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22 Zahnspangenmaterialien im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2016
vom 14.01.2016

Zahnspangenmaterialien

Auf den Zahn gefühlt

Im Mund vieler Zahnspangenträger stecken Stoffe wie Nickel oder Latex, die Allergiker vermeiden sollten. Drei untersuchte Materialien enthalten krebserregende Nitrosamine - das geht gar nicht. Zum Glück bekommen die meisten Testprodukte aber ein "sehr gut".

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14.01.2016 | Die Metalle im Mund führen bei manchen Patienten mit festsitzenden Zahnspangen zu unerwünschten Nebenwirkungen. Allen voran verdient hier Nickel Beachtung, das häufigste Kontaktallergen in Europa. Auch wenn viele kieferorthopädische Patienten keine Symptome zeigen, können bei Allergikern schon geringe Mengen eines Stoffes die Immunreaktion auslösen. "Wer bekanntermaßen an einer Nickelallergie leidet, sollte auf eine nickelfreie Legierung bestehen", rät deshalb Gregor Bornes von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). An alternativen Materialien mangelt es nicht. Die Ärzte sind für dieses Thema sensibilisiert, nickel- oder latexfreie Materialien werden im Bedarfsfall eingesetzt.

Was man ebenfalls wissen sollte: "Wenn die Kieferorthopädie Zähne bewegt, ruft sie eine kontrollierte Knochenentzündung hervor", erklärt Patientenberater Gregor Bornes. Diese Entzündung könne zu einem Abbau der Zahnwurzel führen, dadurch steige das Risiko, den Zahn zu verlieren. "Das ist eine bekannte Nebenwirkung, über die selten aufgeklärt wird", sagt Bornes.

Die Kieferorthopädie hat zweifelsohne Erfolge vorzuweisen - welcher Erwachsene, der seine schnurgerade Zahnreihe der Spange der Kindheit verdankt, wollte das bestreiten? Und doch ist bemerkenswert, wie schwach die tatsächlichen medizinischen Wirkungen kieferorthopädischer Eingriffe wissenschaftlich belastbar begründet sind. "Es verstärkt sich der Eindruck, dass eine große Kluft zwischen der praktischen Anwendung kieferorthopädischer Maßnahmen und der wissenschaftlichen Erforschung ihrer Wirksamkeit existiert" ist in einer Untersuchung aus dem Jahr 2008 zu lesen, entstanden im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Sicher, es gibt gravierende Kieferanomalien oder problematische Zahnstellungen, bei denen ein medizinischer Eingriff absolut geboten ist. Und mit einem schiefen Gebiss ist gute Mundhygiene eine kompliziertere Angelegenheit als mit einem geraden. Aber machbar ist sie dennoch. "Der Hauptnutzen der meisten Behandlungen", resümiert Dr. Henning Madsen, niedergelassener Kieferorthopäde, "ist ästhetischer Art".

Wenn aber der medizinische Nutzen häufig zweifelhaft ist, die Risiken vielfach nicht bekannt sind und private Zuzahlungen dafür teils immens - dann sollten Patienten umso kritischer abwägen: Braucht es ihn wirklich, den Fremdkörper im Mund? ÖKO-TEST wollte wissen, was in den Bestandteilen fester Zahnspangen steckt. Mehrere Brackets, Bänder, Bögen und Kunststoffteile haben wir dafür in verschiedenen Laboren untersuchen lassen.

Das Testergebnis

In allen drei getesteten Gummiringen fand das Labor auffällige Werte an Nitrosaminen, eine krebserregende Gruppe von Stoffen. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erklärt, können Metaboliten von Nitrosaminen mit der Erbsubstanz DNA reagieren, sie dadurch schädigen und Tumore auslösen. Das von uns beauftragte Labor maß sechs- bis zehnmal so hohe Werte wie der deutsche Grenzwert für Babys

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Von den unterschiedlichen Bestandteilen einer festen Zahnspange haben wir je mehrere Produkte eingekauft: neun Brackets, die direkt an den Zähnen angebracht werden, fünf Bögen, die die Brackets miteinander verbinden sowie drei Bänder, die an Backenzähnen befestigt werden und der Stabilisierung dienen. Daneben zwei Sorten Ligaturen, mit denen die Brackets am Bogen befestigt werden und drei Sorten Gummiringe, die zwischen Ober- und Unterkiefer gespannt werden. Dabei haben wir insbesondere bedeutende Hersteller wie Dentaurum, Forestadent oder Ormco berücksichtigt. Der Einkauf war nicht ganz einfach, da der Dentalfachhandel eigentlich ausschließlich Fachkreise bedient, also vor allem Zahnärzte, Kieferchirurgen, Zahntechniker und Dentallabore.

Die Inhaltsstoffe
Je nach Beschaffenheit der Zahnspangenmaterialien waren uns unterschiedliche Parameter wichtig: Die Metallteile ließen wir mit einem künstlich erzeugten Speichel darauf prüfen, wie viel Nickel sich aus ihnen löst. Außerdem wurden sie auf Blei, Cadmium und andere giftige Schwermetalle untersucht. Die Kunststoffteile unterzogen wir einem umfassenden Materialscreening, unter anderem ließen wir nach Weichmachern fahnden. Gummiringe aus Latex wurden darüber hinaus auf allergene Latexproteine und krebserregende Nitrosamine untersucht, bunte Ligaturenringe ließen wir auf krebserregende aromatische Amine prüfen.

Die Bewertung
Erfreulich für Patienten: In vielen Analysen waren die untersuchten Produkte unauffällig. Manche Materialien aus Metall gaben zwar etwas mehr Nickel ab als andere, doch nicht in auffälliger Menge. Krebserregende Nitrosamine allerdings haben in Zahnspangengummis rein gar nichts verloren, hier werten wir streng auf "mangelhaft" ab.

So haben wir getestet

Zur Untersuchung der Nickelabgabe wurden Brackets in künstlichen Speichel gelegt.

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