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17 Gemüsebreie im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2016
vom 14.01.2016

Babynahrung, Gläschenkost Gemüsebreie

Glas? Klar!

Mit Gemüsebreien beginnt Babys Karriere als vollwertiger Esser: Weg von der Milch hin zur vielfältigen Nahrung. Viele der fertigen Gemüsebreie im Test eignen sich bestens als erste Mahlzeiten. Doch manchmal trüben giftige Stoffe aus dem Herstellungsprozess oder dem Boden die Esslust.

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14.01.2016 | Selbst kochen oder Gläschen kaufen: Das ist ein Stück weit eine Geschmacks- und Glaubensfrage. Die Anhänger selbst zubereiteter Babykost schätzen den frischen, guten Geschmack ihrer Breie. Die aktuelle Studie "Babygourmet" des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) stützt diese Haltung. In der Studie erhielten 51 Babys entweder herzhafte Breie aus dem Gläschen oder Tiefkühlkost, die frischer Kost geschmacklich viel näherkommt als Eingekochtes aus dem Glas. Tatsächlich waren die Babys, die die geschmacksintensivere Tiefkühlkost erhielten, im Anschluss an die dreimonatige Fütterungsphase interessierter an neuem Gemüse: Sie aßen mehr bislang nicht gekostete grüne Bohnen als die Gläschenfraktion. Ob diese Offenheit allerdings anhält, wurde nicht untersucht. Für Babygläschen gelten auf der anderen Seite strenge Gesetze. Und die Gläschen sind praktisch, bequem und sparen Eltern Zeit.

Ob sie so gut sind wie ihr Ruf, haben wir in unserem Test überprüft: 17 Gemüsebreie, fast ausschließlich in Bio-Qualität, darunter reine Karottengläschen, aber auch Mischgemüse waren auf dem Prüfstand. Wir wollten wissen, ob sie - trotz der hohen gesetzlichen Anforderungen - schädliche Stoffe enthalten und ob die Hersteller die Gläschen sorgsam und zurückhaltend ausloben.

Das Testergebnis

Guten Appetit! Fast die Hälfte der Gläschen sind "gut", eines ist "sehr gut". Die beauftragten Labore haben weder Spritzgifte noch Keime gefunden. Bei etlichen verhageln zu dick aufgetragene Auslobungen oder ein zu geringer Gemüsegehalt die Bestnote. Allerdings kritisieren wir in sieben Produkten auch Schadstoffe, zwei Gläschen kommen über die Note "mangelhaft" nicht hinaus.

Wenn es um die Fettsäuren in den Breien geht, tragen einige Hersteller ziemlich dick auf. "Mit Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure) wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen", wirbt Alete. Hipp und Bebivita stellen heraus: "Omega-3-Fettsäuren - wichtig für Gehirn- und Nervenzellen". Tatsächlich enthalten einige der Gläschen kleine Mengen Rapsöl und in Rapsöl steckt Alpha-Linolensäure. Diese wird im Körper aber nur zu einem ganz geringen Teil in die längerkettige Omega-3-Fettsäure DHA umgewandelt, die wiederum eine Hauptkomponente der Nervenzellen ist. Kinderernährungsexperte Professor Berthold Koletzko sieht keinerlei Vorteile im Zusatz von Alpha-Linolensäure. Den Mund zu voll nehmen die meisten Hersteller auch mit den Auslobungen: "Ohne Konservierungsstoffe* ohne Farbstoffe* (*laut Gesetz)." Die Stoffe sind in den Babygläschen gesetzlich verboten. Das muss nicht auch noch draufstehen. Für diese Werbung mit Selbstverständlichkeiten gibt es Punktabzug.

Schadstoff aus der Produktion: Die industrielle Herstellung der Gemüsebreie hat Nachteile. Beim Erhitzen und Sterilisieren der Karottenbreie kann aus den natürlichen Inhaltsstoffen der Karotte krebserregendes Benzol entstehen. Alle Gläschen mit Karotte im Test enthalten geringe Mengen der Substanz. Aber nur bei drei Produkten s

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Für diesen Test haben wir Gemüsebreie ausgewählt, die bereits nach dem vierten Monat gegeben werden können. Experten empfehlen, ab diesem Alter mit der Einführung von Beikost zu beginnen. Oft wird der Anfang mit Karotten gemacht, denn die meisten Babys mögen das süße Gemüse recht gerne. Deshalb haben wir eine Reihe reine Karottenbreie ausgewählt. Dazu kommen Mischgemüsegläschen unter anderem mit Spinat, Zucchini, Pastinaken und Kartoffeln. Da die meisten Babygläschenhersteller auf Bio-Gemüse setzen, findet sich unter den 17 Testkandidaten nur ein einziges konventionelles Produkt.

Die Inhaltsstoffe
Der erste Brei sollte frei von bedenklichen Stoffen sein. Deshalb haben wir die Breie auf typische Schadstoffe prüfen lassen, die Gemüse oftmals belasten: giftige Spritzgifte etwa, oder Stoffe, die auf Düngung und Boden zurückzuführen sind, wie Nitrat oder Cadmium. Da aktuell in Obst und Gemüse häufig die Problemstoffe Chlorat und Perchlorat auftauchen, haben wir auch diese Stoffe überprüft. Wir wollten zudem wissen, ob die Breie Keime enthalten. Um die Produkte keimfrei zu machen, werden sie über längere Zeit erhitzt. Dabei kann sich, je nach Dauer und Grad der Erhitzung, aus den Inhaltsstoffen der Karotte giftiges Benzol bilden. Darum haben wir alle Gläschen mit Karotte auf Benzol testen lassen. Der wichtigste Inhaltsstoff eines Gemüsebreis ist natürlich: Gemüse. Wir wollten wissen, ob die Hersteller das auch so sehen und ausreichend Gemüse verarbeiten oder lieber reichlich billiges Wasser ins Gläschen kippen.

Die Deklaration
Ärgerlich und überflüssig ist es, wenn die Hersteller auf der Verpackung mit Dingen werben, die selbstverständlich sind. So sind Konservierungs- und Farbstoffe in Babynahrung per Gesetz verboten. Das muss man nicht auf die Verpackung drucken. Schließlich muss jedes Produkt am Markt diese Anforderung einhalten. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Hersteller mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die falsche Erwartungen wecken und in die Irre führen. "Omega-3-Fettsäuren wichtig für Gehirn- und Nervenzellen" oder "Alpha-Linolensäure wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" sind solche Aussagen. Sie lassen Elternaugen strahlen, rufen bei Ernährungsexperten aber nur Kopfschütteln hervor.

Die Bewertung
Seit einiger Zeit bewerten offizielle Gremien wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Cadmium strenger als das in der Vergangenheit üblich war. Ein erhöhter Cadmiumgehalt in den Babybreien führt auch bei ÖKO-TEST zu einer Abwertung um zwei Noten. Nitrat wird von Experten vergleichsweise weniger kritisch gesehen, daher nehmen wir nur eine Note Abzug vor. Da die Benzolgehalte relativ niedrig sind, gibt es auch hier nur eine Note Abwertung. Eine vollmundige oder gar irreführende Deklaration schadet zwar nicht Babys Gesundheit, ist aber ein Angriff auf Mamas und Papas Verstand. Daher gibt es für die Auslobung von Selbstverständlichkeiten oder den Abdruck von aus unserer Sicht falschen gesundheitsbezogenen Versprechungen Punktabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel.

So haben wir getestet

Konservierunsstoffe sind in Babygläschen verboten. Damit sollte der Hersteller nicht werben.

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Bestellnr.: J1601
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