planschbecken haben Labore jede Menge Schadstoffe nachgewiesen. Lediglich ein Produkt ist empfehlenswert. Ein Rahmenpool ist immerhin "befriedigend" – die übrigen Planschbecken fallen durch. Doch was sind das für Stoffe, die wir bemängeln?

Erhöhte Phthalatgehalte in Planschbecken entdeckt

Immer noch Phthalate. In vier Produkten hat ein Labor erhöhte Phthalatgehalte nachgewiesen. Einen stark erhöhten Gehalt der Phthalate DINP und DIDP wiesen die Laborexperten in der Folie eines Pools nach. Beide Phthalate sind in Spielzeug und Babyartikeln, die dazu geeignet sind, von Kindern in den Mund genommen zu werden, in Konzentrationen von mehr als 0,1 Massenprozent verboten.

Natürlich handelt es sich bei einem Planschbecken nicht um einen Schnuller oder einen Beißring. Allerdings liegt es auf der Hand, dass in Planschbecken vor allem Kleinkinder spielen. Und die sitzen dort fast nackt und nuckeln vielleicht auch mal an den zugänglichen Folienteilen des Rahmenpools herum. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes sollte der Anbieter für phthalatfreie Kinderprodukte sorgen.

    Weitere Problemstoffe in Planschbecken im Test

    In 13 von 16 Kinderplanschbecken hat ein Labor polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in einer Menge nachgewiesen, die wir abwerten. Die PAK gelangen durch Weichmacheröle in Gummi und Weichkunststoff. PAK können im schlimmsten Fall krebserregend sein.

    Nur drei Pools sind weichmacherfrei. Alle anderen Produkte enthalten die Weichmacher DEHT und/ oder DINCH, die noch nicht ausreichend erforscht sind. In einigen Planschbecken steckt wiederum das Lösemittel Isophoron. Das ist eine flüchtige, organische Verbindung, die Augen, Haut und Atmungsorgane reizt.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

    Weiterlesen auf oekotest.de:

    Wir haben diese Produkte für Sie getestet

    Testverfahren

    Der Einkauf: Der Handel bietet vor allem Planschbecken aus Weich-PVC zum Aufblasen an. Da diese Becken sich aber in vergangenen Tests sehr oft als stark belastet erwiesen haben, achteten wir beim Einkauf besonders auf Produkte, deren Anbieter zum Beispiel den Verzicht auf Phthalate versprechen. Auf der Suche nach Alternativen kauften wir auch ein Hartkunststoffbecken ein sowie solche, die aus Rahmenelementen wie Metall- oder Kunststoffrohren und Folien bestehen. Das günstigste Produkt im Test kostet 6,99 Euro, das teuerste 109,99 Euro.

    Die Inhaltsstoffe: Planschbecken aus PVC benötigen Weichmacher, um den Kunststoff geschmeidig zu machen. Deshalb haben wir die Produkte auf diese Substanzen untersuchen lassen. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend sind, und giftige zinnorganische Verbindungen sind Schadstoffe, die die von uns beauftragten Labors immer wieder in Kunststoffprodukten nachweisen. Während PAK häufig durch verunreinigte Weichmacheröle ins Produkt gelangen, setzen manche Hersteller zinnorganische Verbindungen ein, um das Material zu stabilisieren. Analysiert wurde ebenfalls, ob das Lösemittel Isophoron, das über ein krebserregendes Potenzial verfügt, in den Kinderprodukten steckt.

    Die Bewertung: In Planschbecken sitzen Kleinkinder, die wenig oder auch mal nichts anhaben und gelegentlich am weichen Kunststoff rumnuckeln. Deshalb sollten Anbieter Produkte verkaufen, die frei von problematischen Inhaltsstoffen sind. Wo das nicht der Fall ist, werten wir streng ab.

    Bewertungslegende

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verbotenen Phthalate (hier: Diisodecylphthalate/DIDP, Diisononylphthalate/ DINP); b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 μg/ kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Triphenylzinn (TPT) oder Dioctylzinn (DOT) (hier: Dioctylzinn [DOT]); c) ein stark erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) von in der Summe mehr als 1.000 μg/kg.

    Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, soweit sie sich nicht auf mehr als 1.000 μg/kg addieren; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC verbotenen Phthalate (hier: DEHP) sowie der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verbotenen Phthalate (hier: Diisononylphthalate/DINP); c) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 μg/kg bis 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Triphenylzinn (TPT) oder Dioctylzinn (DOT) (hier: Dibutylzinn [DBT]); d) mehr als 6 mg/kg Isophoron bezogen auf die Migration. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: Diisononylcyclohexan-1,2- dicarboxylat/DiNCH, Diethylhexylterephthalat/DEHT, Diethylhexylsebacat [DEHS]), sofern nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet wurde; b) 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen; c) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen; d) mehr als 10 mg/kg Phenol bezogen auf die Migration.

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

    Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.

    Testmethoden

    Testmethoden: Inhaltsstoffe: Untersucht wurden repräsentative Mischproben, wenn nicht anders aufgeführt. PAK (bei Produkten mit Folien und Rahmenelementen aus Hartkunststoff oder Metall nur in den Folien untersucht): GC-MSD, 25 PAK nach EU/EPA/JECFA. Phthalate, Ersatzweichmacher, phosphororganische sowie phenolische Verbindungen und Isophoron (bei Produkten mit Folien und Rahmenelementen aus Hartkunststoff oder Metall nur in den Folien untersucht): GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung; bei Gehalten von Phenol und Isophoron >50 mg/kg weiter mit: Migration in Anlehnung an DIN EN 71-10: 2006, Messung mittels HPLC-FLD. Schwermetalle, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (in Produkt/Verpackung): Röntgenfluoreszenzanalyse. Zinnorganische Verbindungen (bei Produkten mit Folien und Rahmenelementen aus Hartkunststoff oder Metall nur in den Folien untersucht): NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Aromatische Amine/Dispersionsfarbstoffe (in einem Verpackungsbeutel): Methoden: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung, Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2, Prüfung ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (April 2012); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-15 DIN EN 14362-3 (September 2012); Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg; GC/MS, TLC, zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie, TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detektor). Steht bei Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode.

    Einkauf der Testprodukte: März–April 2014.

    Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2015 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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