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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2014
vom

Olivenöle

Ganz schön fett

Bei Olivenölen entsprechen die Angaben zu Herkunft und Güteklasse oft nicht der Wahrheit. In unserem Test erwischten wir zwei Anbieter, die bei der ausgelobten Qualität gemogelt haben - darunter Starkoch Alfons Schuhbeck.

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11.10.2013 | Etikettenschwindel ist ein Stichwort, das häufig im Zusammenhang mit Olivenöl fällt. Der Im- und Export von Olivenöl spielt vor allem in Italien eine große Rolle. Laut der italienischen Tageszeitung La Repubblica wird gerne mal geschummelt: Öl wird billig für 25 Cent pro Kilo beispielsweise in Tunesien eingekauft, umdeklariert oder irreführend ausgezeichnet und für drei bis vier Euro pro Kilo als italienisches Olivenöl wieder verkauft.

Die geografische Herkunft eines Olivenöls analytisch nachzuweisen, war bislang kaum oder nur für kleine regionale Bereiche möglich. Dr. Christian Gertz, international anerkannter Olivenölexperte, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Untersuchung von Olivenölen und deren möglichen Verfälschungen. Er hat in den vergangenen Jahren mehrere tausend Öle aus der ganzen Welt mit verschiedenen analytischen Techniken untersucht. Aufgrund der dabei gesammelten Daten ist es nun möglich, nicht nur Vermischungen mit anderen Pflanzenölen in einem Olivenöl sicher zu erkennen, sondern auch dessen Anbaugebiet bzw. Herkunft mit großer Wahrscheinlichkeit zu bestätigen oder zu widerlegen.

Wir wollten wissen: Stimmt die deklarierte Herkunft gängiger Olivenöle? Beanspruchen sie zurecht die höchste Güteklasse "nativ extra"? Im ÖKO-TEST: 20 als "nativ extra" ausgelobte Olivenöle, davon die Hälfte Bio-Produkte, deren Etikettierung einen Ursprung aus Griechenland, Italien oder Spanien nahelegt. Die Öle mussten sich in der Verkostung und in der chemischen Analyse beweisen.

Das Testergebnis

Abzüge in der Sensorik sorgen dafür, dass nicht einmal die Hälfte aller getesteten Olivenöle ein Gesamturteil "gut" erreicht. Als "ranzig" entpuppte sich ausgerechnet das teuerste Öl im Test. Auch ein Bio-Olivenöl schmeckte schon "leicht stichig". Beide schnitten folglich nur mit "mangelhaft" ab. Pestizide fand das von ÖKO-TEST beauftragte Labor in neun der zehn konventionellen Produkte, bei einem in einer Menge, die wir abwerten.

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So haben wir getestet
Der Einkauf
Immer wieder wird bei der Qualität und der Herkunftsangabe von Olivenölen geschummelt. Wir haben daher 20 Olivenöle (zur Hälfte Bio-Produkte) der höchsten Güteklasse "nativ extra" eingekauft, die von ihrer Aufmachung her erkennen lassen, entweder aus Italien, aus Griechenland oder aus Spanien zu kommen. Die Preise reichten von knapp 2,70 Euro bis fast 17 Euro pro halbem Liter.

Die Sensorik
Geruch und Geschmack bestimmen (neben der chemischen Analyse) die Qualität eines Olivenöls und damit die Einstufung in eine der Güteklassen. Jeweils acht bis zehn ausgebildete Verkoster haben Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe sensorisch beurteilt und die Harmonie des Öls bewertet. Bei suspekten Proben erfolgte eine Gegenkontrolle durch ein Zweitpanel.

Die Inhaltsstoffe
Um festzustellen, ob die angegebene Herkunft der Olivenöle stimmt, haben wir sie mit modernsten Analysenmethoden untersucht: zum einen der Isotopenanalytik, die die Verhältnisse unterschiedlich schwerer Wasserstoff-, Kohlenstoff- und Sauerstoffatome ermittelt, zum anderen der Nahinfrarot-Spektroskopie, die über Molekülschwingungen unter anderem Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Öls erlaubt. Durch Abgleich mit den Daten mehrerer tausend Olivenöle lässt sich die Herkunft mit großer Wahrscheinlichkeit bestätigen oder widerlegen. Weitere chemische Analysen (unter anderem freie Fettsäuren, Abbauprodukte des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll, sogenannte Pyropheophytine) lassen Rückschlüsse auf das Alter der Öle zu. Natürlich durften auch Pestizid- und Weichmacheruntersuchungen nicht fehlen, gibt es hier doch immer wieder Auffälligkeiten.

Die Bewertung
Ein gutes Olivenöl schmeckt nicht nur frisch und aromareich, es zeigt sich auch chemisch kaum gealtert und frei von Schadstoffen. Daher haben wir den Testergebnissen Sensorik und Inhaltsstoffe die gleiche Bedeutung beigemessen und das schlechtere der beiden bestimmt das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Ein Schluck Öl aus genormten blauen Gläsern - ein Verkoster bei der Arbeit.

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Bestellnummer: J1310
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