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Laufgitter im Test: Nur eins ist "gut"

Jahrbuch Kleinkinder 2016 | Autor: Maren Klein | Kategorie: Kinder und Familie | 14.01.2016

Nur ein Laufgitter im Test ist empfehlenswert.
Foto: Irina Wilhauk/Shutterstock

Am Anfang kann ein Laufstall als Tagesbettchen dienen. Später ermöglicht er den Eltern, mal kurz aus dem Raum zu gehen und entdeckungslustige Krabbler dabei sicher aufgehoben zu wissen. Doch unser Test zeigt: Nicht alle Produkte sind entsprechend gut durchdacht.

Aktualisiert am 14.01.2016 | Redet man über Laufställe, dann gehen die Meinungen auseinander. Ist ein solches Produkt denn noch zeitgemäß? Experten sind sich einig: Solange man den Laufstall nicht überstrapaziert, ist er ein sinnvoller Helfer für Eltern.

Kleine Krabbler, die man eigentlich gar nicht mehr aus den Augen lassen kann, können dort zwischengeparkt werden, wenn man mal kurz an die Tür muss oder einen Einsatz in der Küche hat. Und wenn die Kleinen beginnen, sich überall hochzuziehen, können sie sich am Gitter entlanghangeln und es mit ersten Schritten probieren.

Praktisch sind Modelle, deren Böden man in verschiedenen Höhen feststellen kann. Babys können so in den ersten Wochen und Monaten auf "Hüfthöhe" dabei sein, wenn der Rest der Familie um sie herumwuselt. Zu diesem Zeitpunkt genügt es, wenn das Gitter 30 Zentimeter hochreicht. Später, wenn das Kleine größer und agiler wird, braucht es eine höhere Absperrung, der Boden wandert entsprechend tiefer. So kann das Möbelstück etwa ein Jahr im Einsatz sein.

Wir haben sechs Laufstallmodelle eingekauft, um herauszufinden, in welchen Kinder sicher aufgehoben sind. Wir ließen prüfen, wie gut sich die Helfer im Alltag schlagen. Und natürlich hat uns auch interessiert, ob problematische Inhaltsstoffe eingesetzt wurden.

Laufgitter im Test: Das Fazit

  • Sicher und schadstofffrei? Das schafft nur ein Modell, das mit der Note "gut" abschneidet. Schadstofffrei beziehungsweise -arm sind auch zwei weitere Laufställe. Und während zwei Laufgitter anstandslos durch die Sicherheitsprüfungen kamen, fiel ein Produkt durch.
  • An einem Laufgitter brachen die Gitterstäbe in der Mitte durch, als von außen an ihnen gezogen wurde. Wenn also ein etwas älteres Kind hier zugange ist, kann es zu üblen Verletzungen kommen.
  • Zwei Laufställe bestehen aus einem Metallgestell, das mit Stoff bezogen ist. Vorteil: Sie lassen sich einfach zusammenklappen und transportieren. Allerdings tauchte in den Tests ein Problem auf, das wir schon aus unserem Kinderreisebetttest kennen: Im Stehen können die Kinder leicht zwischen die eingelegte Bodenplatte und die Seitenwand geraten. Der zweite Nachteil: Ihr Boden ist nicht höhenverstellbar, hier sind die klassischen Holzmodelle den textilen Kollegen ein Stück voraus.

Kritik an Schadstoffen in Laufstallbezügen 

Es ist durchaus sinnvoll, dass der Bezug des Laufstallbodens aus wasserabweisendem Material besteht. Man muss ja immer damit rechnen, dass auch mal was danebengeht.

Allerdings verwendet ein Anbieter PVC bzw. chlorierte Kunststoffe, die mit Weichmachern elastisch gehalten werden und noch phosphororganische Verbindungen enthalten. So kann auch ein Holzlaufstall zur Schadstoffschleuder werden.

Bei einem Laufgitter ist es die Behandlung der Baumwollbespannung, die für eine schlechte Bewertung sorgt. Die Labore wiesen hier Formaldehyd und umstrittene halogenorganische Verbindungen nach. Viele Eltern tun also genau das Richtige, wenn sie eine Krabbeldecke unterlegen.

Diesen Test haben wir zuletzt im Jahrbuch für 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

Der Einkauf: Im Test: Sechs Laufställe, der günstigste kostet knapp 60 Euro, der teuerste 155 Euro. Neben vier klassischen Modellen aus Holz haben wir auch zwei ausgewählt, die aus einer stoffbezogenen Metallrohrkonstruktion bestehen.

Die Praxisprüfung: Kinderlaufställe müssen sicher sein. Im Labor wurden die Laufställe deshalb nach den Vorgaben der Laufstall-Norm EN 12227:2010 geprüft. Mit speziellen Prüfvorrichtungen wurde ermittelt, ob ein Kind sich mit der Hüfte durch die Gitterstäbe drücken kann, ob die Holzstreben brechen, wenn man ordentlich an ihnen zieht und ob der Laufstall unter ungünstigen Bedingungen kippen kann. Hinzu kamen Belastungstests, die etwas über die Haltbarkeit und Verarbeitungsqualität der Möbel aussagen: Dutzende Schläge auf den Rahmen mussten die Produkte aushalten. Besonders heftig war die Dauerprüfung des Laufstallbodens - um zu klären, ob er womöglich durchbricht, wenn das Kind im Laufstall hüpft und springt, wurde ein 15 Kilogramm schwerer Holzklotz tausend Mal aus einer Höhe von 15 Zentimetern auf den Boden fallen gelassen. Dort, wo die Norm keine Vorgaben macht, entschieden drei Experten, ob die Laufställe sicher sind, etwa bei der Frage, ob Kinder gut darin stehen können.

Natürlich wollten wir auch wissen, wie gut sich die Laufställe im Alltag schlagen. Wie leicht lassen sie sich aufbauen? Welche kann man besser von einer Ecke des Raumes in die andere schieben? Tut der Rücken weh, wenn man das Kind öfter hinein- und wieder heraushebt? Drei Experten testeten die Laufställe unabhängig voneinander.

Die Inhaltsstoffe: Je nach verarbeiteten Materialien musste ein Laufstall verschiedene Prüfungen durchlaufen. Bei Holzwerkstoffplatten interessierte uns, ob Formaldehyd oder andere flüchtige organische Verbindungen ausgasen. Bei lackierten Teilen, ob der Lack problematische Weichmacher oder andere Schadstoffe enthält. Die Kunststofffolien, mit denen viele Böden bespannt sind, durchliefen ein großes Materialscreening, bei dem etwa auf Phthalatweichmacher untersucht wird. Alle farbigen Textilien ließen wir auf problematische Farbstoffbestandteile untersuchen und darauf, ob sich Farbe löst, wenn Spucke oder Schweiß ins Spiel kommen.

Die Bewertung: Sicherheit geht vor. Ein Laufstall, der die Sicherheitsvorgaben der DIN-Norm für Kinderlaufställe nicht einhält, kann bei uns nur "ungenügend" abschneiden. Auch für die deutschen Marktüberwachungsbehörden hat diese Norm eine besondere Bedeutung, Laufställe dürfen die darin definierten Sicherheitsanforderungen nicht unterschreiten - ob sie in diesem Fall als "nicht verkehrsfähig" eingestuft werden, konnte man uns aber nicht sagen.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Praxisprüfung: In das Testergebnis Praxisprüfung gehen das Teilergebnis Ergonomie und Handhabung und das Teilergebnis Sicherheit zu jeweils 50 % ein. Es kann nicht besser sein als das Teilergebnis Sicherheit.

Das Teilergebnis Ergonomie und Handhabung setzt sich zusammen aus folgenden Einzelnoten: Aufbau (10 %), Verschieben des Laufstalls (20 %), Hineinlegen und Herausheben des Kindes (60 %), optische Kontrolle des Kindes (10 %). Es wurde kaufmännisch gerundet.

Unter dem Teilergebnis Sicherheit führen zur Abwertung um jeweils fünf Noten: Gitterstäbe brechen bei Belastung durch. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Kind kann mit dem Fuß zwischen Matratze und Seitenwand geraten.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Formaldehyd im Stoffbezug. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 10 mg/kg phosphororganische Verbindungen; b) PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen; c) Ersatzweichmacher (DiNCH); d) halogenorganische Verbindungen.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Nonylphenolethoxylate. Zur Abwertung um eine Note führt: optische Aufheller ohne Hautkontakt.

Das Gesamturteil beruht zu 50 % auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 50 % auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser als das Testergebnis Praxisprüfung sein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.

Testmethoden

Testmethoden: Inhaltsstoffe: optische Aufheller (im Textil): UV-Licht. Halogenorganische Verbindungen (im Textil): Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Nonylphenolethoxylate (im Textil): LC-MS/MS nach Extraktion. Summe flüchtiger organischer Verbindungen (TVOC): EPZ-Messung der Bodenplatte mit Thermodesorption-GC/MS nach 24 h. Alle nicht näher identifizierbaren Verbindungen wurden als Toluoläquivalent berechnet. Formaldehyd (EPZ-Messung der Holzwerkstoffplatte): HPLC-DAD nach Desorption. Antimon im Eluat (im Textil): Elution mittels saurer Schweißlösung, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Formaldehyd (in Baumwolle): Vortest mit Carbazol/Schwefelsäure. Qualitativer Nachweis mit DIN EN ISO 14184-1. Phthalate/alternative Weichmacher im Lack und in Kunststoffmaterialien: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Praxisprüfung: 1. Ergonomie und Handhabung: a) Verstauen und Transport: Expertenurteil. Bewertet wurden die Möglichkeit, das Produkt zusammenzuklappen, sowie dessen Außenabmessungen. Transport: Vorhandensein von Rollen, die ermöglichen, den Laufstall im Raum zu verschieben; b) Hineinheben/Herausnehmen des Kindes: Expertenurteil. Die Bewertungen basieren auf der Größe der Öffnung des Kinderlaufstalls, der Höhe der Oberfläche des Kinderlaufstallbodens über der Standfläche sowie der Höhe der Seitenwände. Darüber hinaus wurde bewertet, inwiefern der Erwachsene in der Lage ist, beim Bewegungsvorgang eine wenig belastende Körperhaltung einzunehmen, und ob sich der Boden des Kinderlaufstalls so weit über der Standfläche befindet, dass der Erwachsene vollständig an den Kinderlaufstall herantreten kann; c) optische Kontrolle des Kindes im Laufstall: Expertenurteil. Basierend auf standardisierten Aufnahmen von einem im Laufstall liegenden Dummy (mittig platziert, mit buntem Strampler bekleidet). 2. Sicherheit: nach DIN 12227. Ausnahme: Die Prüfpunkte "Quetsch- und Scherstellen" und "Trittsicherheit beim Stehen des Kindes" wurden durch drei Experten beurteilt. Die Beurteilungen erfolgen in einer fünfstufigen Skala von 1 = mangelhaft bis 5 = sehr gut.

Einkauf der Testprodukte: November 2013.

Diesen Test haben wir zuletzt im Jahrbuch für 2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2016 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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