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Schneeanzüge für Kleinkinder im Test: Keiner besser als "befriedigend"

Jahrbuch Kleinkinder 2017 | Autor: Daniel Waldschik | Kategorie: Kinder und Familie | 19.01.2017

Schneeanzüge für Kinder im Test
Foto: Evgenia Parajanian/Shutterstock

Mittelprächtig: Von den 15 untersuchten Schneeanzügen für Kleinkinder waren die meisten "befriedigend" oder "ausreichend". Grund sind, wie so häufig in Textilien, Chemikalienrückstände aus Produktion und Ausrüstung.

Aktualisiert am 19.01.2017 | Spätestens wenn die ersten Schneeflöckchen herabrieseln, kramen Eltern für ihre lieben Kleinen den wind- und wetterfesten Schneeanzug aus der vergangenen Wintersaison heraus. Glück gehabt, wenn er noch passt. Schließlich wachsen Kleinkinder ruck, zuck aus ihren Sachen heraus - und dann muss schleunigst ein neuer her.

Nicht wenige Eltern holen sich vor einem Kauf Rat in ihren sozialen Netzwerken oder in Elternforen im Internet: "Welcher Schneeanzug ist gut? Was könnt ihr empfehlen?" oder "Ist teuer gleichzeitig besser? Genügt auch ein billiger Anzug?" Und während die einen empfehlen, ein günstiges Modell zu kaufen, da Kleinkinder schnell wachsen und sich ein teurer Anzug somit nicht lohnt, berichten andere gleich, dass sie keinen Unterschied zwischen Marken- und Nichtmarkenprodukten festgestellt hätten.

Schneeanzüge für Kleinkinder im Test: 15 im Vergleich

Wenn es dann an die Themen Wärmeisolation und Wasserdichtheit geht, sind die Meinungen gespalten: "Ich ziehe mein Kind nach dem Zwiebelprinzip an. Dann ist es nicht so schlimm, wenn etwas Feuchtigkeit durchdringt", schreibt eine Mutter in einem Internetforum für Kleinkinder. "Kauft Imprägnierspray und sprüht den Schneeanzug vorher ein", empfiehlt eine andere.

Letzteres ist ganz sicher die schlechtere Lösung. Denn Imprägniersprays enthalten in der Regel Treibgase und weitere bedenkliche Inhaltsstoffe, etwa fluorhaltige Chemikalien. Selbst Siegfried Lange, Vizepräsident des Textilreinigungs-Verbands NRW, warnt: "Schneeanzüge für Kinder präventiv zu imprägnieren, sehe ich äußerst kritisch. Besonders dann, wenn das in der Wohnung oder im Keller bei geschlossenen Fenstern gemacht wird." Bereits abgetragene Kinderschneeanzüge nachzuimprägnieren, empfiehlt Lange ebenso wenig.

ÖKO-TEST wollte wissen, was alles in Schneeanzügen steckt und hat 15 Modelle für Kinder zwischen zwei und drei Jahren in die Labore geschickt. Weil die Schneeanzüge beim Waschen ihre Farbe behalten sollen und nicht auf andere Textilien abfärben dürfen, haben wir sie zudem einem aufwendigen Materialtest unterzogen.

Schadstoffe in Schneeanzügen für Kleinkinder 

Das Testergebnis: Sechs Produkte sind "befriedigend", fünf "ausreichend", drei "mangelhaft" und eins ist "ungenügend" - und das, obwohl alle Modelle den Materialtest überwiegend sehr gut bewältigt haben. Doch im Schadstofftest erwiesen sich die Overalls als Schmuddelkinder.

  • In drei Modellen wurden Formaldehydmengen gefunden, die ÖKO-TEST so nicht akzeptiert und deshalb streng abwertet. Formaldehyd wird zur Ausrüstung der Schneeanzüge eingesetzt, es ist ein stechend riechendes Gas, das schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann.
  • Optische Aufheller in den Etiketten waren bei 14 Produkten ein Abwertungsgrund. Ärgerlich: Ohne optische Aufheller mit möglichem Hautkontakt hätten 13 Modelle eine Note besser abgeschnitten. Zudem strahlen die Füllungen vieler Anzüge mithilfe von Weißmachern. Weil hier ein direkter Hautkontakt unwahrscheinlich ist, wirkt sich der Mangel aber nicht auf das Testergebnis Inhaltsstoffe aus.
  • Das toxische Halbmetall Antimon, das zur Produktion von Polyesterfasern oder als Flammhemmer eingesetzt wird, löste sich im Test mit einer Schweißlösung aus zwölf Produkten - bei elf davon aus der Wattierung. Nur ein Schneeanzug im Test war völlig frei davon. Allerdings ist dieses Modell auch nicht wattiert, sondern mit einem dickeren Fleecefutter ausgestattet.
  • Ein nach unseren Maßstäben zu hoher Wert an halogenorganischen Verbindungen (AOX) vermasselte acht Schneeanzügen eine bessere Bewertung. Viele AOX gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Immerhin sieben Modelle sind frei von halogenorganischen Substanzen.

Schneeanzüge im Textilcheck 

Die Overalls mussten sich in einer umfangreichen Materialprüfung beweisen: Getestet wurde, ob sie nach dem Waschen gemäß Pflegeetikett auf andere Materialien wie Baumwolle oder Polyamid abfärben. Außerdem wurde ihre Reibechtheit im nassen und trockenen Zustand geprüft, und natürlich dürfen sie auch nicht ihre Farbe verlieren, wenn Kleinkinder mal am Kragen- oder Ärmelstoff zuzeln (Speichel-/Schweißtest).

Diese Textilchecks haben fast alle Produkte sehr gut gemeistert. Einmal löste sich im Speichel-/Schweißtest Farbe aus dem Futterstoff.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 11/2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Der Bedarf an Schneeanzügen für Kleinkinder orientiert sich am Einsatzzweck. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansprüche an die Overalls. Wir haben deswegen nach unterschiedlichen Modellen Ausschau gehalten: Dicker gefüttert, flauschiges Innenfutter oder beschichtetes Obermaterial - insgesamt 15 Produkte in den Größen 80 bis 98 umfasst unsere Testpalette. Die Preisspanne reichte dabei von 42,50 bis 160 Euro.

Die Schadstoffprüfung: Im Kampf gegen Feuchtigkeit werden häufig die Nähte verschweißt. Darin - aber auch an anderen Stellen - können PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen stecken. Weil die meisten Modelle aus Polyester gefertigt sind, haben wir sie auf Antimon getestet. Außerdem wurden die Schneeanzüge unter anderem auf bedenkliche Weichmacher und Ersatzweichmacher, halogenorganische Verbindungen und auch auf optische Aufheller untersucht.

Der Materialtest: Ein Kleidungsstück soll beim Waschen nicht abfärben oder ausbleichen. Außerdem sollte es die Farbe behalten, wenn ein Kind mal den Ärmel- oder Kragenstoff in den Mund nimmt. Dafür haben wir die Modelle mehreren Farbechtheitsprüfungen unterzogen.

Weitere Mängel: Optische Aufheller stecken nicht nur in Materialien mit Hautkontakt, sondern auch in der Wattierung, mit der ein Hautkontakt eher unwahrscheinlich ist. Außerdem haben wir die Angabe der Stoffe laut EU-Verordnung Nr. 1007/2011 überprüft.

Die Bewertung: Schadstoff- und Materialtest machen jeweils 50 Prozent der Gesamtnote aus. Wir werten ab, wenn ein Produkt in den Echtheitsprüfungen die Mindestansprüche nicht erfüllt. Da aber Schadstoffe absolut nichts in Kleinkindnähe zu suchen haben, kann das Gesamtergebnis nicht besser als das Testergebnis Inhaltsstoffe sein.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) 16 mg/kg oder mehr Formaldehyd; b) mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer PAK-Einzelverbindung (hier: Phenanthren; PAK = polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) optische Aufheller in Materialien mit Hautkontakt; c) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; d) Antimon.

Bewertung Testergebnis Materialprüfungen: Unter dem Testergebnis Materialprüfungen führt zur Abwertung um eine Note: eine Speichel-/Schweißechtheit schlechter als Note 5 auf der Skala von Note 5 = beste Note bis Note 1 = schlechteste Note.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: a) optische Aufheller in Materialien ohne Hautkontakt, falls nicht schon optische Aufheller bei den Inhaltsstoffen abgewertet wurden; b) fehlende Deklaration der Materialien laut EU-Verordnung Nr. 1007/2011.

Das Gesamturteil beruht zu 50 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 50  Prozent auf dem Testergebnis Materialprüfungen. Das Gesamturteil kann aber nicht besser als das Testergebnis Inhaltsstoffe sein.

Testmethoden  

Inhaltsstoffe: Untersucht wurden repräsentative Mischproben, sofern nicht anders angegeben. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MSD, 25 PAK nach EU/EPA/JECFA (untersucht in ausgewählten Produkten, hier: Schlaufe aus Weichkunststoff). Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Aromatische Amine/Azo-Farbstoffe: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung, Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2, Prüfung mit ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (Januar 2013); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-15, DIN EN 14362-3 (September 2012); Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg; GC/MS, Dünnschichtchromatografie; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10, Norm DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie, TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detector). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt: Röntgenfluoreszenzanalyse. Nonylphenolethoxylate: LC-MS/MS nach Extraktion. Weichmacher, Ersatzweichmacher sowie phosphororganische und phenolische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Antimon in Materialien mit Polyesteranteil: Elution von Schwermetallen mittels saurer Schweißlösung. Elementbestimmung mittels ICP-MS. Formaldehyd: qualitativer Nachweis mit Carbazol/Schwefelsäure; quantitativer Nachweis gemäß DIN EN ISO 14184-1:2011-12, § 64 LFGB B 82.02-1:1985-06. Nickellöslichkeit (in Metallteilen mit Hautkontakt): Elution der Proben mittels sauer Schweißlösung. Elutionsdauer eine Woche. Elementbestimmung mittels ICP-MS.
Materialeigenschaften: Reibechtheit: DIN EN ISO 105-X12:2002-12; Waschechtheit: DIN EN ISO 105-C06:2010-08; Begleitgewebe: Wo = Wolle, PAC = Polyacryl, PES = Polyester, PA6.6 = Polyamid, CO = Baumwolle, CA = Acetat. Speichel-/Schweißechtheit: DIN 53160-1,2:2010-10. Die Bewertung der Echtheitsprüfungen erfolgt unter den in der Norm festgelegten Bedingungen mittels Graumaßstab; Skala: Note 5 = beste Note; Note 1 = schlechteste Note.

Einkauf der Testprodukte: August 2015

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 11/2015 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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