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13 Muttermilchersatzprodukte im Test

Etwas verpulvert

Jahrbuch Kleinkinder 2016 | Kategorie: Kinder und Familie | 14.01.2016

13 Muttermilchersatzprodukte im Test

Einige untersuchte Muttermilchersatzprodukte enthalten weniger Fettschadstoffe als in vorhergehenden Tests. Dennoch ist nicht alles im grünen Bereich: In allen Anfangsnahrungen wurden Gehalte an Chlorat gefunden. Zwei Produkte schneiden mit "sehr gut" und "gut" ab.

Muttermilch ist zweifellos das Beste, was Babys in den ersten Lebensmonaten bekommen können. Wenn Mütter aber nicht (mehr) stillen, ist industriell hergestellte Säuglingsnahrung die erste Wahl. Wir wollten wissen, welche Muttermilchersatznahrungen empfehlenswert sind, und haben 13 Produkte auf zahlreiche Parameter untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Nur ein Produkt schneidet mit "sehr gut" ab, weitere neun Nahrungen erreichen noch ein "befriedigend", während zwei Nahrungen gänzlich durchfallen. Die Gründe: Fettschadstoffe, Chloratrückstände, die Belastung mit Keimen und Deklarationsmängel.

In der Aptamil Profutura Anfangsmilch 1 von Milupa wurde ein so hoher Chloratgehalt gefunden, dass die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) überschritten wird. Wir sind dabei von einer Tagestrinkportion für ein zwei Wochen altes Baby ausgegangen. Der TDI wurde erst im Juni 2015 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt. Eine chronische Belastung hemmt die Aufnahme von Jod. Übrigens enthalten auch alle anderen Produkte im Test Chlorat in Spurengehalten. Die Hersteller sind also gefordert, die Werte zu senken. Bei den anderen getesteten Anfangsmilchen von Milupa ist es dem Hersteller immerhin gelungen, die Belastung so weit zu reduzieren, dass der TDI nicht mehr überschritten wird.

In der Babydream-Nahrung ist die Belastung mit der Kontaminante Perchlorat so hoch, dass eine Tagesportion den von der EFSA aktuell festgelegten TDI übersteigt.

Die Zusammensetzung der eingesetzten Fette und Öle hat sich im Durchschnitt verbessert. So sind in den Nahrungen von Nestlé sowie in der Aptamil Profutura von Milupa und der Hipp Bio Combiotik Bio-Anfangsmilch 1 nur noch Spuren der bedenklichen Fettsäureester zu finden. In den übrigen zehn Produkten ist die Belastung aber immer noch zu hoch.

In der Holle-Nahrung stecken Sporen sulfitreduzierender Clostridien. Eine Gesundheitsgefahr lässt sich daraus nicht ableiten, sagt Dr. Annemarie Sabrowski vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg. Der Nachweis sei aber ein Indikator für eine mangelhafte Hygiene im Betrieb - und in jedem Fall Anlass für den Hersteller, den Produktionsprozess zu überprüfen.

Werbung, die den Anschein erweckt, industriell hergestellte Säuglingsnahrung sei ebenso gut oder sogar besser als Muttermilch, kann Mütter vom Stillen abhalten und ist daher gesetzlich untersagt. In der Praxis stoßen vor allem Begriffe wie "nach dem Vorbild der Muttermilch" oder "nach dem Vorbild der Natur" sauer auf, so eine Auflistung von Beispielen des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer Sachverständiger. Der auf der Hipp-Bio-Combiotik-Nahrung prominent platzierte Slogan "nach dem Vorbild der Natur" ist daher nicht akzeptabel, auch wenn Hipp den Spruch inzwischen mit dem Pflichthinweis auf die Überlegenheit des Stillens kombiniert.


Babynahrung, Muttermilchersatz, Anfangsnahrung 1 und Pre: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Babylove Bio Pre Anfangsmilch
  • Dm

Hipp Bio Combiotik Bio-Anfangsmilch 1
  • Hipp

Nestlé Beba Pro 1
  • Nestlé

Babydream Bio Anfangsmilch 1
  • Rossmann

Bebivita Anfangsmilch Pre
  • Bebivita

Milupa Milumil 1 Anfangsmilch
  • Milupa

Aptamil Profutura Anfangsmilch 1
  • Milupa

Holle Bio-Anfangsmilch 1, Demeter
  • Holle (Naturwarenladen)

Humana Anfangsmilch 1
  • Humana

Alnatura Anfangsmilch Pre, Bioland
  • Alnatura

Hipp Bio Anfangsmilch 1
  • Hipp

Töpfer Lactana Bio Anfangsmilch Pre
  • Töpfer

Aptamil Pronutra Anfangsmilch 1
  • Milupa

13 Muttermilchersatzprodukte im Test
Jahrbuch Kleinkinder 2016 Seite 18
Jahrbuch Kleinkinder 2016 Seite 19
Jahrbuch Kleinkinder 2016 Seite 20
Jahrbuch Kleinkinder 2016 Seite 21

4 Seiten
Seite 18 - 21 im Jahrbuch Kleinkinder 2016
vom 14.01.2016
Abrufpreis: 1,50 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

In den Körben unserer Testeinkäufer landete mindestens ein Produkt der wichtigsten in Drogeriemärkten, im Einzelhandel sowie im Internet erhältlichen hypoallergenen Säuglingsnahrungen. Ausgewählt wurden Produkte mit der Bezeichnung "Pre HA" und "HA 1". Pre-Milch ist eine Säuglingsanfangsnahrung, die in etwa genauso viel Eiweiß enthält wie Muttermilch und als einzige Kohlenhydratquelle Laktose. 1er-Milch wird im Vergleich dazu Stärke hinzugesetzt, wodurch jene grundsätzlich sättigender wirkt.

Die Inhaltsstoffe

Muttermilchersatz soll das Kind mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und dabei frei von problematischen Inhaltsstoffen sein. Deswegen haben wir die Pulver umfangreichen Labortests unterzogen. Im Fokus standen Fettschadstoffe, die über die eingesetzten Fettkomponenten in die Nahrung gelangen. Die Überprüfung auf chemische Schadstoffe wie Chlorat und Perchlorat oder unerwünschte Mineralölrückstände, die aus mit Druckfarben kontaminierten Recyclingverpackungen auf die Pulver übergehen können, rundeten die Labortests ab. Auch Keime standen auf dem umfangreichen Prüfprogramm.

Die Weiteren Mängel

Zusätzlich haben Experten für uns die Deklarationen unter die Lupe genommen und überprüft, ob sie mit den Vorgaben der Diätverordnung konform gehen oder mit Werbeaussagen gespickt sind, die die Ähnlichkeit mit Muttermilch zu sehr betonen.

Die Bewertung

Alle Produkte sind mit Fettschadstoffen belastet. Dafür kann es keine Bestnoten geben. Wie bereits in unseren Tests herkömmlicher Säuglingsanfangsnahrung (ÖKO-TEST-Magazin 2/2015) wurden auch in den HA-Nahrungen Rückstände von Chlorat und Perchlorat gefunden. In einem Pulver konnten wir sogar einen potenziellen Allergieauslöser nachweisen. Auch dafür hagelt es Abwertungen. Dass die Hersteller keine Studien vorlegten, die eine allergiepräventive Wirkung ihrer Produkte belegt, wurde hingegen nicht abgewertet. Zwar wären produktspezifische Studien wünschenswert. Allerdings zeigen verschiedene Arbeiten, dass sich verschiedene Hydrolysate hinsichtlich ihres allergiepräventiven Effekts kaum unterscheiden. So machen auch die von Experten im Auftrag des Netzwerks Junge Familie erarbeiteten Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung keinen Unterschied zwischen verschiedenen Produkten.

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Zugehörige Ausgabe:
Jahrbuch Kleinkinder 2016
Jahrbuch Kleinkinder 2016

Erschienen am 14.01.2016

Jahrbuch Kleinkinder 2016
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