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9 Vlies-Tapeten im Test

Raufaser bleibt unschlagbar

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 11.10.2013

9 Vlies-Tapeten im Test

Die Raufaser hat Konkurrenz bekommen: Vliestapeten, die fast genauso günstig sind, aber leichter zu verarbeiten. Etliche Modelle in unserem Test sind mit PVC aufgeschäumt - das bringt eine hohe Schadstoffbelastung mit sich. Aber es geht auch ohne.

Um zu prüfen, wie es um Vliese und Vliestapeten bestellt ist, kaufte ÖKO-TEST sechs weiße Vliestapeten mit Struktur und drei glatte Vliese ein. Wir wollten wissen, ob sie die Wohnungen mit Schadstoffen belasten und wie sie zu verarbeiten sind.

Das Testergebnis

Die meisten strukturierten Vliestapeten enthalten große Mengen von Phthalat-Weichmachern und weitere Schadstoffe, und schneiden dementsprechend schlecht ab. Nur die Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301 und die StoTap Infinity, Muster TI 1007 schneiden im Schadstofftest "gut" ab. Die glatten Vliese enthalten zwar kein PVC und keine Weichmacher, doch unterm Strich konnte hier nur ein Produkt, das Marburg Patent Vlies 9869, mit dem Testurteil "gut" überzeugen.

Fast alle strukturierten Tapeten sind mit umweltbelastenden chlorierten Kunststoffen aufgeschäumt und enthalten Phthalate, die in Babyartikeln und Kinderspielzeug, die in den Mund genommen werden können, verboten sind. Der Hersteller Erismann verzichtet bei seinem Modell Your Style Vlies Line Premium 8200-1 auf diese höchst problematischen Phthalat-Weichmacher und setzt den Ersatzstoff DiNCH ein. Allerdings kann sich auch dieser Stoff aus dem Kunststoff lösen und die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist noch nicht hinreichend geklärt.

In einem Produkt wies das Labor nach ÖKO-TEST-Maßstäben zu viel giftiges Dibutylzinn nach. Einige Produkte gasten mehr oder weniger große Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus.

Eine pigmentierte Vorbehandlung des Untergrunds ist nötig, wenn ein Überstreichen von Herstellerseite nicht vorgesehen ist. Denn mehrfach schlug der Untergrund durch. Außerdem waren Kleisterflecken zu erkennen, die erst nach dem Trocknen sichtbar werden und dann nur noch schwer zu entfernen sind. Auch saubere Nähte sind bei Vliestapeten schwer herzustellen. Bei einigen Produkten war das auch für unsere Tester eine Herausforderung.

Bei den glatten Vliesen konnte nur das Marburg Patent Vlies 9869 überzeugen, das als einziges der drei Produkte in Standardbreite und -länge konfektioniert ist. Besonders schwierig war der Umgang mit dem StoTap Pro 100 P Malervlies Glasvlies, dessen Rolle mit einem Meter Breite und 50 Metern Länge über zehn Kilogramm schwer und somit nur schwer zu handhaben ist. Bei allen glatten Vliesen schlugen am Ende selbst kleine Unebenheiten stark durch, die auch nach dem Überstreichen noch sichtbar waren. Der Untergrund muss also besonders glatt sein.


Tapeten, Vlies: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Erismann Your Style Vlies Line Premium 8200-1
  • Erismann

Marburg Patent Vlies 9869
  • Marburger Tapetenfabrik

Rasch Profi Vlies 165005
  • Tapetenfabrik Rasch

StoTap Infinity, Muster TI 1007
  • Sto

Vliestapete 1932-16
  • A.S. Création

Renovo Vliestapete 504050
  • Zeus/Hagebau

StoTap Pro 100 P Malervlies Glasvlies
  • Sto

Erfurt Vliesfaser Tapete Basic 4301
  • Erfurt & Sohn

4You Vliestapete 652109
  • Tapetenfabrik Rasch

9 Vlies-Tapeten im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 254
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 255
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 256
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014 Seite 257

4 Seiten
Seite 254 - 257 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom 11.10.2013
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Bau- und Fachmärkten sechs verschiedene weiße Vliestapeten mit einer Putzstruktur und fertiger Oberfläche eingekauft, teilweise können oder sollen sie aber noch überstrichen werden. Um auch Alternativen zu den meist mit PVC aufgeschäumten Produkten aufzeigen zu können, wählten wir auch drei glatte Vliese, die als Untergrund für Anstriche und andere Oberflächenbehandlungen geeignet sind und überwiegend von Profis verwendet werden.

Die Inhaltsstoffe

Man kann schon an den weichen, elastischen Oberflächen fühlen, welche Tapetenstrukturen mit umwelt- und gesundheitsbelastendem PVC aufgeschäumt sind. Das Vlies dient hier als Trägermaterial. Im Falle eines Brands in der Wohnung und in der Müllverbrennung bilden sich giftige Dioxine. Um den problematischen Kunststoff elastisch zu machen, werden Weichmacher eingesetzt, außerdem Stoffe, die für Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit sorgen. Leider handelt es sich dabei oft um problematische Verbindungen. In erster Linie sind hier Phthalate als Weichmacher zu nennen, die in Babyartikeln und Kinderspielzeugen bereits reglementiert sind. Auch die giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn, die als Stabilisatoren eingesetzt werden, können wahrscheinlich auch beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen ausgasen, welche die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.

Die Praxisprüfung

Unser Fachmann, der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann, prüfte mit Unterstützung von Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Fachstufe Maler und Lackierer der August-Bebel-Schule in Offenbach, wie sich Tapeten und Vliese verarbeiten lassen. Dafür hatte er für jedes Produkt eine rund 13 Quadratmeter große Wandtafel gespachtelt, geschliffen und gestrichen, sodass ein trockener, sauberer und tragfähiger Untergrund gegeben war, wie er häufig in Wohnungen vorkommt. Die Tapeten wurden nach Anleitung auf die mit einem Spezialkleister eingestrichenen Wände aufgebracht, mit einem Andrückroller blasenfrei eingedrückt und anschließend zurechtgeschnitten. Am Schluss prüften die Tester das Ergebnis kritisch auf Kleisterflecken und durchschlagenden Untergrund und begutachteten die Nähte. Auch die Verarbeitungsanleitung wurde bewertet.

Die Bewertung

Tapeten sollen sich gut verarbeiten lassen und die Räume nicht mit Schadstoffen belasten. Deshalb entscheidet das schlechteste Einzelergebnis über das Gesamturteil. Die Tapeten, die aufgrund der Schadstoffbelastung ein "ungenügend" erhalten, können wir trotz guter Praxisprüfung nicht empfehlen. Die schlechten Noten bei den Inhaltsstoffen resultieren vor allem aus den Phthalatweichmachern und den zinnorganischen Verbindungen.

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ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014

Erschienen am 11.10.2013

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
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