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Kinderhausschuhe im Test: Mehr als die Hälfte fällt durch

Jahrbuch Kleinkinder 2017 | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Kinder und Familie | 19.01.2017

Kinderhausschuhe im Test
Foto: Flaffy/Shutterstock

Spätestens im Kindergarten braucht das Kind Hausschuhe. Warum eigentlich? Barfuß oder in Strümpfen laufen ist doch viel gesünder. Kleine Pantoffelhelden bekommen auch häufig zu viele Schadstoffe ab, wie unser Test zeigt.

Aktualisiert am 19.01.2017 | Gesünder für die Füße wäre es eigentlich, wenn Kinder auch im Kindergarten barfuß oder in Stoppersocken laufen würden. In der Realität gibt es aber doch oft eine Hausschuhpflicht, oder der Fußboden kommt den Erwachsenen zu kalt vor.

In jedem Fall sollten Hausschuhe richtig passen und zudem möglichst unbelastet mit Schadstoffen sein. ÖKO-TEST hat 13 Paar Kinderhausschuhe eingekauft, um sie auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Dabei standen nicht nur die Inhaltsstoffe im Fokus, sondern auch ihre praktischen Eigenschaften, darunter die Größenkennzeichnung.

Kinderhausschuhe im Test: Die Mehrheit enttäuscht 

Das Testergebnis: Den überwiegenden Teil der getesteten Hausschuhe können wir nicht empfehlen. Mehr als die Hälfte schneidet mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. Immerhin gibt es auch einen "sehr guten" und einen "guten" Pantoffel.

Was ist aufgefallen?

  • Im Gummi der Sohle eines Paars Hausschuhe im Test fand das von uns beauftragte Labor einen erhöhten Wert an Nitrosaminen. Die Substanz kann unter anderem über die Haut aufgenommen werden und Krebs erzeugen. In einem anderen Paar wies das Labor das Nervengift Permethrin nach. Das Insektizid wird unter anderem dafür eingesetzt, um Wolle vor Motten zu schützen.
  • In fünf Schuhen stieß das von uns beauftragte Labor auf höhere Werte an Ersatzweichmachern. In einem Paar Hausschuhe war der Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) stark erhöht, wofür wir um vier Noten abwerten. Drei weitere Modelle wiesen erhöhte PAK-Werte auf.
  • In mehr als der Hälfte der Schuhe steckten optische Aufheller. Meist sind das Nähgarn oder die Etiketten betroffen. Die Weißmacher können mit dem Schweiß auf die Haut gelangen und allergische Reaktionen hervorrufen. Ist Hautkontakt möglich, wertet ÖKO-TEST beim Testergebnis Inhaltsstoffe ab, wenn nicht, verbuchen wir das unter Weitere Mängel.

Einige Hausschuhe zu groß ausgezeichnet 

Alle 13 von uns getesteten Paare haben wir in Größe 30 eingekauft. Knapp die Hälfte davon ist jedoch nach Messungen des von uns beauftragten Labors damit eine Nummer zu groß ausgezeichnet. Die Innenlängen der sieben betreffenden Hausschuhe betragen zwischen 192 und 194 Millimeter, was einer tatsächlichen Schuhgröße von 29 entspricht.

Fast alle Schuhe haben sich im übrigen Praxistest bewährt. Schlechter als "sehr gut" bis "gut" haben nur zwei Kinderhausschuhe abgeschnitten. Bei einem Modell löste sich die Sohle an der Spitze in der Zugprüfmaschine schon nach einer relativ geringen Krafteinwirkung vom Schuh. Bei dem anderen färbte das Einfassband im Nässetest stark ab.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 4/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

Der Einkauf: Hausschuhe für Kinder gibt es in vielen verschiedenen Formen. Ob der klassische Kindergartenpantoffel zum schnellen Reinschlüpfen mit Klettverschluss über dem Spann oder die an der Ferse offene Pantolette - wir haben die unterschiedlichsten Varianten zu Preisen von 8,99 bis hin zu 49,95 Euro für ein Paar eingekauft. Im Fokus standen dabei Modelle, welche die Kleinen möglichst das ganze Jahr über tragen können. Auch bei den Materialien wählten wir einen bunten Mix aus: Obermaterialien aus Baumwolle, Schurwolle, Filz, Vlies, Synthetik oder Kunststoff, Sohlen aus Latex, Gummi oder Plastik.

Die Gebrauchseignung: Hausschuhe müssen so einiges aushalten. Wichtig ist daher, dass die Laufsohle hält und nicht gleich abreißt, wenn die Kinder damit irgendwo hängen bleiben oder ihnen ein Spielkamerad drauftritt. Ebenso, ob die Materialien nicht abfärben, wenn etwa die Füße schwitzen. Auch die Größenkennzeichnung sollte stimmen, um zu verhindern, dass Kinder in viel zu engen Schuhen herumlaufen. All dies haben wir im Labor überprüfen lassen.

Die Inhaltsstoffe: Schuhe sind immer wieder mit einer Fülle von Schadstoffen belastet. Die Bestandteile werden zusammengeleimt, -genäht und -geklebt, sind konserviert, vulkanisiert, gegerbt oder anderweitig behandelt. Wir ließen problematische Inhaltsstoffe analysieren, darunter Formaldehyd, Schwermetalle, Phthalate und andere Weichmacher. Es wurde auf gesundheitsschädliche Farbbestandteile untersucht, Kunststoffe und Leder auf krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Latex und Gummisohlen auf Nitrosamine und nitrosierbare Amine, Schnallen und andere Metallteile auf allergieauslösendes Nickel.

Die Bewertung: Das Testergebnis Gebrauchseignung fließt zu 40 Prozent in das Gesamturteil ein. Lässt die Gebrauchseignung zu wünschen übrig oder können Eltern sich nicht auf die von den Herstellern gemachten Größenangaben verlassen, ist das ärgerlich. Wichtig ist uns aber auch eine möglichst geringe Schadstoffbelastung. So bewerten wir aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes oft sehr streng und das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein Gehalt an polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK) von mehr als 1.000 μg/kg, der sich aus der Summe von PAK-Einzelverbindungen > 100 μg/kg addiert; b) mehr als 50 μg/kg Nitrosamine. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 1 mg/kg Permethrin; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, soweit sie sich nicht auf mehr als 1.000 μg/kg addieren. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; b) mehr als 1.000 mg/kg des Ersatzweichmachers DEHT und/oder Dipropylenglykoldibenzoat und/oder Dibutyladipat; c) mehr als 100 mg/kg Chrom; d) mehr als 100 mg/kg Nonylphenol; e) optische Aufheller in Produktteilen mit Hautkontakt; f) halogenorganische Verbindungen.

Bewertung Testergebnis Gebrauchseignung: Unter dem Testergebnis Gebrauchseignung führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) eine schwache Sohlenhaftung am Schuh von weniger als 100 Newton (N) an der Spitze; b) starkes Abfärben = ein oder mehrere Materialien in einer oder mehreren Untersuchungen (trocken, nass, pH 8) schlechter als Stufe 2 der Grauskala. Zur Abwertung um eine Note führt: Gemessene Schuhgröße weicht um eine Nummer von der vom Anbieter angegebenen ab.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: optische Aufheller in Produktteilen ohne Hautkontakt.

In das Gesamturteil geht das Testergebnis Gebrauchseignung zu 40 Prozent und das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 60 Prozent ein. Es kann aber nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. 

Testmethoden 

Inhaltsstoffe:
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (im Produkt), Elemente: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Nickellöslichkeit: Elution der Proben mittels saurer Schweißlösung. Elutionsdauer eine Woche. Angabe der Ergebnisse in µg Nickelabgabe pro cm²/Woche. Elementbestimmung mittels ICP-MS.
Chrom VI: Elution gemäß EN-ISO 17075 "Bestimmung des Chrom-VI-Gehaltes in Leder". Fotometrische Bestimmung des Chrom-VI-Gehalts.
Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert. Binden der organischen Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC/MSD (25 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nach EU/EPA/JECFA).
Formaldehyd (Leder): Bestimmung des Formaldehydgehalts in Leder durch Hochleistungsflüssigkeitschromatografie, DIN EN ISO 17226-1:2008-08.
Konservierungsmittel (TCMBT, p-Chlor-m-Kresol, o-Phenylphenol, n-Octylisothiazolinon): Bestimmung von Konservierungsmittel, DIN EN ISO 13365:2011-04.
Triclosan: Bestimmung der bioziden Ausrüstung von Materialien mittels GC-MS nach Extraktion mit organischen Lösungsmitteln.
o-Phenylphenol: Bestimmung von o-Phenylphenol in Leder, DIN EN ISO 13365:2011-04.
Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED.
Aromatische Amine/Azo-Farbstoffe: Methode: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2. Prüfung mit und ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (April 2012); Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-3 Prüfung nach DIN ISO/TS 17234 für Leder. Bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-15 DIN EN 14362-3 (September 2012); GC/MS, Dünnschichtchromatografie, Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine.
Nitrosamine/nitrosierbare Amine: DIN EN 12868, Abweichung: Migrationsbedingungen: Schweißsimulanz/40 °C/24 h.
Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005). Dünnschichtchromatografie, HPLC mit DAD (UV/Vis-Detektor).
Optische Aufheller (qualitativer Nachweis): UV-Licht.
Phthalate, sonstige Weichmacher, phenolische Verbindungen, Insektizide: GC/MS nach Extraktion.
Praktische Eigenschaften:
Größenkennzeichnung: Innenlängenmessung und Weitenmessung mit dem Messschieber, Vergleich mit der gekennzeichneten Größe.
Sohlenhaftung: Der Schuh wird auf einen Leisten gespannt, der auf die Zugprüfmaschine aufgesetzt wird und auf Rollen beweglich ist. So kann sichergestellt werden, dass der Abreißwinkel während des gesamten Abreißvorgangs 90 Grad beträgt. An der Sohlenspitze wird eine Abreißklemme befestigt. Es wird die Kraft festgestellt, bei der sich die Sohlenspitze vom Schuh löst. Anschließend wird die Sohle vom Schuh abgerissen und in regelmäßigen Abständen die Haftung im Spitzen, Ballen und Gelenkbereich gemessen.
Reibechtheit: Leder wurde nach DIN EN ISO 11640 bzw. DIN EN 17700 geprüft. Textile und synthetische Materialien wurden in Anlehnung an DIN EN ISO 105-X12 geprüft (Abweichung: kleinere Prüfmuster); Prüfung mit dem in DIN EN ISO 11640 beschriebenen Gerät und Verfahren; Tourenzahlen: 100-mal trocken, 50-mal nass, 20-mal mit künstlicher Schweißlösung pH 8; Teile, von denen nicht genug Material verarbeitet ist, wurden nicht auf Abfärben geprüft. Bewertung mittels Graumaßstab, Note 5 stellt die beste Bewertung dar.

Einkauf der Testprodukte: Dezember 2015

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 4/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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