Startseite
23 Plüschtiere im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2015
vom 09.01.2015

Plüschtiere

Ausgespielt

Kinder lieben Plüschtiere nicht nur, sie herzen, knutschen, werfen sie und nuckeln an ihnen. Doch viele Testprodukte strotzen vor Schadstoffen, zwei halten wir für "nicht verkehrsfähig". Immerhin: acht können wir empfehlen.

724 | 10
Neuer Artikel vorhanden: 24 Plüschtiere im Test

09.01.2015 | Alles begann mit einem kleinen Elefanten aus Stoff. Eine gewisse Margarete Steiff entdeckte ihn in der Zeitschrift "Modenwelt" vom 8. Dezember 1879 als Schnittmuster, heißt es in der Unternehmensgeschichte der Firma Steiff. Die Näherin von der Schwäbischen Alb wandelte die Vorlage zu einem mit Wolle gestopften Nadelkissen ab - und landete damit einen Volltreffer. Besonders begehrt war das "Elefäntle" bei Kindern, die es liebten, damit zu spielen: Der Vorläufer der heutigen Kuscheltiere war geboren. Als Margarete Steiff im Jahr 1909 starb, hatte sich ihr Filzkonfektionsgeschäft auch dank der berühmten Teddybären längst zu einem Spielwarenunternehmen von Weltrang gemausert. Ein Grund für den Erfolg war ganz sicher ihr Motto, das laut Firmengeschichte schon im ersten Katalog prangte: "Für Kinder ist nur das Beste gut genug!"

Was würde die schwäbische Unternehmerin wohl zu den Plüschtieren sagen, die Eltern heute in Spielwarenläden, Supermärkten oder im Internet für ihren Nachwuchs kaufen können? Dass richtig gutes Spielzeug oft schwer zu finden ist, musste ÖKO-TEST schon oft feststellen. Allein in der Zeit von Oktober 2012 bis September 2014 haben wir in 36 Tests insgesamt 134 Produkte für Kinder mit "ungenügend" getestet, 14 von ihnen mussten wir sogar das Etikett "nicht verkehrsfähig" verpassen.

Eine Mitschuld an der schlechten Qualität einzelner Produkte trägt die in mancher Hinsicht zu laxe Spielzeugrichtlinie der EU namens 2009/48/EG sowie die zugehörige Norm EN 71, die diese konkretisiert. Hersteller dürfen laut dieser Norm beispielsweise stark haarende Plüschtiere auf den Markt bringen, obwohl Kinder die Fasern verschlucken könnten. Die Anbieter sind sich dessen genau bewusst. Als ÖKO-TEST die Firma Toys"R"Us dieses Mal damit konfrontierte, dass sich von ihrer Langhaarkatze Härchen leicht lösen, verwies die Firma auf die geltenden Gesetze: Stofffasern fielen unter "Faserflaum", "dies sollte somit keine Verletzung der Norm darstellen". Die Branche ist weit davon entfernt, Margarete Steiffs Motto umzusetzen. Für Kinder genügt heutzutage offenbar das Nötigste.

"Die Richtlinie geht nicht weit genug, weil sie die Kinder nicht genügend schützt", sagt denn auch Elvira Drobinski-Weiß, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Spielzeug müsse EU-weit durch unabhängige Stellen geprüft werden, bevor es auf den Markt gelangen darf, so die Politikerin. Eine Forderung, die seit Jahren im Raum steht und doch bisher auf taube Ohren stieß.

Derzeit wird es den schwarzen Schafen der Branche zu leicht gemacht. Um in Europa Spielzeug auf den Markt zu bringen, muss der Hersteller lediglich das CE-Zeichen an seinem Produkt anbringen. Damit aber tut er nur kund, dass er die geltenden Vorschriften beachtet - ohne dass ein unabhängiges Prüfinstitut dies bestätigt hätte. "Dass ein Spielzeug die Vorschriften tatsächlich erfüllt, muss im Zweifelsfall erst dann nachgewiesen werden, wenn wir danach fragen", sagt Thomas Haubert von der Struktur- u

Jahrbuch Kleinkinder 2015

Online lesen?

Jahrbuch Kleinkinder 2015 für 8.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Klassische Plüschtiere finden sich in jedem Kinderzimmer - und können zum treuen Freund und Beschützer werden. Wir haben 23 Plüschtiere eingekauft. Mit dabei sowohl Plüschtiere traditioneller, deutscher Hersteller als auch Produkte aus kontrolliert biologischem Baumwollanbau und Discountartikel. Für das teuerste Produkt haben wir 66,99 Euro ausgegeben, das günstigste gab es für 1,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Die Kuscheltiere wurden von vier verschiedenen Laboren auf ihre Inhaltsstoffe geprüft. Wir fahndeten unter anderem nach giftigen Schwermetallen wie Blei und Chrom, nach umweltschädlichen Nonylphenolethoxylaten und nach potenziell krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Außerdem wollten wir unter anderem wissen, ob verbotene Farbstoffe im Fell stecken.

Die Praxisprüfung
Plüschtiere fallen unter die europäische Spielzeugnorm EN 71. Sie legt genau definierte Tests fest, die Spielwaren bestehen müssen. Im Labor wurden die kuscheligen Freunde nach dieser Norm untersucht: Wie reißfest sind die Nähte? Wie leicht entzündet sich das Fell? Lösen sich Kleinteile, die Kinder beim Spielen verschlucken könnten? Zudem wollten wir wissen, wie es um die Farbechtheit der Plüschtiere steht, wenn Kinder an ihnen nuckeln oder sie mit Schweiß in Kontakt kommen.

Die Bewertung
Sowohl bei der Praxisprüfung als auch bei den Inhaltsstoffen legen wir strengere Maßstäbe an als das geltende Recht. Um "sehr gut" abzuschneiden, mussten die Plüschtiere in beiden Kategorien unseren hohen Ansprüchen gleichermaßen genügen.

So haben wir getestet

Test nicht bestanden: Als das Labor den Tiger von Kik prüfte, riss nicht nur die Naht

So haben wir getestet

Auch der genormte Prüffinger passte in die Öffnung.

Online abrufbar

Jahrbuch Kleinkinder 2015

Bestellnr.: J1501
Gesamten Inhalt anzeigen