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Haferflocken im Test: Nur eine Marke ohne Mineralölbelastung

Jahrbuch Kleinkinder 2015 | Autor: ÖKO-TEST Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 31.01.2015

Haferflocken im Test: Nur eine Marke ohne Mineralölbelastung
Foto: Regreto / Shutterstock

Viele der Haferflocken, die wir getestet haben, sind mal mehr, mal weniger mit Rückständen belastet. Es handelt sich dabei um Glyphosat und Pestizide, die aus dem Hafer-Anbau stammen, und um Mineralöl, das wohl während der Produktion auf die Produkte übergeht. Aber es gibt auch vier Haferflocken, die voll überzeugen können.

  • Wir haben 21 zarte Haferflocken getestet – nur vier sind "sehr gut".
  • Nur in einem Produkt fand das Labor keine Rückstände von Mineralöl. Die Verunreinigungen stammen vermutlich aus den Karton- und Papierverpackungen.
  • Alle Bio-Haferflocken waren frei von Glyphosat, dafür steckte das Unkrautvernichtungsmittel in mehreren Produkten aus konventionellem Anbau.

Recyclingpapier wird aus Altpapier gewonnen. Das besteht zum Beispiel aus Zeitungen und Katalogen, die mit Farben bedruckt werden, die Mineralöl enthalten. So kann Mineralöl in Recyclingpapier geraten – und von dort unter Umständen wieder in sensible Lebensmittel.

Mineralöl-Funde in Haferflocken

Warum das ein Problem ist? Weil Mineralöl, das aus Erdöl gewonnen wird, ein komplexes Gemisch darstellt, das hauptsächlich aus gesättigten und aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOSH/MOAH) besteht. Gesättigte Kohlenwasserstoffe können aber laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen.

Bei aromatischen Kohlenwasserstoffen ist laut BfR nicht auszuschließen, dass sich darunter Substanzen befinden, die schon in geringsten Mengen Krebs hervorrufen können. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat daher 2014 einen zweiten Entwurf der sogenannten "Mineralölverordnung" vorgelegt. Demnach soll ein Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen auf Lebensmittel generell nicht mehr stattfinden.

Haferflocken: Auch Glyphosat ist ein Problem

Doch nicht nur Mineralöl ist in Haferflocken ein Problem. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat haben wir beispielsweise in Spuren in fast jeder zweiten Probe aus konventionellem Anbau (im Gegensatz zum Bio-Anbau) gefunden. Glyphosat wurde in einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND in menschlichem Urin nachgewiesen.

Zudem haben Wissenschaftler der Universität Leipzig das Herbizid Glyphosat auch in allen 200 untersuchten Kühen aus konventionellen Ställen in Dänemark gefunden. Die Tiere wiesen Anzeichen von Leber- und Nierenschäden auf. Hinsichtlich der Risikobewertung kommt das BfR angesichts der Studienergebnisse allerdings zu keinen neuen Erkenntnissen.

21 Haferflocken im Test: Das Ergebnis

ÖKO-TEST wollte es genau wissen. Wir haben 21 zarte Haferflocken eingekauft und von unabhängigen Laboren testen lassen. Nur vier Haferflocken im Test schafften es, die Bestnote "sehr gut" zu erreichen.

Alle anderen haben kleinere oder größere Probleme mit Rückständen. Das Thema Mineralöl in Lebensmittelverpackungen – das wir auch bei Babynahrung immer wieder kritisieren – trifft nahezu alle Hersteller, auch die von Bio-Produkten. Ganz gleich ob Bio- oder konventionelle Ware: Haferflocken mit Papierverpackung enthalten Mineralöl – das Produkt eines einzigen Herstellers bildet die Ausnahme.

Haferflocken im Test: Jetzt alle 21 Testergebnisse freischalten

Nur eine Haferflocken-Marke ohne Mineralöl

Nur ein einziger Hersteller im Test setzt auf eine besondere Verpackung, die wohl den Übergang von Mineralöl in die Haferflocken verhindert, der laut Gesetzesentwurf ohnehin minimiert werden soll. Generell vermieden werden sollen aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH), die wir bei mehreren Herstellern gefunden haben.

Für gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) hingegen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer gesundheitlichen Beurteilung von Materialien und Gegenständen für den Lebensmittelkontakt Richtwerte vorgelegt. Daher bewerten wir diese beiden Stoffgruppen differenziert.

CC0 / Pixabay / martin_hetto
CC0 / Pixabay / martin_hetto (Foto: Haferflocken im Test)

Alle Bio-Haferflocken ohne Glyphosat

Kohlenwasserstoffe, die in plastikverpackten Lebensmitteln nachgewiesen werden, können nicht nur aus Mineralöl stammen, sondern auch aus Kunststoff. Über diese Art von gesättigten Kohlenwasserstoffen – die sogenannte POSH-Fraktion – ist noch wenig bekannt. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes behandeln wir die Stoffgruppe in unserer Bewertung daher wie MOSH.

Spuren des Herbizids Glyphosat finden sich in sechs von 14 Produkten aus konventionellem Anbau. Nur bei Bio-Ware können Verbraucher sicher sein, dass keine Chemie zum Einsatz kommt.

Die Herstellung von Haferflocken

Nach der Ernte wird der Hafer in eine Haferschälmühle geliefert. Dort reinigt und siebt man den Rohhafer, um unter anderem das Stroh abzutrennen. Das Haferkorn ist zu diesem Zeitpunkt noch von der Spelze umschlossen. Diese ist für den Menschen nicht verdaulich und wird daher entfernt.

Ist dies geschehen, werden die Haferkerne einer Wärmebehandlung unterzogen, danach gedämpft und wieder getrocknet. Im Anschluss folgt das Auswalzen zu Flocken.

In diesem Arbeitsschritt unterscheidet sich die Herstellung von kernigen und zarten Haferflocken: Für die kernigen Haferflocken wird der ganze Haferkern zu Flocken ausgewalzt. Für die zarten Haferflocken wird der ganze Haferkern zunächst in kleine Stücke geschnitten, die man dann Grütze nennt. Diese kleinen Stücke werden anschließend zu Flocken ausgewalzt.

Wichtig: Sowohl zarte als auch kernige Haferflocken werden aus dem vollen Korn gewonnen, also mit innerem Mehlkörper, Randschichten und Keimling. So bleiben die Nährstoffe weitgehend erhalten.

Das rät ÖKO-TEST

  • Karton- und Papierverpackungen bedeuten derzeit – ein Anbieter ausgenommen –, dass Mineralöl im Produkt sein könnte. Plastikverpackungen haben zwar in puncto Mineralöl besser abgeschnitten, haben aber eine schlechtere Umweltbilanz.
  • Wer sichergehen will, dass der Hafer nicht mit Pestiziden oder Glyphosat behandelt wurde, kauft Bio-Haferflocken.

Weiterlesen auf oekotest.de:


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Testverfahren

Der Einkauf: Wir haben 21 Packungen Haferflocken eingekauft: Sieben stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, die restlichen Produkte sind konventionelle Marken sowie Eigenmarken der Discounter und Supermärkte. Bei der Auswahl entschieden wir uns für zarte Haferflocken, sogenannte Kleinblattflocken. Sie werden häufiger gekauft als kernige Großblattflocken, da sie vielfältig verwendbar sind, beispielsweise zum Backen.

Die Inhaltsstoffe: Aus Papier- und Kartonverpackungen kann gesundheitsgefährdendes Mineralöl in die Nahrung gelangen. Wir haben die Haferflocken darauf untersuchen lassen. Bereits im September 2012 hat ein ÖKO-TEST das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Mehl, Brötchen und Haferflocken nachgewiesen. Das Herbizid steht unter Verdacht, zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu haben. Wir ließen die Haferflocken daher auf Glyphosat und weitere Pestizide untersuchen.

Die Bewertung: Um die Belastung von Lebensmitteln mit Mineralöl zu verhindern, hat der Gesetzgeber schärfere Richtlinien formuliert. Demnach soll ein Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) aus der Verpackung ins Produkt generell vermieden werden. Der Übergang gesättigter Kohlenwasserstoffe (MOSH) ist zu minimieren. ÖKO-TEST differenziert daher bei der Bewertung zwischen diesen beiden Stoffgruppen. Je höher die MOSH-Werte, desto schlechter die Note. Wurde MOAH nachgewiesen, werten wir grundsätzlich ab. Zudem führt der Einsatz von Pestiziden zur Abwertung, wenn die Werte die gesetzlich zulässige Höchstmenge um mehr als zehn Prozent ausschöpfen.

Testlegende: Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen von mehr als 4 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) (in der Tabelle "sehr stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) der Nachweis aromatischer Kohlenwasserstoffe (MOAH), wenn nicht bereits wegen Kohlenwasserstoffen um vier Noten abgewertet wurde; b) ein Gehalt an gesättigten Koh-lenwasserstoffen von mehr als 2 mg/kg bis 4 mg/kg (in der Tabelle "stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen von mehr als 0,5 mg/kg bis 2 mg/kg ("erhöht"); b) ein Pestizidgehalt, der über 10 bis 50 Prozent der Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle "erhöht"). Unter "gesättigte Kohlenwasserstoffe" fassen wir MOSH/POSH zusammen.

Testmethoden: Mineralöl im Produkt: LC-GC/FID. Pestizide: Pestizidspektrum: GC/MS ASU § 64 LFGB L 00.00-34 und LC-MS/MS ASU § 64 L 00.00-113; Chlormequat/Mepiquat: CCC/MQ in Anl. an ASU n. § 64 LFGB L 00.00-76, LC-MS/MS; Glyphosat, Glufosinat, AMPA: LC-MS/MS; Anthrachinon: GC-MS/MS. Cadmium: ICP-MS. Schimmelpilzgifte: Mykotoxin-Spektrum (Deoxynivalenol, Nivalenol, 3-Acetyldeoxynivalenol, 15-Acetyldeoxynivalenol, Zearalenon, T2-Toxin, HT2-Toxin, Diacetoxyscirpenol, Fusarenon-X): LC-MS/MS. Schimmelpilze: ISO 7954:1987 mod. Hefen: ISO 7954:1987 mod. Präsumtive Bacillus cereus: ASU L 00.00-33. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Gliadin/Gluten: ELISA (nur Probe Bauck Hof Glutenfreie Haferflocken). Steht bei Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode.

Einkauf der Testprodukte: März bis September 2013

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Spezial Vegetarisch & Vegan 2014, ÖKO-TEST Ratgeber Essen & Trinken 2014 und ÖKO-TEST Magazin 11/2013. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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