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16 Gemüsebreie im Test

Glas? Klar!

Jahrbuch Kleinkinder 2017 | Kategorie: Kinder und Familie | 19.01.2017

16 Gemüsebreie im Test

Mit Gemüsebreien beginnt Babys Karriere als vollwertiger Esser: Weg von der Milch, hin zur vielfältigen Nahrung. Viele der fertigen Gemüsebreie im Test eignen sich bestens als erste Mahlzeiten. Doch manchmal trüben giftige Stoffe aus dem Herstellungsprozess oder dem Boden die Esslust.

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Ob Babygläschen so gut sind wie ihr Ruf, haben wir überprüft: 16 Gemüsebreie, fast ausschließlich in Bio-Qualität waren auf dem Prüfstand. Wir wollten unter anderem wissen, ob sie schädliche Stoffe enthalten.

Das Testergebnis

Guten Appetit! Mehr als ein Drittel der Gläschen sind "gut", eines ist "sehr gut". Die beauftragten Labore haben weder Spritzgifte noch Keime gefunden. Bei etlichen verhageln zu dick aufgetragene Auslobungen oder ein zu geringer Gemüsegehalt die Bestnote. Allerdings kritisieren wir auch Schadstoffe, zwei Gläschen kommen über die Note "mangelhaft" nicht hinaus.

Wenn es um die Fettsäuren in den Breien geht, tragen einige Hersteller ziemlich dick auf. "Omega-3-Fettsäuren - wichtig für Gehirn- und Nervenzellen", werben sie zum Beispiel. Tatsächlich enthalten einige der Gläschen kleine Mengen Rapsöl, und in Rapsöl steckt Alpha-Linolensäure. Diese wird im Körper aber nur zu einem ganz geringen Teil in die längerkettige Omega-3-Fettsäure DHA umgewandelt, die wiederum eine Hauptkomponente der Nervenzellen ist. Kinderernährungsexperte Professor Berthold Koletzko sieht keinerlei Vorteile im Zusatz von Alpha-Linolensäure.

Schadstoff aus der Produktion: Die industrielle Herstellung der Gemüsebreie hat Nachteile. Beim Erhitzen und Sterilisieren der Karottenbreie kann aus den natürlichen Inhaltsstoffen der Karotte krebserregendes Benzol entstehen. Alle Gläschen mit Karotte im Test enthalten geringe Mengen der Substanz. Aber nur bei drei Produkten sind die gefundenen Mengen so hoch, dass wir abwerten.

Giftiges Cadmium kritisieren wir in den Gläschen von drei Herstellern. Bei ihnen überschreitet der Cadmiumgehalt den Wert, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als duldbare wöchentliche Aufnahmemenge vorgeschlagen hat. Für die Berechnung nehmen wir an, dass ein sieben Kilogramm schweres Kind jeden Tag 190 Gramm Gemüsebrei isst. Je weniger, desto besser - das gilt auch für Nitrat, das durch Düngemittel in Boden und Grundwasser gelangt. Pflanzen brauchen Nitrat, um zu wachsen. Für Menschen kann der Stoff gefährlich werden. Drei Gemüsebreie in unserem Test enthalten so viel Nitrat, dass sie dafür eine Note Abzug bekommen.

Nitrat kann im Körper zu Nitrit und zu Nitrosaminen umgewandelt werden. Nitrosamine sind im Tierversuch krebserregend. Zudem bindet sich Nitrit bei Säuglingen besonders leicht an den roten Blutfarbstoff, der dann keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. Diese Gefahr besteht bei den Babybreien zum Glück nicht, dazu sind die gefundenen Nitratwerte zu niedrig.

Die Hersteller einiger Gläschen geizen sehr mit der Hauptzutat Gemüse. In vier Gläschen macht Gemüse weniger als 70 Prozent des Inhalts aus.


Babynahrung, Gläschenkost Gemüsebreie: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Biomio Gartengemüse
  • Bonano

Alnatura Brokkoli mit Kartoffeln, Demeter
  • Alnatura

Holle Spinat mit Kartoffeln, Demeter
  • Holle (Naturwarenladen)

Sunval Gemüse fein Karottenfrei, Demeter
  • Sunval

Alete Für kleine Entdecker Kürbis und Kartoffeln
  • Alete

Bebivita Frühkarotten
  • Bebivita

Lebenswert Bio Kürbis mit Kartoffel, Bioland
  • Holle (Naturwarenladen)

Alete Für kleine Entdecker Pure Karotte
  • Alete

Babylove Zucchini mit Kartoffeln
  • Dm

Holle Karotten, Demeter
  • Holle (Naturwarenladen)

Hipp Reine Früh-Karotten
  • Hipp

Babylove Früh-Karotten
  • Dm

Hipp Pastinaken mit Kartoffeln
  • Hipp

Sun Baby Früh-Karotten
  • Sunval

Alnatura Karotte Pur Sorte Rodelika, Demeter
  • Alnatura

Babydream Rahm-Spinat mit Kartoffeln
  • Rossmann

16 Gemüsebreie im Test
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 8
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 9
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 10
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 11

4 Seiten
Seite 8 - 11 im Jahrbuch Kleinkinder 2017
vom 19.01.2017
Abrufpreis: 2,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Für diesen Test haben wir Gemüsebreie ausgewählt, die bereits nach dem vierten Monat gegeben werden können. Experten empfehlen, ab diesem Alter mit der Einführung von Beikost zu beginnen. Oft wird der Anfang mit Karotten gemacht, denn die meisten Babys mögen das süße Gemüse recht gerne. Deshalb haben wir eine Reihe reine Karottenbreie ausgewählt. Dazu kommen Mischgemüsegläschen unter anderem mit Spinat, Zucchini, Pastinaken und Kartoffeln. Da die meisten Babygläschenhersteller auf Bio-Gemüse setzen, findet sich unter den 16 Testkandidaten nur ein einziges konventionelles Produkt.

Die Inhaltsstoffe

Der erste Brei sollte frei von bedenklichen Stoffen sein. Deshalb haben wir die Breie auf typische Schadstoffe prüfen lassen, die Gemüse oftmals belasten: giftige Spritzgifte etwa, oder Stoffe, die auf Düngung und Boden zurückzuführen sind, wie Nitrat oder Cadmium. Da aktuell in Obst und Gemüse häufig die Problemstoffe Chlorat und Perchlorat auftauchen, haben wir auch diese Stoffe überprüft. Wir wollten zudem wissen, ob die Breie Keime enthalten. Um die Produkte keimfrei zu machen, werden sie über längere Zeit erhitzt. Dabei kann sich, je nach Dauer und Grad der Erhitzung, aus den Inhaltsstoffen der Karotte giftiges Benzol bilden. Darum haben wir alle Gläschen mit Karotte auf Benzol testen lassen. Der wichtigste Inhaltsstoff eines Gemüsebreis ist natürlich: Gemüse. Wir wollten wissen, ob die Hersteller das auch so sehen und ausreichend Gemüse verarbeiten oder lieber reichlich billiges Wasser ins Gläschen kippen.

Die Deklaration

Ärgerlich und überflüssig ist es, wenn die Hersteller auf der Verpackung mit Dingen werben, die selbstverständlich sind. So sind Konservierungs- und Farbstoffe in Babynahrung per Gesetz verboten. Das muss man nicht auf die Verpackung drucken. Schließlich muss jedes Produkt am Markt diese Anforderung einhalten. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Hersteller mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die falsche Erwartungen wecken und in die Irre führen. "Omega-3-Fettsäuren wichtig für Gehirn- und Nervenzellen" oder "Alpha-Linolensäure wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" sind solche Aussagen. Sie lassen Elternaugen strahlen, rufen bei Ernährungsexperten aber nur Kopfschütteln hervor.

Die Bewertung

Seit einiger Zeit bewerten offizielle Gremien wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Cadmium strenger als das in der Vergangenheit üblich war. Ein erhöhter Cadmiumgehalt in den Babybreien führt auch bei ÖKO-TEST zu einer Abwertung um zwei Noten. Nitrat wird von Experten vergleichsweise weniger kritisch gesehen, daher nehmen wir nur eine Note Abzug vor. Da die Benzolgehalte relativ niedrig sind, gibt es auch hier nur eine Note Abwertung. Eine vollmundige oder gar irreführende Deklaration schadet zwar nicht Babys Gesundheit, ist aber ein Angriff auf Mamas und Papas Verstand. Daher gibt es für die Auslobung von Selbstverständlichkeiten oder den Abdruck von aus unserer Sicht falschen gesundheitsbezogenen Versprechungen Punktabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2019
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2019
Zugehörige Ausgabe:
Jahrbuch Kleinkinder 2017
Jahrbuch Kleinkinder 2017

Erschienen am 19.01.2017

Jahrbuch Kleinkinder 2017
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