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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom

Tapeten, Vlies

Raufaser bleibt unschlagbar

Die Raufaser hat Konkurrenz bekommen: Vliestapeten, die fast genauso günstig sind, aber leichter zu verarbeiten. Etliche Modelle in unserem Test sind mit PVC aufgeschäumt - das bringt eine hohe Schadstoffbelastung mit sich. Aber es geht auch ohne.

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11.10.2013 | Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKO-TEST sechs weiße Vliestapeten mit Struktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

Die meisten strukturierten Vliestapeten enthalten große Mengen von Phthalatweichmachern und weitere Schadstoffe, und schneiden dementsprechend schlecht ab. Nur eine Vliesfaser Tapete ist gänzlich frei von Weichmachern und zinnorganischen Verbindungen, und sticht deshalb heraus. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte auch hier nur ein Produkt mit dem Testurteil "gut" überzeugen.

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So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Bau- und Fachmärkten sechs verschiedene weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und fertiger Oberfläche eingekauft, teilweise können oder sollen sie aber noch überstrichen werden. Um auch Alternativen zu den meist mit PVC aufgeschäumten Produkten aufzeigen zu können, wählten wir auch drei glatte Vliese, die als Untergrund für Anstriche und andere Oberflächenbehandlungen geeignet sind und überwiegend von Profis verwendet werden.


Die Inhaltsstoffe

Man kann schon an den weichen, elastischen Oberflächen fühlen, welche Tapetenstrukturen mit umwelt- und gesundheitsbelastendem PVC aufgeschäumt sind. Das Vlies dient hier als Trägermaterial. Im Falle eines Brands in der Wohnung und in der Müllverbrennung bilden sich giftige Dioxine. Um den problematischen Kunststoff elastisch zu machen, werden Weichmacher eingesetzt, außerdem Stoffe, die für Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit sorgen. Leider handelt es sich dabei oft um problematische Verbindungen. In erster Linie sind hier Phthalate als Weichmacher zu nennen, die in Babyartikeln und Kinderspielzeugen bereits reglementiert sind. Auch die giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn, die als Stabilisatoren eingesetzt werden, können wahrscheinlich auch beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen ausgasen, welche die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.


Die Praxisprüfung

Unser Fachmann, der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann, prüfte mit Unterstützung von Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Fachstufe Maler und Lackierer der August-Bebel-Schule in Offenbach, wie sich Tapeten und Vliese verarbeiten lassen. Dafür hatte er für jedes Produkt eine rund 13 Quadratmeter große Wandtafel gespachtelt, geschliffen und gestrichen, sodass ein trockener, sauberer und tragfähiger Untergrund gegeben war, wie er häufig in Wohnungen vorkommt. Die Tapeten wurden nach Anleitung auf die mit einem Spezialkleister eingestrichenen Wände aufgebracht, mit einem Andrückroller blasenfrei eingedrückt und anschließend zurechtgeschnitten. Am Schluss prüften die Tester das Ergebnis kritisch auf Kleisterflecken und durchschlagenden Untergrund und begutachteten die Nähte. Auch die Verarbeitungsanleitung wurde bewertet.


Die Bewertung
Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen und die Räume nicht mit Schadstoffen belasten. Deshalb entscheidet das schlechteste Einzelergebnis über das Gesamturteil. Die Tapeten, die aufgrund der Schadstoffbelastung ein "ungenügend" erhalten, können wir trotz guter Praxisprüfung nicht empfehlen. Die schlechten Noten bei den Inhaltsstoffen resultieren vor allem aus den Phthalatweichmachern und den zinnorganischen Verbindungen.

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Bestellnummer: J1310
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