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6 Beikostöle im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2018
vom 18.01.2018

Babynahrung, Beikostöl

Schlechte Kost

Spätestens mit Beginn des siebten Monats ist es Zeit, Kinder schrittweise an Brei zu gewöhnen. Experten empfehlen häufig, die Breie mit einem Esslöffel Rapsöl anzureichern. Wir haben sechs spezielle Beikostöle für Babys ab dem fünften Monat getestet - mit einem katastrophalen Ergebnis.

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18.01.2018 | Wir haben insgesamt sechs Beikostöle von klassische Babynahrungsherstellern oder großen Bio-Anbietern eingekauft. Alle Produkte stammen aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft und bestehen überwiegend aus Rapsöl; einige sind kaltgepresst, wieder andere raffiniert.

Das Testergebnis

Alle Öle sind so stark mit Schadstoffen belastet, dass wir sie nur mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewerten konnten. Die untersuchte Charge des Babylove Bio Rapsöl zur Beikostzubereitung von Dm hätte noch nicht einmal verkauft werden dürfen.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind Substanzen, die bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material in der Industrie, im Straßenverkehr und im Haushalt entstehen. Weil sie sich gut in Fett lösen, reichern sie sich bevorzugt in Speiseölen an. PAK sind gefährlich: Sie können das Erbgut schädigen und gelten als krebserregend. Daher wurde für Beikostprodukte ein sehr niedriger Grenzwert festgelegt, um Säuglinge und Kleinkinder bestmöglich zu schützen. Das Beikostöl von Dm überschreitet diesen Grenzwert so deutlich, das die von uns untersuchte Charge nicht verkehrsfähig ist.

Auch eine andere Gruppe von Kohlenwasserstoffen reichert sich bevorzugt in Speiseölen an: die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH und POSH. Hinter der Abkürzung MOSH verbergen sich gesättigte Mineralölkomponenten, die durch Altpapierverpackungen oder Schmieröle eingetragen werden können; unter POSH verstehen die Chemiker gesättigte Polyolefine, die aus Kunststoffen übergehen können. Alle Produkte sind mit MOSH und POSH belastet. Im Hipp-Beikostöl hat das Labor zusätzlich MOAH gefunden, das sind sogenannte aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, unter denen sich auch erbgutschädigende Verbindungen befinden können. Von den MOSH weiß man, dass sie sich im menschlichen Körper anreichern und im Tierversuch zu Organschäden geführt haben. POSH sind toxikologisch noch nicht bewertet. Weil das Labor MOSH und POSH analytisch nicht unterscheiden kann, haben sie möglicherweise ähnliche Wirkungen. Im Einzelfall wurden auch PAO (Polyalphaolefine) nachgewiesen.

Das Alnatura-Öl enthält eine erhöhte Menge an Diethylhexylphthalat (DEHP), und im Holle-Produkt stecken Dibutylphthalate (DBP) in erhöhter Menge - beides Weichmacher, die wegen ihrer schädlichen Wirkungen auf das Hormonsystem als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Wie viel maximal in Lebensmitteln sein darf, ist gesetzlich nicht geregelt. Allerdings hat der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) 2016 Richtwerte für eben diese Phthalate in Bio-Speiseölen eingeführt. Das Alnatura-Öl überschreitet diesen Wert deutlich, ist nach den BNN-Vorgaben aber trotzdem noch in Ordnung, da die Hersteller bis Ende 2017 eine erweiterte Messunsicherheit abziehen dürfen. Oder handelt es sich bei dem Öl um Drittlandsware, für die eine Übergangsfrist von zwei Jahren gilt? Das lässt sich an der Deklaration nicht erkennen. Das Holle-Öl hält die BNN-Richtwerte ein. Wir werten es trotz

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Drogerien und Bio-Supermärkten kauften wir insgesamt sechs Beikostöle. Alle Produkte stammen aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft. Anbieter sind entweder klassische Babynahrungshersteller oder große Bio-Anbieter. Alle Öle bestehen überwiegend aus Rapsöl, einige sind kaltgepresst, wieder andere raffiniert. Damit deckt der Test das Spektrum der angebotenen Beikostöle gut ab. Die Produkte kosten zwischen 2,45 Euro und 4,79 Euro pro 250 Milliliter.

Die Inhaltsstoffe
Säuglinge und Kleinkinder sind besonders empfindlich. Umso wichtiger ist, dass Produkte, die für die besondere Ernährung der Kleinsten gedacht sind, möglichst frei von schädlichen Stoffen sind. Wir haben die Öle in den Laboren umfassend untersuchen lassen. Dabei haben wir uns auf die Stoffe konzentriert, die unserer Erfahrung nach in Ölen häufiger zu Problemen führen. Das sind zunächst die Fettschadstoffe 3-MCPD und Glycidol, die entstehen können, wenn Öle während der Raffination hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Weitere Analysen betreffen Schadstoffe, die sich im Laufe der Produktion oder bereits in den Ölsaaten anreichern können, etwa Mineralölkohlenwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Weichmacher. Hinzu kommen Analysen auf mögliche Rückstände von Pestiziden. Die Labore fahndeten weiterhin nach ersten Anzeichen eines beginnenden Fettverderbs und prüften die Gehalte der natürlicherweise in Rapsöl vorkommenden Erucasäure, von der gerade kleine Kinder nicht zu viel aufnehmen sollten.

Die Bewertung
Beikostöle, die einen geltenden Grenzwert überschreiten, können nur mit "ungenügend" abschneiden. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg hat auf Anfrage bestätigt, dass für Beikostöle der strengere Grenzwert von 1 µg/kg PAK heranzuziehen ist und nicht der Grenzwert für allgemeine Öle und Fette. Besonders kritische sehen wir auch die Belastung mit Mineralölbestandteilen und Weichmachern. Einige dieser Stoffe stehen unter Krebsverdacht, andere können sich im Körper anreichern oder das Hormonsystem schädigen. Es ist ein Armutszeugnis, dass ausgerechnet Anbieter von Babynahrung so schlampig arbeiten, anstatt ein Höchstmaß an Qualität sicherzustellen.

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