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Puzzlematten & Puzzleteppiche im Test: Keine ist "sehr gut"

Jahrbuch Kleinkinder 2016 | Autor: ÖKO-TEST Redaktion | Kategorie: Kinder und Familie | 31.01.2016

Puzzlematten & Puzzleteppiche im Test: Keine ist "sehr gut"
Foto: Marcell Faber / Shutterstock

Puzzlematten lassen Kinder ihre Kreativität ausleben - und sollten frei von Mängeln sein. In den meisten Puzzlematten haben wir – anders als vor ein paar Jahren – keine problematischen Inhaltsstoffe mehr gefunden. Trotzdem sind nicht alle schadstofffrei. Dazu kommt: Als Fußbodenbelag sind alle Matten kaum geeignet, weil sie sich elektrostatisch aufladen.

  • In der Vergangenheit haben wir vor allem den Gefahrstoff Formamid kritisiert, der in vielen Spielauflagen steckte.
  • In aktuellen Test sind fünf Puzzlematten "gut"; Formamid und PAK sind allerdings in einigen Produkten immer noch ein Problem.
  • Außerdem können sich alle Matten elektrostatisch aufladen, was für schlechtere Luftqualität sorgt.

Immer wieder rufen Leser bei uns an, die sich über übelriechende Puzzlematten beschweren. Das verwundert: In Untersuchungen sind die beliebten Bodenauflagen bislang vor allem wegen des Schadstoffs Formamid aufgefallen – dieser ist allerdings geruchlos. Formamid ist als Gefahrstoff eingestuft, der das Erbgut und die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib schädigen kann. 

Viele Puzzlematten mit Gefahrstoff belastet

Formamid ist ein Lösungsmittel, das – im Gegensatz zu vielen anderen – nicht stechend riecht. Es kommt als Reduktionsmittel und Industrie-Chemikalie zum Einsatz. In Schaumstoffen wie Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA, häufig als "Moosgummi" bezeichnet), aus dem die meisten Puzzlematten bestehen, könnte es auch aus Treibmitteln gebildet werden.

Die Gefahr besteht, dass die Puzzlematten nach und nach Formamid freisetzen. Bei unserem letzten Puzzlematten-Test aus dem Jahr 2011 enthielten 13 von 15 Produkten Formamid – eigentlich unfassbar, schließlich steckte das Gift in Produkten, auf denen Kleinkinder stundenlang spielen sollen.

Hohe Formamid-Grenzwerte in Puzzleteppichen

Mit der EU-Spielzeugrichtlinie 2009/48 wurde 2013 ein allgemeines Verbot von CMR-Stoffen eingeführt, um die Sicherheit von Spielzeug zu erhöhen. CMR-Stoffe sind solche, die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch ("Carcinogenic, Mutagenic and toxic to Reproduction") eingestuft sind.

Viele CMR-Stoffe von besonderer Relevanz für Spielzeug sind durch eigene Normen abgedeckt – allerdings nicht alle. So heißt es in der EU-Richtlinie: "Es gibt auch CMR-Stoffe, die nicht durch diese Normen abgedeckt sind. Ein Beispiel für diese Stoffe ist Formamid, ein fortpflanzungsgefährdender CMR-Stoff der Kategorie 1 B, der bekanntermaßen in bestimmten Spielzeugmaterialien nachgewiesen wurde (teilweise in Konzentrationen, die ein Gesundheitsrisiko darstellen können)."

Für solche Stoffe gilt gemäß der Spielzeugsicherheitsrichtlinie ein allgemeiner Grenzwert von 5.000 mg/kg. Streng ist das nicht.

Puzzlematten für Kleinkinder im Test

Immerhin: Vereinzelte Hersteller haben Puzzlematten aus EVA ("Moosgummi") wegen der Formamid-Problematik seit 2011 aus dem Programm genommen und lassen ihre Produkte jetzt zum Beispiel aus dem Kunststoff Polyethylen (PE) fertigen.

Ob die heutigen Matten besser sind, und wie viel Formamid noch in Puzzlematten steckt, die es derzeit zu kaufen gibt, haben wir untersucht. Und deshalb erneut mehrere Puzzlematten und Puzzleteppiche in die Labore geschickt.

Puzzlematten im Test: Jetzt alle 8 Testergebnisse freischalten

Puzzlematten: Formamid & PAK weiter ein Problem

Bei der ersten Veröffentlichung dieses Tests im Sommer 2014 fielen mehrere Produkte mit gravierenden Mängeln durch. Sie sind inzwischen nicht mehr im Sortiment der Hersteller – vermissen wird sie niemand.

Von den acht verbliebenen Matten können wir fünf "gute" Spielunterlagen empfehlen. Ein Produkt enthält Formamid in einer Höhe, die wir um zwei Noten abwerten. Dass es auch anders geht, zeigen die EVA-Matten der Mitbewerber im Test, in denen der Gefahrstoff nicht nachweisbar war.

In einer anderen Puzzlematte hat ein Labor erhöhte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) gefunden. Wir kritisieren PAK immer wieder, da diese im schlimmsten Fall krebserregend sein können. Lesen Sie dazu auch: 30 PAK-haltige Kinderartikel im Test

Oksana Volina / Shutterstock
Oksana Volina / Shutterstock (Foto: Alle Puzzlematten im Test laden sich elektrostatisch auf und belasten dadurch auch das Raumklima.)

Puzzlematten sorgen für "dicke Luft"

Alle Puzzlematten ließen sich während der Prüfung auf mögliche elektrostatische Oberflächenspannung durch alltagstypische Kontakte, etwa Reibungen, deutlich elektrostatisch aufladen. Testmessungen belegten außerdem, dass alle Böden die provozierten Oberflächenspannungen mehrere Minuten beibehielten beziehungsweise nur sehr langsam reduzierten.

Das ist wiederum ungünstig fürs Raumklima: Die gemessenen Oberflächenspannungen sorgen dafür, dass Staub und Reizstoffe vermehrt durch die Luft wirbeln.

ÖKO-TEST rät: Wenn Produkte nach dem Auspacken komisch riechen, gehören sie nicht sofort ins Kinderzimmer, sondern erst einmal zum Auslüften an die frische Luft.

Weiterlesen auf oekotest.de:


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Testverfahren

Der Einkauf: Wir haben 8 Puzzlematten eingekauft. Da Puzzlematten aus Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA) in der Vergangenheit durch hohe Formamidbelastungen aufgefallen sind, haben wir in den Geschäften auch nach Produkten gesucht, die aus anderen Materialien, etwa Polyethylen hergestellt wurden. Auch achteten wir bei der Auswahl auf Produkthinweise wie "formamidfrei" oder "geprüftes EVA".

Die Inhaltsstoffe: Natürlich prüften die Labore alle Puzzlematten auf Formamid, den Stoff, der das Erbgut schädigen kann. Formamid kann sich als Nebenprodukt aus Treibmitteln bilden, die bei der Schaumstoffherstellung eingesetzt werden, Gase bilden und so den Kunststoff aufblähen. Weiterhin beauftragten wir die Untersuchungen, die Produkte aus weichem Kunststoff fordern. So überprüften die Labore unter anderem, ob hormonwirksame Weichmacher in den Matten stecken oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe als Verunreinigungen enthalten sind.

Die Praxisprüfung: Sicherheitsanforderungen: Puzzlematten müssen den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entsprechen, die der Gesetzgeber an Spielzeug für Kinder jünger als drei Jahre stellt. Denn wenn sich etwa verschluckbare Kleinteile schon mit wenig Kraft abreißen lassen, besteht akute Erstickungsgefahr, wenn ein Kind diese Teile verschluckt. Deshalb prüfte eine Labor die Reißfestigkeit aller Mattenteile nach der Spielzeugrichtlinie EN 71-1.

Oberflächenspannung: Kunststoffoberflächen wie Puzzlematten können sich elektrostatisch aufladen. Dazu genügt es, wenn das Kind beim Krabbeln mit Textilien und Handflächen über die Matte reibt. Zu hohe elektrostatische Oberflächenspannung wirkt sich negativ auf das Raumklima aus, da die Spannung Staub und Schadstoffe aufwirbelt. Baubiologen haben diese Oberflächenspannungen unter realistischen Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen.

Die Bewertung: ÖKO-TEST macht es wie Eltern es tun: Geht es um die Sicherheit der Kinder, gibt es keine Kompromisse. Deshalb werten wir streng ab – Schadstoffe genauso wie Sicherheitsmängel. So kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis der Tests Inhaltsstoffe und Praxisprüfung.

Bewertungslegende: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Gehalt von mehr als 100 bis 200 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen; b) ein Gehalt von mehr als 200 mg/kg Formamid. Zur Abwertung um eine Note führen: halogenorganische Verbindungen. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um eine Note: eine mögliche leicht erhöhte elektrostatische Oberflächenspannung der rauen/strukturierten Mattenseite von mehr als 1.000 bis 3.000 Volt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: unangemessener Warnhinweis "Für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet” oder vergleichbarer/es Wortlaut/ Piktogramm, wenn das Spielzeug aufgrund von Material und Gestaltung für Kinder unter drei Jahren geeignet ist. Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung (Klarsichtbeutel). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden: Probenzusammensetzung: repräsentative Mischprobe, sofern nicht anders aufgeführt. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Weichmacher, phosphororganische Verbindungen, sonstige Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (in Produkt und ggf. Verpackung), Schwermetalle: Röntgenfluoreszenzanalyse (Nachweis in Einzelteilen). Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MSD (getestet auf 25 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nach EU/EPA/JECFA). Formamid: GC/MS nach Extraktion. Mögliche elektrostatische Oberflächenspannung: Messung nach alltagstypischer Reibung bei 20 bis 22 °C und 40 bis 50 % relativer Luftfeuchte ohne leitenden Unterboden; circa 1.000 cm² Puzzlematte, Proben waren vorab mehrere Tage den Klimabedingungen ausgesetzt, Luftionisation im Messraum: 600 bis 800 Ionen pro Kubikzentimeter; Untergrund: ein schwimmend über Polystyrol verlegter Holzfußboden; Oberflächen wurden 5 bis 30 Sekunden vor der Messung mit alltagstypischen Reibungen provoziert (Schuhe mit verschiedenen Sohlen [Leder, Kunststoff], Handfläche, verschiedene Textilien); die Messungen der Oberflächenspannungen wurden mindestens fünf Mal wiederholt; verwendete Messgeräte: Elektrofeldmeter EFM 022, EFM 110 bzw. EFM 251, Teraohmmeter TOM 374 mit verschiedenen Messelektroden, Insulationtester Beha Typ Giga Ohm 93406, Feuchte- und Temperaturmessgerät Testo 615, Luftionenmessgerät Ionometer IM 5005. Sicherheitsprüfung von Spielzeug: nach DIN EN 71-1 - Mechanische und physikalische Eigenschaften.

Einkauf der Testprodukte: 2014

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kleinkinder 2014 und ÖKO-TEST Magazin 08/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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