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17 Stillkissen und -bezüge im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2017
vom 19.01.2017

Stillkissen und -bezüge

Gut gepolstert

Stabil und doch biegsam sollen Stillkissen sein. Und schadstofffrei. Unser Test zeigt: Vor- und Nachteile bringen beide - Kunst- wie Naturstoffe.

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19.01.2017 | Mikroperlen aus Polystyrol, Schaumstoff aus Polyurethan, Elastodien aus Latexflocken, Polyesterwatte, Schurwolle und Dinkelspelz: ÖKO-TEST hat 14 Stillkissen mit den genannten Füllungen eingekauft und in die Labore geschickt. Elf Kissen erhielten wir inklusive Bezug, drei ohne. Für Letztere erwarben wir jeweils passende Bezüge, die wir ebenfalls prüfen ließen.

Das Testergebnis

8 von 14 Stillkissen mit und ohne Bezug bekommen von uns ein "sehr gut" oder "gut", ebenso alle drei einzeln getesteten Stillkissenbezüge.

Zwar fanden die von uns beauftragten Labore in einigen der Kunststofffüllungen Schadstoffe, jedoch nicht so häufig und hoch dosiert wie in unseren früheren Tests. Dennoch: In der Füllung aus Polystyrol (EPS) des Alvi Still- und Ruhekissens Classic Star Rose wies das Labor Styrol nach, einen Baustein von Polystyrol. Der aromatische Kohlenwasserstoff kann aus dem Füllmaterial ausgasen und ist gesundheitsschädlich beim Einatmen. Im Polyester des Innenbezugs des Anita Still- und Liegekissens, powder blue fand das Labor Antimon.

Im Bezug des Lotties Stillkissen mit Dinkelspelzfüllung, marine, der aus Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt ist, wies das Labor Formaldehyd nach. Formaldeyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute, kann Allergien auslösen und gilt als krebserregend. Noch immer veredeln Hersteller zum Knitterschutz ihre Textilien mit Formaldehyd. Besonders ärgerlich ist es, wenn die Substanz in Naturtextilien nachgewiesen wird.

Alle vier mit Dinkelspelz gefüllten Kissen in unserem Test weisen ein erhöhtes Bakterien- und Pilzaufkommen auf. Ein starker Befall mit Pilzmyzel, Sporen und Hefen stellt ein erhöhtes Risiko für Allergiker und für Personen dar, die eine Anlage zur Ausprägung von Allergien besitzen. In der Claribello Dinkel Banane, Bezug: Eule, beige und im Minibär Stillkissen, natur analysierte das von uns beauftragte Labor zudem eine erhöhte Belastung mit lebensfähigen Toxin- und Sporenbildnern. Diese können vor allem zu einem Problem werden, wenn die Kissen feucht und anschließend nicht ordentlich gelüftet werden. Toxine sind giftige Substanzen; eine starke Sporenbildung birgt ein hohes Allergiepotenzial. Im Claribello wies das Labor eine Konzentration an anzüchtbaren Schimmelpilzen nach, die deutlich höher liegt als diejenige, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als die üblichen Hintergrundwerte angibt.

Auch eine andere Naturfüllung erwies sich als belastet: Im Innern des Avalon Still- und Lagerungskissens Wolle mit Lavendel wies das von uns beauftragte Labor Spuren von Permethrin nach. Das Insektizid kann aus den Lavendelblüten, aber auch aus der Schurwolle stammen, denn es wird auch dafür eingesetzt, Wolle vor Motten zu schützen. Die Dosis war zwar relativ gering. Doch Rückstände eines chemisch-synthetischen Nervengifts haben in einem mit Naturtextillabeln zertifizierten Kissen, dessen Füllmaterialien laut Anbieter aus kontrolliert biologischem Anbau und biolog

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben insgesamt 17 Produkte in Kaufhäusern, bei Babyausstattern und Onlinehändlern eingekauft: elf Stillkissen mit Bezügen, drei ohne und drei einzelne Bezüge. Am häufigsten auf dem Markt sind Stillkissen mit Mikroperlen aus Polystyrol oder EPS (Expandiertes Polystyrol), Schaumstoff und Polyesterwatte. Wir haben acht Stillkissen mit solchen Kunststofffüllungen ausgewählt. In vier Produkten stecken Getreidespelzen und in jeweils einem Schurwolle und Latexflocken.

Die Inhaltsstoffe
Aus Polystyrolfüllungen kann Styrol ausgasen, das beim Einatmen gesundheitsschädlich sein kann. Selbstverständlich stand diese Substanz bei solchen Füllungen im Fokus der Laboranalysen. Zudem wollten wir wissen, ob in Kunststofffüllungen schädliche zinnorganische Verbindungen stecken und sich aus Polyester giftiges Antimon löst. Die Naturfüllungen haben wir auf Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft überprüft, diejenigen mit Getreidespelzen zusätzlich auf Sporen und Schimmelpilze, die bei Allergikern und Menschen mit Neigung zu Allergien Symptome auslösen oder eine Sensibilisierung bewirken können. Das einzige mit Latexflocken gefüllte Kissen im Test wurde in einer aufwendigen Prüfkammeruntersuchung auf ausgasende, krebserregende Nitrosamine getestet. Alle Bezüge - überwiegend gefärbte Baumwolle - haben wir auf problematische Farbbestandteile testen lassen sowie auf umstrittene halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter, die zur Textilveredelung eingesetzt werden. Zudem wollten wir wissen, ob sich bedenkliche Schwermetalle wie das Allergen Nickel aus den bunten Aufdrucken, Applikationen und Stoffen lösen können.

Bewertung
Stillkissen und -bezüge kommen direkt mit Babys Haut in Berührung. Ausdünstungen aus Kunststofffüllungen sowie Sporen und Schimmelpilze aus Naturfüllungen können zudem über die Atemwege in die Lunge geraten. Die Produkte können im Gesamturteil nur "sehr gut" sein, wenn sie keine problematischen oder umstrittenen Inhaltsstoffe enthalten.

So haben wir getestet

Mit dem bloßen Auge ist der Befall der Spelzen mit Sporen nicht zu erkennen.

Online abrufbar

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Bestellnr.: J1701
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